Hier, wie bereits angekündigt, der zweite Teil des Artikels über Doping im Mannschaftssport. Nachdem im ersten Teil vor allem Grundlagen abgehandelt wurden, sollen nun ein paar tiefere Erkenntnisse vermittelt, und ein Ausblick in die Zukunft gegeben werden.- 3. Was darüber noch hinausgeht
- 4. Die Zukunft spricht Deutsch
3. Was darüber noch hinausgeht
Dieser Satz lässt viel Raum für Interpretationen. Das soll er auch - ganz bewusst. Denn davon lebt die Entwicklung in jedem Sport. Auch im Mannschaftssport werden ständig neue Tricks und Mittelchen ausprobiert um Leistungen zu steigern. Hier eine kleine Auswahl an Klassikern der letzten Dekade: preview3.1. Ephedrin
Ephedrin ist vielen Bodybuildern als Mittelchen zur Fettverbrennung bekannt. Dies beruht in den meisten Fällen auf dem Effekt der Thermogenese, also einer Erhöhung der Körpertemperatur inkl. eines damit verbundenen erhöhten Kalorienbedarfes.Nun wurde Ephedrin aber nicht zu diesem Zweck entwickelt und auch in der Schulmedizin so nicht genutzt, sondern um die Atemwege zu weiten und somit Asthma- und Schnupfenbeschwerden zu lindern. So gibt es auch heute noch Nasensprays, die auf der Basis von Ephedrin wirken und nicht wie die mittlerweile klassischen Kandidaten (Olynth etc.) über Oxymetha- bzw. Xylomethazolinhydrochlorid. Einziger Nachteil der Ephedrin-Mittelchen: Die WADA mag sie nicht besonders - sie stehen folglich auf der Dopingliste.
Nebenwirkungen von Ephedrin zu predigen, erscheint mir angesichts des Wissensstandes im Forum wie Fussballschuhe nach Kaiserau schicken, also lasse ich es.
Als positive Wirkung bleibt festzuhalten: Ephedrin weitet die Atemwege, was die Sauerstoffaufnahme und somit die Ausdauerleistung positiv beeinflusst. Nebeneffekt ist (insbesondere in Kombination mit Koffein und Aspirin) eine Erhöhung der Körpertemperatur.
Im Training wird Ephedrin eher selten verwendet, die Anwendung beschränkt sich in der Regel auf den Wettkampf selbst. Dies jedoch zumeist ohne Wissen der betreuenden Ärzte und mit entsprechend hohen Risiken auch für das Arbeitsverhältnis, nicht nur für die Gesundheit.
3.2. Amphetamine
Amphetamine werden ähnlich wie Ephedrin eingesetzt, sind nur rein biochemisch und medizinisch eine andere Liga als Ephedrin. Mit anderen Worten, Amphetamine sind so ziemlich das härteste zum Aufputschen, was ich persönlich kenne. Häufig wird unter Amphetaminen nur Koks oder Speed verstanden, die Varianten die im Profisport zum Einsatz kommen, sind jedoch in der Regel absolut rein, deshalb jedoch nicht minder gefährlich. Amphetamine eignen sich wie kaum ein anderes Mittel zum Abnehmen, da der Körper ständig das absolute Notprogramm fährt. Allerdings geht das nur für eine gewisse Zeit gut, und auch dann braucht man absolut eisenharte Disziplin und viele "gute" Menschen um einen herum. Von einer Anwendung von Amphetaminen über längere Zeiträume kann man nur absehen, da die Nebenwirkungen - auch für die Muskulatur - einfach viel zu groß sind und die Regeneration massiv leidet. Auch ist die Belastung der Leber durch solche Gifte entsprechend hoch.
3.3. ß2-Agonisten
ß2-Agonisten haben eine ähnliche Wirkung wie Ephedrin. Wer hat als Kind nicht schon mal Mucosolvan oder etwas ähnliches bekommen. Hier heisst der Wirkstoff Clenbuterol. Auch dieses Mittel ist im Bodybuilding sicherlich hinreichend bekannt, sowohl was Wirkungen als auch Nebenwirkungen angeht. Problematisch für den Mannschaftssportler ist hierbei jedoch die relativ lange Nachweisbarkeit von Clenbuterol und die doch eher günstige Testmethodik. Daher scheuen nur wenige Verbände die Kosten für diesen Test. Aber man kann ja schließlich immer mal eine Bronchitis bekommen. ;-)Es gibt neben Clenbuterol noch andere ß2-Agonisten - auf diese gehe ich an dieser Stelle jedoch nicht explizit ein, da die Wirkungsweisen ähnlich sind.
3.4. IGF-1
IGF-1 ist in letzter Zeit in vielen Sportarten groß in Mode gekommen. Gehandelt als Wundermittel, brach doch die Beliebtheit im Mannschaftssport genauso schnell wieder ein, wie sie gekommen war. Gleiches gilt für THG (Tetrahydrogestrinon), welches durch krasse Nebenwirkungen auffiel. Es zeigt sich an dieser Stelle für mich immer wieder deutlich, dass neben einigen revolutionären Ansätzen doch immer wieder altes die bekannte Leistung bringt. Auf Testo und Co. ist nunmal einfach Verlass.Dass IGF-1 sich nicht durchgesetzt hat, liegt letztlich schlichtweg an der ausbleibenden Wirkung, zumindest in meinem Umfeld. Hinzu kommt die Beschaffungsproblematik und ein extremer Preis.
