Ein Interview mit Jim Wendler, Teil 1
Jason: Verdammt Mann, Du siehst sexy aus. Die 30 Pfund Gewichtsverlust haben echte Wunder bei Dir bewirkt. Ich kann jetzt sogar deine Augen sehen. Die Glatze sieht auch Klasse aus. Wie geht es Dir?
Jim: Körperlich fühle ich mich tausendfach besser als zuvor. Ich kann jetzt normal gehen und die Nacht durchschlafen. Es gab Zeiten in denen mich das Gehen von mehr als 30-40 yards fast umbrachte. Ich kann mich an einen Spaziergang mit meinem Hund erinnern, bei dem ich an jeder Straßenlaterne pausieren musste. Sie waren ungefähr 40 yards auseinander. Ich musste mich an sie anlehnen, um wieder zu Atem zu kommen. Meine Frau brachte mich dazu ein Handy auf meine Spaziergänge mitzunehmen, sodass ich im Falle eines Herzinfarktes Hilfe holen konnte. Das ist wirklich wahr. Es ist aber in gewisser Weise auch witzig. Ich habe seltener Sodbrennen und kann allgemein viel klarer denken. Ich muss zugeben, dass aus psychischer Sicht viele Dinge schwieriger geworden sind. Ich habe ja den größten Teil meines Lebens versucht muskulöser zu werden, und jetzt versuche ich plötzlich Gewicht zu verlieren. Das ist immer noch sehr schwierig für mich. Auf der anderen Seite sterben im Irak täglich Menschen, sodass es in Relation dazu nicht hart erscheint. Was meinen Haarschnitt angeht, diese Veränderung war unumgänglich. Ich versuchte es solange wie möglich hinauszuschieben, aber das Krisengespräch mit Euch (engl.: Intervention) hat geholfen. Die Wahrheit gesagt zu bekommen ist super, allerdings nur im Nachhinein. Lustig, dass du das mit dem sexy-sein angesprochen hast. Neulich kam ein Mädchen auf mich zu und sagte mir ich würde süss aussehen. Ich glaube sie war auf X, hatte ein Glasauge und Ihr anderes, gutes Auge mit einer Augenklappe verdeckt. Aber sie hat es trotzdem gesagt, und es macht mich glücklich.
Jason: Wieviel wiegst Du aktuell? Hast Du vor noch mehr abzunehmen?
Jim: Ich wiege so im Bereich von 255 Pfund und habe nicht vor noch mehr abzunehmen. Wenn es passiert, dann passiert es eben. Solange ich mich gesund fühle, ist mir das Gewicht egal.
Jason: Was hast Du in letzter Zeit für deine Kondition (Ausdauer) getan? Wie oft und wie lange?
Jim: Ausdauertraining nervt. Ich hab es als aktiver Sportler gehasst, und ich hasse es auch heute noch. Aber seit ich gemerkt habe, dass ich es tun muss um gesund zu bleiben, habe ich nach Alternativen zum typischen Laufband und Stepper nachgedacht. Ich versuche drei Ausdauereinheiten pro Woche einzubauen. Jeden Montag, Mittwoch und Freitag stemme ich Gewichte, und ich treffe mich mit meiner Frau und meinem Sohn in der örtlichen High School. Meine Frau und ich machen dort verschiedene Übungen, wie z.B. Parisi-Aufwärmübungen, Schlittenziehen, Treppensteigen, Übungen mit eigenem Körpergewicht, sowie dem Prawler. Wir suchen uns einfach jedes Mal eine Übung aus. Mir ist das alles sehr wichtig, da mein Sohn auf diese Weise sowohl mich als auch meine Frau trainieren sieht, und es dadurch hoffentlich ein Teil seines Lebens wird. Zusätzlich kommen wir dadurch aus unserem Haus raus. Ich hab noch nie eine depressive Person gesehen, die sich im Freien umbringt. Die Sonne ist eine gute Sache. Ich werde mir wahrscheinlich ein neues Fahrrad kaufen und jeden Tag zur Arbeit radeln. Aber sehen wir mal wie sich das entwickelt.
Jason: Das würde ich gerne sehen. Du erzählst mir immer von deiner strikten Diät. Aus was besteht sie genau und wie läuft es damit?
