Ein Artikel von Bodybuilding.com
Geschrieben von David Robson

Die diesjährige Mr. Olympia verspricht eine der aufregendsten aller Zeiten zu werden, da Ronnie Coleman versuchen wird seinen Titel zu verteidigen und zum neunten Mal Mr. Olympia zu werden. Wir dachten uns, dass dies eine gute Gelegenheit wäre, einen der besten Mr. Olympia Gewinner aller Zeiten zu interviewen - Dorian Yates.

In diesem Interview stellt Dorian die Trainings- und Ernährungsstrategien vor, die er bei der Vorbereitung auf seine sechs Mr. Olympia Titel verwendet hat. Er geht weiterhin darauf ein, wie die Mr. Olympia heutzutage ausgetragen wird und lässt uns an seiner Meinung über die Zukunft des Bodybuildings teilhaben.



Dorian wurde oft mit "The Beast of Britain" (die Bestie aus Großbritannien) oder "The Shadow" (der Schatten) betitelt. Zudem gilt er als der Bodybuilder, der einen neuen Trend in Sachen Masse geschaffen hat. Mit seinen Methoden hat er das Bodybuilding-Training revolutioniert und könnte daher zu Recht als der wichtigste Bodybuilder in der Geschichte dieses Sports angesehen werden.
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In seiner Jugend spielte er die Rolle eines Außenseiters der Gesllschaft und musste sogar einige Zeit in einer Besserungsanstalt verbringen. Damals hätte wohl niemand gedacht, dass aus ihm einmal ein erfolgreicher Profi-Bodybuilder werden würde. Doch er schaffte es nicht nur der beste Bodybuilder seiner Zeit zu werden und von 1992 bis 1997 insgesamt sechs Mr. Olympia-Titel zu holen. Mit seiner Selbstdisziplin, seiner "Blood and Guts"-Trainingsmethodik (übersetzt: "Blut und Mut") und der ihm eigenen Art die Dinge anzugehen, prägte er auch entscheidend die Richtung des modernen Bodybuildings.

Dorian trat auf der Bühne mit einer solchen Kombination aus Masse und extremer Definiertheit an, dass ihn in der Zeit seiner Mr. Olympia Siege niemand auch nur annähernd in puncto Masse oder Härte hätte übertreffen können. Sein Entwicklungsstand setzte neue Maßstäbe im Bodybuilding und wurde zum Vorbild vieler Bodybuilder bis zum heutigen Tage.

Als Anhänger des High Intensity Trainings (HIT) und Fan von Mike Mentzers Heavy Duty Philosophie entwickelte Dorian seinen eigenen Ansatz zum Masseaufbau - das "Blood and Guts" System - und wurde selbst zum wandelnden Beweis für dessen Effizienz. Dieses einmalige Trainingssystem legt den Schwerpunkt darauf, jeden Muskel durch eine Auswahl von Übungen aus allen möglichen Winkeln zu trainieren und ist sowohl kurz als auch sehr intensiv (nicht länger als 45 Minuten pro Trainingseinheit). Diese Methode wird noch heute von vielen Bodybuildern mit großem Erfolg eingesetzt.

Wegen zahlreicher Verletzungen musste Dorian 1997 nach dem sechsten Mr. Olympia Titel den aktiven Wettkampfsport aufgeben, und er begann damit, seine Hardcore-Trainingsmethodik der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dazu nutze er diverse Medien und natürlich auch sein Fitness-Center, das Temple Gym. Heutzutage ist aus dem Temple Gym eine Kette geworden, die Dorian im Franchising System betreibt, zudem wirkt er als Kampfrichter und Promoter bei Wettkämpfen mit, trainiert ausgewählte Klienten und ist Berater in der Bodybuilding- und Fitnessindustrie. Sein Herz schlägt auch heute noch für das Bodybuilding und sein Erbe kann in vielen Fitnessstudios und auf vielen Wettkampfbühnen überall auf der Welt bewundert werden.

[ F ] Hi Dorian. Was machst Du aktuell so? Gibt es irgendwelche neuen Projekte oder Unternehmungen?

