(Alfred Hitchcock)
Nur was macht man, wenn das Hirn schon wie Kaugummi ist? Im Grunde ist es der gesamte Alltag, alles ist wie Kaugummi, es zieht sich und wirkt dadurch schwerfällig. Wer es noch nicht mitbekommen hat, die Endphase meiner Vorbereitung bricht an. Am Samstag ist es soweit, der Probelauf steht vor der Tür. Nachdem ursprünglich der Donau Cup angepeilt war, wurde dies kurzfristig aufgrund mehrerer Faktoren auf den Rhein-Necker Pokal verschoben, also noch eine Woche mehr Zeit, in eine angemessene Form zu kommen. Doch fangen wir vorne an…
Als ich den letzten Bericht von meiner Vorbereitung schrieb, dachte ich, dass die Diät zu diesem Zeitpunkt schon gemein wäre. Weit gefehlt, das war der pure Luxus. Haferflocken am Morgen, Reis am Mittag, leckere Shakes, ein Leben im Überfluss. Nach und nach wurden dann all diese kleinen Freuden des Alltags aus der Tagesplanung gestrichen. Kein Porridge mehr am Morgen, immer weniger Reis und die Shakes wurden größtenteils auf eine Egg- & Whey Isolatmischung im Verhältnis 2:1 umgestellt, was dem Geschmack des Egg Proteins deutlich zu Gute kam. Es wurde also immer weniger, an sich keine Überraschung. Dazu fuhr ich das Cardiotraining hoch. Aus 3-4x pro Woche 20 Minuten wurden auf einmal 3 x 20 Minuten pro Tag. Hier muss ich sagen, dass man sich wirklich an das Cardio gewöhnt, vor allem wenn man die Einheiten auf mehrere kürzere aufteilt und immer wieder neue Geräte nutzt.
Bei mir kam alles zum Einsatz: morgens in der Regel das Laufband, mittags wurde im Studio die Vielfalt genutzt (Ruderergometer, Crosstrainer, Stepper) und abends nochmal aufs Bike. Gegen Ende haben meine Freundin und ich auch wieder etwas lockeres Joggen eingebaut, was durchaus eine willkommene Abwechslung war. Das Krafttraining blieb zunächst unverändert, wobei ich irgendwann die Supersätze raus nahm, da ich deutlich merkte, dass mich das an dem Punkt nicht mehr weiter bringt. Ich war einfach zu platt um mich im Rahmen von Supersätzen noch auf eine angemessene Technik zu konzentrieren, die es ermöglicht auch wirklich die Zielmuskeln zu treffen. Also wieder zurück zu meinem klassischen Volumentraining mit möglichst schweren Gewichten. Vorerst…
Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Mir ist bis heute nicht klar, wobei es passiert ist, Fakt ist, dass ich es geschafft hatte, die Brustwirbelsäule völlig zu blockieren, dazu ein feiner Hüftschiefstand und ein paar blockierte Lendenwirbel. Es ist schon erschreckend, wenn man morgens in der Dusche merkt, dass man sich die linke Achsel nicht rasieren kann, weil die Seite so komisch verdreht ist, dass man einfach nicht hin kommt. Ich versuchte mich an dem Tag dann an einem Schultertraining, was ich aber schnell abbrach und den direkten Weg zu meinem Osteopathen antrat.
Dort wurde ich erst einmal grundlegend wieder gerade gebogen. Die Behandlung dauert an und wird auch über die Saison hinaus reichen, zumal ich dann erst wirklich an die fundamentalen Probleme gehen kann. Aktuell ist das primäre Ziel eben eine bestmögliche optische Lösung zu erreichen. Vergleiche ich die Bilder von dem Tag und heute, ist das recht gut gelungen. Naja, zumindest hatte das natürlich gravierenden Einfluss auf mein Training. preview
Nix mehr schwere Gewichte, ich wollte da einfach nichts mehr riskieren. Also Volumen hoch, Intensität runter und alles super sauber, ohne jede Art von Schwung und mit voller Muskelkontrolle. Auch wenn einem die schweren Gewichte sicher irgendwo fehlen, für mich war das die einzig richtige Entscheidung, zumal ich merke, wie Bänder und Sehnen mehr und mehr an Elastizität verlieren. Ein Bänder- oder Muskelriss oder eine ernsthafte Wirbelsäulenverletzung wären der Supergau. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass mich das Umsteigen auf leichtere Gewichte Muskelmasse gekostet hat, im Gegenteil. Das Training im Bereich von 10-15 Wiederholungen mit moderaten Gewichten schien meinem Körper noch einmal richtig gut zu tun.
