Geschichte

Der Wunsch nach Überlegenheit und deren Vorteile ist fast schon so alt wie der Wunsch fliegen zu können. Daher beginnt die Geschichte des Dopings bereits in der Antike. Damals verspeisten Gladiatoren noch Löwenherzen und Bullenhoden im Glauben, die Kraft und den Mut dieser Tiere zu erlangen. Sowie die Berserker, die damals eine Art stimulierende Wirkung in Pilzen fanden, um Ihre Kampfkraft gegenüber den Feinden zu vervielfachen.

Ein sehr interessantes Beispiel für die Veranschaulichung von leistungssteigernden Substanzen fand ich während meinen Recherchen jedoch in einer uns allen sehr bekannten Geschichte, nämlich jener, die von zwei Galliern erzählt, die die Namen "Asterix" und "Obelix" tragen. In dieser Geschichte spielt eine solche Substanz - oder ein solcher "Zaubertrank", wie er dort genannt wird - eine Art Hauptrolle, denn er trug am meisten dazu bei, die Festung der Gallier gegen die Römer zu verteidigen. Im Comic besitzt der Zaubertrank Fähigkeiten, der die Krieger stärkte und nahezu unbesiegbar machte, sodass sie dem Feind um Weiten überlegen waren. Weiter ging es mit den Inkas, die einst die aufputschende Wirkung von Kaffee und Coca-Blätter entdeckten und die sie dazu verwendeten, ihre Laufleistung, um einiges zu verbessern.

Richtig interessant wurde es dann jedoch erst 1935 als es Wissenschaftlern erstmals gelang Testosteron, das männliche Sexualhormon, synthetisch herzustellen. Der Erfolg blieb nicht lange aus, denn bereits im zweiten Weltkrieg wurden erste Experimente mit deutschen Soldaten gemacht. Der Hintergrund dieser Experimente unterschied sich jedoch insofern zum heutigen Doping-Missbrauch, dass man im zweiten Weltkrieg nicht an Muskelkraft und Potenz interessiert war, sondern an gesteigerter Aggressivität der Soldaten den Feinden gegenüber.

Erst in der Zeit der DDR fing man damit an Testosteron und seine Wirkung im Umfeld von sportlichen Aktivitäten zu gebrauchen. Man experimentierte mit oraler und nasaler Einnahme. Die DDR-Athleten waren ein Symbol des Sozialismus, sie repräsentierten die DDR . Wegen ihrer enormen Wichtigkeit wurden die Athleten vom Staat bereitwillig mit Doping "gefördert".

Die "Sportförderung" funktionierte so gut, dass sie dem Land innerhalb von wenigen Jahren sage und schreibe 454 Medaillen bei den Sommerolympiaden und 110 bei den Winterolympiaden einbrachten. Man versuchte mit Hilfe von Testosteron den deutschen Athleten, den jungen und älteren, einen Aufschwung zu bieten. Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Patente für Testosteron-Präparaten angemeldet und immer mehr Studien zur Wirkung von Testosteron durchgeführt und veröffentlicht.

Mittlerweile geht man davon aus, dass allein in Amerika mehr als 1 Million Personen Steroide oder ähnliche Substanzen zu sich nehmen. Neueren Studien zufolge sind es sogar 20% aller Sportler in Fitnessstudios, die zu leistungssteigernden Substanzen greifen.

Psychologische Aspekte

Ursache

Doch wo liegt der Ursprung? Warum sollen Jugendliche auf die Idee kommen, sich illegale Substanzen zuzuführen, wo es doch ihrem Körper so schadet? Diese scheinbar befremdende Frage, die oftmals in einem zynischen Unterton gestellt wird, beschränkt sich längst nicht nur mehr auf den Profibereich, denn dopen und aufputschen ist aus vielen Fitnessstudios nicht mehr wegzudenken.

Doch bevor wir die Schuld, wie so oft, auf einen sich geradezu anbietenden Sündenbock schieben, sollte man zuerst damit beginnen, die Fehler bei sich selbst zu suchen. Die Schuld für diese Situation trifft meiner Meinung nach nicht die Schwarzmarkt-Händler oder sonst wen. Jene nämlich auszurotten wäre nur eine Symptom-Behandlung, aber keinesfalls die Ursache des Problems angehen. Wie die meisten Probleme werden solche Vorhaben nicht von einem einzigen Punkt verursacht, sondern aus einem Mix von verschiedenen Aspekten:

In der Pubertät befindet sich ein Jugendlicher auf der Suche nach seiner eigenen Identität. Gerade während dieser Zeit lebt ein junger Mensch in einer besonders beeinflussbaren Phase. Die Grenzen zwischen Ideal- und Idolvorstellung beginnen sich erst zu bilden, die Wahrnehmung kann von aussen bedeutend beeinflusst werden. Wer kennt nicht die perfekt gebauten Sportler und Bodybuilder oder wunderschönen Models in Magazinen und auf Werbeplakaten?

