Ein Interview mit der Bodybuilding Legende Dan Lurie
von David Robson
Jeder, der auch nur im Entferntesten mit dem Eisensport in Verbindung steht, wird sich an einen seiner größten Botschafter, Dan Lurie, erinnern. In den vierziger und fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts, schuf sich Dan eine Nische als der stärkste und muskulöseste Mann der Welt.
Er wurde später zum unbestritten erfolgreichsten Förderer des Bodybuildings und gründete im Jahr 1965 die World Body Building Guild, um das öffentliche Bewusstsein zu prägen und Respekt für eine Sportart zu schaffen, die zur damaligen Zeit als eine Kuriosität angesehen wurde. Auf seinem Weg gab Dan mehrere gesundheits- und fitnessorientierte Zeitschriften heraus, von denen Muscle Training Illustrated die beliebteste war.
Vom einarmigen gebeugte Drücken (one armed bent press) mit 130 Kilo bis hin zum Armdrücken mit Präsident Reagan lebte Dan ein aufregendes und abwechslungsreiches Leben, während er weiterhin den Bodybuilding Gospel predigte. Egal ob es sich um Promotion, Fernsehauftritte, Wettkämpfe, Veröffentlichungen oder Marketing handelte, öffnete Dan den Sport des Bodybuildings den Massen und half dabei, Bodybuilding von einem kuriosen Spektakel zu einem legitimen Sport zu entwickeln.
Sein Beitrag zum Bodybuilding sollte niemals vergessen werden, da er einer der leidenschaftlichsten Fürsprecher dieses Sports war und ist. Im folgenden Interview erzählt Dan seine inspirierende Geschichte und teilt seine Methoden, die im dabei geholfen haben, bis ins Alter von 82 Jahren in exzellenter körperlicher Form zu bleiben, mit uns.
[ F ] Hi Dan, was hast Du in letzter Zeit so gemacht?
[ A ] Ich habe den ganzen Tag mit meinem Sohn verbracht und wir waren in der Hall of Records in New York. Ich werde Dir etwas Verrücktes erzählen. Joe Weider und ich waren in den frühen 1940-iger Jahren für mehrere Jahre Partner, bevor wir und im Jahr 1948 verkrachten. Im Jahr 1947 registrierte ich den Namen International Federation of Bodybuilders (IFBB) und veranstaltete am 15. Januar 1948 den ersten IFBB Wettkampf.
"Das war die erste IFBB Show in Amerika. Ich hatte mir also den Namen ausgedacht, dies jedoch für 55 Jahre vergessen, bis mein Sohn durch Zufall ein Programm dieses Wettkampfs fand. Jetzt versuchen wir zu beweisen, dass Joe Weider den Namen von mir gestohlen hat“
Die IFBB wurde sehr berühmt, doch ich war der erste, der auf die Idee kam, einen Wettkampf unter diesem Namen auszurichten. Ich ging also ins Rathaus, um die Aufzeichnungen aus dem Jahr 1947 zu suchen – sehr interessant.
[ F ] Und was erhoffst Du Dir davon, wenn Du es schaffen solltest zu beweisen, dass Du diesen Namen erfunden hast?
[ A ] Meine Frau fragt mich auch, was mir das bringen würde. Wenn ich der erste gewesen wäre, der das Flugzeug erfunden hätte und damit geflogen wäre, aber alle sagen würden „nein, es waren die Gebrüder Wright, die dies taten“, was denkst Du, wie ich mich dann fühlen würde? Ich hoffe ganz einfach darauf, die Anerkennung zu bekommen, die mir zusteht. Ich wurde auf diesem Gebiet für so viele Jahre vergessen und hätte gerne etwas Anerkennung.
[ F ] Dein Lebenslauf ist recht beeindruckend und Du bist schon eine ganze Zeit lang im Bereich des Bodybuildings aktiv. Wie alt bist Du und in welcher Form bist Du heute, Dan?
[ A ] Ich bin 82 Jahre jung! Am 1. April, 2006 werde ich 83 Jahre jung sein. Ich bin im Augenblick gut in Form. Ich trainiere jeden Morgen und übertreibe es hierbei nicht. Ich verwende etwa 25 Kilo und führe sehr viele Wiederholungen aus.
