Auswirkung auf klinische Parameter

Langzeitstudien über DMAA liegen noch nicht vor. Mediziner und Behörden haben allerdings bereits Fallberichte veröffentlicht. An dieser Stelle muss deutlich gemacht werden, dass die Fallberichte keine Beweise sondern lediglich Hinweise auf Korrelationen zwischen einer Einnahme und den veränderten klinischen Parametern darstellen. Die koinzedenten Ereignisse dürfen erst als kausal erklärt werden, wenn wissenschaftliche Studien Kausalitäten hergestellt und Kausalitätsrichtungen bestimmt haben.

Aus diesem Grund folgen den Kasuistiken (also die Einzelfälle) die gegenwärtig vorhandenen Tierstudien aus den 50er Jahren. Zu dieser Zeit wurde DMAA noch, aufgrund seiner gefäßverengenden Wirkung, als abschwellendes Mittel der Nasenschleimhaut eingesetzt. Die anschließenden Humanstudien, die teilweise von Pharmafirmen subventioniert wurden, sind aus den Jahre 2011 bis 2013.

Kasuistiken

Zunächst werden allgemeine und anschließend spezifische Fallberichte dargestellt. Bis zum 11. April 2013 hatte die FDA 86 Berichte von Verbrauchern und Praktikern aus den Gesundheitswesen über Nebenwirkungen bis zu Todesfällen in Zusammenhang mit der Substanz DMAA erhalten. Dazu zählten kardiale, nervale und psychiatrische Erkrankungen (FDA, 2013). Es waren weder genaue Angaben zur Art, zum Verlauf und zur Stärke der Krankheit, noch zur Zufuhrmenge, Vorerkrankung oder zusätzlich eingenommen Substanzen veröffentlicht worden. Weiterhin lag keine Überprüfung der Meldungen vor.

Forrester untersuchte 2012 die Berichte der Bevölkerung der USA an die Giftnotrufzentrale Texas. Es wurden insgesamt 56 Berichte im Zusammenhang mit DMAA ausfindig gemacht. Der Untersuchungszeitraum ist auf die Jahre 2010–2011 begrenzt. Dies ist damit begründet, dass vor 2010 keine Berichte in Verbindung mit DMAA aufgetaucht waren.

Bei 17 Berichten lag ein unbekanntes NEM vor. Bei neun Berichten handelte es sich um Produkte mit mehreren Pflanzenextrakten (ohne Mu Huan oder Citrus aurantium). Es handelte sich in zwei Fällen um Multivitaminprodukte und in zwei weiteren um Energiegetränke.

Das Produkt OEP war in 45 Fällen (80,4 %) mit involviert. Achtmal wurde Jack3d® und zweimal Hemo Rage Black® als Einnahmeprodukt benannt. 14 Fälle fielen auf das Kalenderjahr 2010 und 42 auf das Jahr 2011 zurück. Dabei war die Einnahme von 38 Personen als nicht beabsichtigt gemeldet.

Das entspricht 67,9 % der Berichte. Dies kann z.B. durch das Verschlucken von NEM durch ein Kinder geschehen. Bei 31 Meldungen handelte es sich um Kindern unter fünf Jahren. Bei 26 Mitteilungen waren die Kinder unter zwei Jahre alt. Von den 56 Meldungen waren 51,8 % männlich und 48,2 % weiblich. Bei 45 Berichten konnten keine bis minimale klinische Ergebnisse festgestellt werden. Die am häufigsten festgestellten klinischen Effekte waren Tachykardie (Herzrasen), Übelkeit, Erbrechen, Unruhe und Zittern (Forrester, 2012).

Es sollte beachtet werden, dass die Mitteilung an das Texas Poison Center Network (TPCN) freiwillig erfolgt und daher möglicherweise nicht alle Vorfälle protokolliert wurden. Mit den Beschreibungen dieser Vorfälle können zwar keine klinischen Effekte bewiesen werden, aber sie bilden eine gute Basis für weitere Studien (ebd.). Es konnte festgestellt werden, dass OEP ein DMAA-haltiges Produkt in Texas ist, bei dem die Möglichkeit auf unerwünschte Nebenwirkung besteht.

