Doch trotz all dieser vorteilhaften Eigenschaften, hatte er ein entscheidendes Manko: seine Haut. Wann immer er durch Sport, Schule oder Frauen stressgeplagt war, litt er unter schweren Ausbrüchen von Akne. In solchen Situationen schwoll sein Gesicht an und war schnell mit Pickeln und Mitessern übersäht.
Während dieser Phasen verschwand er von der Bildfläche. Er verließ das Haus nicht mehr und kam auch nur selten aus seinem Zimmer. Er litt unter schweren Depressionen und war im Grunde genommen ein völlig anderer Mensch.
Es tat mir jedes Mal weh, wenn ich miterlebte, wie er diese Phasen seines Lebens durchmachte. Es ist ein mieses Gefühl seinen besten Freund so leiden zu sehen, ohne ihm irgendwie helfen zu können. Ich bin mir sicher, dass Menschen, die unter Akne leiden, genau wissen, wovon ich rede.
Als Dr. Alan Logan seine neusten Untersuchungsergebnisse mit mir teilte, wusste ich, dass ich dabei helfen wollte, diese auch mit anderen zu teilen.
Alan ist ein Naturheilkundler und Dozent für Leib und Seele Medizinkurse in Harvard. Er untersucht, wie Ernährung und Lebensstil alles von der Körperkomposition über die Gesundheit der Haut bis hin zur Gesundheit des Gehirns beeinflussen können. In seinem letzten Buch The Clear Skin Diet (Ernährung für reine Haut), beschreibt Alan im Detail, wie Ernährung und Lebensstil Akne entweder verschlimmern oder zum Verschwinden bringen können.
Dr. John Berardi: Dein Name sollte den Lesern dieser Site bereits vertraut sein. Nach dem letzten Interview zum Thema Ernährung, Gehirn und Körper bekamen wir tonnenweise Feedback von unseren Leser. Es wäre trotzdem nett, wenn Du denjenigen, die Dich noch nicht kennen, kurz sagen könntest, wer Du bist und was Du machst.
Dr. Alan Logan: Ich bin Arzt mit dem Spezialgebiet Naturheilkunde mit Schwerpunkt Ernährungsmedizin. Wie ich im letzten Interview bereits erwähnt habe, heile ich nicht mit Kristallen, stülpe den Leuten keine Pyramiden über den Kopf und mach auch sonst nichts von diesem verrückten Zeugs. Meine primäre Tätigkeit besteht vielmehr in der Forschung auf dem Gebiet der Ernährungsmedizin und der Umsetzung dieser Erkenntnisse in klinische Anwendungen.
Dr. Berardi: Auch wenn es viele Naturheilkundler gibt, bin ich immer wieder von Deinen Fähigkeiten beeindruckt, die Verbindungen zwischen unterschiedlichen Fachgebieten zu sehen.
Dr. Logan: Dies hängt mit meinem Fachgebiet zusammen. Ich habe sowohl mit wissenschaftlichen Untersuchungen als auch mit der klinischen Praxis zu tun. Als Mitglied der medizinischen Fakultät von Harvard halte ich Vorlesungen zu Themen wie ernährungstechnische Supplements, Placeboreaktionen und der Verbindung zwischen Nahrung, Lernen und Verhalten. Ich beschäftige mich sowohl mit der Forschung, als auch mit den klinischen Anwendungen dieser Forschung.
Dr. Berardi: Okay, dann lass und über Ernährung sprechen. Die meisten Bodybuilder und Sportler sehen die Ernährung hauptsächlich als Mittel zur Verbesserung der Körperkomposition und der sportlichen Leistungsfähigkeit an. Ich weiß jedoch, dass Du die Ernährung auch aus anderen, neuen Blickwinkeln betrachtest. In Deinem Buch The Brain Diet hast Du beschrieben, wie Nährstoffe die Gesundheit des Gehirns, die Gemütslage und das Verhalten beeinflussen können. Welche anderen neuen Aspekte der Ernährung untersuchst Du zurzeit?
Dr. Logan: Meine aktuellen Untersuchungen während der letzten beiden Jahre haben sich auf die Verbindung zwischen der Auswahl der Nahrungsmittel, spezifischen Nährstoffen und der Gesundheit der Haut beschäftigt. Genauer gesagt habe ich die Beziehung zwischen Ernährung und Akne untersucht.