[ F ] In welchem Alter hattest Du das Gefühl, dass Du Deinen Höhepunkt als Bodybuilder erreicht hast?
[ A ] Bei der Mr. America Wahl im Jahr 1945. Bob Hoffman organisierte diese Show und über vier Jahre gewann immer einer von Yorks Männern diesen Wettkampf. Ich wollte schon immer den Titel des muskulösesten Mannes Amerikas gewinnen. Ich schaffte dies dreimal. Niemand sonst auf der Welt hat es jemals geschafft, diesen Titel dreimal zu gewinnen.
Im Jahr 1945 disqualifizierten sie mich, weil sie behaupteten, dass ich ein Profi sei. In Wirklichkeit lag dies daran, dass ich zu gut wurde und mich eine geschäftliche Partnerschaft mit Joe Weider verband. Er [Bob Hoffman] wollte nicht, dass wir zu stark und konkurrenzfähig wurden. Er brachte die AAI dazu, mich zum Profi zu erklären und ich hörte auf, an Wettkämpfen teilzunehmen. Du weißt, was heutzutage passiert, wenn man damit aufhört an Wettkämpfen teilzunehmen.
Du trainierst nicht mehr so, wie du früher trainier hast. Ich für meinen Teil heiratete. Ich hatte immer schon trainiert, jedoch nicht mit der Intensität von jemandem, der an Wettkämpfen teilnimmt. Ich hatte nichts mehr zu beweisen.
[ F ] Wie kam es dazu, dass Du mit dem Bodybuilding angefangen hast? Wie hast Du den Durchbruch geschafft?
[ A ] Ich trainierte ab einem Alter von 13 Jahren für drei Jahre. Damals veranstaltete die Daily News in New York den Golden Gloves Boxwettbewerb. Sie platzierten dich in all den lokalen Arenen und das Ende der Show fand im Madison Square Garden statt. Nun, ich trainierte für drei Jahre und war ein recht guter Boxer.
Ich war etwa 165 cm groß und 54 Kilo schwer. Als ich für meinen ersten Kampf bereit war, wiesen sie mich ab, da sie der Meinung waren, dass ich seltsame Herzgeräusche hatte. Ein Mann sagte mir:
"Weine nicht, mein Junge. Ich war einmal ein guter Boxer, doch früher oder später kommt irgendjemand, der Dir die Seele aus dem Leib prügelt. Deshalb bist Du besser dran, wenn Du nicht kämpfst.“
Er sagte mir, dass ich eine gute Muskelenwicklung hätte und schlug mir vor, mit dem Bodybuilding anzufangen. Weißt Du, was ich zu ihm sagte? „Was ist Bodybuilding?“ Sein Name war Terry Robinson und er war Mr. New York State. Er wird am 9. März 2006 90 Jahre alt. Er zeigte mir den Weg zu meinem ersten Trainingsraum mit Gewichten.
Terry Robinson war ein großartiger Mann. Er zog die drei Kinder von Mario Lanza auf. Er war der Erste, der es wusste, als Mario in Italien starb. Er zog Marios Kinder groß, nachdem Marios Frau einige Monate später an gebrochenem Herzen starb. Terry lebt in Kalifornien. Er war mein Mentor und er zeigte mir damals die richtige Richtung.
Ich begann also mit dem Bodybuilding und nahm an meinem ersten New York City Wettkampf teil. Ich war so schlecht, dass ich auf dem letzten Platz landete. Ich war damals gerade einmal 17 Jahre alt. Im Alter von 19 Jahren im Jahr 1942, war ich der Aufsteiger beim Mr. America Wettbewerb. Sie gaben mir einer Menge Preise für Muskelgruppen und anschließend den Titel des muskulösesten Mannes Amerikas.
[ F ] Wie hast Du Dich auf Deinen ersten Wettkampf vorbereitet? Welche Fehler hast Du am Anfang gemacht?