Im Jahr 2012 wurden in dem military medicine journal zwei Todesfälle von U.S.-Soldaten veröffentlicht, die zuvor ein DMAA-haltiges NEM eingenommen haben. Der erste Fall handelte von einem 22-jährigen US-Soldaten der während eines Ausdauertrainings Wadenkrämpfe bekam und das Bewusstsein verlor. Es konnten Fiber mit 40,8 °C und Niereninsuffizienz festgestellt werden. Die Obduktionsergebnisse waren mit den klinischen Beweisen eines Schocks und Hitzeschlags übereinstimmend. In diesem Fall konnte 0,22 mg/l DMAA und 2,9 mg/l Koffein im Blut nachgewiesen werden.

Bei einem zweiten Fall nahm eine 32-jährige U.S.-Soldatin mindestens ein DMAA-haltiges NEM zum Gewichtsverlust ein. Sie bekam während eines Fitnesstests Atemnot, Wadenkrämpfe und verlor das Bewusstsein. Eine Reanimation war erfolgreich, sie war weiterhin hypotensiv (77/36 mmHg) tachykard (109 S/min) und hyperthermisch (40,6 °C). Weiterhin konnte eine metabolische Azidose, Niereninsuffizienz und Leberversagen festgestellt werden. Die Blutanalyse ergab eine DMAA Konzentration von 0,4 mg/l und eine Koffeinkonzentration von 1,9 mg/l. Die Einnahmezeit und -menge war unbekannt. Fünf Wochen später starb sie durch die Folgen des Zusammenbruchs (Eliason et al., 2012).

Zu beachten ist, dass die meisten nicht traumatischen Todesfälle von U.S.-Soldaten während einer Belastung durch Herz-Kreislauf- oder Hitzeerkrankungen entstanden sind (Scolville et al., 2004). Mehrfach haben die US-Soldaten zuvor leistungssteigernde Substanzen eingenommen (Eckart et al., 2010). Im letzten Jahrzehnt wurde Ephedrin des Öfteren als mögliche Ursache benannt (Oh und Henning, 2003; FDA, 2004). DMAA scheint ist eine Art "Ersatz" für Ephedrin geworden zu sein, die Nebenwirkungen scheinen jedoch leider auch ähnlich zu sein.

Kardiale Erkrankungen

In einem Fallbericht von Salinger et al. (2011) wurde ein 24-jähriger Mann nach der Einnahme von Jack3d® aufgrund von Kopfschmerzen, Herzrasen, Übelkeit, Erbrechen, kaltem Schweiß und Schmerzen in der Brust in eine Notaufnahme eingeliefert. Die Herzfrequenz (Abk.: Hf) lag bei 130 S/min und der systolische Blutdrucks (Abk.: SBD) bei 180 mmHg. Dies entspricht nach internationalen Leitlinien Hypertonie Grad III (Prinz, 2012, S. 39). Außerdem konnten eine stark vergrößerte linke Herzkammer, eine Ejektionsfraktion < 20 % und eine Hypokinese1 der basalen Segmente festgestellt werden (Salinger et al., 2011). Eine Ejektionsfraktion von weniger als 20 % ist als schwere Einschränkung zu beurteilen.

Nach Salinger et al. zeigte dieser Fall Übereinstimmungen mit einer Stress-Kardiomyopathie (Takotsubo-Kardiomyopathie) auf (Salinger et al., 2011).

In einem weiteren Fall entwickelte ein 32-jähriger U.S.-Soldat während eines Ausdauertrainings Druckgefühle in der Brust und wurde kurzatmig. Vor der Belastung nahm er ein DMAA-haltiges NEM ein. Es wurde Vorhofflimmern mit einer Hf von 140 S/min festgestellt. Seine Blutwerte waren normal, nur die Creatin-Kinase (Abk.: CK) war mit einem Wert von 263 U/l erhöht (normal: 55–170 U/l, Armstrong, 2011). Ein erhöhter CK-Wert gilt als Anzeichen für einen Herzinfarkt (Reuter, 2004, S. 1444)

Hypertonie und Hirnblutungen

Hirnblutungen sind aus den Hirngefäßen in das Gehirn oder dessen Ventrikelsystem erfolgende Blutungen. Sie stehen somit als Oberbegriff für intrakranielle, intracerebriale und extracerebriale Blutungen. Sie können durch eine Diapedesis2, Zerreißung von Blutgefäßen, äußere Verletzungen, Arteriosklerose oder ähnliches auftreten (Reiche, 2003).

Bei einem 26-jährigen U.S.-Soldaten wurde nach der Einnahme von Jack3d® ein Thalamussyndrom, verursacht durch ein hämorrhagischen Schlaganfall, festgestellt. (Young, 2013). Weitere klinischen Parameter und Umweltfaktoren wurden nicht veröffentlicht.