Hierbei habe ich mit dem Dermatologen Dr. Valori Treloar aus Boston zusammengearbeitet und mit ihm im Rahmen unserer Untersuchungen zum Thema Akne im übertragenen Sinn jeden erdenklichen Stein im Bereich der Ernährung und des Lebensstils umgedreht. Das Endergebnis ist unser neues Buch, The Clear Skin Diet.
Dr. Berardi: Ich habe bereits eine Vorabversion dieses Buches gelesen und mir ist aufgefallen, dass Du die klassische Dermatologie mit Deinen kontroversen Theorien – insbesondere im Bezug auf die Ernährung - ziemlich herausgefordert hast.
Warum gibt es auf diesem Gebiet so viele Streitigkeiten. Weiß nicht jeder, der sich etwas mit Ernährung auskennt, dass bestimmte Nahrungsmittel Aknesymptome hervorrufen können.
Dr. Logan: Du hast Recht, John. Internationale Studien zeigen, dass die meisten Menschen, die unter Akne leiden, glauben, dass die Ernährung ein signifikanter Faktor ist. Es ist egal, wo man diese Untersuchungen durchführt – asiatische Länder, Europa, der mittlere Osten, Großbritannien, Nord- und Südamerika – die Teilnehmer erwähnen die Ernährung immer als einen der Faktoren.
Die Kontroverse hängt mit der Tatsache zusammen, dass diese Leute während der letzten 30 Jahre von Dermatologen erzählt bekommen haben, dass sie falsch liegen! Und ich kann den Dermatologen nicht mal einen Vorwurf machen, da sie dies so während ihrer Ausbildung gelernt haben. Es hat sich seit den frühen Siebzigern in die Lehrbücher eingeschlichen und diese beinhalten noch heute die Aussage, dass es keine Verbindung zwischen Ernährung und Akne gibt.
Die Rechtfertigung für Dermatologen, die Verbindung zwischen Ernährung und Akne in den Bereich der Mythen zu verbannen, ist ein Kartenhaus, das auf einem sehr wackligen Fundament gebaut ist – zwei schrecklich schlecht gestaltete Studien aus den Jahren 1969 und 1970. Diese Studien hätten nie das Licht der Welt gesehen, wenn man versucht hätte sie heutzutage zu veröffentlichen. Ich würde wahrscheinlich eine Kehlkopfentzündung bekommen, wenn wir eine detaillierte Konversation über all die Designmängel dieser Studien führen müssten. Kurz gesagt waren sie zu kurz ausgelegt, wurden mit zu wenigen Probanden durchgeführt und bei einer dieser Studien gab es nicht einmal eine Kontrollgruppe.
Dr. Berardi: Das waren die Schokoladenstudien, nicht wahr?
Dr. Logan: Ganz genau. Diese Studien waren gestaltet um festzustellen, ob der Verzehr von Schokolade mit Akne in Verbindung steht. Und wie ich bereits gesagt habe, sind sie nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind.
Bei der ersten Studie fehlt neben anderen Design Mängeln die Kontrollgruppe. Und die zweite Studie, die eine Placebo Kontrollgruppe verwendete, hatte einen großen, fatalen Fehler. Die Schokoladengruppe erhielt einen Standardschokoriegel, der reich an Zucker und gesättigten Fetten war. Doch die Placebo Gruppe bekam einen nachgemachten Schokoriegel, bei dem das gesättigte Fett durch hydriertes Pflanzenöl, der neusten Erfindung im Bereich der Nahrungsmittelbranche aus dem Jahr 1969, ersetzt worden war.
Warum ist dies ein so großes Problem? Nun, heute wissen wir, dass hydrierte Pflanzenfette mehr als ungesund sind und außerdem dazu in der Lage sind, Entzündungen im Körper zu fördern. Und Entzündungen gehören zu den Hauptursachen für Akne.
Über die Fettwahl hinaus bestand der Schnitzer beider Studien darin, dass keine von ihnen die restliche Ernährung betrachtete. Mit anderen Worten ausgedrückt bedeutet dies, dass wir keine Ahnung haben, was die Probanden während der Studiendauer sonst noch aßen und tranken. Wer Trank Milch oder Softdrinks, wer aß frittierte oder verarbeitete Nahrungsmittel? Wir haben nicht den Schimmer einer Ahnung! Es ist einfach nur absurd!
Und trotzdem sind dies die Studien, auf denen die Annalen der dermatologischen Wissenschaften und die Lehre aufbauen. Und unglücklicherweise, aus welchem Grund auch immer, schloss sich danach die Tür, was Untersuchungen zum Thema Akne und Ernährung angeht, und die Patienten wurden alleine gelassen.