[ A ] Ich hatte nicht richtig trainiert. Ich war zu jung. Es dauert seine Zeit, den Körper zum Wachsen zu bringen. Man kann nicht einfach die Samen aussähen und sagen „lass uns morgen Gemüse essen.“ Mein Körper wuchs und ich brauchte ganz einfach Zeit und das richtige Training. Es gab keine Supplements. Ich aß was immer ich an Essen hatte.
Mein Problem bestand darin, dass ich nie richtig an Gewicht zunehmen konnte. Bis ich 57, 59 und dann 64 Kilo schwer war, dauerte es einige Jahre. Ich trainierte so hart, dass ich all die Kalorien verbrannte.
[ F ] Wo lag Dein Gewicht, als Du in den 1940-iger Jahren auf Deinem Höhepunkt warst?
[ A ] 76,5 Kilo. Ich führte einarmiges gebeugtes Drücken (one armed bent press) mit 130 Kilo aus. Ich wusste damals nicht, wie gut ich war. Ich dachte, dass so etwas nichts Besonderes wäre.
[ F ] Und Du reistest durch das Land und führtest Deine Kraftleistungen vor?
[ A ] Ich tat dies, als ich 1950 ins Fernsehen kam. Ich war ein Strongman in einer Fernsehshow - die sehr berühmte Kindershow mit dem Namen The Sealtest Big Top Circus Show. Und da reiste ich durch das Land, führte Kraftakte und Posingshows und alles mögliche andere vor.
[ F ] Wie sah die Bodybuilding Kultur in den 1940-iger und 1950-iger Jahren aus?
[ A ] Wer immer Bodybuilding betrieb, wurde als mental zurückgeblieben angesehen. Die waren verrückt und konnten sich nicht vorstellen, warum Leute so etwas tun sollten. Man muss sich daran erinnern, dass ich anfing, weil ich seltsame Herzgeräusche hatte. Das Training heilte mein Herzproblem.
[ F ] Bodybuilding hat Dir also dabei geholfen, Deine Gesundheit zu verbessern. Was fandest Du damals an diesem Sport sonst noch attraktiv?
[ A ] Mir machte es Spaß die WBBG Shows zu auszurichten. All die bestgebauten Männer der Welt traten bei meinen Shows auf und ich hatte die tollsten Bodybuildingshows aller Zeiten. Der Höhepunkt bestand für mich darin, jemanden zu bekommen, der von allen anderen als Gott angesehen wurde. Sie sagten, dass ich ihn niemals bekommen würde. Er lebte damals in der Schweiz und sein Name war Steve Reeves.
Ich brachte ihn dazu, in meiner Show zu kommen und wir zogen eine tolle Show ab. Wir hatten kommende Attraktionen auf der Leinwand und in einem sehr berühmten Teil seines Films Herkules riss Steve Reeves all die Säulen unter Anspannung all seiner Muskeln nieder. Mein Sohn bediente den Projektor und während Steve Reeves die Säulen zum Einstürzen brachte, traten er, seine Frau und ich auf die Bühne und…
Ich werde nie vergessen, wie wild die Menge wurde. Sie waren nicht mehr kontrollierbar. Sie alle wollten auf die Bühne springen. Das war einer der Höhepunkte aller Shows, die ich organisierte.
[ F ] Welche anderen Höhepunkte gab es in Deiner Bodybuilding Karriere?
[ A ] Die „Hall of Fame“, die Dutzende und Dutzende von Bodybuildern und Filmstars ehrt.
[ F ] Wie war es, mit Steve Reeves zu arbeiten? Was für eine Art von Mensch war er?
[ A ] Ein netter Kerl. Wir besuchten uns regelmäßig gegenseitig zu Hause. Wenn er zu mir nach Hause kam, liebte er es, auf meinen Speicher zu gehen und mein Seal Test Dan Muscleman Cape, das ich im Fernsehen trug, anzuziehen. Ich wusste es nicht, aber von 1950 bis 1957 schaute er sich die Show im Fernsehen an.
