Das mag für den Laien nach sehr viel klingen, jedoch ist es bei genauer Rechnung gar nicht mehr ganz so viel, wie man zunächst glauben mag. Wichtig für die Wirkung ist nämlich die Menge des unveresterten Steroids. Mit diesem Text werden wir Klarheit in diese Zusammenhänge bringen.
Grundlagen - was ist überhaupt ein Ester?
Ein Ester ist eine Verlängerung des Steroidmoleküls und gibt diesem eine Depotwirkung.Ohne Ester würde ein AAS binnen Stunden vollständig ins Blut gelangen und abgebaut werden. Mit Ester verlängert sich die Halbwertszeit um ein Vielfaches. Verschieden hohe Anzahlen an Carbonen (Kohlenstoffatomen) machen jeden Ester idividuell.
Anhand von Metenolon Enantat möchte ich euch mal genauer zeigen, wie so etwas aussieht: preview

Abbildung - hier haben wir ein Metenolonmolekül
Im nächsten Bild ist die Struktur des Enantat-Esters zu sehen. Außer bei Metenolon wird dieser natürlich besonders bei Testosteron und ebenfalls bei Trenbolon verwendet.

Abbildung - Enantatester
Und zum Schluss möchte ich euch noch ein Molekül mit Ester zeigen - das Metenolon Enantat in seiner Endform, wie es unter dem Namen Primobolan Depot zu haben ist.