Ein Dermatologe schrieb 1971 im American Family Physician Journal sogar, dass zu viele Patienten die Illusion haben, dass ihre Gesundheit irgendwie auf mysteriöse Art und Weise von etwas in ihrer Ernährung beeinträchtigt werden könnte.
Dr. Berardi: Wow, was für eine unglaubliche Arroganz! Lass uns als Hommage an diesen Dermatologen über Kapitel zwei aus Deinem Buch sprechen. In diesem Kapitel hast Du die besten Beispiele dafür gegeben, wie wenig ein durchschnittlicher Medizinstudent heutzutage während des Studiums über das Thema Ernährung lernt. Was hat es damit auf sich und warum macht Dich das so wütend?
Dr. Logan: Der Durchschnittsbürger wäre über den traurigen Zustand der ernährungstechnischen Ausbildung an unseren medizinischen Hochschulen schockiert. Das regt mich auf, weil Menschen mit chronischen Krankheiten bei Ärzten unter der Annahme, dass diese gut informiert sind, bezüglich ernährungstechnischer Fragen nach Rat suchen.
In der Realität wird nur an 30 % der medizinischen Hochschulen ein Ernährungskurs gefordert und selbst dieser befasst sich fast ausschließlich mit intravenöser Ernährung und der Biochemie der Zellen.
Laut einer Studie, die letztes Jahr im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht wurde, hatten 78 % der Medizinstudenten nach ihrem Abschluss nicht das Gefühl, dass sie ausreichend ausgebildet sind, um eine angemessene Ernährungsberatung durchführen zu können. Während ihrer Sprechstunden hatten nur 17 % regelmäßig Patienten zum Thema Ernährung beraten. preview
Das echte Problem ist ein Mangel an Verantwortlichkeit. Für meine Lizenz musste ich separate Examen in Biochemie und klinischer Ernährung machen. Bei Allgemeinmedizinern sieht dies anders aus. Nur 3 % der Examensfragen haben auch nur ansatzweise entfernt etwas mit Ernährung zu tun. Warum sollte man sich die Mühe machen etwas zu lernen und zu studieren, das später nicht im Examen vorkommt?
Und es geht noch weiter. Für Studenten aus der Welt der Pharmazie und der operativen Techniken ist Ernährung etwas, das in den Hauswirtschaftskurs gehört.
Dr. Berardi: Mich haben die Studien, die im Nutrition Journal veröffentlicht wurden, besonders überrascht, da sie folgendes zeigten:
- Fast 25 % der Medizinstudenten wussten nicht, dass Fett Gramm für Gramm mehr Kalorien als dieselbe Menge Protein oder Kohlenhydrate enthält.
- Fast 50 % der Studenten waren sich der Tatsache nicht bewusst, dass Olivenöl reich an einfach ungesättigten Fetten ist.
- Fast 50 % der Studenten dachten, dass eine Folsäure (Vitamin B9) Supplementation einen Vitamin B12 Mangel ausgleichen kann.
Dr. Berardi: Und es wäre auch ganz nett, wenn die Medizinstudenten persönlich etwas über gute Ernährung wüssten.
Dr. Logan: Absolut! Im Augenblick sind Medizinstudenten nicht gerade ein Vorbild, was gesunde Ernährung angeht. Nur 11 % von ihnen schaffen es, die Minimalempfehlung von fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag zu sich zu nehmen!
Dr. Berardi: Okay, hören wir an dieser Stelle auf damit, auf der Medizin herumzuhacken. Trotz dieser Unzulänglichkeiten geschehen im Bereich der Medizin jede Stunde tolle Dinge. Kommen wir zurück auf das Thema gesunde Haut. In Deinem Buch argumentierst Du, dass unsere augenblickliche Ernährung an der Zunahme von Akne sowohl bei Heranwachsenden als auch bei Erwachsenen in den letzten 50 Jahren Schuld ist. Welches sind die wichtigsten ernährungstechnischen Verdächtigen?
Dr. Logan: Es sind dieselben alten Kamellen: verarbeitet Nahrungsmittel, zu viel entzündungsförderndes pflanzliches Öl, zu viel gesättigte Fette und Transfette, zu viel Zucker und Softdrinks sowie insbesondere zu viel Milch und Milchprodukte.
