Ein Artikel vonExtremehumanperformance.com
Von Mike T Nelson

Diesen Monat gibt es einige coole Studien, die ich kommentieren werde, um zu zeigen, wie Du sie nutzen kannst, um Deine sportliche Leistungsfähigkeit sowohl auf dem Spielfeld als auch im Studio zu verbessern.

1) Die lokale Infusion von NSAIDs, nach exzentrischem Training, verhindert die Proliferation (Teilung) der Satellitenzellen im menschlichen Skelettmuskel.

Trotz der verbreiteten Verwendung der nicht-steroidalen anti-inflammatorischen Medikamente (NSAIDs), ist ihr Einfluss auf die Satellitenzellen der Muskulatur nicht vollständig geklärt. Das Ziel der vorliegenden Studie war es, die Auswirkungen einer lokalen NSAID Infusion nach einem ungewohnten exzentrischen Training auf die menschliche Skelettmuskulatur zu untersuchen. Acht junge, gesunde Männer absolvierten 200 maximale exzentrische Kontraktionen mit jedem Bein. Ein NSAID wurde vor, während und 4,5 Stunden nach der Übung, mittels eines Mikrodialyse-Katheters, in den Vastus Lateralis eines Beins verabreicht. Das andere Bein diente als Kontrolle. Es wurden vor, sowie acht Tage nach der Übung Muskelbiopsien genommen. Immunohistochemie (Anfärben von Gewebeschnitten, mittels biochemischer Techniken) wurde verwendet, um die Anzahl der Satelliten- und Entzündungszellen zu untersuchen. Die Satellitenzellen wurden mittels Antikörpern dargestellt, die ein neuronales Adhäsionsmolekül, sowie Pax7 erkennen. Die Anzahl der Pax7+ Zellen pro Muskelfaser im Kontroll-Bein war acht Tage nach dem Training um 96% erhöht (0.14 ± 0.04), verglichen mit dem Ausgangswert (0.07 ± 0.02, P < 0.05). Im NSAID-behandelten Bein blieb die Anzahl der Pax7+ Zellen unverändert (0.07 ± 0.01).

Die Anzahl der Entzündungszellen (CD68+ oder CD16+ Zellen) war acht Tage nach dem Training in keinem der Beine signifikant erhöht und damit nicht durch die NSAIDs beeinflußt.

Die wichtigste Erkenntnis dieser Studie war: werden am Trainingstag über 7,5 Stunden hinweg NSAIDs verabreicht, so wird die trainingsinduzierte Erhöhung der Anzahl der Satellitenzellen unterdrückt, wenn man diese acht Tage später untersucht. Diese Ergebnisse legen nahe, dass sich NSAIDs negativ auf die Aktivität der Satellitenzellen nach einem ungewohnt exzentrischen Training auswirken. -- preview --

Meine Gedanken dazu:

Sehr interessante Studie, aber ich bin dennoch nicht überzeugt, dass NSAIDs tatsächlich schlecht für Muskelwachstum sind. Diese 2-3 Jahre alten Daten besagen, dass NSAIDs schlecht für Hypertrophie sind, aber neuere Daten deuten nicht darauf hin. Dem aufmerksamen Leser sollte auffallen, dass diese Studie einen negativen Effekt auf die Satellitenzellen aufzeigt, was wiederum bedeuten würde, dass NSAIDs schlecht für Muskelwachstum sind. Die Kehrseite ist jedoch, dass das Muskelwachstum in dieser Studie überhaupt nicht gemessen wurde. Muskeln können auf verschiedenen Art und Weise zum Wachsen angeregt werden. Satellitenzellen sind nur ein möglicher Mechanismus. Satellitenzellen sind die kleinen Kerle, die am Ende der Muskelfasern sitzen und an der Reparatur von geschädigten Fasern beteiligt sind.

