Ein Artikel von Mindandmuscle.net
Von S.L. Gillespie

Es gibt viele Wörter um das zu beschreiben, was manche als notwendiges Übel ansehen, als Beispiel sei hier nur "die Hölle" genannt. Ich rede von der Gewichtsreduktion, noch genauer die Reduktion von unliebsamen Körperfett.

Während Diskussionen über Themen wie "es kommt nicht darauf an, wie viel Du isst, sondern was Du isst" und "weniger Kalorien aufnehmen als Du verbrauchst" zu keinem Ende kommen, wird der am meisten über Erfolg oder Misserfolg entscheidende Aspekt häufig übersehen, nämlich die Einstellung mit der ihr an jeden Diätversuch herangeht.

Ohne es zu wissen haben wir tatsächlich die Fähigkeit, unsere Meinung über etwas und damit automatisch dessen Wirkung auf uns dadurch zu ändern, wie wir es uns selbst darlegen. Ich sage "ohne es zu wissen", weil viele Menschen, obwohl sie der vorherigen Aussage im Bezug auf simple Alltagsbeispiele wie "wenn wir in einer Situation das Gute sehen fühlen wir uns gut, wenn wir über etwas schlecht denken fühlen wir uns auch schlecht" zustimmen, diese Denkweise nirgendwo schneller verwerfen als beim Thema "Diät".

Unser Gehirn ist darauf programmiert Wörter so schnell mit einer Bedeutung und einem Gefühl zu verknüpfen, dass wir es nicht einmal merken. Denk an ein Wort und es wird sich schnell zu einem gewissen Grad mit einer begleitenden Emotion verbinden, abhängig vom Rahmen in dem das Wort benutzt wird wenn Du sprichst oder darüber nachdenkst.

Denk an das Wort "Freude", wie fühlst Du dich während Du über dessen Bedeutung sinnierst? Überlege Dir die Bedeutung des Wortes "Ärger" und beachte die feinen Veränderungen in Deiner Stimmung, die Du durch Wiederholen des Wortes in Dir fühlst. Soviel zu den elementaren Beispielen, sie sollten Dir als Grundlage für meinen nächsten Punkt dienen...nun denke an "Diät" und sag mir wie Du dich fühlst. Niedergeschmettert? Unterlegen? Entkräftet? Nur wenige Leute haben einen positiven Bezug zu diesem Wort und doch haben alle Wörter die Bedeutung, die wir ihnen geben.

Offenbar lernen wir die Bedeutung der Wörter als Kinder, auch durch den Sprachunterricht in der Schule. Während unser Intellekt immer weiter wächst, entwickeln wir außerdem die Fähigkeit, ein Wort mit verschiedenen Bedeutungen in mehreren Zusammenhängen zu verwenden. preview

Aber nochmal zur Einstellung gegenüber Diäten – wenn Du es als etwas unangenehmes und schwer zu bewältigendes siehst, dann stellst Du dich selbst vor die Herausforderung die Diät zu bestehen...denn sie wird unangenehm und schwer zu bewältigen sein. Und mal ehrlich: wie lange halten die meisten von uns durch, wenn sich etwas so anfühlt?
Ein Weg, diese "geistige Hürde" der Diät zu verkleinern, ist es, alles was Du mit dem Wort "Diät" verknüpfst neu zu betrachten. Hier ist ein sehr wichtiger Punkt: unser Verhalten wird von dem Verlangen gesteuert Schmerz zu vermeiden oder das Gefühl der Freude zu erreichen.

Wie wir uns Situationen selbst darlegen, also ob wir mit ihnen Freude oder Schmerz verbinden, bestimmt letztlich die Kraft hinter unseren Handlungen
Wenn Du Dir vorstellen kannst wie Du aussehen wirst, wie Du dich fühlen wirst und wie glücklich Du mit einem bestimmten Gewicht sein wirst, dann ist eine Diät das Mittel um dich dorthin zu bringen. Es ist für dich der Weg Deine Ziele zu erreichen, es ist die Methode um das zu bekommen, was Du willst.