[ A ] Im Augenblick bin ich hauptsächlich mit dem Franchising Vertriebskonzept des Temple Gym beschäftigt. Ich habe dafür ein Leistungspaket zusammengestellt, das für alle Arten von Fitnessstudios attraktiv ist. Andere Franchising Konzepte sind etwas restriktiv, was die Mindestanforderungen für die Größe und ähnliches angeht. Unser Leistungspaket ist flexibel. Das Temple Gym ist allgemein als Hardcore-Studio bekannt, doch wir wollen nicht nur Hardcore-Bodybuilder ansprechen, sondern auch Leute, die einfach nur Fitnesstraining machen wollen, und wir planen sogar in einigen Fällen reine Frauenstudios. Im Augenblick nehmen wir gerade die ersten Fitnessstudios unter Vertrag. Wir befinden uns also noch in der Anfangsphase. Wenn man ein Temple Gym eröffnen will, dann kann man die Ausstattung wie Geräte, Bodenbeläge, Beleuchtung und anderes zu einem günstigeren Preis als sonst bekommen. Wir vertreiben auch Kleidung und Zubehör. Natürlich bringt die Publicity, die durch den Namen "Temple Gym" generiert wird, zusätzliche Einkünfte

[ F ] Inwieweit bist Du noch in das aktuelle Bodybuildinggeschehen involviert, nachdem Du Dich vom aktiven Wettkampfsport zurückgezogen hast?

[ A ] Ich bin auf verschiedenen Ebenen involviert. Ich promote einige Grand Prix Wettkämpfe in England und Holland. Außerdem habe ich immer noch Auftritte, halte Seminare und trainiere einige Klienten. Weiterhin habe ich begonnen als Kampfrichter bei Profiwettkämpfen wie der Pro Show in New York und eventuell auch bei der Mr. Olympia aktiv zu werden.

[ F ] Was die Wettkampfbeurteilungen angeht, was ist Deine Meinung zu den neuen Kriterien, welche die Wettkämpfer dazu ermuntern sollen, mehr "stromlinienförmige" Masse zu zeigen?

[ A ] Ich glaube nicht, dass dies eine große Veränderung bringen wird. Der Athlet mit dem besten Gesamteindruck wird gewinnen. Es ist meiner Meinung nach jedoch eine gute Idee die ganze Sache ästhetisch zu halten - besonders wenn man Leute hat, die mit lauter Beulen durch Injektionen von Öl auf die Bühne kommen. Ich glaube nicht, dass dies der richtige Weg ist, und ich fände es gut, wenn so etwas durch diese neuen Kriterien verschwinden würde.



[ F ] Geht Deiner Ansicht nach das moderne Bodybuilding in die richtige Richtung? Sollten an der Spitze einige Änderungen vorgenommen werden?

[ A ] Das ist schwer zu sagen. Ich glaube in den Neunzigern kamen mehr Amateure ins Profilager. Wahrscheinlich sollte das ganze bereits auf dem Anfänger- oder Juniorlevel anfangen. Es ist für mich schwer zu sagen, da ich die meiste Zeit in Europa bin und weniger in Amerika, doch ich glaube, dass die Wettkämpfe in Amerika immer noch sehr populär sind, wenn auch etwas weniger in Europa. Viele Leute sind hier in den Fitnessbereich übergewechselt.

[ F ] Hat sich die Qualität der Körperentwicklung auf den Profibühnen verändert, wenn man die Bodybuilder von heute mit denen aus der Zeit vergleicht, als Du noch aktiv warst?

[ A ] Ich bin nicht der Ansicht, dass sich hier irgendetwas radikal verändert hat. Ich glaube, dass viele Leute versuchen mehr in Richtung Masse zu gehen. Wenn ich mich für einen Wettkampf vorbereitet habe, war maximale Masse nicht mein alleiniges Ziel, obwohl die reine Masse damals auch sehr wichtig war. Ich war immer sehr darauf bedacht maximal gut definiert zu sein, wenn ich auf die Bühne kam. Ich glaube, daran fehlt es heutzutage etwas, und das hat sich innerhalb der letzten Jahre so entwickelt. Wenn man zu einem Profiwettkampf geht, sieht man einige Athleten, die in Top-Form sind, und der Rest ist weder besonders gut noch besonders schlecht. Damals, zu der Zeit als ich noch bei der Mr. Olympia antrat, sah man sehr viele Athleten, die in wirklich guter Form antraten. Damals wurde mehr Wert auf die Definition gelegt. Heutzutage sieht man immer wieder Athleten, die ihre Definition für mehr Masse opfern. Es kling vielleicht seltsam, wenn ich das sage, da ich ja für meine Masse bekannt war, doch wenn ich mich auf einen Wettkampf vorbereitete, war Masse nicht meine Priorität. Natürlich hatte ich schon einiges an Masse, doch das Wichtigste war für mich in eine superhart definierte Form zu kommen.

[ F ] Natürlich warst Du für den Grad Deiner Definition bekannt. Von Deiner harten Definition, bei der jede Muskelfaser sichtbar war, spricht man noch heute. Hast Du etwas Spezielles getan um dieses Aussehen zu erreichen?

