Wer schon einmal Teilnehmer eines großen Volkslaufes oder –triathlons gewesen ist wird die bedauernswerten Gestalten unter den Pavillons im Zielbereich gesehen, vielleicht auch selbst beansprucht haben: die begehrten Masseure, oftmals Schüler ortsansässiger Physiotherapie-Einrichtungen, die stundenlang im Schweiße ihres Angesichts die geschundenen Waden der Sportler durchkneten und so manch einem als Heilsbringer erscheinen. Über den Zugewinn aus Massagen im direkten Anschluss an körperliche Strapazen konnte sich die Wissen-schaft bislang nicht ganz einig werden. Während in einer kürzlich veröffentlichten Studie Gewebsproben entzündungshemmende Stoffe und eine erhöhte Anzahl von Mitochondrien in Oberschenkelmuskulatur feststellen konnten, die nach einer Belastung massiert worden war, raten viele Sportmediziner von einer unmittelbaren Behandlung ab. Sie führte vordergründig zu einer besseren Durchblutung der Haut und zu einer verminderten Versorgung der tiefer liegenden Muskeln.

Sinn und Unsinn

Wer also auf Nummer sicher gehen will, verschiebt die Massage um einige Stunden oder Tage. Der Wohlfühlfaktor der Jahrtausende alten Heilmethode lässt sich in jedem Fall nicht abstreiten: Massagen besitzen eine entspannende und schmerz-lindernde Wirkung, die mit der von Paracetamol oder Aspirin verglichen werden kann. Nicht umsonst greifen wir, etwa bei Kopfschmerzen oder Stoßverletzungen, instinktiv an die betroffenen Körperpartien.

Abgesehen von speziellen Verfahren, die z.B. der Anregung des Verdauungs- oder Lymphsystems dienen (und die im Übrigen lieber einem geschulten Masseur überlassen werden sollten), werden die meisten Menschen mit ihrer Massage auf die Behandlung der Muskulatur abzielen. Der (über-)beanspruchte Muskel eines Sportlers zieht sich zusammen, verhärtet und unterdrückt somit die eigene Durchblutung. Eben diese soll in der Massage wieder angeregt werden, um die Fasern voneinander zu lösen.

Jede Massage erzielt aber auch Fernwirkungen, d.h. sie betrifft Körperregionen, die nicht bearbeitet werden. Sie reguliert Atmung, Puls und den Blutkreislauf, in dem sie Einfluss auf das vegetative Nervensystem ausübt. Vor diesem Hintergrund erfüllt das Massieren leistungsvor- und –nachbereitende Funktionen, wobei sich erstgenanntes schwerlich nachweisen lässt. Mitunter werden Massagen zur Lockerung und Durchblutungsförderung vor der Belastung ange-wendet, allerdings sollten sie lediglich als ergänzende Maßnahme zur aktiven Erwärmung verstanden werden. Der Leser möge sich vorstellen, wie schwer die sportliche Betätigung nach dem gemütlichen Versacken auf der Massageliege fallen dürfte. Die Anregungsmassage sollte entsprechend kurz und zügig, idealerweise in stehender Position ausgeführt werden. preview

Die grundlegenden Handgriffe

Für die Partner- oder Selbstmassage existieren einige Techniken, die die Basis des Kontaktes bilden. Die Literatur benennt verschiedene Aufteilungen, wobei sich viele Techniken überschneiden und somit schwerlich klar trennbare Kategorien aufstellen lassen. Die aufgeführte Liste erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

1.) Die Streichung

Die Streichung stellt die wohl populärste da einfachste Variante der Berührung dar. Sie dient im Regelfall der Eröffnung, bzw. der Vorbereitung des Muskels auf die tiefenwirksame Behandlung, und dem Abschluss der Massage.

Der Griff eignet sich für jede Körperpartie und kann lokal sowie großflächig ausgeführt werden. Zu beachten gilt, den Druck in der aufwärtsgerichteten Bewegung zu erhöhen und bei Rückkehr in den Unterkörperbereich zu senken. Hierdurch wird dem natürlichen Blut- und Lymphkreislauf gefolgt und der Lymphabfluss unterstützt.

Variation wird durch eine veränderliche Handhaltung geschaffen. Für große Flächen wie den Rücken eignet sich der Einsatz der gesamten Hand, ansonsten können wahlweise der Unterarm, Handballen oder die Fingerspitzen eingesetzt werden. Für Wade und Oberschenkel empfiehlt sich die gewölbte Hand.

2.) Die Knetungen

Die Knet-Technik zielt verglichen mit der Streichung auf die tiefere Gewebsschichten ab und ist somit hervorragend geeignet, um die Muskulatur direkt zu bearbeiten. Sie dient der Spannungslösung und dem Abbau von Stoffwechselendprodukten bei langsamer und tiefer Ausführung und kann bei kräftigerer Intensität ganzheitlich stimulie-rend und durchblutungsfördernd wirken.

Zu der auch Petrissage genannten Technik zählen jene Handgriffe, bei denen der Muskel zu-sammengedrückt und gehoben oder verschoben wird. Sie eignet sich idealerweise für Körperpartien mit sehr voluminösen Muskeln wie z.B. Oberschenkel und Gesäß, aber auch im Schulterbereich oder am Latissimus.

Hierbei ist es wichtig, nicht allzu zärtlich vorzugehen und die Hand tief im Muskel abzustützen, um ein schmerzhaftes Kneifen zu vermeiden – ein äußerst beliebter Fehler. Auch sollten die Finger des Massierenden nicht gespreizt werden, weil dies zu Kitzeln und Verspannungen führen könnte.

