Nicht besser wird diese verwirrende Vielfalt dadurch, dass im Grunde jeder, den man fragt, einem etwas anderes erzählt. Doch nicht nur Anfänger schlagen sich mit der Vielfältig- und Vielschichtigkeit unseres Sports herum, auch für Fortgeschrittene sind längst nicht alle Fragen abschließend geklärt.
Wozu das führt, kann man täglich in Studios, wie vor allem auch in Internetforen beobachten. Manchen Leute verbringen mehr Zeit damit, sich über die kleinsten Banalitäten Gedanken zu machen, als zu trainieren. Das ist ihr primär limitierender Faktor, nicht die Fragen, mit denen sie sich herumschlagen. Dabei könnte alles so einfach sein...
Du bist Anfänger? Dann überlass das Denken Leuten, die mehr von der Materie verstehen. Wie willst Du Dir einen angemessenen Plan erstellen, wenn Du keinerlei praktische Erfahrung hast? Es gibt genügend anständige Pläne für Einsteiger, welcher es letztlich ist, ist gar nicht mal so entscheidend, jeder wird besser als das Chaos sein, was Du Dir selbst zusammenstellen wirst. Und auch wenn all die bunten Geräte im Studio reizen: Halte Dich an den Plan. Wie lange? Das kann man nicht in Zeitangaben ausdrücken, aber eine gute Weile.
Nach ein paar Monaten dann, Du bist aus dem Kükenstadium in das eines Junghuhns gewachsen, ist es an der Zeit, mal einen Blick in die Welt außerhalb des Stalls zu werfen. Dort warten aufregende Dinge, wie Felder und Wiesen, Leckereien wie Würmer, aber auch Gefahren wir listige Füchse. Und auch wenn Du denkst, Du bist schon ein ausgewachsener Hahn, krähen kannst Du noch nicht. Was ich sagen will: Ein paar Monate Trainingserfahrung sind nichts, gar nichts. An diesem Punkt solltest Du nun aber eine gewisse Sicherheit bei den grundlegenden Übungen entwickelt, das ein oder andere Pfund Muskelmasse aufgebaut und etwas an Kraft gewonnen haben. preview
Zeit flügge zu werden, Zeit die Tabus der Kindheit zu brechen. Du solltest immer noch bei Deinem Plan bleiben, doch nun kannst Du anfangen, hier und da mal die Fühler auszustrecken. Teste mal die ein oder andere Maschine aus, versuch ein anderes Wiederholungsschema, aber lass das nicht in Chaos ausarten. Die größte Gefahr, die auf Dich lauert, ist sich in der Vielfalt der Möglichkeiten zu verirren und keine Konsistenz zu bewahren. Um das zu vermeiden, ein paar Tipps:
- Wenn Dein bisheriger Plan Erfolge gebracht hat, bleib dabei!
- Wenn Du etwas Neues ausprobieren willst, mach das mit Verstand. Obergriff gegen Untergriff tauschen? Ok! Schrägbank gegen Flachbank? Kein Problem! Kniebeugen gegen die Abduktorenmaschine? Fail!!! Achte darauf, dass die Übungen zumindest weitgehend gleichwertig sind. Weiterhin ist es nicht ratsam, gleich alle Übungen auf einmal auszutauschen. Lass Dir Zeit, eins nach dem anderen.
- Ein anderer Wiederholungsbereich, ein anderes Belastungsschema? Warum nicht! Hier gibt es sehr unterschiedliche Ansichten, was am besten funktioniert. Fakt ist: Es wird immer das System sein, nach dem Du gerade nicht trainierst. Sprich: Es gibt kein perfektes System! Die Suche nach demselben entspricht folglich der Suche nach dem Kessel voller Gold am Ende des Regenbogens oder dem Versuch die Ballkönigin, die heißeste Cheerleaderin und die italienische Austauschschülerin gleichzeitig in einer tabulosen Orgie zu vernaschen: Es ist aussichtslos!
Do what work! Mach Dich locker, verkrampf Dich nicht, weil Du glaubst, 0,1mm Armumfang pro Quartal zu verschenken, weil Du nicht nach dem perfekten System trainierst. Geh ins Studio und lass es krachen, das ist das Beste, was Du tun kannst. Mit der Zeit, wenn Du ein geschlechtsreifes Hühnchen geworden bist, wirst Du feststellen, dass Dein Körper auf bestimmte Reize besser oder schlechter reagiert. Und noch weiter, dass manche Muskelgruppen anders reagieren, als andere. Wenn dem so ist, dann höre auf Deinen Körper und wenn 10000 Coaches sagen, dass das Schwachsinn sei. - Bei aller Experimentierfreude, versuch das Rad nicht neu zu erfinden. Einbeiniges Schulterdrücken mit reversem Griff auf dem Gymnastikball sieht nicht nur bescheuert aus, es bringt auch nichts, außer einem kostenlosen Krankenhausaufenthalt. Bleib bei den Basics.
