[ Q ] Wäre es in Ordnung, zu sagen, dass Du nie großartig Drogen/Medikamente genommen hast, abgesehen von Steroiden?
Ich trinke definitiv manchmal ein Bier oder eine Margarita, aber ich praktiziere es nie exzessiv. Ich würde mich nie des Rausches wegen betrinken. Ich trinke nur des Geschmackes wegen, und nicht um Probleme zu ertränkten, der Realität zu entfliehen, oder um besser mit Frauen sprechen zu können.
[ Q ] Laut Deiner Aussage, nehmen Bodybuilder oft eine Kombination von verschiedenen Medikamenten. Wie können sie sich das leisten?
Das frage ich mich oft selbst. Wie kommen sie an die Medikamente ran? Auf der anderen Seite, denke ich, wenn man etwas wirklich haben will, dann findet man einen Weg es zu bekommen. Man wird es sich beschaffen, ganz egal was es kostet. Wenn man es nur stark genug möchte, und man denkt es dringend zu benötigen, dann findet man den einen oder anderen Weg es sich leisten zu können. Der beste Weg ist natürlich, die Medikamente selbst zu verkaufen. Und wenn man genügend Abnehmer hat, dann kann man es sich nicht nur leisten selbst die Medikamente zu verwenden, sondern man kann auch unter bestimmten Umständen gut davon leben. Das Problem dabei ist aber, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis man geschnappt wird.
[ Q ] Diuretika gelten als gefährlicher als jedes andere im Bodybuilding verwendete Medikament. Was denkst Du über die Gefahren der Diuretika?
Neben konventionellen Drogen und Beruhigungsmitteln, sind auch Diuretika sehr gefährlich. Sie werden von Bodybuildern bei Foto Shootings verwendet, und teilweise bereits 10 Tage vor einem Wettkampf tägliche eingenommen, sowohl im Amateur, als auch im Pro Bereich. Frauen verwenden Diuretika im Bodybuilding, in der Fitnessklasse und in der Figurklasse. Diuretika können zu Narbenbildung in den Nieren, sowie zu Nierenversagen führen. Im Schlimmstfall, muss eine neue Niere transplantiert werden. Falls man keine Diuretika anwendet, dann wird die NPC die Platzierung entsprechend anpassen, da die anderen, welche diesen Weg einschlagen, ein härteres Aussehen haben werden. Soviel zum Thema "Die Sorge der NPC um die Gesundheit der Athleten". Der einzige Unterschied zwischen Männer und Frauen, ist, dass Frauen in der Figur-, und Fitnessklasse ZU hart sein können, während Männer nie ZU hart sein können.
[ Q ] Wo wir gerade von Härte sprechen, was genau braucht es, um dieses abgefahrene Aussehen zu erreichen (also ob man keine Haut hätte), welches Yates und Du in den 90er Jahren präsentierten.
Es ist im Bodybuilding definitiv eine Kombination von allem. Mann kann dieses Aussehen nicht auf diese oder jene Trainingsphilosophie, ein bestimmtes Nahrungsmittel, oder eine bestimmte Kombination von Medikamenten zurückführen. Es ist eine Kombination von allem, und genau das braucht es um ein hervorstechender Pro Bodybuilder zu werden. Wenn die Genetik, die Ernährung, der Antrieb, der Trainingsplan, und die Ausdauer nicht stimmen, dann kann man alle Medikamente dieses Planeten verwenden, man wird trotzdem nie dieses trockene Aussehen erreichen. Man kann dieses Aussehen nicht speziell planen. Was dabei rauskommt, kommt eben dabei raus. Man kann nur versuchen, das bestmögliche Ergebnis und Aussehen zu erzielen.
[ Q ] Welcher Bodybuilder, unabhängig von der Ära, hatte aus deiner Sicht das perfekte Aussehen?
Das perfekte Aussehen gibt es nicht. Jeder von uns hat einen unterschiedlichen Geschmack. Vorlieben und Schönheit liegen immer im Auge des Betrachters. Es sollte derjenige Gewinnen, der am Tag des Wettkampfes das beste Gesamtpaket im Bezug auf Form, Symmetrie, Proportion, Definition, Masse, Härte, Ästhetik und Kür aufweist. Das ist es, was ein perfektes Aussehen ausmacht. Das perfekte Aussehen basiert auf persönlichen Vorlieben. Viele Leute sind beispielsweise der Meinung, Cutler sollte nicht Mr. Olympia sein, da er zu kastenförmig ist und eine breite Hüfte hat. Andere Leute wiederum denken, dass Shawn Ray Mr. Olympia hätte werden sollen, da seine Muskeln gut zur Geltung kamen, seine Symmetrie ausgeglichener war, und er generell rundere Muskelformen hat. Das perfekte Aussehen existiert also in der Realität nicht.
[ Q ] Was sind die größten Probleme des heutigen professionellen Bodybuildings? Welche Veränderungen würdest Du dort gerne sehen?
Das größte Problem im Pro Bodybuilding ist die schlechte Bezahlung der Athleten, sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern. Es gibt nicht genug Geld und nur sehr wenige Verträge. Viele Athleten sind daher gezwungen mit mangelhafter Vorbereitung auf die Bühne zu treten, da sie nebenher noch ihr Geld mit einem anderen Job verdienen müssen, wodurch sie nicht genug Zeit und Energie haben sich richtig vorzubereiten. Die meisten Pros sind offiziell Profis, aber 95% von ihnen haben entweder mehrere Jobs, verkaufen Drogen, verkaufen sich selbst, arbeiten als Escort Servicekraft (inkl. Domina-ähnlichen Dingen), haben Webseiten die auf ihre Sexualität abzielen, oder mach 24/7 Personal Training. Manchen enden auch im Gefängnis. Und was höre ich immer wieder: "Wir müssen den Sport beliebter machen".