Ich würde daher bei Muskelkater nicht sofort zu NSAIDs greifen, aber wenn es sein muss, so wird das Dein Muskelwachstum vermutlich nicht stark beeinflussen. Interessierte Leute können mir gerne schreiben.


2.) Rund um die Uhr arbeiten: der zirkadiane Rhythmus und Skelettmuskulatur.

Die Untersuchungen zur zirkadianen Uhr der Skelettmuskulatur stecken noch in den Kinderschuhen. Erste Studien konnte jedoch eine zirkadiane Uhr der Skelettmuskulatur zeigen. Die Skelettmuskulatur einer Maus, die eine beeinträchtigte Uhr in sich trägt (Uhr-Mutante), zeigt eine signifikante Störung bezüglich der Expression vieler Gene, die für die Struktur und den Stoffwechsel der adulten Muskulatur benötigt werden. Angesicht der wachsenden Verbindung zwischen der zirkadianen Uhr, dem Stoffwechsel und Stoffwechselerkrankungen, ist es auch wichtig zu verstehen, inwiefern zirkadianen Faktoren zum normalen Stoffwechsel, sowie der metabolischen Rückantwort auf Muskeltraining beitragen. Ebenfalls ist es auch wichtig, die Beteiligung der zirkadianen Uhr bei Erkrankungen der Muskulatur zu untersuchen (z.B. Insulinresistenz).

Es gibt Erkenntnisse in der Literatur, die besagen, dass die Tageszeit starken Einfluss auf die Kraft und den Stoffwechsel hat. Die zirkadiane Uhr der Skelettmuskulatur scheint also die Physiologie der Skelettmuskulatur zu modulieren. Zusätzlich gibt es Hinweise darauf, dass die Tageszeit sehr wichtig ist, wenn es um die Optimierung des Muskeltrainings geht. Obwohl diese Studien nicht eindeutig beweisen, dass die zirkadiane Uhr der Skelettmuskulatur wichtig ist, deuten sie darauf hin, dass sie an der Funktion der Skelettmuskulatur beteiligt ist.

Die Anwendung von etablierten Forschungsmodellen zur Untersuchung der Funktion des Stoffwechsels der Muskulatur, kombiniert mit den genetischen Modellen zur Unterbrechung der zirkadianen Uhr, werden es uns ermöglichen, eine mögliche Verbindung zwischen diesen beiden Mechanismen zu verstehen.

Meine Gedanken dazu:

Sehr coole Studie und noch dazu die erste, die ich in diesem Bereich gesehen habe. Die alte Frage, bezüglich der besten Trainingszeit, existiert schon seit langem. Aus meiner Sicht gibt es keine perfekte Trainingszeit. Die ideale Zeit scheint dann zu sein, wenn Du es ins Studio schafft, und das ist von Person zu Person verschieden. Zunächst liegt die Priorität darauf, überhaupt zu gehen und Gewichte zu stemmen, später kannst Du Dir über die beste Zeit einen Kopf machen. Mein perfekter Zeitpunkt wäre um 15 Uhr am Nachmittag. Beachte: wenn Du Wettkämpfe hast (z.B. Powerlifting um neun Uhr am Morgen), so solltest Du einige Male zu dieser Zeit trainieren, um zu sehen, wie Dein Körper reagiert.

Vorläufig solltest Du aber einfach ins Studio gehen.


3.) Die Translation – ein Teil der Proteinsynthese - findet bei jungen und älteren Personen vor der widerstandstraininginduzierten Hypertrophie der Muskelfasern statt.

Obwohl man derzeit glaubt, dass die Proteinzunahme nach widerstandstraininginduzierter Muskelfaserhypertrophie ein Resultat einer verstärkten Translation ist, basiert dieses Konzept auf einem einzigen, ungewohnten Trainingsreiz, ohne Messung der Hypertrophie an verschiedenen Zeitpunkten des Widerstandstrainings.

