Dem waren im Kongress einige Debatten zum Thema Nahrungsergänzungen vorausgegangen, und man war schließlich darin übereingekommen die Rolle anzuerkennen, die "Dietary Supplements" zum Erhalt der Gesundheit und zur Vermeidung chronischer Krankheiten spielen können. Ziel war daher, den gesetzlichen Rahmen zu schaffen, der den Bürgern zukünftig den freien Zugang zu solchen Supplements sichert.
Der DSHEA sollte bald zur Grundlage für eine echte amerikanische Erfolgsstory werden. Zumindest, wenn man Erfolg in Dollar formulieren mag.
Das Gesetz wird nämlich auch so ausgelegt, dass Vorstufen aktiver Hormone (Prohormone), wenn sie in der Natur vorkommen, nicht unter den "Anabolic Steroids Control Act" von 1990 fallen, sondern frei verkauft werden dürfen.
Zunächst war den Supp-Herstellern noch unklar, wie weit sie mit dem neuen Gesetz gehen durften, und so dauerte es bis 1996, als sich ein Hersteller entschloss, die amerikanische Käuferschaft mit DHEA zu beglücken. Pat Arnold ließ dem kurze Zeit später Androstendion folgen.
Der Umsatz explodierte, als der Baseballspieler Mark McGwire 1998 mit 70 Homeruns einen neuen Rekord aufstellte, damit zum nationalen Helden avancierte und kurz darauf verkündete, was ihn seiner Meinung nach so stark macht: Androstendion - eine Stunde vor dem Spiel eingeworfen.
Anfang November 1998 erschien im Spiegel ein Artikel mit dem etwas reißerischen Titel "Viagra für den ganzen Körper"1, der mich zum ersten Mal auf diese neue Art von Produkten aufmerksam werden ließ. Der Autor beschreibt dort, welche Wunder Androstendion zu verbringen vermag, und der Text endet mit dem Satz. Wem es an Lust, Muskeln oder beidem mangelt, kann es sich via Internet in Amerika bestellen.
"Die erste gute Idee, heute", dachte ich mir, und kurze Zeit später saß ich am PC und verglich die Preise verschiedener amerikanischer Online-Shops.
Der Autor hatte Recht - man konnte es ohne weiteres im Internet bestellen. Wäre allerdings nett von ihm gewesen, wenn er an dieser Stelle ein klein wenig besser recherchiert hätte. Denn dass man das Zeug bestellen kann, bedeutet ja noch nicht, dass man es deshalb auch erhalten wird.
Ich jedenfalls sollte noch eine Weile von den Segnungen Androstendions verschont bleiben, da kurze Zeit später nicht die erwartete Sendung zur Abholung bereitstand, sondern stattdessen eine Karte vom Zoll im Briefkasten lag, mit der freundlichen Aufforderung, doch einmal vorbeizuschauen.
Die Geschichte ist nun eine Weile her und nicht nur ich bin seitdem etwas schlauer geworden. Die Wirkungen von Prohormonen und anderen Produkten vom amerikanischen Supp-Markt wie DHEA, Androstendion, Androstendiol, Norandrostendion, Norandrostendiol, Tribulus Terrestris, Chrysin und Saw Palmetto sind in den letzten Jahren Gegenstand einer Reihe von medizinischen Studien gewesen.
Ich habe mir die wichtigsten dieser Studien und viele Artikel im www angeschaut und möchte nun versuchen, die Frage zu beantworten, was diese Produkte im Hinblick auf den Aufbau von Muskulatur wirklich bringen.
Dazu werde ich zunächst ein paar Grundlagen darstellen und dabei der Frage nachgehen, warum man überhaupt auf den Gedanken kommen kann, dass Prohormone etwas bewirken.
Es folgt danach die Beschreibung einiger Erkenntnisse aus den 60er Jahren und aus der DDR-Forschung der 80er Jahre.
Interessanterweise werden einige Ergebnisse aus den Studien der 60er Jahre zur wissenschaftlichen Untermauerung diverser Werbeaussagen auch heute sehr gerne noch benutzt.
Mit den Ergebnissen aus DDR-Zeiten wurde emsig geworben, als Prohormone neu auf dem Markt waren. Mittlerweile nicht mehr.
Anschließend werde ich die PHs DHEA, Androstendion und Androstendiol genauer unter die Lupe nehmen und schauen, was man in diversen neueren Untersuchungen herausgefunden hat.
Sehr viele Studien gibt es zu DHEA, mit Androstendion haben sich in den letzten Jahren ebenfalls einige Autoren beschäftigt, und auch zu Androstendiol habe ich Material finden können. Die Effekte von TT, Chrysin und Saw Palmetto in Kombination mit Androstendion oder -diol werde ich am Beispiel zweier Studien zu Kombi-Produkten betrachten.
Norandrostendion und Norandrostendiol kamen später auf den Markt, als ihre beide Andro-Verwandten. Doch auch mit diesen hat man einige wenige Studien durchgeführt, deren Ergebnisse ich hier vorstellen will.
In den letzten zwei bis drei Jahren sind dann noch einmal eine ganze Reihe neuer Produkte auf dem Markt erschienen. Darunter ist ein Wirkstoff, der wegen seiner Eigenschaften sehr deutlich aus der Masse herausragt: 1-Testosteron. Hier gibt es keine Studien, jedoch werde ich dazu einige Fakten inklusive meinem eigenen Erfahrungsbericht liefern.
Und dann gibt es da auch noch einen Hersteller, der mit recht merkwürdigen Produkten daherkommt, bei denen niemand so recht weiß, was sie eigentlich enthalten. Diese tragen oft Namen, die denen bekannter AAS (anabole androgene Steroide) nachempfunden sind, z.B. Parabolon (statt Parabolan) und Stanozolon (statt Stanozolol).
Verkaufsschlager scheint jedoch ein Produkt namens Met-AD17-Diol zu sein. Was da drin ist, wurde mal an der Uni Köln untersucht - mit erstaunlichem Ergebnis.