Zu dieser Zeit trat er bei einer Broadwayshow mit dem Titel Kismet auf. Doch wir trafen uns nie so richtig, bis ich ihn in den siebziger Jahren ehrte. Wir waren sehr gute Freunde und wir gingen häufig zusammen zu Broadway Shows. Ich hatte in der Tat bei einer Gelegenheit eine große Auseinandersetzung mit ihm. Die Leute fragten mich immer – „hattest Du eine Auseinandersetzung mit Steve Reeves?“. Ja, eine Schneeballschlacht. Wir bewarfen uns gegenseitig mit Schneebällen und er liebte es. Da er in Kalifornien lebte, sah er Schnee nicht besonders oft.
[ F ] Du bist schon seit einer sehr langen Zeit im Bereich des Bodybuildings involviert. Welche Zeit war Deiner Meinung nach die größte Ära des Bodybuildings?
[ A ] Das goldene Zeitalter, als sie noch keine Steroide hatten. Steroide haben das Bodybuilding ruiniert - und nicht nur für Männer. Wenn ich heute in meiner besten Form in der Frauendivision antreten würde, dann würde ich mich nicht einmal platzieren. Sie würden mich wie einen Anfänger aussehen lassen, so weit fortgeschritten sind sie – wie Männer.
Wie Du weißt, sind Dutzende und Dutzende großartige Sportler aufgrund dieser Drogen gestorben. Im Jahr 1971 erschien ich auf dem Titelblatt von Muscle Training Illustrated – mein Magazin – und warnte die Welt vor den Gefahren durch Steroiden. Ich sagte, dass diese unsere Sportler umbringen.
Jetzt, 35 Jahre später, kommt es alles heraus - auch in anderen Sportarten wie Baseball usw. Steroide sind in den Collages angekommen und Mädchen nehmen diese – sie sterben zu Dutzenden. Das war der der Grund dafür, dass ich eine Kampagne startete, um ein paar Leben zu retten.
[ F ] Was sind im Licht von dem, das Du gerade gesagt hast, Deine Gedanken über den augenblicklichen Zustand des Bodybuildings?
[ A ] Ich verfolge es nicht mehr in dem Maße wie früher, doch wenn ich diese Leute sehe, dann kann ich es nicht glauben, wie sie aussehen. Sie lassen Sergio Oliva und Arnold wie Anfänger aussehen. Sie alle scheinen gleich auszusehen. Wahrscheinlich verwenden Sie alle dieselbe Dose Steroide.
Ich weiß nicht, ob Du in Neuseeland davon gehört hast, doch Arnolds Waden waren sehr schwach, als er mit Wettkämpfen angefangen hat und er verlor bei seinem ersten Wettkampf in Amerika gegen Frank Zane. Dann wuchsen seine Waden plötzlich von 43 auf 48 Zentimeter Umfang an.
[ F ] Dies war das Resultat harten Trainings.
[ A ] "Nein, es waren Wadenimplantate."
Heute muss er eine Menge an Gewicht verloren haben, doch seine Waden haben immer noch dieselbe Größe. Wenn man viel Körpergewicht verliert, dann schrumpft der ganze Körper in seinen Proportionen. Ein untersuchender Arzt könnte Dir sagen, ob er immer noch diese Implantate in seinen Waden hat.
[ F ] Dies wurde nie in den Medien behandelt.
[ A ] Sie wollten das nicht über ihn sagen. Bevor man so etwas sagt, braucht man 100% Sicherheit. Ich kann nur sagen, dass so etwas unter vorgehaltener Hand schon seit vielen Jahren gesagt wird, doch ich habe es nie gedruckt. Nebenbei bemerkt, waren es meine Frau und ich, die Arnold und Franco Colombo am Flughafen begrüßten, als Arnold im Jahr 1968 in dieses Land kam.
[ F ] Erzähl mir mehr hierüber.
[ A ] Es war gut, abgesehen davon, dass er bestimmte Dinge tat, die ich nicht mochte. Er befummelte die Mädels im Restaurant.
[ F ] Im Nachhinein muss es trotzdem gut gewesen sein, eine der Ikonen des Sports zu treffen.
[ A ] Ich propagierte ihn und half dabei, ihn berühmt zu machen und er benutzte mich am Ende - Punkt. Das Ding war, dass er damals Geld brauchte und Joe Weider erzählte ihm, dass man in Amerika Menschen verklagen und sich dann außergerichtlich einigen und hiermit viel Geld machen kann.