Das Schönheitsideal ist zwar relativ, wird aber durch solche Darstellungen in den diversen Medien extrem beeinflusst. Das Streben nach Anerkennung bei Mitmenschen ist oftmals einer der grössten Motivatoren für derartige Vorhaben. Das Selbstvertrauen baut sich während der Pubertät parallel zum Körper auf. Gerade in dieser Zeit fühlen sich junge Menschen verunsichert oder haben das Gefühl, der Welt etwas beweisen zu müssen. Das gesellschaftliche Problem liegt darin, dass sie zum einen die moralische Fragwürdigkeit des Steroid-Missbrauchs unterstützt, aber zum anderen Idole oder Personen mit besseren sportlichen Leistungen glorifiziert. So werden Jugendliche von Anfang an ungewollt in einen unfairen Konkurrenzkampf geschickt.

Vor allem im Bodybuilding ist das Dopen an grossen Wettkämpfen ein offenes Geheimnis und jene Athleten werden für ihre Leistungen belohnt. Das heisst, um mitzuhalten, werden die anderen fast dazu gezwungen, ähnliche Wege zu gehen. Wie in so vielen Bereichen des Lebens stehen wir unter einem hohen Leistungsdruck, der vor allem in unserer westlichen Welt immer grösser wird. preview

Machen wir uns nichts vor, wir leben in einer Gewinner-Welt, die uns nun mal vorgibt: Wer nicht gewinnt verliert. Und offen gesagt: Wer möchte schon verlieren? Ängste wie: Mit diesen Leistungen schaffe ich es nicht oder die Mädels akzeptieren mich nicht so wie ich bin, machen sich breit.

Im Internet stiess ich auf einen Begriff, der dieses Problem in der Männerwelt in noch stärkeren Zügen beschreibt. Frauen mussten sich schon Jahrzehnte mit Bildern von unerreichbaren Schönheiten auseinandersetzten, für Männer hingegen ist dieses Problem eher neu. Adonis-Komplex wird dieser Zwang nach Perfektion genannt. Er beschreibt das Beeinflussen des Selbstwertgefühls durch das äussere Erscheinungsbild, nach dem Motto: Muskeln gleich Männlichkeit. Das Aussehen gewinnt stetig an Bedeutung und breite Schultern symbolisieren nun mal Männlichkeit, Fitness und Gesundheit. Jene Merkmale sollen Männern im Konkurrenzkampf um das weibliche Geschlecht unterstützten, doch irgendwann besteht die Gefahr der verzerrten Körperwahrnehmung. Kräftige Männer oder schlanke Frauen beginnen an ihren Körpern zu zweifeln und setzen alles daran, noch mehr zu erreichen.

Eine weitere Begründung ist, dass man ohne Steroide nun mal nicht zu den Besten gehören könne. Das gleiche Prinzip zeigt sich leider seit längerem in der Radsport-Szene, in der es unmöglich zu sein scheint, ohne externe Hilfe zu den Spitzensportlern zu gehören. Ob es nun das Ziel sei, dem perfekt gebauten Modell auf dem Cover des Lieblings-Magazins zu gleichen oder im Spitzensport zu den Besten zu gehören, der Auslöser ist meiner Meinung nach immer der gleiche: Jugendliche versuchen einer zu hoch angesetzten Messlatte gerecht zu werden. Es ist eine unnatürliche Messlatte; ein Ziel das zwangsläufig nur durch extreme Aktivitäten erreichbar ist.

Folgefehler

Folgefehler Nr. 1 – Die Unwissenheit

Das fast grösste Problem bzw. die grösste Hürde, die man als Bodybuilder überspringen muss, ist das Auseinandersetzen mit dem Thema. Bodybuilding ist nicht nur ein Synonym für Selbstbeherrschung, Durchhaltevermögen, Geduld und Disziplin, sondern es beschäftigt sich akribisch mit allen physiologischen Abläufen im Körper und umfasst einen grossen Teil der Medizin. Nicht nur die ganze Ernährung wird bis aufs Gramm genau berechnet und optimal abgestimmt, sondern jede Trainingseinheit, jede Wiederholung und sogar die Pausen zwischen Trainingssätzen haben einen bestimmten Grund und somit auf das ganze Training einen Einfluss. Über jede Ernährungs- und Trainingsstrategie und sogar über jede einzelne Nahrungsergänzung gibt es unzählige literarische Werke.

Nun setzt einer der wichtigsten Fehler ein. Zwar trainieren viele junge Menschen anfangs mit höchster Motivation, erste Erfolge setzten ein, man versucht noch mehr zu trainieren und gerät bereits schon ins Übertraining. Durch fehlendes Wissen bleiben langsam auch die Erfolge aus und genau dies provoziert den zweiten Folgefehler.