[Bemerkung des Herausgebers: Wir baten John Beradi zu erklären, was er mit seiner Bemerkung über die negativen Auswirkungen von Milch meinte. Hier ist seine Antwort:
“Einige glauben, dass es die Hormone in der Milch sind (entweder Wachstumshormone, reproduktive Hormone oder andere Wachstumsfaktoren). Einige denken, dass es daran liegt, dass Milch die Androgenproduktion anregen könnte (Milch enthält 4 Vorläuferstoffe von DHEA, welches als das „Aknehormon“ angesehen wird). Und einige glauben, dass es an der mit Milch in Verbindung stehenden Insulinausschüttung liegt (hohe Insulinspiegel werden mit Akne in Verbindung gebracht). Man ist also auf der sicheren Seite, wenn man wie Dr. Logan empfiehlt mit Milch und Milchprodukten vorsichtig ist.]
Die Kehrseite einer Ernährung, die zu reich an diesen Nahrungsmitteln und Getränken ist, ist die Abwesenheit von vor Akne schützenden Faktoren: Ballaststoffe, um den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren, Antioxidantien aus bunten Früchten und buntem Gemüse, nicht genug Omega-3 Fettsäuren und eine niedrige Zufuhr spezifischer Anti-Akne Nährstoffe wie Zink, Selen und Chrom.
Dr. Berardi: Eine falsche Aufteilung der Ernährung – zu viel Junk Food und zu wenige gesunde Nahrungsmittel – ist also der eigentliche Schuldige.
Dr. Logan: Dies trifft zu einem großen Teil zu. Und der Hintergrund unseres Standpunktes in The Clear Skin Diet ist die gut dokumentierte Zunahme von Akne bei Menschen, die die westliche Ernährungsweise übernommen haben.
Die Inuit aus Alberta in Kanada und die Japaner sind Beispiele für Bevölkerungsgrusgruppen, bei denen die Veränderungen der Aknerate mit der Zunahme des Verzehrs von verarbeiteten Nahrungsmitteln, ungesunden Fetten und ähnlichem zusammenfallen. Eine im Magazin Archives of Dermatology im Jahr 2002 veröffentlichte Studie zeigte diese Verbindung zwischen Akne und Ernährung sehr deutlich.
Dr. Loren Cordain von der Colorado State University gebührt dieser Ruhm, da er diese Studie leitete. Einige Leser werden ihn vielleicht durch sein Buch The Paleo Diet kennen.
Die Autoren der Studie fanden heraus, dass es bei isolierten, auf der Jagd basierenden Gesellschaften im pazifischen Raum und in Paraguay praktisch keine Anzeichen von Akne gab. Diese Gesellschaften waren durch 10.000 Meilen Entfernung getrennt und die Verbindung bestand eigentlich nur in der Ernährung, die so gut wie keine verarbeiteten Nahrungsmittel, keine Milchprodukte, viel Gemüse, viele ballaststoffreiche Wurzeln und hohe Mengen an Omega-3 Fettsäuren enthält und insgesamt eine niedrige glykämische Last aufweist. Mit anderen Worten gesagt führt diese Art der Ernährung nicht zu hohen Blutzucker- und Insulinspiegeln.
Hierauf folgten zwei getrennte Harvard Studien, die eine klare Verbindung zwischen dem Milchkonsum und der Entwicklung von Akne zeigten. Auch andere Formen von Milchprodukten inklusive Eiscreme und Käse wurden untersucht.
Interessanterweise verursachte Joghurt keine Akne, was vielleicht auf den enthaltenen Bakterien beruht, die die Struktur verändern. Diese Bakterien könnten zusätzlich eine direkte Rolle spielen. Wir fanden zwei internationale Studien und ließen diese aus dem Russischen und Italienischen übersetzen. Beide zeigten, dass die orale Zufuhr der so genannten freundlichen Bakterien oder Probiotika Akne lindern kann.
Um diese Zusammenhänge weiter zu untersuchen bedarf es klinischer Untersuchungen und kontrollierte Interventionsstudien. Dies ist im Zusammenhang mit Akne kompliziert, doch Australische Wissenschaftler haben dies durchgezogen.