[ A ] Da gibt es keine magischen Tricks, das ist ein Ganzjahresjob. Man muss nur in der Off-Season in guter Form bleiben und sich dann langsam über einen langen Zeitraum in Wettkampfform bringen. Dabei sollte man anpeilen bereits zwei bis drei Wochen vor dem Wettkampf in annähernder Wettkampfform zu sein. In den letzten Wochen braucht es dann nur noch etwas Feintuning, wie z.B. die Manipulation des Wasserhaushaltes. Wenn man etwas Radikales plant um in den letzten Wochen noch etwas zu verändern, dann glaube ich, dass man die Sache falsch angeht. Viele Bodybuilder verlassen sich auf sehr exotische Last Minute "Voodoo Praktiken" mit viel Chemie und dergleichen, Das Ganze in der Hoffnung, damit Wunder vollbringen zu können. Dieser Ansatz ist potentiell gesundheitsschädlich. Wenn man bereits längere Zeit vor dem Wettkampf gut in Form ist, dann kann man die Sache ruhiger angehen und seine Form viel leichter manipulieren.

[ F ] Du warst also immer bereits einige Wochen vor dem Wettkampf in guter Form?

[ A ] Ja, gewöhnlich ungefähr zwei bis drei Wochen vorher. Die letzten Trainingseinheiten absolvierte ich gewöhnlich im Steve Weinberger and Bev Francis' Gym in New York. Wenn ich von dort kam und ins Flugzeug nach Europa stieg, war ich in Wettkampfform. Man hätte mich auffordern können am nächsten Tag auf die Bühne zu kommen, und ich hätte kein Problem damit gehabt.

[ F ] Welche Fertigkeiten und Fähigkeiten hast Du Dir in all den Jahren als Profi angeeignet? Wie nutzt Du diese in Deinem Leben heute?

[ A ] Ich glaube das wichtigste, was ich mir angeeignet habe, waren die mentalen Fähigkeiten. Ziele setzen war etwas, was ich recht früh gelernt habe - sowohl auf kurze als auch auf lange Sicht. Zudem gewinnt man auch an Zielstrebigkeit und Charakterstärke, wenn man sich den Herausforderungen des Sports stellt. Dies überträgt sich dann automatisch auch auf den Rest des täglichen Lebens.

[ F ] Als sechsfacher Mr. Olympia warst Du ganz klar einer der Besten. Was hat dich als Mr. Olympia Sieger am meisten befriedigt?

[ A ] Ich glaube, es war ein Erfolgserlebnis, wenn man aus dem Umfeld kommt, aus dem ich kam. Ich hatte nicht wirklich Unterstützung als ich anfing. Die Studios in England waren im Vergleich zu denen in den Staaten nicht besonders gut ausgestattet, und die Einstellung hier lässt sich am besten mit den folgenden Worten ausdrücken: "Du kannst die Amis niemals schlagen". Das Empfinden der Athleten war fast so, als wären die Amerikaner 3 Meter groß und unbesiegbar. Bodybuilding war ein amerikanischer Sport, und deshalb sah hierzulande kaum jemand eine Chance, dass ich mich gegen die Amerikaner würde durchsetzen können. Da war all das Gerede um Beziehungen - "Du kennst nicht die richtigen Leute, Du bist nicht in den Zeitschriften, und keiner kennt Dich". Ich glaubte nicht an all diese Vorurteile, und sie stellten sich dann auch als Mythen heraus. Ich glaube, dass man unabhängig davon, woher man kommt, erfolgreich sein kann. Man muss die richtigen Voraussetzungen mitbringen und zielstrebig genug sein.

[ F ] Du hast ganz offensichtlich bewiesen, dass Du die richtigen Voraussetzungen hattest um die Besten der Welt zu schlagen. Hattest Du das Gefühl, dass Du etwas ganz Spezielles mit auf die Bühne bringen musstest um wahrgenommen zu werden?

[ A ] Ja, vielleicht. Meine Philosophie war: "Ich werde so verdammt gut sein, dass sie mich nicht ablehnen können." Das war mein Weg die Dinge anzugehen. Es geht mir immer etwas auf die Nerven, wenn ich Leute höre, die sich über ihre Platzierung beschweren, weil sie "noch nicht lange genug dabei sind" oder "nicht nach deren Regeln gespielt haben" oder "nicht die richtigen Leute kennen, da Beziehungen alles sind". Ich finde, dass dies einfach nur Schwachsinn ist, und ich habe bewiesen, dass es so ist.

[ F ] Es gab viele Momente während Deiner Karriere, in denen du wegen diverser Umstände Grund gehabt hättest aufzuhören und dich vom Bodybuilding zurückzuziehen. Was hat Dich motiviert weiter zu machen und das zu erreichen, was Du am Ende erreicht hast?