Wenn Du Deine Aufmerksamkeit allerdings auf all die negativen Aspekte einer Kalorieneinschränkung richtest, dann wird das schwerer wiegen als Dein Wunsch nach einem definierten und fitten Körper. Auf der anderen Seite steht die Überlegung, was wohl passieren würde, wenn Du extrem übergewichtig wärst und der Gedanke, nicht mit Deinen Kindern spielen zu können oder verfrüht an Deiner Fettleibigkeit zu sterben, Dir so viel Schmerz zufügt, dass Du die Diät fortan als Weg siehst Dein Leben zu retten. Aber warum zögern Menschen dann, sobald es um eine Diät geht und entscheiden sich "erst morgen anzufangen"? Weil sie ab einem gewissen Grad glauben, dass die Diät (Ausführung) schmerzhafter und anstrengender als das Übergewicht (Zögern) ist. Wie siehst Du das?

Wenn Du einmal die Fähigkeit entwickelst hast Deine aktuelle Ernährung erfolgreich umzugestalten, wird der nächste Schritt zur mentalen Stärke während der Diät beitragen. Ich rede von positiven Selbstgesprächen (und damit meine ich nicht die "Ich bin ein gutes Mädchen und verdiene einen Keks" - Mentalität!).

Für alle, die meine grundlegenden Artikel über das Bewusstsein und das Unterbewusstsein nicht gelesen haben, brauche ich hier eine kleine Übersicht, um das Thema ausweiten zu können.

Das Bewusstsein:

    identifiziert eingehende Informationen
  • analysiert die Situation

  • entscheidet, was zu tun ist

  • setzt Ziele und Urteile

  • probiert gerne neue Sachen aus

  • denkt abstrakt

  • beinhaltet das Kurzzeitgedächtnis

  • ist zeitgebunden

  • programmiert das Unterbewusstsein


Es kann nur einen Gedanken auf einmal fassen. Im Wesentlichen ist es der logisch/vernünftige und Entscheidungen treffende Teil eures Gehirns.

Das Unterbewusstsein

spielt eine viel größere Rolle bei eurem Erfolg und eurer Zukunft und erfüllt daher eine viel größere Funktion:
  • kontrolliert automatisierte Körperfunktionen (Herzschlag, Verdauung, Wachstum,..)

  • kontrolliert die Emotionen eures Körpers

  • regelt Reaktionen des Körpers bei Flucht- oder Kampfverhalten

  • kontrolliert die beiden Arten von erlerntem und automatisiertem Verhalten:
    • körperliche Handlungen (laufen oder Fahrrad fahren)
    • geistige Handlungen (Standpunkte zu bestimmten Themen)

  • beheimatet das Gedächtnis für alle Wahrnehmungen unserer fünf Sinne (behält sowohl reale als auch eingebildete Erfahrungen im Leben)

  • ist programmierbar und vom Bewusstsein programmiert

  • hat keine Möglichkeit Information zu bearbeiten (es kann nicht zwischen realen oder vorgestellten Gedanken oder zwischen wahr und falsch unterscheiden)

  • kann nicht feststellen, ob Gedanken hilfreich oder nachteilig sind und akzeptiert sie alle als wahr

  • hat die Fähigkeit zur kreativen Lösung eines Problems

  • nimmt eingehende Informationen sofort auf und vergleicht sie mit bereits gespeicherten Erfahrungen


Um die Bedeutung des Unterbewusstseins wirklich zu begreifen, solltest Du Dir folgendes vor Augen führen:

Während das Bewusstsein beim Verarbeiten von Informationen auf 2000 Bits pro Sekunde limitiert ist (und etwa 1-3 Ereignisse zur gleichen Zeit wahrnehmen kann), nimmt das Unterbewusstsein tausende Ereignisse auf einmal wahr und verarbeitet dabei bis zu 4 Billionen (!) Bits pro Sekunde. Es hat jedes Wort aufgenommen, das Du jemals gehört hast (ob bewusst oder unbewusst) und jedes Ereignis verarbeitet, an dem Du jemals beteiligt warst, ganz gleich ob Du aktiv dabei warst, es nur im Fernsehen gesehen hast oder einfach daran vorbeigelaufen bist....es speichert alles!

Der einfachste Weg sich beide im Gedächtnis zu behalten? Das Bewusstsein bestimmt und das Unterbewusstsein gehorcht.