Im August 2007 wurden zwei separate Studien veröffentlicht – eine im Journal of the American Academy of Dermatology und die andere im American Journal of Clinical Nutrition. Das Endergebnis beider Studien war, dass eine Ernährung, die reich an Fleisch, Ballaststoffen, gesunden Fetten und arm an gesättigten Fetten, einfachem Zucker und verarbeiteten Nahrungsmitteln ist, Akne im Vergleich zur Kontrollgruppe über einen Zeitraum von 3 Monaten linderte. Insgesamt gab es etwa 22 % weniger Akneläsionen bei der Gruppe mit gesünderer Ernährung.
Insgesamt ähnelte diese Ernährung dem Jäger und Sammler Ansatz mit derselben niedrigen glykämischen Last wie bei den Ernährungsformen, die Dr. Cordain im Jahr 2002 untersuchte. Die Teilnehmer der Studie waren sich im Übrigen der Tatsache nicht bewusst, dass sie an einer Aknestudie teilnahmen. Sie wurden von den Autoren der Studie im Glauben gehalten, dass untersucht werden sollte, ob Veränderungen des Protein/Kohlenhydrat Verhältnisses bestimmte Blutmarker beeinflussen können.
Dr. Berardi: Über Dr. Cordains Studien hinaus hast Du einen interessanten Vergleich zwischen der japanischen und der nordamerikanischen Ernährung im Bezug auf die Verbindung von Ernährung und Akne aufgestellt. Wo liegt die Verbindung?
Dr. Logan: Nun, im Jahr 1964 gab es eine groß angelegte Vergleichsstudie bezüglich der Aknerate von japanischen Teenagern, die in Tokio und Yokohama lebten und amerikanischen Teenagern in urbanen Zentren. Die Aknerate lag in Japan um 50 % niedriger. Damals führte man dies auf genetische Faktoren zurück.
Das Problem bei dieser Schlussfolgerung besteht darin, dass die Aknerate in Japan und Nordamerika heute gleich ist. Glücklicherweise ermöglichen uns die Akten der WHO einen Blick in die Vergangenheit und einen Vergleich der japanischen Ernährung von 1964 mit der japanischen Ernährung von heute. Wie man sich vielleicht vorstellen kann, stieg der Konsum von gesättigten Fetten, Milchprodukten, Pflanzenöl, Zucker und verarbeiteten Nahrungsmitteln seit damals stark an. Dies geschah in Kombination mit einem bewegungsärmeren Lebensstil.
Dr. Berardi: Doch was ist mit genetischen Faktoren? Offensichtlich ist die Ernährung nicht der einzige Faktor, der bei Akne eine Rolle spielt. Welche anderen, den Lebensstil und die genetischen Veranlagungen betreffenden Faktoren können eine Verschlimmerung von Aknesymptome fördern oder Akne hervorrufen?
Dr. Logan: Du hast Recht, die Ernährung ist nicht alles. Wir hätten das Buch eigentlich The Clear Skin Lifestyle nennen sollen.
Untersuchungen haben gezeigt, dass Stress zu einem Ausbruch von Akne führen kann. Examensstress und Beziehungsstress wurden mit einer Verschlimmerung der Akne in Verbindung gebracht. Ich vermute, dass der Stress im Beruf in unserer modernen Welt auch hierzu beitragen kann. Kortisol, dass Stresshormon, fördert die Talgproduktion, wodurch das Risiko für eine Verstopfung der Poren steigen kann.
Die Erbanlagen sind natürlich auch ein wichtiger Faktor. Doch auch sie sind nicht der einzige Faktor. Und wir wissen heute, dass Ernährung und Lebensstil die genetische Expression beeinflussen können. Dies kann darüber entscheiden, ob man eine Krankheit bekommt oder nicht. Weiterhin kann die schwere einer Erkrankung trotz gleicher genetischer Faktoren durch Umweltfaktoren beeinflusst werden.
Wie bei den meisten chronischen Erkrankungen, gibt es auch bei Akne eine Verteilung nach der Glockenkurve. An einem Ende befinden sich diejenigen, die jeden Tag Fastfood essen können, wenig schlafen und massig Stress haben, aber trotzdem ein perfektes Hautbild aufweisen. Am anderen Ende der Kurve sind diejenigen, die unter schwerer Akne leiden, obwohl sie alles von perfekter Ernährung bis hin zu optimaler Stressbewältigung richtig machen und hierdurch trotzdem nur marginale Erfolge verzeichnen können. Die Masse derjenigen, die unter Akne leiden, befinden sich irgendwo in der Mitte zwischen diesen Extremen.