[ A ] Ich bin einfach ein dickköpfiger Bastard. Ich gebe nicht so leicht auf. Es gab einige Momente in denen ich hätte aufhören können. 1994 hatte ich einen Bizepsriss, der mich aus dem Wettkampf hätte werfen oder sogar meine Karriere hätte beenden können. Ich entschied mich jedoch dazu, einfach weiter zu machen und wie immer mein Bestes zu geben, und das hat dann auch funktioniert.
Meine Trizepssehnenverletzung 1997 war noch kürzer vor dem Wettkampf. Ich habe es trotzdem geschafft, den Wettkampf zu bestreiten und auch zu gewinnen. Dennoch brachte mich diese Verletzung letzten Endes dazu, vom Wettkampfsport zurückzutreten, da sie mich beim Training so stark behinderte, dass ich das Gefühl hatte in Zukunft nicht mehr mein Bestes geben zu können. Dieser Umstand hat die Sache allerdings nur etwas beschleunigt, da ich früher oder später sowieso mit dem Wettkampfsport aufgehört hätte.



[ F ] Wie genau hast Du um die Trizepsverletzung herum trainiert?

[ A ] Vor dem Wettkampf konnte ich den Trizeps gar nicht trainieren, da die Verletzung zu schwer war. Ich konnte meinen Arm nicht einmal strecken, geschweige denn posen. Wie bereits erwähnt, hatte ich immer die Strategie verfolgt, bereits längere Zeit vor einem Wettkampf in recht guter Form zu sein. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Verletzung nicht trainieren konnte, setzte ich trotzdem meine Diät und mein Cardiotraining fort und versuchte die von der Verletzung verursachte Schwellung zum Abschwellen zu bringen - das war mir damals das Wichtigste. Ich entschied mich erst am letzten Tag trotz allem doch noch anzutreten. Ich wusste nicht, ob ich es schaffen würde, doch ich wollte einfach nicht aufgeben. Ich gab mein Bestes und schaffte es. Kurz nach dem Wettkampf wurde ich schließlich operiert und die Sehne repariert.

[ F ] Ich glaube, dass diese mentale Stärke, die notwendig war um unter diesen Umständen am Wettkampf teilzunehmen, etwas ist, das Dich als Athlet von Deinen Gegnern unterscheidet.

[ A ] Ich glaube, das ist immer das, was den Unterschied zwischen dem Gewinner und dem Zweit- oder Drittplatzierten ausmacht. Die meisten Wettkämpfer ab einem gewissen Level sind sehr talentierte Athleten. Was dann den einen von den anderen abhebt, ist gewöhnlich der mentale Aspekt.

[ F ] Ronnie Coleman hat kürzlich gesagt, dass seine Karriere sein Leben ist, und dass er die meiste Zeit mit der Vorbereitung auf die Mr. Olympia verbringt. Hattest Du jemals eine ähnliche Philosophie?

[ A ] Ja, die hatte ich. Wenn ich zurückblicke, war ich vielleicht etwas zu extrem - ich habe mir absolut keine Nachlässigkeit erlaubt. Ronnie ist sehr engagiert, und das ist der Grund dafür, dass er Mr. Olympia ist. Doch selbst Ronnie würde wahrscheinlich sagen, dass er sich auch mal ein paar Monate Pause vom Training gönnt. Ich habe mir nie mehr als eine Woche erlaubt. Selbst als ich nach der Mr. Olympia Wahl im Urlaub war, habe ich mir ein Fitnessstudio gesucht in dem ich trainieren konnte. Für mich waren es nicht nur 24 Stunden am Tag sondern auch 365 Tage im Jahr. Das war vielleicht ein bisschen zu extrem, doch das war es, was mich von einem kleinen Hinterhofstudio in England bis zum Gewinn des Mr. Olympia gebracht hat. Deshalb wollte ich daran einfach nichts ändern.

[ F ] Was hat Dich dazu gebracht, der beste Bodybuilder der Welt sein zu wollen?

[ A ] Ich wollte einfach anders sein. Ich habe nicht von Anfang an geplant Mr. Olympia zu werden. Ich wollte einfach das Maximum von dem erreichen, was ich erreichen konnte, und meine Ziele haben sich dann mit der Zeit verändert. Zuerst wollte ich britischer Meister werden, dann wollte ich Profi werden, und schließlich hatte ich den Mr. Olympia Titel als Ziel. Vielleicht hatte ich schon als Amateur den Mr. Olympia-Titel irgendwo im Hinterkopf, aber als ich damals für die britische Meisterschaft trainierte, war dieses Ziel noch so weit weg, dass es keinen Sinn gemacht hätte, sich darauf zu konzentrieren. Wichtiger waren die Ziele, die näher lagen. Ich kann es nicht genau erklären, doch einige Leute werden dadurch angetrieben, dass sie herausragend bzw. überdurchschnittlich sein wollen. Das war etwas, was ich immer schon sein wollte. Wenn ich kein Wettkampfbodybuilder geworden wäre, hätte ich mir wahrscheinlich eine andere Art Wettbewerb gesucht - und wenn der nur darin bestanden hätte, mehr oder größere Fitnessstudios zu eröffnen. Ich war nie dazu bestimmt ein normaler Durchschnittsbürger zu sein. Das soll jetzt nicht überheblich klingen, ich will damit eigentlich nur sagen, dass so etwas nichts für mich gewesen wäre.