Im Jahr 2009 veröffentlichte das Gesundheitsministerium von Neuseeland in Kooperation mit der national drug police (Abk.: ndp) eine Bewertung von DMAA. In dieser wird von vier Fällen berichtet bei denen es sich jeweils um erwachsene Personen welche wahrscheinlich DMAA konsumiert haben. In den Berichten wurden Nebenwirkung wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Unruhe beschrieben. Teilweise hatten die Patienten Bluthochdruck und waren bradykard3.

Ein Patient erlitt einen hämorrhagischen Schlaganfall. Die Berichte wurden meist durch die zuständigen Ärzte belegt (ndp, 2009). Zu Art und Umfang der Nebenwirkungen wurden keine weiteren Informationen veröffentlicht. 2010 wurde erstmals eine wissenschaftliche Kasuistik von Hirnblutungen im Zusammenhang mit DMAA veröffentlicht. Dieser berichtete von einem 21-jährigen Mann der unter Kopfschmerzen, Schläfrigkeit und undeutlicher Aussprache litt. 19 Stunden zuvor hatte er zwei Pillen von 99,9 %-pure DMAA zusammen mit 150 mg Koffein und ein Glas Bier eingenommen. Es konnte eine große Hirnblutung in der linken Basal Ganglia festgestellt werden. Bei einer anschließenden Analyse identischer Pillen vom gleichen Händler wiesen Gee et al. 278 mg DMAA pro Kapsel nach (Gee et al., 2010).

Weitere drei Fälle von Hirnblutungen im Zusammenhang mit DMAA wurden bis 2012 vom gleichen Autor in Neuseeland protokolliert (Gee et al., 2012). Dabei ist anzumerken, dass besonders in Neuseeland DMAA als Ersatz zur bereits verbotenen Partydroge 1-Benzylpiperazine (BZP) eingenommen wurde (ebd.). Die Überschrift des wissenschaftlichen Fallberichts: "Use of Recreational Drug 1, 3 Dimethylethylamine (DMAA) Associated With Cerebral Hemorrhage" (ebd., S. 431) lässt zunächst vermuten, dass es sich nicht um 1, 3-Dimethylamylamin, sondern um 1, 3-Dimethylethylamin handelt.

Der Namen Dimethylethylamin stellt kein weiteres Synonym für DMAA dar. Im weiterem Verlauf des Berichtes wird allerdings 1, 3-Dimethylamylamin verwendet. Darüber hinaus kann chemisch betrachtet keine 1, 3-Dimethylethylamin vorkommen, da eine Ethylkette nur aus zwei C-Atomen besteht. Die Abkürzung DMAA für 1, 3-Dimethylethylamin wäre auch nicht nachvollziehbar, erklärender wäre die Abkürzung DMEA.

Zusätzlich zeigt eine Abbildung in der Veröffentlichung eine falsche Strukturformel von DMAA. Bei dieser befindet sich ein Methylrest zu viel am Stickstoffatom. Die darunter stehende Summenformel entspricht zwar der von DMAA, jedoch ist sie nicht mit der Strukturformel einheitlich (vgl. Abb. 1). Auch hier kann es sich nur um einen, noch nicht korrigierten, Fehler handeln. Die Nummerierung der C-Atome in Abb. 1 erfolgt nicht nach der IUPAC-Nomenklatur, sondern soll den Namen 1, 3-Dimethylamylamin mit seinen Methylresten an C1 und C3 verdeutlichen. Das C8-Atom ist zu viel. An dieser Stelle sollte ein weiteres H-Atom stehen.

Dimethylamylamin (DMAA) – Ein Dopingmittel auf dem Nahrungsergänzungsmittelmarkt
Fehlerhafte Strukturformel von DMAA (mod. n. Gee et al., 2012).


Trotz der chemischen Ungenauigkeiten sind die Fallberichte sehr detailreich beschrieben und in einer Fachzeitschrift (Annals of emergency medicine) veröffentlicht worden. Aus diesen Gründen werden die drei Fallberichte auch in diesem Artikel kurz betrachtet.