[ F ] Hast Du Arnold sehr gut kennen gelernt?
[ A ] Wir haben uns ein paar Mal getroffen. Wir frühstücken oder aßen gelegentlich zusammen zu Mittag. Wir machten zusammen Fernsehshows und er war bei der AAU Mr. America Show. Er wollte immer Publicity und ich als Verleger konnte ihm hierbei helfen.
[ F ] Welche Magazine hattest Du als Verleger?
[ A ] Neben Muscle Training Illustrated gab ich Boxing Illustrated, Karate Illustrated und Wrestling Illustrated heraus. Ich hatte auch einige Rock and Roll Magazine und ein Frauenmagazin.
[ F ] Wie kamst Du ins Verlegergeschäft und wie?
[ A ] Als ich mich von Weider getrennt hatte, gab es keine Möglichkeit der Kommunikation, um Bodybuilder für einen Wettkampf zu erreichen. Man kann Athleten nicht dazu bringen, an einem Wettkampf teilzunehmen, wenn sie überhaupt nicht wissen, dass es diesen Wettkampf gibt. Man kann auch kein Publikum bekommen. Deshalb begann ich 1965 mein Magazin herauszugeben und ich hatte zu dieser Zeit auch einen Partner. Nach 15 Ausgaben sagte er, dass wir kein Geld verdienten und stieg aus. preview
Ich wusste recht wenig über das Verlagswesen, doch nach zweieinhalb Jahren in diesem Geschäft lernte ich es ein bisschen und übernahm das Magazin ab Ausgabe 16. Ich begann bereits mit der ersten Ausgabe, die ich herausbrachte, Geld zu verdienen, da ich die Kosten reduzierte. Er hatte ein Büro in New York City mit Sekretärin.
Ich hatte nichts hiervon. Ich verwendete mein eigenes Büro und mein Büro war mein Geschäft. Alles was ich bezahlte, waren die laufenden Kosten des Büros, Bilder und ein Redakteur. Ich hatte also fixe Kosten und wusste genau, wie viel mich jede Ausgabe kosten würde. Wenn dies nicht so gewesen wäre, dann wäre ich Bankrott gegangen.
[ F ] Du sagtest, dass Du vor Deiner Karriere als Herausgeber eine geschäftliche Partnerschaft mit Joe Weider hattest. Erzähl uns mehr hierüber.
[ A ] Ich hatte mit seinen Magazinen nichts zu tun, nur mit dem Langhantel- und Trainingsequipment. Er lebte zu dieser Zeit in Kanada und wenn man etwas aus Kanada schickt, dann berechnen sie dir 10 Prozent Zollsteuer. Wenn es nach Amerika geht, dann muss man weitere 10 Prozent Zollsteuer bezahlen. Diese bedeutet also, dass was immer verkauft wird, neben den Transportkosten zusätzliche 20 Prozent Zollsteuer kostet.
Es war einfacher jemanden zu finden, der aus den Vereinigten Staaten versendete. Wir wurden Partner, da er jemanden brauchte, der ihm beim Vertrieb half. Genau wie es Bob Hoffman mit Grimek machte, verwendete Weider mich in seinen Werbeanzeigen. Ich wurde als schmächtiger Junge mit schwachem Herz gezeigt, der unter Verwendung seines Systems zum muskulösesten Mann Amerikas wurde. Das was das, was zu meiner Disqualifizierung führte, denn ich war in seinen Anzeigen und ich war ein Profi. John Grimek erschien regelmäßig in Bob Hoffmans Anzeigen, doch er wurde als Amateur angesehen.
[ F ] Wie kam es zum Auseinanderfallen dieser Partnerschaft?
[ A ] Als wir mit dem Geschäft begannen, machten wir vielleicht 5.000 Dollar pro Jahr. Das war Brutto. Zu dieser Zeit verdienten wir vielleicht tausend oder fünfhundert Dollar pro Person, was praktisch nichts war. Doch als wir begannen die 100.000 Dollar zu überschreiten, wollte er den Profit nicht mit mir teilen.
