Im Rahmen dieser Artikelserie werde ich die Schilddrüse und die Hormone, die sie produziert (oder nicht mehr produziert), beschreiben. Auch wenn die Schilddrüse meistens mit dem Fettabbau in Verbindung gebracht wird, hat sie auch einen Einfluss auf den Auf- oder Abbau von Muskeln. Sie besitzt also eine ganze Reihe von Funktionen, auf die ich nach einer einfachen Einführung in die Physiologie der Schilddrüse näher eingehen werde. Ich werde außerdem erklären, warum die Schilddrüse ihre Aktivität während einer Diät reduziert und wie man die Schilddrüse auf natürliche Art und Weise wieder in Gang bringt. preview

Wie funktioniert die Schilddrüse?

Die Schilddrüse befindet sich im oberen Bereich des Halses. Sie produziert mehrere Hormone, die einen entscheidenden Einfluss auf das Erscheinungsbild eines Bodybuilders haben. An dieser Stelle soll jedoch nicht unnötig wild mit wissenschaftlichen Fachausdrücken herumgeworfen werden und ich konzentriere mich stattdessen auf das, was für den Bodybuilder im Bezug auf Schlankheit und Muskeln interessant ist. Es ist jedoch wichtig zu verstehen zu verstehen, wie die Schilddrüse funktioniert und ihre Mechanismen zu kennen.

Die Schilddrüse produziert eine Substanz namens T4 (Thyroxin oder tetra-Jodothyronine)

Dieses T4 wird auch als Prohormon bezeichnet, da es der Wissenschaft bisher noch nicht gelungen ist, eine direkte Aktion dieses Schilddrüsenhormons nachzuweisen. Seine Wirkung ist indirekter Natur, da ein Teil in T3 (Trijodthyronin) ungewandelt wird, welches für die Aktionen der Schilddrüse verantwortlich ist. Nicht alles T4 wird in T3 umgewandelt. T4 stellt also eine Art Reserve an Schilddrüsenhormonen im Blut dar. T4 besitzt im Körper außerdem eine längere Halbwertszeit als T3, welches schneller abgebaut wird.

Ein Teil des T3 (20 %) kommt direkt von der Schilddrüse, der Rest stammt aus der Umwandlung von T4. Körpergewebe wie die Leber, die Nieren, das Herz, die Muskeln oder das zentrale Nervensystem sind Orte, an denen diese Transformation stattfindet.

Die Wirkung von TSH

TSH (Thyroid stimulierendes Hormon) ist ein Hormon, das die Schilddrüse dazu anregt T3 und T4 zu produzieren. Wenn die Spiegel dieser beiden Hormone erhöht sind, dann senken sie den TSH Spiegel. Wenn hingegen die T3 und T4 Spiegel niedrig sind, dann steigt der TSH Spiegel. Im Rahmen einer Blutuntersuchung wird eine Schilddrüsenunterfunktion in der Theorie durch niedrige T3 und T4 Spiegel und einem hohen TSH Spiegel charakterisiert, wogegen sich eine Schilddrüsenüberfunktion in einem erhöhten T3 und einem niedrigen TSH Spiegel widerspiegelt.

In der Realität sind jedoch bei vielen Fällen einer Schilddrüsenunterfunktion sowohl der T3 als auch der TSH Spiegel niedrig. Dies bezeichnet man auch als träge Schilddrüse, da der Körper nicht auf den Mangel an Schilddrüsenhormonen reagiert. Frauen leiden häufig unter einer solchen Störung der Schilddrüsenfunktion.

Man sagt, dass das TSH die Größe der Schilddrüse bestimmt. Personen, die Medikamente einnehmen, die Schilddrüsenextrakte enthalten, reduzieren hierdurch ihren TSH Spiegel, was eine Atrophie zur Folge haben kann, die in manchen Fällen auch noch lange nach dem Absetzen der Medikamentation fortbestehen kann. Doch warum ist diese Drüse für den Bodybuilder so wichtig?

Worin bestehen die Wirkungen der Schilddrüsenhormone?

Zuerst einmal sind sie der bestimmende Faktor für die Stoffwechselrate im Ruhezustand. Je stärker der T3 Spiegel erhöht ist, desto mehr Kalorien verbrennt der Körper und desto mehr Energie wird in Form von Wärme freigesetzt. Je höher die Spiegel dieses Hormons sind, desto höher wird auch die Körpertemperatur sein. Aus diesem Grund ist die am Morgen gemessene Körpertemperatur ein guter Indikator für die Aktivität - oder Inaktivität der Schilddrüse. Vielen Frauen ist auch bei warmem Wetter ständig kalt. Dies liegt oft daran, dass sie unter einer Schilddrüsenunterfunktion leiden.