Im ersten Fall erlitt eine 23-jährige Frau nach der Einnahme von zwei Tabletten der Partydroge Pure-X starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und unwillkürlichen Zuckungen der Arme und Beine. Sie war leicht hyperton bei einem Blutdruck von 185/100 mmHg und es konnte eine dünnschichtige Subarachnoidalblutung festgestellt werden. Eine Blutanalyse zeigte eine Plasmakonzentration von 1,09 mg/l DMAA auf. Eine Tablette der gleichen Marke wurde anschließend von Gee et al. auf ihre Inhaltsstoffe analysiert. Dabei konnten 66 mg DMAA und 84 mg Koffein identifiziert werden (Gee et al., 2012).

Bei einem zweiten Fall nahm ein 36-jähriger männlicher Patient, die zum damaligen Zeitpunkt legale Partydroge Cocaine Party Powder (ca. 12,5 mg DMAA) in Verbindung mit Alkohol ein. Es stellten sich starke Kopfschmerzen und Kraftlosigkeit der rechten Hand und seiner Beine ein, anschließend konnte eine intraparenchymal Blutung festgestellt werden. 17 Stunden nach der Einnahme wurde eine DMAA Konzentration im Blut von 0,76 mg/l gemessen. Weiterhin konnte im Urin Ethanol, DMAA, Nikotin und Paracetamol nachgewiesen werden (ebd.).

Der dritte Fall berichtet von einem 41-jährigen Mann, der sich nach der Einnahme eines unbekannten Pulvers ergab und an starken Kopfschmerzen litt. Der Blutdruck lag bei 240/210 mmHg, die Körperkerntemperatur bei 35 °C. Es konnte eine Blutung in den linken Basalganglien diagnostiziert werden. Zwei Stunden nach der Einnahme konnte eine DMAA Konzentration im Blut von 2,31 mg/l gemessen werden, außerdem waren Spuren von Cannabis im Urin (ebd.).

Es ist bereits bekannt, dass der Konsum von Amphetaminen Hirnblutungen und somit einen hämorrhagischen Schlaganfall auslösen kann (vgl. Chaudhuri und Salahudeen, 1999; McEvoy et al.; Buxton und McConachie, 2000; McGee et al., 2004; Klys et al., 2005).
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    Westover et al. stellten fest, dass in der Altersklasse von 18–44 Jahren jeder siebte Schlaganfall durch Drogenkonsum ausgelöst wurde. Amphetamin Konsumenten besitzen, nach dieser Untersuchung, ein fünffach erhöhtes Risiko einen hämorrhagischen Schlaganfall zu erleben.
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Besonders der schnell ansteigende Blutdruck kann zum Platzen der Hirngefäße führen (Westover et al., 2007). Die beschriebenen Kasuistiken erwecken den Eindruck ähnlicher Nebenwirkungen auf das kardiovaskuläre System durch eine DMAA-Einnahme.

Tierstudien

Tierstudien an Hunden und Katzen, aus den Jahren 1946 und 1950, zeigten eine Steigerung des arteriellen Blutdrucks gekoppelt mit einer Tachykardie in Folge einer DMAA-Verabreichung auf. DMAA zeigte bei einer Verabreichung an Hunden die gleichen Effekte, aber in abgeschwächter Form wie Adrenalin- und Ephedrin (Charlier, 1950; Swanson und Chen, 1946 zit. n. BfR, 2012 ).

Eine orale DMAA-Aufnahme führte zu einer langsamen Absorbtion. (Swanson und Chen, 1948 zit. n. Venhuis et al., 2012). Eine genaue Absorptionsrate wurde, in den Studien nicht angegeben. Bei einer Einnahme von 4–15 mg DMAA konnten pharmakologische Wirkungen auf die Bronchien und die Nasenschleimhaut vermerkt werden.

Kardiale Nebenwirkungen sind nach einer Dosis von 50–75 mg DMAA entstanden. Ein Anstieg des arteriellen Blutdrucks wurde nach einer Zufuhr von 100 mg festgestellt (Marsh et al. 1951; Swanson und Chen 1948, zit. n. ebd.).

Die Autoren weisen auf eine lange Halbwertszeit von DMAA hin, was bei einer wiederholten Einnahme innerhalb von 24–36 Stunden zu stärker ausgeprägten Nebenwirkungen führen kann. Aufgrund der langen Halbwertszeit ist es bei einer wiederholten Einnahme auch möglich, dass sich die pharmakologischen Effekte schon bei geringeren Dosierungen manifestieren. Genaue Daten zur Halbwertszeit liegen nicht vor. Dosierungen von 100–200 mg oder mehr haben, nach Meinung der Autoren, schwerwiegende gesundheitliche Folgen (ebd.).

