Beginnen wir mit dem, was man die "Steroidsynthese" nennt.
In den Hoden gibt es die so genannten Leydig-Zellen, in denen der Körper die Synthese (= die Herstellung) von Testosteron durchführt. Die Produktion von Testosteron läuft dabei über einige Zwischenstufen. Um von einer Zwischenstufe zur nächsten zu gelangen, verwendet der Körper bestimmte Enzyme.

Man unterscheidet dabei prinzipiell zwei Wege, den Delta 4-Syntheseweg und den Delta 5-Syntheseweg. Einen Überblick gibt hier die folgende Abbildung:



Der Körper beginnt mit Cholesterin, das er über das Enzym 20, 22-Desmolase in die die erste Zwischenstufe umwandelt – Pregnenolon. Von hier aus geht es entweder über den Delta 4- (links) oder den Delta 5-Syntheseweg (rechts in der Abbildung) weiter.

Auf den Delta-4-Syntheseweg führt die Kombination der Enzyme 3ß-HSD / Delta-4, 5-Isomerase zunächst zu Progesteron. Weiter geht es mit dem Enzym 17alpha-Hydroxylase zum Prohormon 17-OH-Progesteron und dann mit 17, 20-Desmolase zu Androstendion.
Androstendion schließlich wird durch 17ß-HSD zu Testosteron verwandelt.

Auf dem Delta 5-Syntheseweg entsteht aus Pregnenolon über das Enzym 17alpha-Hydroxylase die Zwischenstufe 17-OH-Pregnenolon. Durch 17, 20-Desmolase wird daraus dann DHEA (Dehydroepiandrosteron).
DHEA konvertiert über 17ß-HSD zu 5-Androstendiol und daraus wird durch die Kombination der Enzyme 3ß-HSD / Delta 4, 5-Isomerase schließlich Testosteron.

Die Hoden produzieren so pro Tag 6-7 mg Testosteron.

Das ganze mag nun sehr wissenschaftlich klingen, jedoch sind für unsere Betrachtungen die Vorstufen von Androstendion und DHEA (also Cholesterin, Pregnenolon & Co. sowie die Enzyme, die dorthin führen) praktisch ohne Belang.
Interessant ist der Bereich, der die Hormone Androstendion, DHEA, Androstendiol, Testosteron und die Enzyme 3ß-HSD, Delta-4, 5-Isomerase und 17ß-HSD umfasst.

Der Hauptgedanke hinter der externen Zufuhr von Prohormonen wie DHEA, Androstendion und Androstendiol ist der, dass der Körper diese selbständig in Testosteron weiterverwandeln und so den Testosteronspiegel erhöhen soll.

Diese Überlegung hat ja zunächst einen gewissen Charme. Man beachte in diesem Zusammenhang aber auch:
  • Die Synthese von Androgenen findet im Körper des Mannes fast ausschließlich in den Hoden (95%) und in den Nebennieren (5%) statt. Und dort werden Prohormone allenfalls dann wirken, wenn ein Mangel daran besteht.
    Denn es gibt keinen Grund für die Annahme, dass die Hoden aufgrund exogen zugeführter Prohormone plötzlich in hektische Aktivität verfallen und diese in Testosteron umwandeln werden.
  • Wenn eine Konversion der Prohormone zu Testosteron stattfinden soll, so wird diese in den peripheren Geweben passieren müssen. Prinzipiell scheint dies möglich, denn die eben genannten Enzyme kommen z.B. auch in der Skelettmuskulatur und im Fettgewebe vor.
Prohormone könnten aber auch noch über einen anderen Weg wirken – und zwar über ihr eigenes anaboles / androgenes Potential:
  • Nachdem Androstendion im Jahr 1935 zum ersten Mal synthetisch hergestellt wurde, stellte Charles Kochakian ein Jahr später fest, dass es androgene und anabole Eigenschaften besitzt, die etwa ein siebtel so stark sind, wie die von Testosteron.
  • Auch eine Studie von 19802 kommt zu dem Schluss, dass Androstendion ein Hormon ist, das 10 – 20% der androgenen Aktivität relativ zu Testosteron besitzt.