Jim: Lass mich zuerst meine Version von strikt erläutern. Strikt bedeutet für mich ungefähr 75% der Zeit. Ich habe im Bezug auf Diät festgestellt, dass man sich hauptsächlich daran gewöhnen muss. Dies gilt auch für jede andere Veränderung des Lebensstils. Als erstes habe ich Zucker und Weißbrot beseitigt. Danach hab ich versucht meinen Konsum von Früchten und Gemüse zu erhöhen. Jetzt versuche ich momentan meinen Konsum von rotem Fleisch einzuschränken. Ich habe immer sehr viel Fleisch gegessen. Ich habe pro Woche ungefähr 7-8 Steaks gegessen. Ich glaube nicht, dass das sonderlich gesund ist. Grundsätzlich versuche ich mich einfach gesünder zu ernähren. Ich bin ein großer Fan der Chicago Style Pizza und die gönne ich mir auch heute noch. Man muss sich nur den Großteil der Zeit anständig ernähren.
Jason: Wie fühlt es sich an offiziell im Ruhestand zu sein?
Jim: Ich fühle mich wirklich gut. Ich habe alle mein Ziele entweder erreicht, oder sie sind in den Hintergrund getreten. Im Jahr 2000 war mein Ziel für die Zukunft, 600 Pfund auf der Bank und 1000 Pfund beim Kniebeugen zu bewegen. Im Jahr 2003 habe ich mir als Ziel eine Gesamtleistung von 2300 Pfund gesetzt. Im Jahr 2005 erreichte ich alle diese Ziele. Weder bereue ich, noch habe ich Zweifel an der Entscheidung mich vom Sport abgewandt zu haben, und in den Ruhestand gegangen zu sein. Hier ist etwas zum Nachdenken. Mein letztes Jahr im Football war auch definitiv mein letztes Jahr. Ich hatte den Sport einfach satt. Ich beendete das letzte Spiel mit dem Wissen, jedes meiner Ziele in diesem Sport erreicht zu haben. Ich verlies das Sun Devil Stadium (dort war das letzte College Spiel) glücklich und zufrieden. Auf der anderen Seite war ich auch deprimiert. Wenn sich Dein ganzes Leben um ein einziges Spiel gedreht hat, welches dann plötzlich zu Ende ist, dann ist es schwierig damit umzugehen. Ich bin mir sicher, dass es für Profi Footballspieler noch viel schwieriger ist. Der Unterschied zum Powerlifting war aber, dass mir jemand beim Football sagte ich wäre mit dem Spielen fertig. Ich hatte keine Wahl. Beim Powerlifting hat mir das keiner vorgeschrieben. Ich wollte weder der fette Elvis, noch Wizards Jordan sein. Ich wollte nach meinen eigenen Bedingungen aufhören, und auf die Art und Weise wie ich es für angemessen hielt. Ich glaube manchen Leuten macht dieses Konzept das Leben schwer.
Jason: Ich finde das bewundernswert und habe den größten Respekt. Gab es noch einen anderen Grund der Dir geholfen hat, bzw. Dich gezwungen hat diese Entscheidung zu treffen?
Jim: Es gab vier Dinge die mir bei der Entscheidung geholfen haben. An erster Stelle steht, dass mir der Sport einfach keinen Spaß mehr bereitet hat. Ich wollte ihn nicht mehr machen. Der zweite Punkt ist, dass mein letzter Wettkampf großartig war und ich alle meine Ziele erreicht hatte. Der dritte Punkt, war meine sich rapide verschlechternde Gesundheit, und der Fakt, dass ich dringend Gewicht verlieren musste. Vor meinem letzten Wettkampf hatte ich zwei ziemlich beängstigende Momente erlebt, und ich musste etwas verändern. Der letzte Grund ist privater Natur und wird daher nicht weiter besprochen.
Jason: Was sind deine weiteren Trainingsziele?
Jim: Mein Ziel ist es einen fucki…großen Nacken und einen großen Lat zu bekommen. Und ich will mich ohne Schmerzen bewegen können. Jahrelanges Football und Gewichtheben fordern letztendlich ihren Tribut. Jeder der versucht hat auf oberster Ebene Wettbewerbe zu gewinnen, weiß, dass Sport nicht so gesund ist. Ich war zwar nie ein top Athlet, aber ich habe hart versucht einer zu werden. Ich habe niemals Wettkämpfe in der WPO oder NFL bestritten, aber ich war nahe dran. Ich hab alles in meiner Macht stehende getan um es zu schaffen. Das liegt in der Natur eines Leistungssportlers, sowie seines Charakters. Es ist eine Sache, die die Öffentlichkeit auch nie bezüglich Sport, und im Speziellen über die Verwendung Anaboler Steroide, verstehen wird. Ein Leistungssportler wird die Verwendung von Steroiden im Sport verstehen, auch wenn er es nicht befürwortet. Ich muss aber betonen, dass ich nichts bereue. Wie viele Menschen können schon sagen, dass sie 1000 Pfund Kniebeugen gemacht haben, und in der ESPN gespielt haben.
