Die amtierende Games-Gewinnerin Camille Leblanc-Bazinet postete kürzlich folgende Story über ihren Facebook-Account (sinngemäß):
Und ich glaube: Sie könnten Recht haben.
Wer ist denn überhaupt für die Tests zuständig? Die Frage lässt sich leicht beantworten für Verbandssportarten und olympische Disziplinen. Die Games hingegen sind ja eine Art "Privatparty" der CrossFit, Inc. Aber ja: Auch hier gibt es Kontrollen, wie oben gelesen. Diese können laut der CrossFit "Drug Policy" sowohl vor, während und nach Events oder auch ganzjährig jederzeit erfolgen, wie es "The Fittest Woman on Earth" ja grade erlebt hat. Durchgeführt werden die Tests dann scheinbar (die Informationslage ist hier dünn) von hauseigenen Inspekteuren und Laboranten.
Doping-Tests taugen ja schon in den offizielleren Sportarten kaum als Nachweis für irgendwas. Dafür sind, der findige Facebook-User hat es in seinem Kommentar angedeutet, die medizinische Betreuung der Athleten zu professionell und der Pool an leistungssteigernden Substanzen zu vielfältig und dynamisch … aber das ist (Achtung, Wortwitz!) Stoff für ganze Artikelreihen.
Und welches Interesse sollte ausgerechnet CrossFit, ein expandierendes, gewinnorientiertes Unternehmen daran haben, seine Aushängeschilder auflaufen zu lassen? Man sieht ja sehr gut an der Tour de France, in welche Niederungen der Publikumswirkung eine Sportart abrutschen kann, wenn offene Geheimnisse doch zu offen werden. Im Radsport ist das vielleicht mit Nachwuchssorgen verbunden, im Falle der CrossFit, Inc. mit dem wirtschaftlichen Ruin.
Denn um bereits gesagtes noch einmal in Erinnerung zu rufen: CrossFit lebt von der Betonung des gesunden Lifestyles mehr als jede andere Sportart.Während sich um Fußballer, Boxer und US-Sportler legendäre Geschichten von Drogen, Sauf- und sonstigen Gelagen ranken, hat CrossFit Konzepten wie Paleo oder der Zone Diet zu nie dagewesener Popularität geholfen, ist auch ein großer Treiber des Mobility-Trainings und Softsportarten wie Yoga und Pilates. Wie würde in dieses Bild die Spritze im Kühlschrank neben der Avocado passen? Man nähme doch den Amateursportlern (oder anders gesagt: Kunden) die Illusion, dass alles erreichbar ist allein mit dem Glauben an sich selbst und "der Community".
Selbst Dan Bailey, einer der Superstars am CrossFit-Firmament, beschrieb die Tests im Rahmen eines wenig beachteten Podcasts als "leicht passierbar". Wer weiß, vielleicht hat man mit Camilles Urin nur die Blumen gegossen … oder tatsächlich fragwürdige Spielchen damit getrieben. Einen positiven Befund gab es in der Geschichte dieses Sports jedenfalls noch nie.
Nächstes Argument: Es geht mal wieder um die Kohle. Gedopt wird ja bekanntlich überall, im Curling, im Schach, im Modernen Fünfkampf (zur Erinnerung: Eine Kombination aus den sehr populären Sportarten Pistolenschießen, Schwimmen, Reiten, Degenfechten und Querfeldeinlauf). Warum sollte es dann ausgerechnet dort mit rechten Dingen zu gehen, wo tatsächlich etwas Geld im Spiel ist? Immerhin geht der Gewinner der CrossFit Games mit einer Prämie über 275.000 US$ nach Hause, die Plätze 2 und 3 immer noch mit 90.000, bzw. 60.000 US$ (und jeweils 6 Paar Schuhe für jeden Teilnehmer). Dazu kommen wie üblich lukrative Sponsorenverträge. Und die Boxen, die die Mehrheit der Teilnehmer selber betreiben, laufen unter dem Namen eines Topplatzierten der Games bestimmt auch nicht schlechter. Wenn das mal nicht ein Anreiz ist, bis zum Äußerste zu gehen.