Er entfernte einfach meinen Namen aus den Annoncen in den Magazinen und setzte seinen eigenen Namen ein. Er hatte sich bereits etabliert und somit brauchte er mich nicht mehr. Er ist ein sehr skrupelloser Typ. In keinster Weise loyal. Ich könnte Dir eine Menge Dinge über ihn erzählen, doch das muss warten, bis mein nächstes Buch herauskommt.
[ F ] Was kannst Du mir über Joe Weider erzählen?
[ A ] Alles was ich sagen kann ist, dass er ein extrem harter Arbeiter ist, aber er ist sehr skrupellos, wenn es ums Geschäft geht. Er würde Dir ein Messer in den Rücken stechen. Er verwendet Menschen und wirft sie dann raus. Es gab Prozesse. Er hat eine Menge schlechte Dinge getan. Doch so war er. Das war sein Charakter. Ich stellte ihn übrigens seiner ersten Frau vor.
[ F ] Hattest Du in letzter Zeit Kontakt mit Mr. Weider?
[ A ] Nein, ich sehe ihn nicht. Vor Jahren habe ich gehört, dass er im Krankenhaus lag und eine Leistenbruchoperation hatte. Ich rief ihn also an und wir sprachen für eine Stunde oder so. Wir sprachen über die guten alten Tage, als wir noch Kinder waren. Man neigt dazu, diese Dinge zu vergessen. Wir gingen unsere eigenen Wege. Ich war erfolgreich, so weit ich das weiß, doch ich fühlte mich immer wie eine Fliege und er war ein Elefant. Ich wollte einfach nur meinen Lebensunterhalt verdienen.
[ F ] Erzähl mir mehr über die World Body Building Guild.
[ A ] Ich habe sie damals im Jahr 1965 ins Leben gerufen. Mir war nicht bewusst, dass ich der Schöpfer der IFBB war. Zufälligerweise wird Sports Illustrated dies weiter untersuchen und eine Story darüber herausbringen, wie der Name IFBB geschaffen wurde und wie ich den ersten IFBB Wettkampf in Amerika organisierte. Die World Body Building Guild war sehr wettbewerbsorientiert.
Joe machte es sich zur Aufgabe immer an den Tagen, an denen ich meine Show in New York durchführte, einen seiner Wettkämpfe auszutragen. Eines Tages bekam Tom Minichiello, einer meiner Fitnessstudiomitglieder und ein guter Freund, von Weider gesagt, dass er mich beerdigen sollte. Er sollte den Wettkampf am selben Tag ausrichten, an dem Dan Lurie seine Show hatte.
Natürlich hatte ich solche Quellen. Ich disqualifizierte niemals jemanden. Mir war es egal, zu wem jemand gehörte. Wenn man ein IFBB Mitglied war und an irgendeinem AAU Wettkampf oder einem meiner Wettkämpfe teilnahm, dann wurde man disqualifiziert. Das ist nicht fair. Ein Bodybuilder ist frei das zu tun, was immer er will.
[ F ] Was hat die World Body Building Guild erreicht?
[ A ] Wir gründeten die Hall of Fame, die eine Menge berühmte Leute ehrte. Ich nahm sogar Präsident Reagan mit auf.
[ F ] Ich habe gelesen, dass Du mit Präsident Reagan Armdrücken gemacht hast. Wer hat gewonnen?
[ A ] Er hat mich geschlagen – zweimal. Ich hatte nicht versucht ihn zu schlagen. Ich wollte ihm Respekt zollen. Abgesehen davon war er der älteste Mann, der jemals als Präsident kandidiert hat und sie wollten jemanden, der zeigte, wie stark und jugendlich er war. Ich habe ihm also geholfen und habe hiervon ein gut 10 Minuten langes Video.
Als wir gingen, weißt Du was wir da getan haben? Wir haben uns umarmt und geküsst. Das ist schon etwas, wenn zwei Männer so etwas tun. Und das war das, was wir im Weißen Haus taten.
[ F ] An was erinnerst Du dich sonst noch?
[ A ] Er sagte „Dan, als ich ein Kind war, las ich alle Deine Anzeigen in den Comicbüchern.“ Ich sagte „Mr. President, Sie haben Comicbücher gelesen?“ Er sagte: „Ich lese sie auch heute noch.“ Er war der Präsident und las immer noch Comics. Das war eine tolle Sache. Er war ein bodenständiger, warmherziger Typ.
