Anfang der 80er Jahre wurden die Verfahren der internationalen Doping-Fahnder zunehmend genauer und man sorgte sich in der DDR um zukünftige Medaillen. Eine Idee, dem zu begegnen, war die Applikation von Testosteron als Nasenspray, da es dann schneller aufgenommen wird und schwerer nachzuweisen ist.
Die Hormonfachleute untersuchten auch Androstendion und entwickelten ebenfalls eine Form, die zur nasalen Aufnahme taugte. Ende 1988 war man so weit, dass dem Zentralkomitee der SED ein detaillierter Bericht vorgelegt werden konnte. Zur breiten Anwendung kam es wegen dem Fall der Mauer aber nicht mehr.
Einer der ehemaligen DDR-Forscher kam dann später auf die Idee, die Ergebnisse der ostdeutschen Androstendion-Forschung zu nutzen und 1992 ging beim deutschen Patentamt ein Antrag ein, dessen Gegenstand "ein Arzneimittel zur Erhöhung des Testosteronspiegels" mittels Nasenspray war. Da Androstendion in der Natur vorkommt, kann der Wirkstoff selbst übrigens nicht patentiert werden, sondern nur die Anwendungsform.
Der Antrag wurde auch in anderen Ländern gestellt (z.B. in den USA) und die Formulierungen sind weitgehend identisch mit dem Geheimtext, den die Forscher 1988 verfasst hatten. preview
Demnach ergeben sich 15 Minuten nach der Anwendung von Androstendion Steigerungen des Testosteronspiegels wie folgt:
- 50 mg oral: Steigerung um 40 – 83 %
- 100 mg oral: 111 – 237 %
- 3,5 – 15 mg nasal: 34 – 97 %
Die Patentschrift enthält allerdings keine Details zu den vorgenommen Studien oder zu deren Teilnehmern.
Die Patente wurden übrigens erteilt (u.a. 1995 in Deutschland und 1996 in den USA), nur bezweifle ich, dass der derzeitige Inhaber viel davon hat – in den USA brachten die Supp-Hersteller Androstendion einfach in der oralen Variante auf den Markt. Die DDR-Ergebnisse wurden dort aber emsig für Werbezwecke genutzt.
Man traut der DDR-Forschung ja einiges in Sachen Doping-Kompetenz zu, daher wurden die Zahlen zunächst auch ernst genommen. Ob Androstendion aber wirklich abgeht wie ein Ferrari, oder doch eher nur wie ein betagter Trabbi mit Zweitaktmotor, sollten neuere Studien zeigen.