Die Schilddrüsenhormone wirken gleichzeitig anabol und katabol. Ein niedriger T3 Spiegel wirkt primär anabol und nur sehr geringfügig katabol. Je höher dieser Spiegel steigt, desto mehr werden die katabolen Vorgänge dominieren, während die anabole Aktivität schnell ihr Maximum erreicht.

Die Schilddrüsenhormone besitzen jedoch auch indirekte Wirkungen. Ein Beispiel: Nur die Wirkung von entweder Epinephrin oder Norepinephrin auf die Beta-Rezeptoren im Fettgewebe besitzt lipolytische (fettabbauende) Eigenschaften. Wenn man diese Beta Rezeptoren blockiert, dann wird der erhöhte Kalorienverbrauch infolge eines hohen T3 Spiegels primär durch Muskeleiweiß (Aminosäuren) und nicht durch Fett gedeckt. Auf der anderen Seite helfen Schilddrüsenhormone bei der Reduzierung des Körperfetts (und dem Aufbau von Muskelmasse), indem sie die Anzahl der Beta-Rezeptoren im Fett- und Muskelgewebe erhöhen.

Weiterhin sind die Schilddrüsenhormone für die Produktion von IGF-1 durch die Leber notwendig. Ein großer Teil dieser Wirkung beruht auf einer Erhöhung der Anzahl der Wachstumshormonrezeptoren der Leber. All dies funktioniert gut, so lange die Schilddrüse normal funktioniert. Unglücklicherweise ist dies nicht immer der Fall - insbesondere während einer kalorienarmen Diät. Man muss deshalb folgende Frage stellen:

Was sind die Auswirkungen einer Diät auf die Schilddrüse?

Es ist kein Geheimnis: Je strenger und länger eine Diät ist, desto mehr passt sich der Körper an das Kaloriendefizit an und desto weiter reduziert er den Energieverbrauch. Der Stoffwechsel verlangsamt sich und die Körpertemperatur sinkt. Diese Effekte beruhen primär auf einer Reduzierung der Schilddrüsenhormonspiegel im Blut. Diese Reduzierung der Schilddrüsenhormonspiegel wird nicht nur durch direkt durch eine Atrophie der Schilddrüse, sondern auch durch eine Reduzierung der Umwandlung von T4 in T3 erreicht.

Wie wird die Reduzierung der Aktivität der Schilddrüse erreicht?
  • Viele Hormone haben einen fördernden Einfluss auf das TSH. Die bekanntesten hiervon sind Insulin und IGF-1. Wenn man weniger isst, dann sinken die Plasmaspiegel dieser beiden Hormone. Die Folge hiervon ist, dass das TSH nicht mehr dazu in der Lage ist, die Schilddrüse richtig zu stimulieren(1).
  • Der TSH Spiegel sinkt unter dem Einfluss vieler Hormone. Kortisol, dessen Spiegel während einer kalorienreduzierten Diät erhöht ist, spielt über eine Senkung des TSH Spiegels eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Schilddrüsenfunktion.
  • Andere Faktoren hemmen während einer Diät die Umwandlung von T4 (inaktives Schilddrüsenhormon) in das aktive Hormon T3. Dies ist z.B. bei erhöhten Glukagonspiegeln der Fall. Das T4 wird dann abgebaut ohne in T3 transformiert zu werden, oder wird in die inaktive Variante von T3, welche auch als reverses T3 (rT3) bezeichnet wird, umgewandelt. Ein Proteinmangel verstärkt dieses Phänomen.
  • Einige aus dem Abbau von T3 resultierende Stoffwechselprodukte reduzieren die Konvertierungsrate von T4 in T3.
  • Der Spiegel des freien T3 sinkt, wenn dieses Hormon von bindenden Proteinen gebunden wird. Auch wenn hierdurch der Abbau des T3 verlangsamt wird, ist gebundenes T3 inaktiv.
  • Ein etwas verwirrendes Phänomen sollte an dieser Stelle erwähnt werden. Normalerweise hebt das menschliche Wachstumshormon (GH) den Spiegel des freien T3. Dies ist einer der Gründe dafür, dass Wachstumshormone die Stoffwechselrate erhöhen und die Fettverbrennung anregen. Man sollte aus diesem Grund eigentlich davon ausgehen können, dass die T3 Spiegel während einer kalorienreduzierten Diät erhöht sein sollten, da die Wachstumshormonkonzentration infolge der Kalorienrestriktion steigt. In der Realität geschieht jedoch genau das Gegenteil. Der Spiegel des freien T3 sinkt trotz einer Erhöhung des Wachstumshormonspiegels. Aus diesem Grund muss man bei der Wirkung von Wachstumshormonen zwischen einer normalen Ernährung und einer Diät unterscheiden:
    • In Fall einer normalen oder erhöhten Kalorienzufuhr wirken Wachstumshormone anabol und erhöhen die Stoffwechselrate.
    • Während einer kalorienreduzierten Diät wirken Wachstumshormone katabol (sowohl auf Muskeln als auch auf Fettgewebe) und können der Reduzierung des T3 Spiegels nicht entgegenwirken.
    Diese Effekte mögen Paradox erscheinen, doch sie können durch die Beteiligung oder Nichtbeteiligung von IGF-1 erklärt werden.
Zusammengefasst lässt sich folgendes sagen: Die Makronährstoffe spielen bei der Anregung oder der Verlangsamung der Schilddrüsenfunktion eine wichtige Rolle(2). Kohlenhydrate sind hierbei die Schlüsselnährstoffe. Sie haben einen direkten Einfluss auf das Insulin und einen indirekten Einfluss auf IGF-1, während sie gleichzeitig die Ausschüttung von Glukagon hemmen. Je mehr man die Kohlenhydrate während einer Diät reduziert und je länger eine Diät andauert, desto mehr wird die Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen sinken. Die ist das große Problem bei Diäten ohne Kohlenhydrate. Diese werden den Grundumsatz drastisch reduzieren, weshalb der periodische Wechsel zu einer normalen Ernährung (d.h. weder kalorien- noch kohlenhydratarm) dabei helfen kann, die Schilddrüse wieder in Gang zu bringen.