Folgefehler Nr. 2 – Die Ungeduld

Jugendliche versuchen verkrampft ein Ziel zu erreichen, das auf natürliche Weise (natural) oder in einer derart kurzen Zeit niemals erreicht werden kann. Durch fehlendes Hintergrundwissen trainieren sie oftmals völlig falsch und wirken dem Muskelaufbau eher entgegen. An diesem Schlüsselpunkt wird man jedoch vor eine Wahl gestellt: Betritt man den Weg sich mit dem Thema zu befassen, beginnt man den Sport zu leben und arbeitet auf etwas über längere Zeit und über mehrere Jahre hin, worauf man stolz sein kein? Oder wählt man nicht doch lieber die Abkürzung, welche unglaubliche Fortschritte in kürzester Zeit verspricht, um somit den Respekt und die so sehr gewünschte Anerkennung schnell zu bekommen? Ist man in dieser Situation dazu noch geschwächt oder hält sich das Selbstwertgefühl in Grenzen, so ist die Versuchung gross, seinem Erfolg einen kleinen Aufschwung zu gewähren.

Das Ganze ist ein wiederkehrender Kreislauf. Solange es Mittel und Wege gibt, über die natürliche Leistungsgrenze hinauszukommen, wird es immer Sportler geben, die diesen Weg beschreiten und somit andere damit unter Druck setzen, um auf das gleiche Leistungsniveau zu kommen.

Doch was kann man dagegen tun? Sollte der Staat strikter durchgreifen? Ich glaube nicht, dass das helfen würde. Denn solange es eine überpräsente Idealvorstellung gibt und die Möglichkeit diese irgendwie zu erreichen, wird es immer Menschen geben, die diese auch erreichen wollen und sei sie noch so unrealistisch.

Doch eigentlich müssten wir uns nicht wundern, denn nicht nur Jugendliche greifen immer öfters und schneller zu unterstützenden Substanzen, um ihre Ziele möglichst umgehend erreichen zu können. Der Verbrauch von Schlaf- und Schmerzmittel hat in den letzten Jahren ebenfalls enorm zugenommen. Die Hürde zur Ergreifung solcher Massnahmen ist extrem niedrig geworden: Jede kleine Erkältung, jede kleine Schlafstörung wird nicht mehr mit der Umstellung einer vielleicht schädlichen Lebenseinstellung behandelt, sondern es werden schnell Medikamente verschrieben bzw. eingenommen, die unter Umständen dann andere Probleme nach sich ziehen können.

Steroide und andere leistungssteigernde Substanzen sind ein Teil des Sports geworden, sie ermöglichen ein schnelleres Erreichen eines Ziels und genau das ist der Grundsatz unserer Kultur: Ein effizientes und rasches Erreichen von ehrgeizigen Zielen, sei es nun aussehen zu wollen wie der Bodybuilder auf dem Lieblingsmagazin oder zu den besten eines Sportes zu gehören. Der Grund bleibt dabei das Erreichen einer von der Gesellschaft zu hoch angesetzten Messlatte. Dies zeigt sich sicher nicht nur im Bodybuilding, denn auch in anderen Bereichen müssen wir immer höheren Erwartungen gerecht werden.

Anforderungen haben aber auch ihre positive Seite, denn sie können ein Ansporn zur Erreichung von neuen Niveaus sein und einem für weitere Schritte motivieren. Die Frage ist, wie man mit Anforderungen umgeht, ob man diese als Last oder als Chance sieht?

Es muss jedoch zwischen erfahrenen Bodybuilder - die zum Teil bereits über zehn Jahre trainieren und sich für AAS entschieden haben, da sie ihre naturale Grenze erreicht haben - und den eher unerfahrenen Bodybuildern - denen eine gewisse Trainingserfahrung einfach fehlt - unterschieden werden.

Ich persönlich lehne Doping aus verschiedensten Gründen ab. Dazu gehören einerseits die körperlichen Nebenwirkungen und diverse Folgeschäden, die meine zukünftige Familienplanung negativ beeinflussen könnten. Dies ist mit meinem ethischen und moralischen Gewissen und meiner Verantwortung gegenüber meiner familiären Zukunft nicht vereinbar und würde ich bestimmt bereuen.

Das Natural Bodybuilding hingegen werde ich mit höchster Motivation weiterführen, da es der Sport ist, den ich auch in Zukunft noch lange betreiben werde. Durch das trainieren fühle ich mich nicht nur vitaler, sondern mein Körpergefühl hat sich stark verbessert. Das auseinandersetzten mit dem Training, der Ernährung und Supplementen gehört hier nun mal dazu.