Was ich sehr interessant fand, war die Beziehung zwischen Gewicht und Form. Von 110kg zu 100kg waren die Unterschiede zwar sichtbar, aber nicht signifikant. Von 100kg auf 98kg war es ein riesiger optischer Sprung, gleiches dann von 98kg auf 96kg. Zwischenzeitlich gab es dann nochmal eine kurzfristige Gewichtssteigerung, bei der ich von 96kg wieder auf 98kg hochschnellte. Dies war einerseits sicher den Medikamenten (Ibuprofen und Diclofenac) zu verdanken, die ich einen Tag lang einnehmen musste, aber auch noch eine Woche danach hielt sich das Gewicht dort bei zusehend besserer Form. Richtig heftig wurde es dann in den letzten zwei Wochen, da wurde die Form wirklich täglich besser, auch wenn die Waage recht gleich bleibend knapp 96kg anzeigte. Aktueller Stand heute Morgen sind 94,5kg. Für den Rhein-Neckar Pokal wird es daher wohl auf die Männer IV hinauslaufen, wenn ich nicht nochmal ein paar Liter Wasser abwerfe, für die Hessisch-Rheinlandpfälzische dürfte das mit der Männer III aber dann wunderbar passen.
Seit Montag heißt es also nun Entladen, Aufsalzen, etc. und ich muss sagen, das ist verdammt brutal. Das Trinken hat mich hierbei kaum gestört. 10 Liter Wasser und Tee am Tag, das ist nicht das Thema, aber die fehlenden Kohlenhydrate in Verbindung mit hochvolumigem Kraftausdauertraining, Cardio und Posing - das geht echt an die Substanz. Da helfen auch fast 2kg Fleisch und große Mengen Brokkoli nicht, die – nebenbei angemerkt – fast gar nicht sättigen. Aber auch wenn man körperlich völlig im Eimer ist, jeder Schritt zu viel ist und man vom Kopf her auch nicht mehr sonderlich belastbar ist, es ist ein schönes Gefühl, irgendwie ist es ein schönes Gefühl. Wohl einfach, weil man merkt, wie der Körper reagiert, wie die Form kommt, wie sich die Zweifel, ob das jemals auch nur ansatzweise eine vorzeigbare Form ergibt, sich langsam in Luft auflösen.
Egal wie scheiße es einem dann geht, es ist zugleich einfach so faszinierend, dass man das zumindest zeitweise vergisst. Ansonsten ist es halt ein Wechselspiel aus Lethargie und genervt sein. Die Nerven sind definitiv gespannt wie Drahtseile, absolute Banalitäten bringen einen auf die Palme. Und man möchte am liebsten nicht mehr aus dem Haus, auch weil überall all diese leckeren Versuchungen warten. Was es da nicht alles Feines gibt, worauf man so unglaubliche Lust hätte. Aber gut, bald ist es vorbei und ich bin zu weit gekommen, um jetzt schwach zu werden.
Heute Abend beginnt dann das Laden. Einerseits freue ich mich auf die Kohlenhydrate, andererseits macht mir die Reduktion der Flüssigkeit schon jetzt Angst. Aber auch das werde ich irgendwie überstehen. Ansonsten ist alles da, was benötigt wird. Gestern Abend wurde sich noch einmal vollständig rasiert, was in ein 40minütiges Martyrium in der Badewanne ausartete, doch nun bin ich bereit für den ersten Farbaufstrich heute Abend. Ansonsten werde ich heute noch posen, posen und posen und dazwischen die Beine hoch legen, mich ausruhen und die Spannung genießen.
Ich freue mich auf Samstag. Ich habe keine Erwartungen, außer eine ordentliche Form zu präsentieren und mich einfach an die Abläufe eines Wettkampfes zu gewöhnen, dafür machen wir das Ganze ja.
An dieser Stelle nochmal danke an Pat für die tolle Betreuung, danke an meine Süße, die mich aushält, danke an Murat, der regelmäßig von mir genervt wird, dass meine Bestellungen bitte ganz ganz dringend verschickt werden müssen und danke an all die Leute, die mich in meinem Log unterstützen, mir Mut machen und das Ganze verfolgen!
It’s showtime...