Folgen der Reduzierung der Aktivität der Schilddrüse

Eine Reduzierung der Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen wirkt sich während einer Diät nachteilig aus. Eine solche Reduzierung bedeutet nicht nur eine Reduzierung des Kalorienverbrauchs, sondern auch eine Reduzierung der Lipolyse aufgrund der beiden folgenden Phänomene: weniger Beta-Rezeptoren im Bereich der Fettzellen und mehr potente, die Lipolyse reduzierende Faktoren. Zu diese Faktoren gehören Adenosin, Phosphodiesterasen usw. Wie man sieht wirkt sich all dies sehr schädlich auf die Fettreduzierung aus.

Die Lösung scheint einfach zu sein: Man muss die Aktivität der Schilddrüse steigern. Unglücklicherweise haben die Schilddrüsenhormone einen großen Einfluss auf die Muskeln. Wie bereits erwähnt wurde, können Schilddrüsenhormone katabol auf die Muskulatur wirken. Wenn Insulin in ausreichend großen Mengen vorhanden ist, kann es den durch Schilddrüsenhormone induzierten Katabolismus verhindern. Aus diesem Grund wirken Schilddrüsenhormone bei normaler Ernährung im Grunde genommen anabol. Auf der anderen Seite ist es während eines Kaloriendefizits, wenn der Insulinspiegel niedrig ist, unmöglich die Muskeln zu schützen. Schlussfolgerung: Wenn die Schilddrüsenhormonspiegel während einer Diät erhöht wären, dann würde sich dieses Szenario katabol auf die Muskulatur auswirken. Dies ist einer der Gründe dafür, dass die Schilddrüsenhormonspiegel während einer Diät sinken: die Erhaltung der Muskelmasse. Folglich verlieren Menschen, die während einer Diät Schilddrüsenhormone einnehmen, schnell Muskelmasse. Man muss weiterhin berücksichtigen, dass der Abbau von Schilddrüsenhormon durch Kortisol gefördert wird, welches während einer Diät vermehrt ausgeschüttet wird(3). Der Muskelkatabolismus durch Schilddrüsenhormone erfolgt sowohl direkt als auch indirekt: Die Schilddrüsenhormone rauben der Muskulatur Aminosäuren und erhöhen und beschleunigen gleichzeitig den Katabolismus von Aminosäuren in der Leber.

Zusammenfassend ist es wichtig während einer Diät die normale Aktivität der Schilddrüsenhormone aufrecht zu erhalten, ohne jedoch ihre Spiegel exzessiv mit Hilfe von Schilddrüsenextrakten zu erhöhen. Im nächsten Teil dieser Artikelserie werde ich beschreiben, wie man eine Abnahme der Schilddrüsenaktivität mit einem einfachen Test erkennen kann. Dies ermöglicht eine Optimierung der Diät bei gleichzeitiger Verhinderung einer Reduzierung der Stoffwechselrate. Außerdem werde ich auf Triac, ein berühmtes Stoffwechselprodukt von T3, eingehen.

Referenzen

  1. Burrow GN. 1990. Interaction of TSH, insulin and IGF in regulating thyroid growth and function. Growth Factors. 2:99. Medline.
  2. Van Gaal LF. 1989. Reverse T3 changes during protein supplemented diets: Relation to nutrient combustion rates. J Endo Invest. 12:799. Medline.
  3. Young VR. 1986. Synergism of triiodothyronine and corticosterone on muscle protein breakdown. Biochim Biophys Act. 883:106. Medline.