Eine mittlere letale Dosis (Abk.: LD50) liegt bei Mäusen 39,0 mg/kg KG und bei Ratten 72,5 mg/kg KG für die intravenöse Verabreichung (Miya und Edwards, 1953, zit. n. ebd.). Dies entspricht einer LD50 bei einem 65 kg schweren erwachsenen Menschen, nach einer Umrechnung von Akrong et al. (2012), von 206,0 mg. Die Formel zur Umrechnung wurde von Akrong et al. nicht veröffentlicht.

Humanstudien

Da die Hersteller von DMAA-haltigen NEMn die Sicherheit und Wirksamkeit ihrer Produkte, nach vorausgegangenen Mahnungsbriefen der FDA, nachweisen mussten, finanzierte das Pharmaunternehmen USPLaps mehrere Studien.

Zwei Studien wurden parallel von Farney et al. (2012) an der Universität von Memphis durchgeführt. Die Studien wurden von der Firma USPLaps als Jack3dTM Two-Week Safety Study und OxyElite Pro® Two-Week Safety Study bezeichnet. In wissenschaftlichen Suchmaschinen wie PubMed sind die zwei Studien geschlossen unter dem Titel Hemodynamic und Hematologic Profile of Healthy Adults Ingesting Dietary Supplements Containing 1,3-Dimethylamylamine and Caffeine zu finden.

Die Open-Label Studie wurde einarmig durchgeführt. Sieben Männer, 24,9±4,2 Jahre alt, nahmen das Produkt Jack3® und vier Männer sowie zwei Frauen, 22,5±1,8 Jahre alt, das Produkt OEP einmal pro Tag, für einen Zeitraum von zwei Wochen, ein. Die Hf, der SBD und diastolische Blutdruck (Abk.: DBD) wurde gemessen sowie das rate pressure product (Abk.: RPP) berechnet (Hf x SBD). Als hämatologische Variablen wurden die Parameter eines großen Blutbilds, eines Blutfett-Tests und eines umfassenden metabolischen Panel herangezogen. Diese wurden nüchtern, vor der Einnahme der Produkte , am ersten Tag und am 15. Tag gemessen.

Eine langfristige signifikante (P = 0,05) Veränderung in den hämatologischen und hämodynamischen Variablen durch eine 14-tätige Einnahme konnte nicht festgestellt werden. Allein die nüchtern Blutglucose war bei dem Produkt Jack3d® leicht gestiegen (Farney et al., 2012). Bei einer Betrachtung der akuten Effekte wies die Einnahme von OEP eine Steigerung der Hf von bis zu 7 S/min auf.

Die Standardabweichung der Hf stieg von 3 S/min (vor der Einnahme) auf bis zu 7 S/min (90 min nach der Einnahme).
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    Schlussfolgernd waren die Effekte auf die Hf individuell verschieden. Weiterhin fällt auf, dass die Hf nach der täglichen Einnahme über 14 Tage direkt nach der Einnahme des Produktes OEP nicht mehr anstieg (vgl. Tab. 1, Farney et al., 2012).
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Dies kann aufgrund einer Anpassung des Organismus und somit zu einem Gewöhnungseffekt durch eine längerfristige Einnahme zurückzuführen sein.

Zeit

OxyElite ProTM

Jack3dTM

Tag 1

Tag 15

Tag 1

Tag 15

Pre

64,8±2,9

60,9±2,6

58,3±2,7

60,4±2,5

30 min Post

62,8±2,7

56,1±2,8

55,6±2,2

58,4±3,2

60 min Post

68,8±6,1

61,7±2,1

61,4±2,1

59,1±2,2

90 min Post

71,4±6,9

60,9±3,6

59,7±2,0

59,0±2,4

120 min Post

68,8±4,8

61,9±3,1

62,1±0,9

60,6±2,3


Tabelle 1: Herzfrequenz vor und nach der Einnahme von OxyElite Pro® und Jack3d® vor und nach einer tägliche Einnahmephase von 14 Tagen (mod. n. Farney et al., 2012)


In Abb. 2 ist der prozentuale Anstieg des systolischen Blutdrucks vor und in mehreren zeitlichen Abständen nach der Einnahme von OEP und Jack3d® dargestellt. Der Blutdruck erreicht nach ca. 60–90 min nach der Einnahme seinen Höhepunkt. Die Veränderung zum Ausgangswert beträgt mehr als 15 %. Es ist jedoch zu erwähnen, dass der Durchschnittswert des SBD mit 103 mmHg (OEP vor der Einnahme), 99 mmHg (OEP nach der Einnahme) und 109 mmHg (Jack3d® vor und nach der Einnahme) als nicht erhöht einzustufen ist.