Also Gentlemen, stellt mehr Geld für die Athleten zur Verfügung. Geld wird den Sport beliebter machen, und dadurch eine bessere Akzeptanz bei der breiten Masse der Bevölkerung herbeiführen. Wenn ich von Veränderungen im Bodybuilding höre, so denke ich als Erstes daran, dass die Veränderungen keinen Gewinn für den Athleten bedeuten. Das Geld verdienen immer die Anderen. Ich kann mich auch noch erinnern, wie voll der Terminkalender der Mr. Olympia Teilnehmer während der letzten fünf Jahre, vor der Show war. Für diese vielen Meetings, VIP Meetings, wird so viel Geld ausgegeben, und die Athleten sind einfach nur durstig und leben seit Monaten mit Kalorienmangel.
Manchmal ist man während einer Pro Show (sogar in den USA) in Hotels untergebracht, in denen die Ratten nur so durchs Zimmer rennen, es nicht wie bei der Ankunft in Europa versprochen etwas zu essen gibt, kein frisches Wasser und frische Nahrungsmittel verfügbar sind, alles mit Fliegen bedeckt ist, es nur schlechte Transportmöglichkeiten gibt (nicht genügend Fahrzeuge, um alle Athleten zu transportieren), es aussieht wie in einem Schlachthaus, weil Blut an den Wänden klebt (bei einem sogenannten Joe Weider World Cup in Italien), es keine Drinks, keine Handtücher, keine Mediziner und keine Gewichte hinter der Bühne gibt, dafür aber chaotische Billigflüge, etc.
Früher, dauerte es einige Monate bis man das Preisgeld des Mr. Olympia erhielt. Offizieller Grund: "Der Dopingtest ist noch nicht ausgewertet". Es wurde also von anderen Leuten Zinsen mit dem Geld erwirtschaftet, indem man uns Athleten warten lies. Auf einer anderen Show in Europa, gab es anstatt ordentlicher Nahrungsmittel nur Süßigkeiten, und die Pros mussten auch noch für diese und jene Wohltätigkeitsorganisation T-Shirts unterschreiben. Und keiner wusste, wo das Essen für nach dem Wettbewerb war. Eine desaströse Organisation.

Beta-Ecdysterone
Es gibt keine richtige Vertretung für die Athleten. Wenn sich ein Athlet auf seine Rechte beruft, so muss er befürchten nicht angemessen plaziert zu werden, oder seine Karriere ist einfach beendet. Das ist Fakt. Ich bin kein Träumer, ich bin Realist. Zudem sind viele Athleten zu dumm und egoistisch um ihren Stand zu vertreten. Falls einer der Athleten "streikt", so würde ein anderer verzweifelter Athlet kurzerhand einspringen und dort weitermachen, wo der Andere aufgehört hat.
Ich persönlich würde, trotz meiner starken Kritik an den obersten Bossen, lieber mit einem Funktionär zusammenarbeiten, als mit einem der hinterhältigen, und sogar noch weniger vertrauenswürdigen, Athleten. Ich führe auch keine Bodybuilding Freundschaften. Diese Freundschaften sind, wie ich bereits vor 10 Jahren in einem Interview mit (Peter) McGough von der Zeitschrift Flex sagte, reine Drogenbeziehungen. Was hast Du? Was kannst Du mir besorgen?
Unter Wayne DeMilia, dem ehemaligen Vorsitzenden der Pro Division, hatten wir manchmal nach der Mr. Olympia mehr als acht Shows in acht verschiedenen Ländern. So etwas stelle ich heute nicht mehr fest. Es gibt also auch weniger Möglichkeiten für die Jungs etwas Geld zu verdienen, und sich wieder für die nächste Mr. Olympia zu qualifizieren. Aktuell, gibt es nur ungefähr drei Shows nach der Mr. Olympia. Die Veranstaltungsorte des Mr. Olympia werden zwar immer besser für die Athleten, aber auch immer günstiger für die Veranstalter. Über die Veranstaltungsorte der Frauen, brauchen wir gar nicht erst sprechen. Wenn man sich nicht in die Top 10 qualifiziert, dann muss man sich erneut qualifizieren. Die Top 6 hingegen, qualifizieren sich automatisch für das Folgejahr.Natürlich kann mehr Geld verdient werden, wenn die besten Athleten mehr als eine Show im Jahr machen. Es werden mehr Eintrittskarten verkauft, und es ist natürlich auch sinnvoller für die Athleten. Leider ist es andererseits auch schlecht für die Athleten, da diese gezwungen sind mehr kurzwirksame Medikamente zu verwenden.
Ich glaube auch, dass das Bodybuilding Mitte der 90er Jahre am beliebtesten war. Es ist definitiv stetig unbeliebter geworden. Ich treffe immer weniger Jungs, die Wettkämpfe bestreiten wollen. Sie wollen meist eher wie Rambo sein, oder wie ein Surfer. Breit zu sein ist heutzutage nicht wirklich gefragt. Ich stelle nicht fest, dass die Öffentlichkeit sich vermehrt Bodybuilding Shows ansieht.