"Erfolg ist so ziemlich das Letzte, was einem vergeben wird." (Truman Capote)
Es ist der Volkssport der Deutschen: Neiden. Anderen Erfolg zu gönnen erscheint vielen so absurd, so unvorstellbar, als würde man von Ihnen verlangen Rattenexkremente zu verspeisen. Der junge selfmade Millionär, der sich einen Porsche leistet ist in den Augen der meisten entweder von Beruf Sohn oder ein hinterhältiger Abzocker, der armen Omis die Handtasche stiehlt. Und selbst wenn das alles widerlegt werden würde, so bleibt er ein Eunuch, der sein vermeintlich zu klein geratenes Geschlechtsorgan mit einem dicken Auto kompensieren muss.

Der graumelierte Herr mit der hübschen 20jährigen im Arm hat sie ohne Zweifel "gekauft", um durch sie sein Zerbrechen vergessen zu machen und sein runzliges Fleisch wird von ihr nur deshalb ertragen, weil sie auf sein Geld aus ist. Und der Kerl, der 6 Monate nach Dir im Studio anfing, Dich aber längst überholt hat, sowohl in Sachen Kraft, als auch in Sachen Muskelaufbau, der muss entweder ein Genetikwunder sein und/oder Steroide nehmen. Anders ist das einfach nicht zu erklären.
    "Die Anzahl unserer Neider bestätigt unsere Fähigkeiten." (Oscar Wilde)
Wie heißt es so schön: Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Und glaubt man den populistisch getränkten Aussagen mancher Politiker, dann muss sich Leistung endlich wieder lohnen, denn es heißt doch ohne Fleiß kein Preis.

Schon in der Bibel steht geschrieben: "Den Faulen wird es mangeln an Hab und Gut, die Fleißigen aber erlangen Reichtum." (Sprüche 11, 16b). Und wirft man einen nicht durch Neid verblendeten Blick auf die Gesellschaft, so wird man feststellen, dass dies für weite Teile der Menschheit auch zutrifft (Ausnahmen bestätigen die Regel). Doch was erwartet den, der voller Eifer jede Hürde nimmt, um Erfolg zu haben: Anerkennung? Leider viel zu selten, vielmehr schlägt den meisten der pure Neid entgegen. Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen, heißt es im Volksmund so schön und in dieser Aussage steckt viel Wahrheit.
    "Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung." (Wilhelm Busch)
Würde sich der Neid auf materielle Dinge beschränken, es wäre traurig genug. Doch mehr und mehr scheint der Neid als gesellschaftliches Phänomen in alle Bereiche des Lebens einzufallen, so auch in den Sport.

Allein in den letzten Wochen konnte ich haufenweise Beispiele nur hier auf dieser Plattform vorfinden. Da geht ein junger Sportler in die USA um sich dort seinen Traum von einer professionellen Bodybuildingkarriere zu verwirklichen und er wird mit Missgunst und Häme überschüttet. Teils sicherlich nicht zu Unrecht im Bezug auf die erbrachten Leistungen, doch fragt man sich, was die Menschen bewegt so eine diebische Freude daran zu haben, sich im Misserfolg anderer zu suhlen. Meist zeigt man mit dem Finger – laut rufend – auf andere, weil man von sich selbst ablenken möchte, dies nur mal als Anregung zum Nachdenken, zur Selbstreflexion. preview

Ein anderer Athlet hat es geschafft, Arbeit, Studium und mehr als eine Trainingseinheit täglich in seinen Tagesablauf zu integrieren. Anerkennung dafür? Ach was, vielmehr hochmütige Kommentare darüber, wie leicht dies ja sei, wenn man nichts anderes zu tun habe. Nicht einmal Fakten können den Neider stoppen.

Dann die Filmstars, welche für eine Rolle ihren Körper in Form bringen: ohne die Zuhilfenahme von Steroiden nicht möglich, da sind sich die "Experten" einig. Und der arme Kerl, der so dumm ist ein Trainingsvideo von sich einzustellen? Völlig egal wie sauber die Ausführung, wie gut austrainiert der Athlet, es wird immer einen Punkt geben, den man kritisieren kann, man muss nur lange genug suchen.
    "In Deutschland ist die höchste Form der Anerkennung der Neid." (Arthur Schopenhauer)
Besonders traurig erscheint all dies, wirft man mal einen Blick über die Landesgrenzen hinaus. In den meisten anderen Ländern erntet man für besondere Leistungen Lob und Anerkennung, sei es der tolle Body, sei es das schöne Auto. Offene und ehrliche Anerkennung und das – oh Wunder – meist von Menschen, die eben das nicht haben. Und wenn man sich diese Menschen anschaut, dann erscheinen sie einem sehr viel glücklicher, als die dauerverbitterten Pessimisten, die aufgrund ihrer Faulheit, ihrer Lethargie nichts auf die Reihe bekommen und nun Rechtfertigungen dafür suchen, dass andere mehr Erfolg haben als sie, Rechtfertigungen vor anderen, vor allem aber vor sich selbst.

Auch wenn es oft bestritten wird, die ständische Gesellschaft existiert nicht mehr. Jeder ist seines Glückes Schmied, nur liegt der Erfolg nun einmal nicht auf der Straße, oder für die heutige Gesellschaft wohl passender: neben der Fernbedienung auf dem Sofa.
    "Erfolg ist nur halb so schön, wenn es niemanden gibt, der einen beneidet." (Norman Mailer)
Doch was wäre Erfolg ohne die neidischen Blicke und Rufe derer, die einem diesen nicht gönnen? Auch wenn es traurig ist, aber der Erfolgreiche muss lernen Neid und Missgunst als Bestätigung seines Handelns zu betrachten. Wer Erfolg hat, wer sich von der Masse abhebt, der wird immer mit Neidern leben müssen. Doch lebt es sich damit für die meisten recht gut, wohl deutlich besser als für die, die ihre Energie fälschlicherweise statt in ihr eigenes Vorankommen in die Missgunst des Vorankommens anderer stecken.

Man muss kein gläubiger Christ sein, um zu verstehen, warum Faulheit und Neid zwei der sieben Todsünden sind: selten führen sie zu etwas Gutem. Wer es schafft, aus Neid den Antrieb zu ziehen, selbst aktiv zu werden, der hat die elementarste Sache verstanden: Es liegt immer an einem selbst, was man aus sich macht!

Leider sind das nicht sonderlich viele. Und all die, die nun entrüstet aufschreien, sollten bevor sie Ihrem Ärger Luft machen, indem sie mir Hasstiraden schicken, kurz innehalten und sich fragen, ob sie in Wahrheit nicht nur deshalb so erregt sind, weil sie sich ertappt fühlen.