Der höchste durchschnittliche SBD-Wert lag bei 123 mmHg (Jack3d® 90 min nach der Einnahme) und somit im Normalbereich (ebd.). Der SBD ist teilweise sogar als zu niedrig einzustufen. Die Autoren gehen auf die etwas zu niedrigen Werte nicht weiter ein. Eine Unterstellung, dass die Autoren extra Menschen mit niedrigen Blutdruck ausgesucht haben, oder die Menschen zuvor Blutdruck mindernde Medikamente eingenommen haben, möchte ich nicht wagen.


Dimethylamylamin (DMAA) – Ein Dopingmittel auf dem Nahrungsergänzungsmittelmarkt
Veränderung des systolischen Blutdrucks nach der Einnahme von OxyElite Pro und Jack3d (Farney et al., 2012)


Bloomer et al. (2011a) untersuchten in einer randomisierten Doppelblindstudie im Design eines Crossover-Tests zehn gesunde und trainierte Probanden. Insgesamt gab es fünf Gruppen, die folgendes Einnahmen:
  1. 250 mg Koffein (C)
  2. 50 mg DMAA (G50 mg)
  3. 75 mg DMAA (G75 mg)
  4. 250 mg Koffein und 50 mg DMAA (C+G50 mg)
  5. 250 mg Koffein und 75 mg DMAA (C+G 75 mg)
Die Hf, der Blutdruck sowie der Plasmaspiegel von Norepinephrin (Abk.: NE) und Epinephrin (Abk.: Epi) wurden jeweils vor und in den zeitlichen Abständen von 30, 60, 90 und 120 min nach der Einnahme gemessen.

Dies wurde an fünf Testtagen in identischer Arbeitsweise durchgeführt. Die Herzfrequenz ist nach der Einnahme der Substanz bzw. der Substanzen in jeder Gruppe gesunken. Der stärkste Rückgang lag bei 5 S/min in der C+G75 mg Gruppe. Die Unterschiede sind jedoch nicht signifikant (P = 0,05).

Ein signifikanter (P = 0,05) Anstieg konnte beim systolischen Blutdruck festgestellt werden. Bei der Gruppe C+G75 mg war der systolische Blutdruck mit einer Steigung von 24 mmHg, 90 min nach der Einnahme, am höchsten. Es war kein signifikanter (P = 0,05) Unterschied zwischen den Gruppen C und G50 mg feststellbar. Die Effekte unterschieden sich allerdings zwischen den Gruppen C und G75 mg.

Beim DBD sind die Werte maximal um 12 mmHg (C+G75 mg) gestiegen. Insgesamt wurden die höchsten Plasmakonzentrationen von NE und Epi zwischen 60 und 90 min nach der Einnahme erreicht. Der größte Anstieg der Katecholamine NE und Epi wurde bei der Gruppe C festgestellt. Jedoch war dies auch die Gruppe mit dem geringsten Anstieg des Blutdrucks.
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    Die Autoren gingen daher davon aus, dass es einen anderen Grund für den Blutdruckanstieg nach der Einnahme von DMAA geben muss. Dies konnte aber aufgrund der gemessenen Werte nicht speziell bewiesen werden.
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Eine weitere randomisierte Doppelblindstudie mit einer Placebo-Kontrollgruppe, finanziert von USPLaps, untersuchte den Blutdruck und verschiedene Blutwerte in einer zehnwöchigen Einnahmephase von Jack3d®. Die Studie wurde mit 30 Probanden begonnen und 25 Probanden beendet. Drei der abgebrochenen Probanden waren der Jack3d®-Gruppe und zwei der Placebo-Kontrollgruppe zuzuordnen.

Die Probanden waren alle männlich und im Durchschnitt 23 Jahre alt. Insgesamt nahmen 13 Probanden das Placebomittel und zwölf Probanden Jack3d® vor jedem Training ein. Im Durchschnitt trainierten die Probanden vier Mal in der Woche (ca. fünf Stunden pro Woche). An trainingsfreien Tagen wurde das Produkt nicht eingenommen.