Jason: Sicherlich nicht viele. Wo trainierst Du jetzt?
Jim: Ich trainiere im Compound. Es ist ungefähr 10 Fuß von meinem Schreibtisch entfernt und es macht immer sehr viel Spass. Ich trainere mit Batt (Mash), aber eigentlich trainieren wir nicht wirklich zusammen. Wir machen Musik an, und dann macht jeder sein eigenes Ding. Mehr Spaß hatte ich seit Kevin nicht, und ich habe im Jahr 2001 mit trainieren angefangen. Kevin (Deweese) war immer mein bester Trainingspartner, da es ihm genau wie mir, egal ist was andere über uns oder unser Training denken. Keiner ist dem anderen in den Rücken gefallen, und es gab auch keine geheimen Agendas. Ich verdanke Kevin einen Großteil meines Erfolgs im Powerlifting. Nicht so sehr für seine Hilfe (was natürlich ein großer Anteil war), sondern weil er nicht nervig war. Das hört sich bekloppt an, aber wieso zum Teufel sollte ich mit Leuten trainieren, die ich nicht mag? Mit ihm machte es Spaß ins Studio zu gehen. Ich bin kein Ra-Ra Typ und ich will auch mit keinem Gewichte stemmen. Alle Jungs mit denen ich in Kentucky trainiert habe waren klasse: Jason Adams, Grant Lanning und Kevin. Ich hatte eine Zeitlang mit Evan Simon trainiert, aber niemals mit J.L Holdsworth. Das ist eine andere, verdammt witzige Geschichte. Ich bin sehr glücklich darüber Zeit im Westside Barbell verbracht zu haben, und es war auch einer meiner Träume dort Gewichte zu heben. Aber da ich kein Wettkampfathlet mehr bin, stelle ich für die Anderen dort nur eine Behinderung dar.
Jason: Dave hat erst kürzlich mit uns über seine Tage als Bodybuilder gesprochen. Und er hat über die Entwicklung von Bodybuilding Style Workouts gesprochen, mit denen wir beide überhaupt nicht vertraut waren. Jetzt, da Du kein Wettkampfpowerlifter mehr bist, könntest Du Dir jemals vorstellen diesen Weg einzuschlagen, und einfach nur ins Studio zu gehen um Bizeps und Trizeps zu trainieren?
Jim: Dave und ich hatten letztens eine Krisensitzung. Er hat sich mit mir zusammengesetzt, und mir die Geheimnisse erzählt wie man muskulös wird. Dave hat selbst mit 290 Pfund noch Ansätze von Bauchmuskeln. Das Problem ist aber, dass ich seine Ratschläge nicht befolgen kann. Ich habe immer wie ein Athlet trainiert und ich sehe keinen Sinn darin mich zu ändern. Natürlich kann ich nicht mehr wie gewohnt trainieren, aber ich liebe diese Art des Trainings noch immer.
Jason: Ich weiß, keiner von uns beiden hat so recht Lust am Freitagabend um 20 Uhr über Training zu sprechen, aber eine Menge Leute würden gerne wissen, was Du zu diesem Thema zu sagen hast. Bevor wir also zu etwas anderem übergehen, lass uns einige trainingsbezogene Themen besprechen. Als ich im Bad war konnte ich mithören wie Du sagtest, dass Du der Meinung bist, man sollte sechs bis zehn Wiederholungen über 90% an Maximalkrafttagen durchführen. Die meisten Leute schaffen drei Wiederholungen bei 90%, aber nicht sechs bis zehn. Kannst du Gründe für Deine Aussage nennen?