Abbildung - Metenolon Enantat Molekül
Prinzip der Freisetzung
Ein Ester wird chemisch an ein Steroid gebunden um den Eintritt aus dem Muskel in den Blutkreislauf zu verlangsamen. Ein Steroid ohne Ester, wie z.B. Testosteron Suspension, wird nach intramuskulärer Injektion rasch im Körper abgebaut. Wenn man nun jedoch einen Kohlenstoffester - ähnlich einem Schwanz - an das Molekül heftet, so bleibt das veresterte AAS länger im Muskel und damit erhöht man deutlich seine Halbwertszeit (HWZ).Was genau ist eine Halbwertszeit in Bezug auf Steroidester? Die Zeit, in der ein verestertes Steroid in den Blutkreislauf eintritt und zu 50 % abgebaut wird. Der Prozess der Elimination besteht aus 2 Phasen:
- Invasion (das Eintreten in den Blutstrom/-kreislauf), hieraus leitet man auch die Ester-HWZ ab
- Evasion (Abbau des AAS, nachdem es in den Blutkreislauf gelangt ist)
Ein Steroidmolekül kann erst dann wirken, wenn es im Blutstrom angekommen ist, und der Ester durch Enzyme (=Esterasen) abgespalten worden ist.
Welche Ester gibt es?
Ester, die von ihrer Struktur her leicht, einfach und kurzkettig aufgebaut sind, haben eine geringe Molmasse und deshalb eine kurze Halbwertszeit. Lange Ester mit einer hohen Molmasse besitzen dagegen auch eine lange Halbwertszeit.In den folgenden Tabellen werden die gängigen Ester enstsprechend kategorisiert (also "kurz", "mittel" oder "lang"). Auch die Struktur (Anzahl Kohlenstoff-, Wasserstoff- und Sauerstoffatome) wird dargestellt.
| Name | Acetat |
| Chemische Struktur | C2H4O2 |
| Kohlenstoffatome | 2 |
| Wasserstoffatome | 4 |
| Kategorie | kurz |
| Abbildung | ![]() |
| Name | Propionat |
| Chemische Struktur | C3H6O2 |
| Kohlenstoffatome | 3 |
| Wasserstoffatome | 6 |
| Kategorie | kurz |
| Abbildung | ![]() |
| Name | Enantat |
| Chemische Struktur | C7H14O2 |
| Kohlenstoffatome | 7 |
| Wasserstoffatome | 14 |
| Kategorie | mittel |
| Abbildung | ![]() |
| Name | Cipionat |
| Chemische Struktur | C8H14O2 |
| Kohlenstoffatome | 8 |
| Wasserstoffatome | 14 |
| Kategorie | mittel |
| Abbildung | ![]() |
| Name | Decanoat |
| Chemische Struktur | C10H20O2 |
| Kohlenstoffatome | 10 |
| Wasserstoffatome | 20 |
| Kategorie | lang |
| Abbildung | ![]() |
| Name | Undecylenat |
| Chemische Struktur | C11H20O2 |
| Kohlenstoffatome | 11 |
| Wasserstoffatome | 20 |
| Kategorie | lang |
| Abbildung | ![]() |
| Name | Laurat |
| Chemische Struktur | C12H24O2 |
| Kohlenstoffatome | 12 |
| Wasserstoffatome | 24 |
| Kategorie | lang |
| Abbildung | ![]() |
Die Molmasse ...
Unten werden wir einige Male die sogenannte "Molmasse" erwähnen. Was ist hierunter zu verstehen? Schaut man in einem Lexikon nach, dann findet man z.B. die folgende Definition zum Begriff "Mol":1 Mol einer Substanz ist die Stoffmenge, die aus ebenso vielen Teilchen besteht, wie in 12 g des Kohlenstoff-Isotops 12C enthalten sind. Das sind 6,022x10²³ Teilchen.
Was heisst das nun auf Deutsch?
Nun ja, eigentlich nichts so Schwieriges. Unter der Molmasse versteht man das Gewicht einer bestimmten Anzahl von Molekülen. Diese Anzahl beträgt 6,022x10²³. Man kann 6,022x10²³ auch anders schreiben. Dann ergibt das eine Zahl mit ziemlich vielen Nullen, nämlich:
602.200.000.000.000.000.000.000
Ein Mol eines Stoffes hat also das Gewicht (oder die Masse) von 602.200.000.000.000.000.000.000 Molekülen dieses Stoffes. Dieses Gewicht nennt man dann die Molmasse. Die Molmasse wird meist in Gramm/Mol (g/mol) angegeben.
Die Molmassen der einzelnen Ester
Kommen wir nun wieder zu den Estern und werfen einen Blick auf deren Molmassen. Die folgende Tabelle zeigt die Molmassen wieder für gängige Ester. Wie oben sind die Ester nach ihrem Gewicht sortiert.| Acetat | 42,02 g/mol |
| Propionat | 56,07 g/mol |
| Enantat | 112,17 g/mol |
| Cipionat | 124,18 g/mol |
| Phenylpropionat | 132,19 g/mol |
| Benzoat | 136,10 g/mol |
| Decanoat | 154,30 g/mol |
| Undecylenat | 166,30 g/mol |
Jedes veresterte Steroid besitzt natürlich auch eine bestimmte Molmasse. Diese setzt sich dann zusammen aus der Molmasse des unvesterten AAS und der Molmasse des Esters. Unverestertes Testosteron liegt z.B. bei 288,41 g/mol. Testosteron Enantat dagegen bei 400,58 g/mol.
Die folgende Tabelle zeigt die Molmassen einiger AAS. Jeweils unverestert und verestert.
| Testosteron (ohne Ester) | 288,41 g/mol |
| Testosteron Propionat | 344,48 g/mol |
| Testosteron Cipionat | 412,59 g/mol |
| Testosteron Phenylpropionat | 420,60 g/mol |
| Testosteron Enantat | 400,58 g/mol |
| Testosteron Undecylenat | 444,70 g/mol |
| Trenbolon (ohne Ester) | 270,38 g/mol |
| Trenbolon Acetat | 312,40 g/mol |
| Trenbolon Enantat | 382,55 g/mol |
| Boldenon (ohne Ester) | 286,4 g/mol |
| Boldenon Acetat | 328,50 g/mol |
| Boldenon Benzoat | 422,50 g/mol |
| Boldenon Undecylenat | 452,70 g/mol |
| Nandrolon (ohne Ester) | 274,40 g/mol |
| Nandrolon Propionat | 384,60 g/mol |
| Nandrolon Phenylpropionat | 406,60 g/mol |
| Nandrolon Decanoat | 428,70 g/mol |
| Methandienon | 300,40 g/mol |
| Stanozolol | 328,50 g/mol |
| Methyltestosteron | 302,50 g/mol |
| Gestrinon | 308,40 g/mol |
Berechnung der Wirkstoffmenge
Bleibt nun noch die Frage, wie sich aus den Angaben zu den Molmassen der unveresterte Wirkstoffgehalt (also die unveresterte Menge) berechnen lässt. Denn das ist ja die interessante Größe, weil das die Menge ist, die wirklich wirksam wird.Die Berechnung ist eigentlich ganz einfach. Es spielen drei Parameter eine Rolle:
- Menge des veresterten Wirkstoffes (also z.B. 250 mg Testosteron Enantat)
- Molmasse unverestert (bei Testosteron 288,41 g/mol)
- Molmasse verestert (bei Testosteron Enantat 400,58 g/mol)
Man muss nun nur die Menge des veresterten Wirkstoffes mit der unveresterten Molmasse multiplizieren und anschließend durch die veresterte Molmasse dividieren. Will man dies als Formel angeben, so lautet dieses wie folgt:
Menge unverestert = Menge verestert x Molmasse unverestert / Molmasse verestert
Machen wir dazu zwei Beispiele:
- Es soll berechnet werden, wieviel mg unverestertes Testosteron in 250 mg verestertem Testosteron enthalten sind. Wir setzen daher die Menge an verestertem Testosteron (250 mg) sowie die Molmasse unverestert (288,41 g/mol) und die Molmasse verestert (400,58 g/mol) in die Formel ein:
250 * 288,41 / 400,58 = 179,995 mg
- Es soll nun noch ermittelt werden, wieviel unverestertes Boldenen 600 mg Boldenon Undecylenat enthalten. Wir setzen daher für das versterte Boldenon 600 mg ein, für die Molmasse unverestert 286,40 g/mol und für die Molmasse verestert 452,70 g/mol. Man erhält:
600 * 286,40 / 452,70 = 379,589 mg
Damit haben wir also errechnet, dass in 250 mg Testosteron Enantat 179,995 mg unverestertes Testosteron enthalten sind, während die gleiche Rechnung mit 600 mg Boldenon Undecylenat 379,589 mg an unverestertem Boldenon ergeben hat. Boldenon Undecylenat enthält also ca. 63 % unverestertes Boldenon.
Zum Schluss noch eine Tabelle mit Estersteroiden, in der ihr seht, wie viel mg reiner Wirstoff auf 100 mg entfallen:

Wichtig !!!
Anzumerken ist folgendes: Die berechneten Mengen unveresterter AAS haben nichts mit der Blutkonzentration zu tun. Denn da spielen noch andere Faktoren, wie die Geschwindigkeit der Freigabe und insbesondere das Verteilungsvolumen eine Rolle. Auch kann die erreichte Blutkonzentration recht individuell ausfallen.