Ich war also da, um ihn zu ehren. Ich habe mich über nichts beschwert, was er wollte, dass ich es tat. Ich ging einfach nur deshalb dorthin, um ihn zu ehren. Wir waren uns schnell sympathisch. Und als wir armdrückten und er mich schlug, sagte er „Come on, Sie haben nachgegeben, Sie haben mich gewinnen lassen.“ Ich sagte „Nein, Mr. President, Sie haben mich fair geschlagen.”
[ F ] Ich weiß, dass Präsident Reagan sehr fit und für viele Jahre auch ein Bodybuilding Enthusiast war.
[ A ] Ja, er hackte auf seiner Farm Holz und ritt aus. Wir blieben nach der Sache im weißen Haus in Kontakt. Ich sollte eigentlich irgendwann eine Revanche bekommen, doch das geschah nie. Es war nur geplant, doch es fand nie statt.
Das Bild von ihm und mir beim Armdrücken ging um die Welt. Es war auf dem Titelblatt der New York Times. In vielen Ländern erschien dieses Bild mit einer Story darüber, wie der Präsident so stark sein konnte, dass er einen berühmten Strongman schlagen konnte. Ich liebte Präsident Reagan. Er war ein warmer, anständiger und bodenständiger Präsident.
[ F ] Welches sind einige der Kraftrekorde, die Du im Lauf der Jahre aufgestellt hast?
[ A ] Ich führte 1665 Liegestütze in 90 Minuten und 1225 Dips in 90 Minuten aus. Ich drückte 129,5 Kilo mit einer Hand über den Kopf nach oben. Dies war eine meiner Spezialitäten. Ich führte 1200 Überzüge mit 25 Kilo aus. Verrückte Sachen. Dinge, die Ausdauer bedurften. Die Leute führen diese Art des Trainings heute nicht mehr aus.
Sie trainieren mit schweren Gewichten und enden mit Verletzungen, die sie für eine Weile stoppen. Ich habe mich nicht verletzt. Ich fand heraus, dass mein Körper auf hunderte und hunderte Wiederholungen mit einem leichteren Gewicht reagierte – 45 Kilo.
[ F ] Ist dies die Art und Weise, auf die Du immer trainiert hast?!
[ A ] Ja, und ich habe geschwitzt wie ein Schwein. Ich trug ein Sweatshirt und die Leute sagten „trinke kein Wasser während des Trainings“. Doch ich war immer so durstig, dass ich es nur so heruntergekippt habe. Heute sagen sie „trinke Wasser während Du trainierst, es ist gut für Dich.“ Wer weiß schon, was richtig ist…
[ F ] Welche Diätmethoden hast Du befolgt?
[ A ] Ich wollte immer an Gewicht zunehmen und deshalb aß ich alles, was ich wollte. Ich verlor bei jeder Trainingseinheit 1,5 bis 2,5 Kilo. Ich schwitzte eine Menge. Außerdem versuchte ich zwischen den Sätzen nicht lange zu pausieren. Ich pausierte so kurz wie möglich und war trotzdem drei Stunden lang am Trainieren.
[ F ] Wie isst Du heute, um in Form zu bleiben?
[ A ] Ich esse sehr leicht, viel Salat und Gesundheitsnahrung. Und ich trainiere jeden Morgen eine halbe Stunde lang – das ist alles. Ich mache nicht zu viel. Ich habe nichts zu beweisen.
[ F ] Welche Trainingsmethoden hast Du über die Jahre etabliert?
[ A ] Als ich damit begann meine eigenen Langhanteln herzustellen, entwickelte ich den Dan Lurie Barbell Course. Ich gab ihn mit einem Buch, Bildern und Postern heraus. Er war sehr lehrreich. Ich war der erste, der Langhanteln in Sportgeschäften verkaufte. Sie wurden nicht von York verkauft. Sie verkauften per Post und ich verkaufte an Geschäfte. Von einem 5.000 Dollar pro Jahr Start ausgehend explodierte das Geschäft. Viele, viele Jahre später verdiente ich nur eine kleine Summe, da ich nur ein Mann war.