Das alles spielt aus mehreren Gründen eine große Rolle in einer Diät, der folgenschwerste Punkt ist aber wohl die Folge und die Wirkung unserer "Selbstgespräche". Wenn Eure Gedanken um nichts anderes kreisen als "Ich bin fett", "Ich werde nie abnehmen" und "Ich hab keine Hoffnung mehr, jemals x% KFA zu erreichen", dann fürchtet Euch, denn Eure Fettzellen hören mit. Wie jede andere Verhaltensweise oder Gewohnheit sind auch Eure Diätbemühungen und die dabei an den Tag gelegten Gewohnheiten und Verhaltensweisen der Beeinflussung Eures Bewusstseins ausgesetzt. Der Glaube "meine Familie ist fett, also ist es mein genetisches Erbe fett zu sein" wird genau dazu führen.

Wie bereits erwähnt, kann das Bewusstsein nur einen Gedanken auf einmal fassen, also ist es umso wichtiger den Fokus darauf zu legen, was Du willst und nicht auf das, was Du nicht willst. Auf diese Weise werden Dich die wiederum im Unterbewusstsein gespeicherten Eindrücke bei Deinen Diätbemühungen unterstützen. Selbsthilfe-Gurus haben ganze Bände über den Einfluss der positiven Selbsteinwirkung gefüllt.

Mein Ziel ist es nicht, Euch etwas zu lehren, das Ihr schon wisst. Ich glaube aber, dass es wichtig ist, wie dieses Programmieren des Unterbewusstseins funktioniert. Die gezielten Bemühungen, negatives Denken in Hinsicht auf ein bestimmtes Thema (in unserem Fall die Gewichtsreduktion) zu überwinden, sind definitiv die Zeit wert, die sie benötigen. Da das Bewusstsein in erster Linie in Bildern denkt (und erst in zweiter Linie in Emotionen), will ich Euch ermutigen, über Euer Selbstbild (im Besonderen darüber, wie Ihr Euch selbst wahrnehmt) nachzudenken und hierauf Euren Fokus bei den positiven Selbstgesprächen zu legen. Mal ehrlich, wie habt Ihr vor jemals den Körper, den Ihr immer wolltet zu erreichen, wenn ihr die ganze Zeit "Ich fühl' mich so fett" sagt?

Am abträglichsten sind die kleinen Selbstgespräche, die wir jeden Tag unmerklich mit uns führen... "Gott, mein KFA muss bei 40% liegen, nach all dem Junkfood gestern"; "Ich muss Essen nur anschauen und nehme zu"; "Ich weiß nur, dass es in meinem Alter fast unmöglich ist, abzunehmen" - das führt zu mehr, als nur Essen in Euren Mund zu stopfen, es bekräftigt auch Euer Unterbewusstsein in der Art, wie es sich auf Euren Körper auswirkt.

Eure innere Überzeugung zu diesem Thema wird schnell ersichtlich, wenn man sich Eure Antworten zu Komplimenten ansieht. Wenn jemand "Du siehst aber klasse aus" sagt, antwortet ihr dann sofort "Nee, ich dachte eigentlich, dass ich eher zugenommen habe"? Dann ist dies eine Überzeugung Eures Unterbewusstseins und demonstriert deutlich, wie Ihr Euch selbst seht. Um diese Ansichten zu ergründen, müsst Ihr ein bisschen Detektiv in Euch selbst spielen. Es ist von unabdingbarer Bedeutung, dass Ihr Euch über Euer Selbstbild und den Effekt Eurer Selbstgespräche bewusst werdet, nur so könnt ihr Eure Einstellung dazu ändern. Ich habe oft das Gefühl, dass die meisten Menschen ihre körperlichen Ziele auf Grund ihrer niedergeschlagenen und Fortschritt verneinenden Gedanken nicht erreichen. Aber ich rede um den heißen Brei herum:

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir uns selbst als dünnen, gesunden, definierten, muskulösen oder einfach den Menschen betrachten, der wir sein wollen....werden wir nie so sein!

Die genannten Vorgänge steuern nicht nur unser Verhalten, aus ihnen wird auch ersichtlich, dass eine Diät weit mehr ist als einfach weniger zu essen. Um erfolgreich abzunehmen, egal ob für einen Wettkampf oder einfach um sich in Sport und Leben hervorzutun, müssen wir der psychische Komponente hinter der Diät weit mehr Beachtung schenken.