[ F ] Du hast Bodybuilding und den Wettstreit um den Mr. Olympia offensichtlich geliebt. Was am Bodybuilding hast Du am meisten gemocht?

[ A ] Da gibt es einige Sachen. Zunächst einmal gefällt mir am Bodybuilding, dass es eine Individualsportart ist. Ich bin nun mal ein Einzelgänger und mache, was ich will. Teil eines Teams zu sein war für mich nie besonders reizvoll. Was ich geliebt habe, war ins Fitnessstudio zu gehen und mich mental und körperlich zu fordern und ganz einfach meine persönlichen Grenzen auszutesten. Aus diesem Grund konnte ich Profibodybuilder, die pro Jahr eine Auszeit von zwei bis drei Monaten vom Training nehmen, nie verstehen. Warum sollte man so etwas tun, wenn man Spaß am Training hat? Ich trainiere auch heute noch. Vielleicht nicht mehr in dem Maße wie früher, doch mit mehr Varianten. Ich mache zwar auch viel Cardio, doch ich liebe es ins Studio zu gehen und zu trainieren. Das ist keine Arbeit für mich sondern Vergnügen.

[ F ] Wie sieht Dein Trainingsplan heutzutage aus?

[ A ] Ich trainiere gewöhnlich dreimal pro Woche mit Gewichten. An drei anderen Tagen führe ich ein Cardio Training durch - Joggen, Radfahren oder Kampfsport - es kommt immer darauf an, wozu ich gerade Lust habe. Ich mag es etwas Abwechslung in mein Cardiotraining einzubauen.

[ F ] Hast Du irgendwelche speziellen Trainingsziele?

[ A ] Eigentlich möchte ich nur fit, gesund und einigermaßen in Form bleiben - das ist alles. Ich muss etwas vorsichtig sein, damit die Verletzungen, die ich mir im Laufe der Jahre zugezogen habe, nicht wieder Probleme machen.

[ F ] Gab es einen bestimmten Mr. Olympia Titel, der für Dich besonders wichtig war?

[ A ] Für mich war mein zweiter Mr. Olympiatitel 1993 der wichtigste. 1992 hatte ich das erste Mal gewonnen, und man würde eigentlich erwarten, dass dies der wichtigste Titel für mich gewesen wäre, doch 1993 hat einfach alles gestimmt. Es klingt vielleicht seltsam, aber 1992 war ich immer noch in der Experimentierphase und kam etwas zu leicht auf die Bühne, da ich es mit der Diät übertrieben hatte. 1993 vermied ich diesen Fehler, kam 17 Pfund schwerer auf die Bühne und alle dachten, ich würde irgendein Supermittel verwenden. Das war es natürlich nicht - ich hatte einfach nur gelernt mich optimal auf den Wettkampf vorzubereiten. Deshalb war es nicht nötig für den Bühnenauftritt Muskelmasse zu opfern.

[ F ] Das war eine der besonders beeindruckenden Verwandlungen in der Geschichte des Profibodybuildings. Hast Du etwas Spezielles getan um das zu erreichen, was Du bei der Mr. Olympia 1993 präsentiert hast?

[ A ] Ich hatte ein gutes Trainingsjahr hinter mir und konnte gute 7 bis 8 Pfund Muskeln aufbauen, was für jemanden auf diesem Level ein tolles Ergebnis ist. Die restlichen 10 Pfund waren ganz einfach die Masse, die ich im Vorjahr bei der Diät verloren hatte. Ich ging damals sehr analytisch vor und machte in der Wettkampfvorbereitungsphase jede Woche Bilder von mir. Außerdem führte ich genau Buch über mein Gewicht und meinen Körperfettanteil. So hatte ich in der Vorbereitungsphase stets einen guten Überblick und konnte schnell erkennen, wenn etwas schief lief und ob das, was ich tat, auch funktionierte. Eine gut geplante Vorbereitung war für mich immer wichtig.

[ F ] Was hat Dich dazu gebracht mit dem Bodybuilding zu beginnen? Warst Du schon immer sehr athletisch?