Jim: Lass mich diese Sache kurz klarstellen, bevor die Leute durchdrehen und Ihrem Abgeordneten emailen. Ich mag die Einfachheit. Bringen wir die Grundlagen zum Starkwerden in die einfachste Form. Um stark zu werden muss man schwere Gewichte heben. Niemand bestreitet das. Falls das jemand bestreitet ist es nur eine Werbemasche. Die schweren Gewichte müssen auch häufig bewegt werden. Wenn Du nur alle sechs Monate schwer hebst, dann wirst Du auch nicht stärker werden. Du darfst jedoch nicht ins Übertraining kommen.
Ok, mit diesen Grundlagen im Hinterkopf musst Du also schwere Gewichte genau so oft bewegen, dass du einerseits stärker wirst, andererseits aber nicht ins Übertraining kommst bzw. Dich verletzt. Ich hoffe das macht Sinn. Da jeder anders auf Volumentraining reagiert, beginnt man 90% Versuche am besten mit dem untersten Ende der Prilipin Tabelle. Das wären dann drei Wiederholungen. Laut Prilipin ist das Maximum zehn Wiederholungen. Das Problem mit der Prilipin Tabelle ist, dass sie anhand von Olympischem Gewichtheben und Junioren Gewichthebern entwickelt wurde. Das scheint manchen Leuten zu entgehen. Es ist also ein gewaltiges Programm für einen Anfänger. Man muss wissen wo der eigene Drop-Off Punkt liegt, und wie viel Gewicht man bewegen kann. Das ist etwas wofür man zwar Richtlinien finden kann, aber man muss es dennoch auch für sich selbst herausfinden.
Diese Art des Trainings wurde recht intensive von den Bulgaren verwendet, und wird im Buch "Pocket Hercules" beschrieben. Dieses Buch hat mehr als jedes andere meine Art zu trainieren geprägt. Zumindest was Kraftsport angeht.
Ich sollte aber vielleicht erwähnen, dass diese Art des Trainings für gewöhnlich erst NACH einer langen Zeit der Vorbereitung angewandt wurde. Es ist also NICHT für Anfänger gedacht.
Ich sollte ebenfalls betonen, dass dies nur EIN Weg ist zu trainieren. Es versteht sich von selbst, dass nicht jeder so trainieren kann. Es ist aber etwas mit dem die Leute Erfolge erzielt haben. Es ist definitiv nichts was ich mit jedem Athlet machen würde, aber es ist klasse für Powerlifter.
Jason: Wenn Du nur eine Auswahl treffen könntest, was ist Deiner Meinung nach der größte Fehler, den die Leute beim Versuch stärker zu werden, machen?
Jim: Der größte Fehler ist, keine kybernetische Periodisierung zu nutzen und nicht auf seinen Körper zu hören. Man kann zwar seine Trainingseinheiten planen, aber was soll man tun, wenn man sich mal schlecht fühlt? Wenn es Dir gut geht, animierst Du Dich dann nicht sogar noch selbst? Krafttrainer an der High School, am College oder selbst auf Profiebene können das nicht umsetzen, aber wenn du Dich selbst trainierst, ist es der beste Weg zu trainieren. Natürlich braucht ein Anfänger einen Plan den er einhalten muss. Er muss lernen was funktioniert und was nicht. Wenn er aber etwas erfahrener wird, dann wird er merken dass er sein Training entsprechend seiner Verfassung zuschneidern muss, z.B. wenn er sich schlecht fühlt, sein Knie geschwollen ist, oder er die letzte Woche zu wenig Schlaf bekommen hat.
Ich habe bereits vor langer Zeit gelernt, dass ich nach einem hochvolumigen Trainingsprogramm für eine Woche mental und physisch gegrillt werde. Selbst wenn ich noch tonnenweise Energie nach meinem Hauptsatz hatte, war ich vorsichtig mit dem was ich tat. Dies stellte sicher, dass ich häufiger trainieren konnte. Aber nochmals, das ist abhängig von der Person. Schau Dir an was Brian Siders so macht. Sein Volumen ist total verrückt, aber es klappt bei Ihm auf diese Weise. Alles was Du je liest wird Dir sagen, dass sein Training falsch ist. Glücklicherweise hat er diese Bücher nie gelesen, oder sich zumindest nie genug um sie geschert. Ich muss aber erwähnen, dass ich nicht in derselben Liga wie Brian Siders spiele: nicht einmal annähernd. Ich möchte nur zwei verschiedene Trainingsansichten aufzeigen. Mir ist klar, dass die Leute ein auf sie zugeschneidertes Programm wollen, bei dem alle Eventualitäten überwacht werden. Es ist toll darüber zu schreiben, und es ist sicher toll für einen Anfänger. In der Realität sind solche Methoden nicht praktikabel.