Unsere genetischen Veranlagungen haben sich im lauf der letzten 40 Jahre nicht verändert, weshalb sie keine Ausrede für die dokumentierte signifikante Zunahme der Aknerate bei Universitätsstudenten, arbeitenden Frauen und anderen Erwachsenen darstellen können. Man kann diese Entwicklung nicht auf die Genetik schieben und sie hat auch nichts damit zu tun, dass sich die Diagnosekriterien im Lauf der Zeit verändert haben könnten. Wir müssen uns ganz einfach die Umgebungsfaktoren ansehen, wobei Ernährung und Stressfaktoren ganz oben auf der Liste stehen.
Dr. Berardi: Nun, all diese den Lebensstil und die Ernährung betreffenden Betrachtungen helfen mit Sicherheit die Geschichte zu erklären, die ich am Anfang dieses Artikels erzählt habe. Mein Zimmernachbar litt immer dann unter schweren Akneausbrüchen, wenn er nennenswertem Stress ausgesetzt war – egal, ob dieser Stress mit der Schule, dem Sport oder Beziehungen zu tun hatte.
Dr. Logan: Hormone - Kortisol!
Dr. Berardi: Richtig und aufgrund dieses Stresses aß er eine Menge Zucker und entzündungsförderndes Junkfood.
Dr. Logan: Und da haben wir die Verbindung zur Ernährung.
Dr. Berardi: Was hätte er tun können, um diese Akneausbrüche zu verhindern?
Dr. Logan: Nun, er hätte sie durch eine Kontrolle der Stressfaktoren und Sport in den Griff bekommen können. Auch Meditation und andere Stressmanagement Techniken sind hierbei wichtig.
Zu guter Letzt ist auch Schlaf von entscheidender Bedeutung. Die meisten Aknepatienten berichten von einer Verschlimmerung ihrer Akne, wenn sie nicht regelmäßig ausreichend Schlaf bekommen. Schlechter und unzureichender Schlaf erhöhen die Spiegel des Stresshormons Kortisol und verändert unsere Ernährungsgewohnheiten in Richtung ungesunder Wohlfühlnahrungsmittel.
Dr. Berardi: Wenn wir gerade von der Ernährung sprechen, was kann man an dieser Front tun?
Dr. Logan: Es ist eigentlich recht einfach. Um Akne besser kontrollieren zu können, sollte die Ernährung reich an fettarmen Proteinquellen wie Fisch, Geflügel, Eier, Wild oder sehr magerem Rindfleisch sein.
Die Zufuhr gesättigter Fette sollte kontrolliert und Transfette sollten gemieden werden. Selbiges gilt für verarbeitete Kohlenhydrate und Zucker. An dieser Stelle ist es wichtig, die Etiketten der Nahrungsmittel zu studieren. Bei Getreideprodukten sollte man z.B. die Produkte mit dem geringsten Zuckergehalt und dem höchsten Ballaststoffanteil wählen.
Tomaten könnten auch ein spezifisches Anti-Akne Nahrungsmittel sein, da Lycopen die Spiegel eines der Akne fördernden Hormone senken kann. Grüner Tee ist das Getränk der Wahl, da es die Bildung von Dihydrotestosteron (DHT) aus Testosteron reduzieren kann und DHT Akne noch stärker als Testosteron fördert.
Um die Akne zu kontrollieren sollte man außerdem die Zufuhr von Omega-3 Fettsäuren maximieren, Rapsöl zum Kochen verwenden und nicht vergessen, die Ernährung durch Obst – insbesondere Beeren – und Gemüse so bunt wie möglich zu gestalten. Sehr wichtig ist außerdem, dass man auf Milch verzichtet!
Dr. Berardi: Das ist um Grunde genommen das, was viele Leser wahrscheinlich bereits tun.
Dr. Logan: Natürlich haben Dr. Treloar und ich nicht das Plutonium erfunden. Es ist nicht so, als ob wir die ersten wären, die ein Atom gespaltet haben. Alles in Allem ist dies dieselbe gesunde Ernährung, die auch bei Herz-Kreislauf Erkrankungen und Diabetes empfohlen wird. Es gibt jedoch einige Details, die bei der Anti-Akne Ernährung etwas anders sind.
Dr. Berardi: Zum Beispiel?
Dr. Logan: Der Bedarf an Zink ist bei Akne hoch. Es konnte gezeigt werden, dass die Zinkspiegel meist niedrig sind und sich eine orale Supplementation als hilfreich erweisen kann.