[ A ] Ich habe etwas Karate gemacht als ich jünger war. Als ich eine kurze Strafe in einem Jugendgefängnis absitzen musste, kam ich mit Gewichten in Kontakt und war von allen Jungs dort der stärkste. Das Training dort hat mir Spaß gemacht, und ich glaube, das spornte mich dazu an etwas Positives damit zu erreichen.

[ F ] Über Dein hochintensives Blood and Guts Trainingssystem wird regelmäßig geredet. Was an diesem System hat Dir Deine tollen Resultate gebracht?

[ A ] Hochintensives Training in Kombination mit den notwendigen Erholungsphasen ist das, was das Muskelwachstum anregt. Wenn man sich ansieht wie die Profis heute trainieren, dann sieht man, welchen Einfluss dieses System auf sie hatte. In den späten Achtzigern trainierte man noch 6-mal pro Woche und trainierte jede Muskelgruppe zweimal wöchentlich. Dann kam ich mit einer völlig anderen Trainingsphilosophie, die auf dem High Intensity Training (HIT) beruht. Viele Leute vor mir haben sich bereits für diese Philosophie eingesetzt: Arthur Jones von Nautilus und Mike Mentzer mit seinem Heavy Duty. Mein System war jedoch mehr praktisch orientiert und beeinflusste bald die Art und Weise zu trainieren. Ich glaube, das ist der Grund dafür, dass Bodybuilder heute massiger als früher auf die Bühne kommen - sie sind nicht ständig im Studio und deshalb die ganze Zeit übertrainiert.



[ F ] Könntest Du dieses System etwas detaillierter beschreiben?

[ A ] Die Intensität der Übungen ist wichtig, nicht die Trainingsdauer. Wenn man es schafft einen ausreichend intensiven Satz auszuführen um das Muskelwachstum zu stimulieren, dann wird man durch weitere Sätze nichts zusätzliches erreichen - selbst wenn man 99 oder 100 solcher Sätze ausführen würde. Wenn man einen intensiven Satz bis zum Muskelversagen absolviert, dann hat man damit das Muskelwachstum angeregt. An diesem Punkt bringt ein weiterer Satz nichts mehr sondern verzögert nur die Muskelregeneration. Das ist also der Grund dafür, warum man mit wenigen Sätzen trainieren sollte.

[ F ] Wie unterscheidet sich Dein System vom Heavy Duty Training?

[ A ] Es gibt etwas mehr Abwechslung bei der Anzahl der Übungen, die ich verwende. Mike schränkte die Anzahl seiner Übungen sehr ein und verwendete hauptsächlich Maschinen. Für die vollständige Muskelentwicklung eines Wettkampfathleten muss man unterschiedliche Aspekte der Muskulatur herausarbeiten und die Muskulatur hierfür aus verschiedenen Winkeln beanspruchen. Deshalb braucht man eine größere Anzahl unterschiedlicher Übungen und nicht nur Maschinen, sondern auch freie Gewichte. Auf lange Sicht gesehen sind, freie Gewichte Maschinen weit überlegen.

[ F ] Trainierst Du auch heute noch nach dem Blood and Guts System?

[ A ] Ja, meine Trainingseinheiten sind jetzt jedoch kürzer - so 30 bis 40 Minuten. Ich trainiere auch nicht groß bis über das Muskelversagen hinaus und bestimmte Übungen kann ich aufgrund der Verletzungen von damals gar nicht mehr ausführen. Mir geht es jetzt mehr darum eine gewisse Masse zu halten, meinen Körperfettanteil niedrig zu halten und fit zu bleiben. Meine Ziele sind jetzt etwas andere als früher. Beim Trainingsablauf gibt es jedoch keinen großen Unterschied zu meinem früheren Training.

[ F ] Wie ich gehört habe, bist Du bei Jamcoretraining.com mit involviert.

[ A ] Ja, Jamo ist mein Freund und Jamcore seine Website. Ich helfe ihm dadurch, dass ich als Berater in der Bodybuildingsektion tätig bin. Wir haben einige Trainings-Sessions gefilmt, die für die Mitglieder der Site zugänglich sind. Es gibt auch eine Menge guter Bodybuildingratschläge dort. Jamo hat auf seiner Website Leute aus den verschiedensten Sportarten: vom Surfer bis hin zum Kampfsportler. Die Leute können Ratschläge für viele Sportarten bekommen, und ich helfe ihm bei den Fragen zum Bodybuilding.

[ F ] Welche Ratschläge würdest Du Anfängern geben, die sicher und verletzungsfrei trainieren möchten?