Jason: Wie viel negativen Einfluss hat ein zu exzessives Training, bzw. ein Training bis zur vollständigen Erschöpfung, auf den Trainingserfolg und die Fähigkeit Kraft aufzubauen?
Jim: Das macht mich normalerweise fertig. Dave ist bekannt dafür, dass er sehr exzessiv trainiert. Er gibt aber auch zu, dass es ihm nicht viel bringt. Ich habe diese ganzen psychischen Zwänge aufgegeben. Der beste Weg sich von dieser fehlgeleiteten Energie zu befreien ist, ohne die Absicht zu trainieren in ein Studio zu gehen, und jemanden zu beobachten der gerne Wind um sich macht. Du wirst Dir ohne Zweifel denken : Was für ein Idiot.
Ein gutes Beispiel dafür ist Betrunken sein. Das nächste Mal wenn Du Dich beim Trinken amüsierst, geh eine Stunde vor Ladenschluss in eine Bar und sieh Dir die herumstolpernden Leute an. Es wird nicht lange dauern bis Du bemerkst, dass Du selbst mal so ein Idiot warst oder es sogar noch bist.
Jason: Schuldig im Sinne der Anklage
Jim: Aber in diesem Moment macht es trotzdem Spaß.
Jason: Das stimmt allerdings
Jim: Was Training bis zur Erschöpfungsgrenze angeht, ich denke nicht dass es immer eine optimale Trainingstrategie ist. Ich sage nicht man solle es nie machen, aber es sollte auch kein fester Teil deines Trainingsplans sein. Vielleicht ist das die Erklärung wieso echte HIT’ler nicht mehr als 1x pro 15 Tage trainieren können.
Jason: Ich habe nun auch endlich diese festgefahrenen psychischen Zwänge abgelegt. Größtenteils durch deinen Einfluss, und seitdem läuft mein Training viel besser. Was sind Deiner Meinung nach die besten Bücher zum Thema Training?
Jim: Alle russischen Bücher sind super, sowie das bereits erwähnte Buch von Naim Suleymanoglu. Ich glaube "Starting Strength" ist eines der besseren Bücher.
Jason: Kannst du noch irgendwelche anderen Quellen, für Leute die mehr über Training lernen wollen, empfehlen?
Jim: Es gibt eine Menge guter Informationen und im Prinzip sind die meisten empfohlenen Bücher gut. Ich sage aber immer wieder, dass ich 1000-Fach mehr durch mein eigenes Training, das Hören auf andere Gewichtheber/Trainer und durch Fragen stellen, gelernt habe. Ich habe auch tonnenweise während der Betreuung anderer Athleten gelernt. Ich weiß zwar nicht ob es cool für mich ist das zu sagen, aber es ist die Wahrheit. Ich habe täglich die Möglichkeit mich mit Trainern zu unterhalten, und ich beschäftige mich bereits die Hälfte meines Lebens mit Training. Das einzig Schlechte was ich zu den ständig wechselnden Trainingsprinzipien sagen kann, ist, dass niemand sie wirklich langfristig testet. Die Leute reden kurz über ein bestimmtes Trainingsprinzip, und gehen nach einem Monat zum nächsten Trainingsprinzip über. Dadurch wurde diesen Methoden niemals die Zeit gegeben, richtig zu wirken. Als ich mit dem Training anfing gab es, bis auf Bücher, wenig auf das ich hätte abfahren können. Ich musst alles von Anderen lernen oder es mir selbst beibringen. Ich habe viele Fehler gemacht, aber auch aus jedem dieser Fehler gelernt. Bücher, DVDs und andere Medien konnten bestenfalls einige Lücken in meinem Training füllen.
Das komische ist, dass ich immer viel Gewicht aufgebaut habe wenn ich mit starken Leuten trainiert habe. Mir hat aber auch das alleine Trainieren Spaß gemacht. Ich hatte damals festgestellt, dass ich durch meine Familie und einen tollen Job, wenig Zeit für mich hatte. Alleine zu trainieren gab mir die Möglichkeit etwas Zeit für mich zu haben. Zeit, in der es nur mich und die Gewichte gab. Ich weiß es hört sich komisch an, aber es gibt nichts besseres als sich in Trance zu trainieren. Aber ich schweife hier völlig ab und höre deshalb besser auf.