Auch Chrom ist wichtig. Eine ältere Studie zeigte die Vorzüge einer oralen Supplementation, was damit zu tun haben könnte, dass Chrom bei der Regulierung der Blutzucker- und Insulinspiegel helfen kann.
Selen ist ein anderes wichtiges Spurenelement. Im Fall eines Akneausbruchs wird ein spezielles antioxidatives Enzym, die Glutathion Peroxidase stark gefordert und dieses Enzym funktioniert nicht ohne Selen. Es konnte gezeigt werden, dass die Selenspiegel bei Aknepatienten niedrig sind und dass sich eine orale Supplementation als hilfreich erweisen kann.
Antioxidantien sind bei Akne von überraschender Signifikanz und werden allzu oft nicht ausreichend beachtet. Aknepatienten weisen niedrigere Spiegel antioxidativer Nährstoffe im Blut auf und je schlimmer die Akne ist, desto niedriger fallen diese Spiegel aus.
Die Omega-3 Verbindung zu Akne ist ein weiteres interessantes Thema, da wir jetzt wissen, dass diese Fette im Allgemeinen und EPA aus Fischöl im Besonderen, die Bildung entzündungsfördernder Chemikalien bremsen können, die sich ansonsten negativ auf den Zustand der Haut auswirken könnten.
Eine Supplementation mit EPA, Zink, Selen und Chrom könnte sich bei Akne also als hilfreich erweisen. Die Firma Genuine Health Inc. aus Toronto in Kanada hat genau diese Zutaten zusammen mit Grünteeextrakt in eine Kapsel gepackt und verkauft diese als Supplement mit der Bezeichnung Perfect Skin (perfekte Haut).
Dr. Berardi: Was ist eigentlich mit den Produkten zur äußerlichen Anwendung, die wir alle aus der Werbung kennen – diese Produkte, die alle Teenager in den Werbespots glücklich machen? Warum sollte man sich auf die Ernährung konzentrieren, wenn solche Produkte zur Verfügung stehen?
Dr. Logan: Im Fernsehen scheint es heutzutage eine ungewöhnlich große Anzahl dieser Akne heilenden Wundermittel zu geben. Überbewertete kommerzielle Produkte, die von Prominenten beworben werden, sind nicht viel mehr als gut verpackte und gut vermarktete Inhaltsstoffe, die es seit Jahren frei verkäuflich gibt: Benzoyl Peroxid und Glykolsäure.
Klinische Studien, die natürlich nicht diese auf wundersame Art und Weise geheilten Teilnehmer umfassten, zeigten bei Benzoyl Peroxid moderate Resultate, die weit von einer Heilung entfernt waren. Was Glykolsäure angeht, ist so gut wie nichts über ihre Effektivität bei den niedrigen Mengen bekannt, die in diesen viel beworbenen Produkten zum Einsatz kommen. Bei Dosierungen, wie sie von Dermatologen eingesetzt werden und die weitaus höher als die bei kommerziellen Produkten verwendeten Dosierungen ausfallen, legen vorläufige Untersuchungen nahe, dass diese einige Vorzüge mit sich bringen könnten.
Doch warum sollte man diese Probleme notdürftig äußerlich mit Hansaplast beheben, anstelle sie von innen heraus zu lösen, während man gleichzeitig den ernährungstechnischen Status und die allgemeine Gesundheit der Ernährung verbessern kann?
Dr. Berardi: Wenn wir gerade beim Thema Heilmittel sind – was ist mit Accutane?
Dr. Logan: Accutane ist ein sehr, sehr effektives Aknemedikament. Es bringt jedoch auch signifikante Risiken für Fehlbildungen des Fötus mit sich, falls Patientinnen während der Anwendung schwanger werden sollten.
Accutan ist ein sehr kontroverses Medikament, von dem es in der medizinischen Fachliteratur eine lange Liste von negativen Nebenwirkungen gibt. Besonders gravierend sind hierbei depressive Symptome, die mit Fällen von Selbstmord in Verbindung gebracht werden.
Es ist interessant, dass genau die Nährstoffe, an denen es bei Aknepatienten häufig mangelt – Omega-3 Fettsäuren, Zink, Selen und Chrom – die hohe Rate von Depressionen bei Aknepatienten beeinflussen können. Natürlich ist das Erscheinungsbild der Haut die treibende Kraft, doch die Nährstoffverbindung wird bei mit Akne in Verbindung stehenden Depressionen häufig übersehen.