Ob nun die Shoulder Press, Military Press, Frontdrücken in der Multipresse oder Kurzhantelschulterdrücken, das macht es nicht aus. - Noch einmal: Mach es nicht unnötig kompliziert. Ganz im Ernst: Ob nun Obergriff, Untergriff, neutraler Griff oder Spockgriff, im Endeffekt ist es ziemlich egal. Hör auf Deinen Körper! Wenn Du mit dem Untergriff beim Latziehen nicht zu recht kommst, dann lass ihn halt weg und verwende einen anderen Griff. Ob dann nun 2% mehr Bizeps, Brachialis, Latissimus oder Schließmuskel beansprucht werden, was soll’s.
Nichts ist dümmer als ewig bei einer Griffvariante zu bleiben, obwohl man keinerlei Feeling für den Zielmuskel hat, nur weil Experte X behauptet, dass man damit mehr Breite/Dichte/Teilung whatever aufbaut, als mit einem anderen. - Wie beim Training verhält es sich auch beim Thema Ernährung. Ist der GI von kernigen Haferflocken nun höher als der von zarten? Soll ich eher 2791 oder 2783 Kalorien zu mir nehmen? Verändert sich die biologische Wertigkeit von Eiern beim braten? Wen zur Hölle interessiert das? Im Ernst Leute: Sofern Ihr nicht gerade auf Wettkampfdiät seid, drauf geschissen! Sauber und ausgewogen essen und gut ist.
- Genauso wird bei Supplements ein irrsinniger Aufwand betrieben. Ganz im Ernst: Ich bin absoluter Befürworter von Nahrungsergänzungsmitteln, aber wenn sich jemand mit 3 Monaten Trainingserfahrung mehr Gedanken darum macht, wie er seine 20 Dosen voller Pülverchen und bunter Pillen am besten kombiniert, als darum, sich im Gym den verdammten Arsch aufzureißen, dann läuft da was falsch!
- Da sind wir schon beim nächsten Punkt: Muskelversagen ja oder nein? Und wenn ja, wie oft? Satzpausen 23,1 oder 24,7 Sekunden? Und vor allem: Wie schütze ich mich vor dem katabolen Teufel? Ich glaube ja mittlerweile, dass die am meisten Erfolg im Studio haben, die sich um so einen Scheiß so überhaupt gar nicht kümmern. Ins Studio gehen, sich den Arsch aufreißen und gut ist. Unser Körper ist nicht so verweichlicht, wie die heutige Gesellschaft es oft propagiert. Belaste ihn und er wird wachsen, sofern Du ihn ausreichend fütterst.
- Cardio ja oder nein? Hemmt das nicht den Muskelaufbau? Werden da nicht wertvolle Kalorien verbraucht? Ja, und? Dann futter halt mehr! Schaden wird Dir ein aerobes Training sicher nicht, ganz im Gegenteil.
- Und wo wir schon beim Thema Cardio sind: 55%, 65% oder 75% der maximalen Herzfrequenz - außer dem Verkäufer Deiner 300€ teuren Polaruhr interessiert das niemanden. Für Ausdauersportler mag das interessant sein, für den Eisenkrieger nicht wirklich. Will ich slow & steady trainieren, dann tue ich das einfach, will ich intensive Intervalle machen, dann häng ich mich eben rein, bis ich mir die Lunge rauskotze. Wieder: Höre auf Deinen Körper!
Und der angehende Fortgeschrittene? Der junge Hahn, der bereit ist dem Chefhahn des Hofes im Duell um die süßen Liebesdienste der Hühnerscharen entgegenzutreten? Der sollte genau das machen, was eben beschrieben wurde, nur ein Level höher. Aber selbst wenn er es zum König des Bauernhofes macht und es den Hühnern so besorgt, dass deren Eier schon gekocht gelegt werden, so heiß sind sie, viel ändert sich nicht. Du kannst Tausende verschiedene Stellungen ausprobieren, am Ende ist es immer dasselbe rein und raus Spiel. Und so verhält es sich auch hier. Sicher, man kann alles optimieren, aber man sollte immer den Kosten-/Nutzenfaktor im Auge behalten, vor allem wenn man kein Profi ist, der mit der Nummer seinen Lebensunterhalt verdient, oder zumindest den Sport auf Wettkampfebene betreibt und das in jedem Bereich.
Wobei man interessanterweise feststellen wird, dass - unterhält man sich mal mit erfolgreichen Athleten – die sich in aller Regel einfach nur an die Basics halten und ihnen irgendwelche hochwissenschaftlichen Spielereien völlig fremd sind.
Bevor das jetzt jemand falsch auffasst: Ich halte es für absolut ratsam für jeden Trainierenden, sich zu informieren. Wissen ist Macht, auch im Sport. Die Kunst ist es nur, das Wissen sinnvoll zu nutzen, zu wissen, wo es einem hilft und wo es vielleicht besser ist, einfach mal auf den Körper zu hören, auch wenn es dem widerspricht, was man gelesen hat. Denn letztlich ist der eigene Körper der beste Lehrmeister, er kennt Dich besser als jeder Experte dieser Erde. Lerne Du, seine Signale zu deuten, seine Sprache zu sprechen, das wird Dir mehr helfen, als 1000 Bücher zu lesen…
Hinweis des Autors: Gerne bieten wir auch eine individuell auf euch zugeschnittene Betreuung an. Alle Informationen hierzu findet ihr unter www.ironhealth.de! Ihr habt Fragen? Dann kontaktiert uns doch einfach unter info@ironhealth.de!