Im Falle von THG, oder noch spezieller Metribolon, sind die Nebenwirkungen einfach zu drastisch und die Veränderungen des Körpers zu schnell. Diese Dinge fallen selbst den blindesten Offiziellen schlichtweg zu schnell auf. Auch wenn jetzt sicherlich wieder einige Verrückte denken: "Hey, super, mir doch egal!" - vergesst es. Erst einmal ist THG und Metribolon so gut wie unmöglich zu beschaffen, und zudem sind die Nebenwirkungen beim zweit genannten so hoch, dass man quasi ständig den Notarzt auf Standby haben sollte da die Auswirkungen auf die Leber enorm sind. Angewendet wird Metribolon übrigens sublingual, was relativ ungewöhnlich in meinen Augen ist.
4. Die Zukunft spricht deutsch
Wagen wir doch einen Ausblick in die Zukunft. Werden sich die Athleten in 10 oder 20 Jahren immer noch Testo im Grammbereich verpassen? Werden sie immer noch ihr Blut mit EPO anreichern um mehr Sauerstoff in die Blutbahn zu bekommen? Wird man sich vorm Wettkampf immer noch selbst verzeihen müssen um die eine oder andere Nase eines Aufputschmittels zu sich zu nehmen? Wenn ich ehrlich bin, ich denke in absehbarer Zeit vielleicht nicht mehr.
Heute werden oft die vielfältigen Möglichkeiten im Bereich Gendoping diskutiert. Dabei fallen vielen Menschen vor allem Veränderungen des Erbgutes hin zu einer "guten Veranlagung" ein. Das ist die eine Seite der Medaille. Ich finde einen anderen Teil dieser Thematik jedoch viel interessanter.
Dank Gentechnik gelingt es Wissenschaftlern zunehmend, einzelne Gene für Sachzusammenhänge ausfindig und verantwortlich zu machen. Daraus ergeben sich revolutionäre Behandlungsformen, aber auch Eingriffe in verschiedene Regelkreise rücken in den Bereich des möglichen. Man denke z.B. an das Achsenproblem nach einer Testokur. Wie genial wäre es, wenn die Achse nach einer Kur innerhalb von einer Woche wieder voll da wäre. Der Muskelverlust nach der Kur würde drastisch reduziert. Hinzu käme, dass Nebenwirkungen wie Depressionen etc. deutlich harmloser und kürzer ausfielen.
Doch wie kann man dies erreichen?
Spricht man mit deutschen Sportärzten, die weit oben mitmischen, so fühlt man eine gewisse Aufbruchstimmung. Häufig fällt der Satz: "Es geht langsam wieder vorwärts für uns ...". Was sich dahinter verbirgt, ist offensichtlich. Der Vorsprung vor den Dopingtests steigt. Und das aufgrund der Resynthese von ganz normalen biologischen Stoffen. Ich habe es von einem Sportmediziner relativ simpel erklärt bekommen - "Der Körper nutzt Botenstoffe um Vorgänge anzustoßen. Diese haben meist die Ausschüttung anderer Stoffe zur Folge und bewirken dadurch etwas. Früher haben wir einfach am Ende der Kette die Menge erhöht, heute packen wir vorne an und nehmen das Problem bei der Wurzel." Soll heissen; man erhöht nicht mehr die Testosteronmenge durch exogene Gaben, sondern bringt den Körper dazu, diese Stoffe selbst zu produzieren. Ein deutlich effektiverer Weg und zudem gibt es keinen klassischen Reboundeffekt.
So führt beim Mann die Gabe von LH (Luteinizing Hormone) zu einer Erhöhung der körpereigenen Testosteronproduktion. Nun ist LH ähnlich schwer zu bekommen wie IGF-1 und ohne FSH auch nicht so wirksam, zumal beide Stoffe in Kombination auch im Körper eines Naturalen in bestimmtem Verhältnis vorkommen. Mit anderen Worten: Gibt man LH, muss man auch FSH geben. Dies gebietet nicht zuletzt der Dopingtest, da hier ansonsten Unterschiede schnell auffliegen würden. Ist beides erhöht, dann ist das ganze medizinisch noch "natürlich" zu erklären. Dadurch lassen sich aufgrund der begrenzten "Produktionskapazität" der männlichen Hoden keine Unmengen an Testosteron produzieren, aber eben doch gute 20 - 40 % plus. Und das auf "natürliche" Art und Weise. Welcher Dopingtest kann da schon widerstehen. ;-)
Nun kommt der Rücksprung zur Überschrift, denn "wer hat‘s erfunden"? Die Deutschen war’ns. Und deshalb spricht die Zukunft deutsch und nicht nur VISA. In wie weit sich diese Form des Doping durchsetzen wird, wir warten ab. Zumal LH und FSH für die exogene Zufuhr auch verestert werden, und es somit nur eine Frage der Zeit ist, bis diese Ester im Dopingtest nachgewiesen werden.
In diesem Sinne...
Ich hoffe, dass Euch dieser zweiteilige Artikel einige interessante Infos geben konnte.