Ein Interview mit Charles Poliquin (II)
WU: "Hello Charles. I am still looking for bagels which can be grown. Do you have any recommendations for me?"
CP: Unglücklicherweise nicht. Wenn ich das wüsste, wäre ich ein Multi Milliardär.
WU: Meine Frage wäre, inwiefern macht Krafttraining zur Ergänzung von Ausdauertraining für Ausdauersportler Sinn?
CP: Erstens: Krafttraining erhöht Deine Grundschnelligkeit, d.h. Du rennst schneller, schwimmst schneller und fährst schneller Fahrrad. Zweitens: Wissenschaftliche Studien sind eindeutig; Krafttraining unterstützt Dein Ausdauertraining. Es verlängert die Zeit bis zur Ermüdung. Das heißt ein Ausdauersportler der Krafttraining macht, ist am Ende eines Rennens länger im Stande seine Leistung zu halten. Und damit schneller als die Konkurrenz.
WU: Wie viele Kohlenhydrate empfiehlst Du jemandem pro Tag, wenn er eine geringe Toleranz für Kohlenhydrate hat?
CP: Für jemanden, der kohlenhydratintolerant ist, sieht die tägliche Zufuhr an Kohlenhydraten wie folgt aus: 10mal an einer getrockneten Pflaume lecken.
WU: Meine Fragen zur Entwicklung von Schnelligkeit & Explosivität:
Machen plyometrische Übungen Sinn?
CP: Plyometrics sind sehr spezifisch. Sie sind sinnvoll, wenn sie darauf abgestimmt sind, was der Athlet braucht. Wenn ich italienisch lerne um in Kolumbien Frauen kennenzulernen, wird mir das nicht viel bringen. Das ist das Gesetz des spezifischen Bedarfs. Plyometrics müssen den Stretch Reflex Zyklus, der in jedem Sport anders ist, reproduzieren. Dann haben sie einen Wert. Ansonsten ist es Zeitverschwendung.
WU: Mich würde mal interessieren, wie er bei älteren Athleten das Training und den Umfang anpasst.
Sprich bei Athleten ab 40 Jahre, die noch aktiv oder auch beim abtrainieren sind. Wird Intensität oder Umgang reduziert oder beides und auf welchem Level lässt er sie dann weitertrainieren, damit sie ihre Form halten?
CP: Ältere Athleten können weniger Volumen tolerieren. Sie sollten das Volumen um 40% reduzieren. Somit brauchen sie kürzere Workouts.
Wenn jedoch der Gesundheitszustand ausgezeichnet ist, so wie bei mir, ändert sich nichts. Ich trainiere noch genauso wie als ich 20 war. Und wie Du weißt, bin ich immer noch stärker als die meisten 20jährigen.
Wenn Du mit 40 mit dem Krafttraining beginnst und wenn Du einen niedrigen Testosteronspiegel hast, würde ich damit beginnen Deinen Testosteronlevel durch entsprechende Botanicals wieder auf Optimallevel zu bringen. Hauptgrund, warum viele Männer über 40 einen niedrigen Testosteronlevel haben, ist die Konvertierung von Pregnenolon zu Cortisol anstatt zu Testosteron. Diesen Prozess umzukehren ist der effektivste Weg das berüchtigte Bauchfett zu reduzieren und den Testosteronlevel auf Optimum zu bringen.
WU: Was sind aus Deiner Sicht die ausschlaggebensten Dinge für Hypertrophie?
CP: Hypertrophie ist genaugenommen das einfachste Ziel. Zum einen ist Deine Einstellung entscheidend.
Wenn Du ständig jammerst, dass du nicht zunehmen kannst, nimmst Du nicht zu. Wenn Du überzeugt bist, dass Du wachsen kannst, wirst Du wachsen.
Ein weiterer Punkt ist das Trainingsvolumen. Es sind minimum 18h intensives Krafttraining pro Monat nötig um entsprechende Fortschritte zu machen. 18h pro Monat ist das Minimum an intensives Krafttraining für einen Athleten, wenn er mit mir arbeiten will. Das heißt für Dich, trainiere an 3 von 5 Tagen.
Du kannst nicht effizient Muskel aufbauen, wenn du 3mal die Woche 20 Minuten trainierst.
Wenn Du nicht bereit bist, das zu leisten, wirst Du nicht wachsen.
Und die wenigsten essen genug. Die meisten denken, dass sie viel essen. Viel ist jedoch sehr subjektiv.
Trainingsvolumen, Mindset und Essen. Das sind die entscheidendsten 3 Faktoren.
WU: In letzter Zeit ist Training auf instabilem Untergrund sehr populär. Welchen Sinn machen Vibrationsplatten & Co?
CP: Training auf instabilem Untergrund und Vibrationsplatten macht für einen Athleten Sinn, dessen Sport voraussetzt, dass er auf einer Müllhalde rumrennt.
Jemand, der diese Methoden empfiehlt und verwendet wird nie einen olympischen Weltrekordhalter trainieren.
Das ist Zirkustraining.
WU: Was wäre seine Botschaft an Athleten, egal ob Kraftsportler oder Leichtathlet, in Bezug auf die Entwicklung?
CP: Athleten müssen sich bewusst werden, dass Leistungsfähigkeit immer spezifisch ist. Zudem vergessen die Meisten, dass die spezifische Leistungsfähigkeit für den einzelnen Sport immer eine hohe Grundkraft als Basis hat. Je breiter die Basis, desto höher der Grad der Spezialisierung. Athleten müssen stark sein.
WU: Die wichtigste Innovation im Krafttraining in den letzten 10 Jahren?
CP: Das ist einfach: PIMST. PIMST kann innerhalb von 2 Minuten das, für was diese T-Nation Dweebs mit ihrem dynamischen Aufwärmen 20 Minuten brauchen. Effizienz hat Priorität.
(Anmerkung des Autor: PIMST ist eine Kombination von Akkupressur Techniken, die innerhalb von Sekunden die Flexibilität verbessern und Kraft steigern)
WU: Welches neue Supplement hat Dich in den letzten 10 Jahren am meisten überzeugt?
CP: 10 Jahre ist eine lange Zeit. Ich würde sagen, die Kombination von Creatine Monohydrat und Beta Alanine.
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Interview von PICP Coach Wolfgang Unsoeld