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Wenn ich auf die Nutella verzichte, nehme ich dann ab? Wenn ich einen Satz mehr Bizepscurls mache, wachsen meine Arme dann schneller? Wenn ich einmal die Woche zusätzlich laufen gehe, verliere ich dann schneller Gewicht? Wenn ich die Kohlenhydrate in meiner Ernährung runter fahre, bin ich dann kraftloser im Training? Wenn ich eine Stunde mehr am Tag schlafe, erziele ich dann schneller Erfolge?

Die Reihe an Beispielen könnte ohne Frage bis ins Unendliche hinaus erweitert werden, was auch tatsächlich tagtäglich im virtuellen wie auch im real life durch unzählige Wissbegierige mit neuen oder alten Fragen geschieht.

Ich selbst werde im persönlichen Umfeld des Öfteren nach Ratschlägen gefragt. Oftmals geschieht dies dann von Trainierenden, die noch als klare Anfänger oder mäßig Fortgeschrittene bezeichnet werden könnten und oftmals leider nicht all zu tief in der entsprechenden Materie (sei es Ernährung oder Trainingsmethodik) stecken.

Dabei sind die Fragen in zwei Kategorien einzuordnen. Zum Einen sind die Motivierten, die am liebsten Alles auf einmal haben würden. Kraftzuwächse, Definieren und gleichzeitig das Körpergewicht steigern. Darauf habe ich mir inzwischen als Antwort ein Zitat von Christian Thibaudeau angewöhnt, dass ich dann sinngemäß wiedergebe: "Ich werde widerwillig zugeben, dass es möglich ist für einen kurzen Zeitraum etwas Muskelmasse aufzubauen, während man gleichzeitig Fett verliert, falls man alles absolut richtig macht. Ich kann mir vorstellen, dass es auch möglich ist, zu masturbieren, während man Fahrrad fährt. In beiden Fällen wird man jedoch, wenn man beides auf einmal macht, nichts von allem wirklich effektiv ausführen." - In aller Regel ist dem Gegenüber nach einem kurzem Schmunzler klar, worauf ich hinaus will und man kann Ratschläge geben, worauf die Konzentration möglicherweise erst einmal liegen sollte.

Die zweite Kategorie ist dabei deutlich komplizierter: Wenn ich X mache, geschieht dann Y? - Ja? Nein? Vielleicht? Verdammt, ich weiß es nicht!

Der Grund, dass ich mich damit schwer tue, Fragen zu beantworten – auch oftmals im Forum – liegt ganz einfach daran, dass es zu wenig Informationen um die Frage herum gibt. Verdeutlichen wir das Ganze mit der (nicht ganz ernstzunehmenden) Frage: Wenn ich draußen vor die Tür gehe, werde ich dann erschossen?

Nun, wenn man der Führer eines regionalen Ku-Klux-Klans ist und nachts White Power gröhlend durch die Straßen von Harlem zieht, sollte man sich über mögliche Konsequenzen nicht wundern. Wenn man jedoch Tinky-Winky heißt und im Teletubbie-Land wohnt, wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit auch morgen noch ohne Sorgen erneut vor die Tür gehen können.- Prinzip klar? preview

Und genauso verhält es sich mit den Eingangs aufgezählten Fragen, die der Leser beliebig durch weitere ersetzen könnte. Eine einzelne Veränderung kann je nach ihrer Art, aber auch je nach Zusammensetzung der restlichen Umstände unglaubliche Veränderungen hervorrufen oder völlig fruchtlos bleiben.

Man sollte sich das Ganze wie ein Puzzle vorstellen mit unterschiedlich großen Teilen, das in seiner Gesamtheit ein Bild entstehen lässt. Dieses Bild stellt unsere sportlichen Leistungen aber auch das physische Erscheinungsbild dar.

Vor wenigen Tagen kam jemand auf mich zu und sagte mir, er hätte seine Ernährung (seiner Meinung nach) einigermaßen unter Kontrolle. Er würde von mir jetzt gerne nur noch wissen, was er als letzte Mahlzeit am Tag essen sollte. Was sollte ich ihm antworten? Er gab mir weder die Information, wie sein Puzzle zur Zeit aussah (War er zufrieden? Wollte er zulegen? Definieren? Wann trainierte er zuletzt am Tag? Wie war seine Ernährungsweise allgemein?), noch erfuhr ich von ihm, welches Bild er erreichen wollte. Klar hätte ich ihm ein Puzzleteil als Antwort in die Hand drücken können, jedoch hätte ich keine Ahnung gehabt, ob es optisch passen würde und ob die anliegenden Teile passend wären.

Und genau dessen müssen sich die Leute bewusst werden. Man muss sich angewöhnen den Blick fürs Große zu bekommen. Sich nicht nur auf einen Teil des Puzzles verbeißen, manchmal wie der Maler vor seinem Bild einen Schritt zurück treten, um alles zu sehen und geduldig dabei sein, wenn es einem darum geht mittel- und langfristig das komplette Puzzle zu verändern.