Dr. Berardi: Wow, eine andere Verbindung zu der Geschichte mit meinem Freund. Er litt unter schweren Depressionen, wenn er seine Akneanfälle bekam. Was hat es damit auf sich?
Dr. Logan: Die Verbindung zwischen Omega-3 Fettsäuren und Depressionen wird von Monat zu Monat deutlicher. Im Dezember 2006 hat sich eine amerikanische psychiatrische Vereinigung schließlich für Einsatz von Fischöl Supplements als Teil der Standardbehandlung bei Depressionen ausgesprochen.
Mindestens fünf Studien haben gezeigt, dass niedrige Selenspiegel mit einer schlechten Gemütslage in Verbindung stehen. Niedrige Zinkspiegel wurden bereits häufig mit Depressionen in Verbindung gebracht und neuere Untersuchungen mit oralen Zink Supplements zeigen eine Verbesserung bezüglich depressiver Symptome.
Zwei aktuelle Studien zeigen, dass Chrom Supplements bei einer Reihe von Aspekten depressiver Symptome helfen können. Der Punkt ist, dass Nährstoffe bei den emotionalen Aspekten von Akne eine größere Rolle spielen könnten, als man früher angenommen hat.
Dr. Berardi: Dieselben Defizite könnten also sowohl Akne als auch Depressionen verursachen. Ich wünschte, dass ich dies bereits vor einigen Jahren gewusst hätte.
Nun, Alan, dieses Interview war sehr interessant und hat mir dabei geholfen, eine Menge meiner eigenen Erfahrungen mit Akne besser zu verstehen. Ich würde dieses Interview gerne mit folgender Frage abschließen:
Der typische Leser dieser Site priorisiert Muskelmasse und Kraft, priorisiert hohe Testosteronspiegel, trainiert mit hohem Volumen und hoher Intensität, schwitzt stark und oft und ernährt sich sehr proteinreich. Wie ist die Prognose, Doc?
Dr. Logan: Die gute Nachricht ist, dass die neuen Aknestudien auf einer proteinreichen Diät basieren – wirklich viel fettarmes Protein. Mageres Rindfleisch, Geflügel und Fisch wurden empfohlen.
Da diese Art der Ernährung in der Regel die Grundlage von dem darstellt, was alle, die Muskeln aufbauen oder aufrechterhalten möchten, zu sich nehmen, glaube ich, dass die meisten Leser im Bezug auf die Basisernährung recht gut dastehen.
Ich sollte auch erwähnen, dass Akne verhindernde Ernährungsformen signifikant mehr Ballaststoffe und deutlich weniger Fett als die typische Durchschnittsernährung enthalten. Dies ist eine natürliche Begleiterscheinung einer Ernährung, bei der Kohlenhydrate in ballaststoffreicher Form konsumiert werden und die reich an Obst und Gemüse ist.
Dies resultiert typischerweise in einer geringfügigen Reduzierung der IGF-1 und Testosteronspiegel. Dies ist keine ernährungstechnische Kastration, aber die Wirkung ist signifikant genug, um bezüglich hormonell geförderter Krankheiten wie Akne und Prostatakrebs einen Unterschied zu machen.
Eine Harvard Studie, die Männer über einen längeren Zeitraum beobachtete, zeigte z.B., dass die Männer, bei denen sich Prostatakrebs entwickelte, um 8 % höhere IGF-1 Spiegel als Männer aufwiesen, die nicht an Prostatakrebs erkrankten. Dies ist ein kleiner aber signifikanter Unterschied.
Dr. Berardi: Oh-oh!
Dr. Logan: Bei den meisten werden diese gesunden ernährungstechnischen Veränderungen nicht mit der Aufrechterhaltung einer großen Menge fettfreier Körpermasse in Konflikt stehen. Diejenigen, die nicht im Traum daran denken würden auch nur auf ein halbes Prozent ihrer Testosteronspiegel zu verzichten, sollten zumindest als ersten Schritt auf dem Weg zur Linderung von Akne auf Milchprodukte verzichten. Als nächstes sollten sie die Fischölzufuhr und die Zufuhr von Antioxidantien maximieren, grünen Tee trinken und eine Supplementierung mit Zink, Chrom und Selen in Betracht ziehen.
Dr. Berardi: Hervorragend, Alan. Das waren sehr interessante Einblicke! Danke für das Interview und halte und bezüglich Deiner aktuellen Untersuchungen auf dem Laufenden.
Dr. Logan: Das werde ich gerne tun!