[ A ] Ganz offensichtlich ist es hierfür sehr wichtig die unterschiedlichen Übungen gut zu kennen und sie richtig und sauber auszuführen. Eine korrekte Form der Übungsausführung verhindert nicht nur Verletzungen, sondern bringt auch die besten Fortschritte. Der einzige Fehler, den ich gemacht habe, lag darin, dass ich in den letzten sechs Wochen vor einem Wettkampf mit super hoher Intensität habe. Und das zu einem Zeitpunkt an dem mein Ernergielevel sehr niedrig lag und meine Kalorien stark eingeschränkt waren. Während dieser Phase ist das Verletzungsrisiko erheblich höher. Ich habe mich nicht aufgrund schlechter Form bei der Übungsausführung verletzt, sondern dadurch, dass ich die ganze Zeit über mit höchster Intensität trainiert habe, auch wenn dies vielleicht gar nicht notwendig gewesen wäre. Während der letzten 6 Wochen vor dem Wettkampf sollte man so trainieren, dass man die Muskelmasse hält. Doch ich habe wie in der Off-Season trainiert, während der man versucht Muskelmasse aufzubauen. Es ist jedoch gar nicht möglich neue Muskelmasse ohne ausreichende Kalorienzufuhr und ausreichende Ruhephasen aufzubauen. Beides bekommt man nicht, wenn man sich auf einen Wettkampf vorbereitet und gleichzeitig versucht Fett abzubauen.

[ F ] Apropos Kalorien, wie hoch bist Du mit den Kalorien in der Off-Season gegangen, und wie weit hast Du die Kalorien während der Wettkampfvorbereitung reduziert?

[ A ] Meine höchste Kalorienzufuhr lag bei sechstausend Kalorien. Während der Wettkampfvorbereitung bin ich nie weit unter viertausend Kalorien gegangen.

[ F ] Wie sieht deine Ernährung aus?

[ A ] Viel Protein und viele Kohlenhydrate bei einer niedrigen bis moderaten Fettzufuhr. Der variable Anteil der Ernährung ist die Kohlenhydratmenge - diese habe ich reduziert, wenn ich mich auf einen Wettkampf vorbereitet habe, wohingegen die Eiweiß- und Fettzufuhr relativ konstant blieben. Ich war nie jemand, der mit Low Carb experimentiert hat - ich brauche einfach eine gewisse Menge Kohlenhydrate für meine hoch intensiven Trainingseinheiten.

[ F ] Welche Arten von Fetten hast Du zu Dir genommen?

[ A ] Hauptsächlich essentielle Fette und geringe Mengen an verstecken Fetten in meinen Eiweißquellen und ein paar Eidotter. Wenn ich mich auf einen Wettkampf vorbereitet habe, habe ich eine gewisse Menge an MCT Öl (mittelkettige Triglyzeride) als alternative Energiequelle verwendet. Diese wirkten auch recht gut als Appetithemmer.

[ F ] Was sind die genauen Vorteile der Verwendung von MCT Öl?

[ A ] Es wird vom Körper schnell verbrannt. Es ist so ähnlich wie Kohlenhydrate, nur dass es keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel hat. Ein hoher Blutzuckerspiegel verursacht eine Insulinausschüttung, welche es schwer machen kann Fett abzubauen. Manche Sportler verwenden MCT Öl als alleinige Energiequelle und verzichten vollständig auf Kohlenhydrate, doch ich habe MCT Öl nur in moderaten Mengen verwendet und das hat gut für mich funktioniert.

[ F ] Welche anderen Supplements nimmst Du ein oder würdest Du empfehlen?

[ A ] Ein gutes, hochwertiges Proteinpulver war etwas, worauf ich immer gebaut habe. Wenn man hohe Eiweißmengen zuführen will, ist es nicht immer einfach dies ausschließlich über natürliche Nahrungsmittel zu tun, ganz zu Schweigen von der zusätzlichen Belastung für das Verdauungssystem. Ein gutes Proteinpulver war für mich deshalb mein wichtigstes Supplement und immer ein wichtiger Bestandteil meiner Ernährung. Ich habe auch zusätzliches Vitamin C in einer Menge von zwei bis drei Gramm pro Tag zu mir genommen. Dies hat mir bei der Regeneration geholfen und mein Immunsystem gestärkt.

[ F ] Was denkst Du über einige der Supplements, die in der letzten Zeit auf den Markt kamen?

[ A ] Sie bringen viele Vorteile. Die neueren Kreatinformen sind sehr effektiv. Manche Leute verlassen sich jedoch zu sehr auf Supplements und essen nicht ausreichend vernünftige, natürliche Nahrung. Man muss zuerst auf eine gute Ernährung achten und dann kann man über Supplements nachdenken - nur dann sind sie auch effektiv. Wenn man nicht ausreichend Kalorien in Form von richtiger Ernährung zu sich nimmt, werden auch die besten Supplements der Welt nicht viel bringen.