[ F ] Wie sahen die Fitnessstudios zu Deiner Zeit aus?
[ A ] Das Equipment war meist sehr primitiv und einfach und es gab nur wenige Spiegel. Heute ich alles verchromt.
[ F ] Du hast Lou Ferrigno entdeckt. Erzähl mir mehr davon.
[ A ] Ja, er kam im Alter von 16 Jahren zu mir. Das erste was ich ihn fragte, war "wie weit möchtest Du beim Bodybuilding kommen?"
Ich sagte: "Möchtest Du Mr. America werden?"
Er sagte "Mr. America? Ich möchte nicht Mr. America werden, Ich möchte der bestgebaute Mann sein, der je gelebt hat."
Ich brachte ihn also auf das Titelblatt meines Magazins und forderte Arnold heraus. Ich sagte, dass dieser dürre Junge von 195 cm Größe und 84 Kilo Gewicht ihn herausfordern würde. Und er tat es. Und ich zeigte kontinuierlich die Verbesserungen, die er über die Jahre erzielte. Ich hatte Lou für sechs oder sieben Jahre.
[ F ] Und Lou wechselte schließlich zu Weider.
[ A ] Das ist richtig. Er hatte keinen Vertrag mit mir. Es war mehr wie eine Freundschaft. Weider bot ihm einen 50.000 Dollar Vertrag für fünf Jahre an. Er tat das auch mit Arnold – zahlte ihm eine große Summe über eine Anzahl von Jahren. Lou wechselte in der Nacht, in der ich Steve Reves in meiner Show hatte und Lous Vater war sauer auf mich, da Lou das Jahr zuvor gegen Bill Grant verloren hatte, der Weider repräsentierte.
Lou hatte verloren, da er irgendwelche Wasserpillen genommen hatte. Den Abend zuvor sah er unschlagbar aus und als der nächste Tag kam, konnte ich die Veränderung nicht glauben. Ich weiß nicht, was zum Teufel er getan hatte. Er verlor all seine Definition.
[ F ] Wie würdest Du den Menschen gerne in Erinnerung bleiben, Dan?
[ A ] Ich hätte gerne, dass man sich an mich als Bodybuilder erinnert, der das Bodybuilding liebte und jeden fair und gerecht behandelt hat. Ich habe niemals einem Athleten geschadet. Es gab zwei Bodybuilder, die mich verklagt haben - Lou Ferrigno und Arnold. Ich habe darüber nie ein Wort in meinem Magazin verloren. Nun behauptet Weider, dass er Ferrigno entdeckt hätte. Bullshit. Das ist eine Lüge.
Es ist genauso wie seine Behauptung, dass er die IFBB im Jahr 1946 gegründet hätte. Das ist eine Lüge. Wir haben all die alten Ausgaben und seine Beteiligung wird nicht einmal erwähnt. Wir recherchieren jetzt. Er gab mir eine dritte Seite im Your Physique Magazine, als ich die Show am 15. Januar 1948 ausführte. Er log und erfand Geschichten und die Leute glaubten das.
[ F ] Was ist Dir am wichtigsten, Dan?
[ A ] Das Wichtigste in meinem Leben sind meine Frau, meine fünf Kinder, meine 15 Enkelkinder und meine bald kommenden 3 Urenkel. Das ist das Wichtigste in meinem Leben. Nicht Geld. Weider hat trotz all des Geldes keine Kinder, auch wenn es einiges Gerede darüber gibt, dass er zu einem Zeitpunkt ein Mädchen hatte, doch wer weiß.
[ F ] Was sind die Geheimnisse für ein gesundes langes Leben?
[ A ] Es gibt da kein Geheimnis. Es liegt alles in Gottes Hand. Als ich ein Kind war, sagten sie, dass ich nur fünf oder sechs Jahre alt werden würde. Menschen, die gesund sind, sterben in ihren Dreißigern, Vierzigern und Fünfzigern an Herzinfarkten. Menschen in ihren Siebzigern und Achtzigern … leben bis in ihre späten Neunziger. Es liegt alles in Gottes Hand. Wir wissen es nicht.





