Das Design der Studie kann wie folgt skizziert werden:
- Es nahmen acht Männer (Durchschnittsalter 23,8 Jahre) an der Studie teil.
- An drei Zeitpunkten, die jeweils eine Woche voneinander getrennt lagen, erhielten alle Teilnehmer einmal 200 mg Androstendiol, einmal 200 mg Androstendion und einmal einen Placebo.
- Vor der Einnahme sowie 30, 60 und 90 Minuten danach wurde die Blutkonzentration von Androstendion, Gesamttestosteron und freiem Testosteron gemessen.

Statistisch signifikant ist lediglich der Anstieg von Androstendion sowohl nach Gabe von Androstendion, als auch nach Androstendiol. Wobei der Anstieg nach Androstendion (von 2,45 auf 11,18 ng/ml) deutlich höher ausfällt, als bei Androstendiol (von 2,04 auf 4,15 ng/ml). Testosteron und freies Testosteron ändern sich nicht signifikant.
Das ist wiederum erstaunlich, wenn man die Ergebnisse hier mit denen der in-vitro-Studie von Blaquier et al. vergleicht. Denn nach Blaquier et al. wird
- Androstendiol zu 15,76 % in Testosteron umgewandelt, doch nur zu 0,18 % in Androstendion
- Androstendion zu 5,61 % in Testosteron verwandelt, also deutlich schwächer, als Androstendiol.
Man kann mit Zahlen eine ganze Menge anstellen und das tun die Autoren der Studie hier auch. Sie berechnen nämlich noch zusätzlich die "Area under the Curve" (AUC) für Androstendion, Testosteron und freies Testosteron.
Zur Erinnerung: Unter AUC versteht man z.B. die Fläche unter der Testosteronkurve über einen bestimmten Zeitraum (hier 90 min). Vereinfachend kann man auch sagen, dass die AUC für die durchschnittliche Konzentration über einen Zeitraum steht.
Die AUC-Werte zeigt die folgende Tabelle:

Und siehe da - es ergibt sich die statistische Signifikanz nicht nur für den Androstendion-Wert, sondern auch für Gesamt- und freies Testosteron, sowohl nach Gabe von 200 mg Androstendion, als auch nach 200 mg Androstendiol.
Das mag nun etwas seltsam erscheinen, da diese Betrachtung ja auf denselben Messungen beruht, wie die Betrachtung zuvor. Und ich denke auch, dass die Autoren hier eine klein wenig die Ergebnisse "verbiegen".
Denn wenn man einfach die AUC als Anhaltspunkt nimmt, so bleibt der Basislevel unberücksichtigt. D.h.: Dadurch, dass die Placebogruppe einen niedrigeren Testosteron-Ausgangswert hat (4,67 ng/ml), wird natürlich auch die Fläche unter der Testosteronkurve (also die AUC) kleiner, als bei den etwas höheren Ausgangswerten in Androstendion- und Androstendiolgruppe (5,27 und 5,49 ng/ml).
Erstaunlich ist allerdings, dass die Umwandlung von Androstendion zu Testosteron (AUC: 470,9) einen Tick deutlicher ausfällt, als die von Androstendiol (AUC: 462,3).
Fazit aus dieser Studie:
Wenn man die Zahlen von Blaquier et al. im Kopf hat, so enttäuscht Androstendiol hier doch ziemlich. Es scheint merkbar zu Androstendion umgewandelt zu werden, jedoch kaum zu Testosteron. Wenn überhaupt, so scheint eher Androstendion den Testosteronwert erhöhen zu können, als Androstendiol.