[ F ] Um das Thema zu wechseln, was ist Deine Ansicht zu der Art, wie Bodybuilder im Vergleich zu anderen Sportlern behandelt werden?

[ A ] Ich kann hier nur aus eigener Erfahrung sprechen - ich kann mich nicht beklagen. Ich kam als völlig Unbekannter nach Amerika und konnte bei meinem ersten Profiwettkampf, der Night of the Champions, gleich den zweiten Platz belegen. Dort waren 30 Athleten auf der Bühne, und ich hatte keinerlei Publicity vor der Show. Ich kannte weder den Organisator noch einen der Kampfrichter noch sonst jemanden. Ich machte weiter und gewann den Mr. Olympia Titel. Ich war wahrscheinlich nicht das, was einige Leute wollten, doch das hat mich nicht davon abgehalten den Wettkampf zu gewinnen. Ich kann nur von meinen Erfahrungen sprechen.

[ F ] Beziehungen waren also kein Thema für Dich? In der richtigen Form die Bühne zu betreten war alles?

[ A ] Man muss nur gut genug sein, dann können einen die Leute nicht ignorieren. So einfach ist das.

[ F ] Welches waren Deine körperlichen Qualitäten als Bodybuilder?

[ A ] Ganz augenscheinlich war ich immer sehr massig und mein Markenzeichen war, dass ich bei jedem Wettkampf in super harter Form antrat. Ich glaube meine Muskeln hatten durch all die Jahre schweren Trainings eine gewisse Qualität und Dichte, die vielen anderen fehlte.
Vielleicht gibt es eine Sache, bei der mich die meisten unterbewertet haben. Zumindest wurde es nie erwähnt, was natürlich auch daran liegen könnte, dass meine Masse und Definition mehr im Vordergrund gestanden sind. Ich rede von meinen Proportionen und meiner körperlichen Balance. Nicht nur von Muskelgruppe zu Muskelgruppe sondern auch von Oberkörper zu Unterkörper. Meine Knochenstruktur und alles andere war da und in guter Balance.

[ F ] Wie wir alle wissen, bereitet sich Ronnie Coleman gerade darauf vor, seinen Titel dieses Jahr zum neunten Mal zu verteidigen. Wer könnte ihm schließlich den Titel des besten Bodybuilders der Welt abnehmen?

[ A ] Nun, Jay Cutler ist zu diesem Zeitpunkt ganz offensichtlich der nächste Mr. Olympia, da er ein- oder zweimal recht nahe an Ronnie herangekommen ist. Auch wenn es meiner Meinung nach nicht so knapp war, wie viele Leute meinten. Dann wäre da noch Dexter Jackson, der ebenfalls recht gut ist, wenn auch vielleicht nicht massig genug. Es gibt da keinen offensichtlichen Sieger, und wenn Ronnie vom Thron steigt, wird das alles neu aufmischen.

[ F ] Glaubst Du, dass es die neue Gewichtung auf Ästhetik für weniger massige Athleten leichter machen könnte den Durchbruch zu schaffen und ihr Ziel zu realisieren, den Mr. Olympia Titel zu gewinnen?

[ A ] Diese Debatte gibt es seit einigen Jahren. Ich glaube, dass derjenige mit dem besten Gesamteindruck gewinnen wird, und wenn sonst alles gleich ist, wird der massigere Athlet immer besser aussehen als der schmälere. Solange ein weniger massiger Athlet nicht wirklich überragend ist, wird er keinen massigeren Athleten schlagen. Am Ende ist es Bodybuilding, und die Leute wollen Muskeln auf der Bühne sehen. Nur wenn es keine massigen Athleten mit der nötigen Qualität und Symmetrie auf der Bühne gibt, werden weniger massige Athleten gewinnen.

[ F ] Als welcher Typ Bodybuilder möchtest Du den Leuten in Erinnerung bleiben?

[ A ] Das Feedback von meinen Fans ist, dass ich jemand bin mit dem sie sich identifizieren können. Ich habe sie inspiriert, weil sie sich bis zu einem gewissen Grad selbst in mir wiedererkennen können. Sie halten mich nicht für unnahbar, weil ich auf dem Boden geblieben bin. Ich habe eine Menge Hindernisse auf meinem Weg nach oben überwinden müssen, und ich hoffe, dass dies viele andere inspiriert.

[ F ] Was sind Deine Pläne für die Zukunft auf geschäftlicher und persönlicher Ebene?

[ A ] Fit und gesund zu bleiben ist das Wichtigste. Ich werde immer zu einem gewissen Grad im Bodybuilding involviert sein, sei es nun in der Fitness- oder in der Ernährungsbranche. Man wird mich also auch weiterhin sehen.

[ F ] Danke für dieses Interview Dorian. Alles Gute für die Zukunft.