Zusammengefasst konnten keine signifikante (P = 0,05) Veränderung im Blutbild, Blutdruck oder der Hf festgestellt werden. Der SBD ist im Durchschnitt jedoch um 6 mmHg von 118 mmHg auf 124 mmHg gestiegen. Der Low Density Lipoprotein (LDL)-Cholesterinspiegel ist leicht gesunken, der LDL- High Density Lipoprotein (HDL) -Quotient ist somit auch um 0,2 Einheiten zurückgegangen (Whitehead et al., 2012).

McCarthy et al. (2012a) untersuchten die biochemischen und anthropometrischen Auswirkungen einer DMAA-Einnahme. Zusätzlich wurden der SBD und die Hf gemessen. In der ersten randomisierten Doppelblindstudie mit Placebo-Kontrollgruppe wurden zwölf trainierte und gesunde Probanden (6 Männer und 6 Frauen) an zwei Tagen mit einem zeitlichen Abstand von drei bis vier Tagen getestet.

Der SBD ist 120 min nach der Einnahme von OEP um 15 mmHg gestiegen, bei der Placebo-Kontrollgruppe um 1 mmHg. Der SBD ist bei den Männern höher gestiegen (max. 20 mmHg) als bei den Frauen (max. 10 mmHg). Die Auswirkungen auf die Hf waren hingegen bei den Frauen (6 S/min) höher als bei den Männern (2 S/min). Das RPP ist insgesamt von 6781±402 auf 8298±637 gestiegen. In der Placebo-Kontrollgruppe ist es von 6878±320 auf 6083±298 gesunken (McCarthy et al., 2012a).

In der zweiten Studie von McCarthy et al. (2012b) wurde im identischen Studiendesign 32 Probanden (16 Placebo und 16 OEP) getestet. Die Probanden nahmen die ersten drei Tage eine Kapsel von OEP, mit der Aufforderung am vierten Tag zwei Kapseln auszuprobieren, ein. Von der Placebo-Kontrollgruppe nahmen alle 16 Probanden zwei Kapseln. Von der Gruppe OEP nahmen elf Probanden zwei und fünf Probanden weiterhin eine Kapsel mit der Begründung unruhig und schlaflos zu sein. Nach den acht Wochen ist der Blutdruck von 114/70 auf 117/73 mmHg gestiegen, die Hf ist von 63 auf 69 S/min gestiegen (ebd.).

Bloomer et al. (2013) untersuchten das Sicherheitsprofil von DMAA und Koffein, allein und in Kombination der beiden Substanzen. Insgesamt wurden 50 junge und gesunde Männer mit einer Einnahme von:
  1. einem Placebo (n = 11)
  2. 250 mg Koffein am Tag (n = 14)
  3. 50 mg DMAA am Tag (n = 13)
  4. 250 mg Koffein und 50 mg DMAA am Tag (n = 12)
untersucht. Die Einnahmemengen entsprechen nach den Autoren denen, der empfohlenen Portionen in verschiedenen NEM. Vor- und nach sechs und zwölf Wochen der Einnahme wurden keine signifikanten (P > 0,05) Veränderungen in kardiogenen Blutmarkern, Atemfrequenz, Blutdruck und Körpermasse festgestellt.

Die Autoren gehen aus diesem Grund davon aus, dass eine Einnahme von DMAA-haltigen NEM sicher sei. Bei den Fallberichten von Gee et al. (2010, 2012) machen Bloomer et al. (2013) auf die hohen Einnahmemengen und die zusätzlich eingenommen Substanzen wie Alkohol und Cannabis aufmerksam. Daher widersprechen diese Berichte nicht den Ergebnissen ihrer Studie (ebd.). Trotz Randomisierung hatte die DMAA und DMAA+Koffein-Gruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe eine höheres wöchentliches Trainingsvolumen und mehr Trainingsjahre absolviert. Die kardiovaskuläre Leistung könnte somit bei diesen Gruppen stärker ausgeprägt sein.

Fazit

Die in der Literatur am häufigsten festgestellten klinischen Effekte im Zusammenhang mit einer DMAA-Einnahme waren Tachykardie, Hypertonie, Übelkeit, Erbrechen, Unruhe und Zittern (Gee et al., 2010; Armstrong, 2011; Eliason et al.,, Gee et al., 2012 und Young et al., 2013).

Kardiale Erkrankungen und Niereninsuffizienz wurden bei maximalen körperlichen Belastungen in Verbindung mit einer DMAA-Einahme protokolliert (Eliason et al., 2012). Hirnblutungen, die bis zu einem hämorrhagischen Schlaganfall führten, konnten bei einer Einnahme von DMAA-haltigen Partypillen festgestellt werden. Teilweise wurde DMAA dabei in Verbindung mit anderen Drogen und Genussmitteln, wie Cannabis und Alkohol eingenommen (Gee et al., 2010 und 2012).