Wenn ich eine Beweisführung versuche, dann bin ich noch am ehesten auf der Seite des T-Nation-Autors John Romano, der in einem episch langatmigen Artikel vor allem auf eine Quintessenz kommt: CrossFit ist aufgrund seiner Trainingsphilosophie geradezu dafür prädestiniert, Dopingsünder hervorzurufen.Denn die viel umworbene "High Intensity" ist tatsächlich extrem hoch auf so vielen unterschiedlichen physischen Ebenen, dass hier vor allem die Quantität des Trainings entscheidend ist. Und somit ist laut Romano vor allem jedes Mittel und Mittelchen recht, das die Regeneration fördert.
Vor allem auf diesem Gebiet greift die heutige Pharmazie immer effektiver an. Der ehemalige Spitzen-Leichtathlet Frank Busemann sagte einst in einem Interview, dass die Differenzen bezüglich Talent und Trainingsmethoden innerhalb der Elite so minimal sind, dass nicht viel mehr als das Pensum und damit die Regenerationsfähigkeit noch das letzte Quäntchen ausmachen. Als Zehnkämpfer steht er in Puncto Vielfalt den CrossFittern wohl nach am nächsten. Und gesteht selbst, wie medikamentös sein Sport in der Folge beeinflusst ist.
Ja, Talent haben sie alle, die Regional- und Games-Athleten. Wer hier weltklasse ist, der war es vorher auch schon irgendwo anders (Annie Thorisdottir, zweifache Fittest Woman on Earth, war sowohl in der isländischen Nationalmannschaft der Turner als auch der Stabhochspringer, nachdem sie ihre Ballett-Karriere abgebrochen hatte. Die meisten der amerikanischen Profis sind zuvor Stars der College-Ligen im US-Sport gewesen, einige sind ehemalige Gewichtheber). Aber im CrossFit gibt es immer was zu tun. Und wer nach dem Stoßen und Reißen am Morgen und dem Ruder-Halbmarathon am Mittag abends nicht mehr auf seinen Händen laufen kann, der bleibt schnell auf der Strecke. Kommen diese unmenschlichen Umfänge nur durch Kokosnusswasser und Foam Roller zustande?
Was auch misstrauisch stimmt ist die beeindruckende Form, mit der die Teilnehmer der Games an den Start gehen. Vor allem die Frauen glänzen hier durch messerscharfe Abs und einer Vaskularität, die die meisten Athletinnen im Wettkampf-Bodybuilding nicht auf die Bühne bringen. Dass eine gewisse Muskelmasse bei Frauen, die ihr zweifaches Körpergewicht umsetzen, zustande kommt, leuchtet ein. Auch ein derart niedriger Körperfettanteil liegt durchaus im Bereich des Machbaren. Allerdings funktioniert das nur durch regelrechte Hungerkuren, wer selbst schon im Bodybuilding aktiv war, wird sie kennen. Und erinnert euch zurück: Hättet ihr in dieser Phase noch PR’s gebeugt, gesprintet oder hunderte Klimmzüge gemeistert? An einem Tag?
Vielleicht bin ich aber auch einfach nur neidisch auf die Leistungen der Profiliga, die jedem Freizeit-CrossFitter die Tränen in die Augen treiben. Und ob sauber oder nicht: Die Kraft, die Dynamik, die Kondition, das taktische Geschick und die mentale Stärke der Pros ist bewundernswert, so oder so.Und keine Substanz der Welt nimmt dem Sportler das harte Training ab.
Ohnehin sehe ich einen Aspekt am CrossFit, der vielleicht viel mehr in den Ausgang des Geschehens eingreifen kann: Die scheinbare Zufälligkeit der Workouts bergen doch bei Lichte betrachtet sehr viel Manipulationscharakter. Gerüchte dieser Art waren schon des Öfteren im Umlauf. Jeder hat seine Schwächen, auch am Ende der Fahnenstange der Leistungsfähigkeit. Und so könnten die Entscheider doch spielend die WOD’s an einen Athleten anpassen, sei es, weil … nun ja, etwas für sie herausspringen könnte. Oder weil es das ein oder andere Gesicht gibt, das mehr zum Vorzeigeobjekt taugt als der Rest des Feldes, die Legende Rich Froning beispielsweise, denn Legenden braucht jede Sportart, oder eben Leblanc-Bazinet. Googlet sie doch einmal, falls nicht bekannt. Vielleicht wird dann verständlich, warum bisweilen ad hoc nicht-jugendfreie Assoziationen mit dieser Frau entstehen.