Desweiteren scheint das Alter die akute Antwort auf Widerstandstraining zu beeinflussen, aber ob Altersunterschiede eine verschlechterte Adaptation an Widerstandstraining bewirken ist unklar. Deswegen wurde in der vorliegenden Studie untersucht, ob die fraktionelle Proteinsyntheserate (FSR) und Akt/Mammalian target of Rapamycin (mTOR) Aktivität durch ungewohntes Widerstandstraining, abhängig vom Alter, reguliert werden. Ebenfalls wurde untersucht, ob altersabhängige Akutreaktionen mit Unterschieden in der Muskelhypertrophie assoziiert sind, wenn 16 Wochen Widerstandstraining absolviert werden.

15 ältere und 21 jüngere Probanden absolvierten das 16-wöchige Trainingsprogramm. Die Phosphorylierung von Akt, S6K1, ribosomal protein S6 (RPS6), eukaryotic initiation factor 4E (eIF4E) binding protein (4EBP1), eIF4E und eIF4G war 24 Stunden nach einem ungewohnten Trainingsreiz erhöht (23-199%). Gleichzeitig stieg die FSR bei einigen (sechs Jungen und acht alten Probanden) um 62% an. Nur für die RPS6 Phosphorylierung wurde eine Alter x Zeit Wechselwirkung gefunden (+335%, nur bei älteren Probanden), ein Trend (P=0,084) für eine Wechselwirkung wurde für die FSR gefunden (+96%, nur bei jüngeren Probanden). Nach dem 16-wöchigen Widerstandstraining waren die Zugewinne an Muskelmasse, Typ-II Muskelfasern und Kraft bei jungen und alten Probanden ähnlich.

Zusammenfassend kann man sagen, dass bei älteren Personen - auf der Ebene der Translation – keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Reaktion auf Widerstandstraining gefunden wurde. Zum ersten Mal wurde gezeigt, dass die Änderungen der Translationsaktivität nach einem ungewohntem Widerstandstraining mit erheblichem Muskelproteinzunahme (Hypertrophie) in Verbindung steht.

Meine Gedanken dazu:

Es gibt immer mehr Forschung bezüglich der Hypertrophie bei älteren Personen. Mein guter Freund, Carl Lanore, sagt dazu gerne: "Muskulatur ist die Währung des Stoffwechsels. Beweg Dich heute also ins Studio und zahle etwas ein." Ich stimme dem vollkommen zu. Es scheint, als sei es im Alter schwieriger Muskulatur aufzubauen, aber das Ausmaß ist noch immer unklar. Anfängliche Studien zeigten auf, dass es schwieriger ist, aber neuere Studien (wie die eben besprochene) deuten darauf hin, dass der Unterschied vielleicht gar nicht so groß ist. Dies war eine 16-wöchige Studie (was für die meisten Studien eine gute Dauer ist), und es wurde eine UNBEKANNTE Übung verwendet. Ich denke, dies ist der wichtige Punkt. Man muss dem Körper einen Grund zur Adaptation geben. Ebenfalls wurde gezeigt, dass die Kraft anstieg.

Welche drei Punkte haben wir heute gelernt?
  1. NSAIDs sind womöglich nicht ganz so schlecht für Hypertrophie wie wir bisher dachten.
  2. In der Zukunft könnte das Timing ein größeres Thema werden, aber momentan solltest Du einfach nur ins Studio gehen.
  3. Falls Hypertrophie Dein Ziel ist, must Du Deine Muskeln stets "überraschen". Du solltest aber jetzt nicht total abgedreht trainieren, weil gutes, altes Überlastungstraining (mehr Last über die Zeit hinweg) ein sehr starker Stimulus ist. Ich bin ein Fan von zusätzlichem Volumen, da es Dir ermöglicht die Erschöpfung zu kontrollieren (Charles Staleys Ohren brennen jetzt) und trotzdem die Wiederholungen sauber auszuführen.