Verglichen mit der beschriebenen Wirkung von Amphetaminen auf das kardiovaskuläre System von Westover et al. (2007), besitzt DMAA ein ähnliche Wirkung. Die Daten der Kasuistiken sind methodisch nicht zu vergleichen und daher als nicht fundiert und aussagekräftig zu bewerten.

Die Fallbeschreibungen zeigen meistens mindestens einen zusätzlichen Faktor wie extreme Umweltbedingungen, maximale körperliche Leistung oder andere zusätzlich eingenommene Drogen auf. Die Studien bestätigen die Kasuistiken, dass sich der Blutdruck, insbesondere der systolische Blutdruck, durch eine DMAA-Einnahme erhöht. In Untersuchungen ist er um 3 mmHg (McCarthy et al., 2012b) bis 24 mmHg (Bloomer et al., 2011b) gestiegen.

Es ist noch nicht geklärt, auf welchen Weg DMAA diesen Effekt hervorruft. Die Annahme, dass erhöhte Konzentrationen von EPI und NE dafür verantwortlich sind, konnte nicht bestätigt werden (ebd.). Um eine verlässliche Aussage zur Sicherheit von DMAA treffen zu können, muss weiterhin gezielt untersucht werden, wie sich der Blutdruck und die Hf nach der Einnahme von DMAA unter zusätzlicher körperlicher Belastung und bei Hypertonikern verhält.

Beträgt die Blutdrucksteigerung bei Hypertonikern, wie bei Farney et al. (2012), 15 % des Ausgangswertes, kann eine Steigung des SBD von 160 mmHg auf 182 mmHg schwere gesundheitliche Auswirkungen haben. Zusammenfassend sind die Risiken und Nebenwirkungen der Substanz DMAA meiner Meinung nach nicht mit dessen Wirkungen auf körperliche Merkmale sowie die sportliche Leistungsfähigkeit vereinbar. Da die Artikel sehr umfangreich recherchiert und beschrieben wurden könnt ihr euch jedoch selber eure Meinung bilden und vielleicht selber über eigene Erfahrungen und Meinungen diskutieren.

Quellen

  1. Akrong, J., Shirazi, S., Peters, J., & Doherty, J. (2012). U.S. Patent No. 20,120,225,142. Washington, DC: U.S. Patent and Trademark Office.
  2. Armstrong, M. (2011). Atrial Fibrillation with Rapid Ventricular Response following use of Dietary Supplement Containing 1, 3 Dimethylamylamine and Caffeine. Journal of special operations medicine: a peer reviewed journal for SOF medical professionals, 12(4), 1-4.
  3. Bloomer, R. J., Farney, T. M., Harvey, I. C., & Alleman, R. J. (2013). Safety profile of caffeine and 1, 3-dimethylamylamine supplementation in healthy men. Human & experimental toxicology. Link: http://het.sagepub.com/content/early/2013/02/05/0960327113475680
  4. Bloomer, R. J., Harvey, I. C., Farney, T. M., Bell, Z. W., & Canale, R. E. (2011a). Effects of 1, 3-dimethylamylamine and caffeine alone or in combination on heart rate and blood pressure in healthy men and women. Phys Sportsmed, 39(3), 111-120.
  5. Bloomer, R. J., McCarthy, C. G., Farney, T. M., & Harvey, I. C. (2011b). Effect of caffeine and 1, 3-dimethylamylamine on exercise performance and blood markers of lipolysis and oxidative stress in trained men and women. Journal of Caffeine Research, 1(3), 169-177.
  6. Chaudhuri, C., & Salahudeen, A. K. (1999). Massive intracerebral hemorrhage in an amphetamine addict. The American journal of the medical sciences, 317(5), 350.
  7. Eckart, R. E., Gentlesk, P. J., & Shry, E. A. (2010). Differential Manifestation of Cardiovascular Complaints as a Function of Utilization of Ergogenic Supplements. Pacing and Clinical Electrophysiology, 33(3), 286-289.
  8. Eliason, M. J., Eichner, A., Cancio, A., Bestervelt, L., Adams, B. D., & Deuster, P. A. (2012). Case reports: Death of active duty soldiers following ingestion of dietary supplements containing 1, 3-dimethylamylamine (DMAA). Military medicine, 177(12), 1455-1459.
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