Die einfachste Variante stellt das sog. Zweifingerkneten dar, bei dem der Muskel zwischen Daumen und Zeigefinger geknetet wird. Denkbar ist auch die Verwendung einer oder beider Hände bei geschlossenen Fingern oder geschlossenen Fingern mit V-förmig abgespreiztem Daumen. Angenehm sind eine gegenläufige Verschiebung des Gewebes bei beidhändiger Massage und der Wringgriff, bei dem der Muskel mit großem Kraftaufwand regelrecht aus-gewrungen wird.

3.) Das Schütteln

Schüttel- und Vibriertechniken sind in ihrer Wirkung ebenfalls an die Art ihrer Ausführung gebunden. Während ein sanftes Schaukeln des gesamten Körpers dem Spannungsabbau dient, wirkt ein intensives Vibrieren anregend und ebenfalls unterstützend auf den Schadstoffabtransport.

Vielfach wird die Methode in der Partnermassage auf einzelne Gliedmaßen angewandt. So können z.B. Oberarm, Unterarm oder Wade im sog. Rollen bearbeitet werden, in dem sie zwi-schen den Flächen der beiden leicht höhenversetzten Händen mit sanftem Druck hin und her gerollt werden. Der gesamte Arm kann auch, die Hand des Partners umfassend, geschwungen werden. Die Vibriertechnik kann auch mit dem Streichen kombiniert werden. Während des Abstreichens einer Körperpartie wird eine Vibration mit Einsatz des ganzen Armes ausgeführt.

Das Schütteln eignet sich gut für den Abschluss der Behandlung eines Körperteils. Dieses sollte so entspannt sein, dass die Muskelbewegung allein durch den Masseur ausgeführt werden kann.

4.) Das Klopfen, Hacken und Klatschen

Die hier vorgestellten Techniken dienen überwiegend der Entkrampfung und Anregung. Die korrekte Ausführung bedarf einiger Übung und eines gewissen Rhythmusgefühls. Der Anwendungsbereich sollte, um Schmerzen zu vermeiden, auf muskulöse Partien beschränkt werden. Wirbelsäule und Nierengegend sind auszusparen.

Das Klopfen kann sehr einfach mit der Faust ausgeführt werden. Diese Variante, auch Trommeln genannt, stellt allerdings eine sehr kraftvolle dar und sollte eher vermieden werden, wenn psychische Entspannung Ziel der Massage ist. Es kann beidhändig gleichzeitig oder abwechselnd ausgeführt werden und sollte eine sanfte Vibration der behandelten Körperzone hervorrufen. Auch die Hackung, d.h. der klopfende Vorgang mit der äußeren Handkante, gestaltet sich sehr dynamisch. Hierbei schlagen die Hände bei lockerem Handgelenk und leicht abgespreiztem kleinen Finger wechselseitig in hoher Geschwindigkeit auf die Körperpartie ein. Das Klopfen mit den Fingerspitzen wirkt erheblich sanfter und entfaltet seine Wirkung in sehr sensiblen Bereichen, z.B. Gesäß, Gesicht oder auf der Unterseite des Oberarms. Alternativ kann auch die hohle, wiederum für gewölbte Körperteile wie den Beinbizeps, oder, für die Klatschtechnik, flache Hand benutzt werden.

Die genannten Techniken empfehlen sich besonders für die erwärmende Vorbereitung auf eine Belastung.

Was sonst beachtet werden muss

Generell sollte die Massage durch fließende Bewegungen ohne Kontaktabbruch auch bei Wechsel der Körperzone ausgeführt werden. Eine Kenntnis um Lage und Gestalt der Muskeln im Körper ist von Vorteil; wenn ein Muskel nur teilweise bearbeitet wird, wird dies als unvollständig oder gar unangenehm empfunden. Eine große Partie wie der Trapez eignet sich weniger für eine punktuelle Behandlungen als etwa der Bizeps.

Die Körpertemperatur wird während einer ausgiebigen Massage abgesenkt. Eine kalte Umgebung wird das Wohlgefühl also mindern.

Ein guter Masseur stimmt die Massage auf die Atmung ab. Ein Griff beginnt mit dem Ein- und endet mit dem Ausatmen.

Dann lieber nicht

Vom Massieren wird abgeraten, wenn Fieber- oder Infektions-erkrankung oder chronischer Bluthochdruck vorliegen. Auch bei Entzündungen an Haut, Sehnen, Knochen, Gelenken, Muskeln und Nerven wird zumindest von der Behandlung der betroffenen Stellen abgeraten. Auch bei akuten Schmerzen sollte der medizinische Laie von der Selbstbehandlung – im wahrsten Sinne des Wortes - die Finger lassen. Krampfadern im Beinbereich sind bei der Massage unbedingt auszusparen. Im schlimmsten Fall können sich hierbei Blutgerinnsel lösen und in die Lunge wandern, was zu Thrombose führen kann.

Übrigens: von einer Massage bei Muskelkater wird nach heutigen sportmedizinischen Erkenntnissen abgeraten. Der Theorie folgend, dass der Dehnungsschmerz durch Mikroverletzungen und hieraus resultierende Wassereinlagerungen im Muskelgewebe erzeugt wird, erscheint logisch, dass Massagen eine zusätzliche mechanische Belastung darstellen und den Heilprozess verlangsamen.

Ein Muskelkrampf, z.B. in der Wade, kann hingegen sehr wohl massierend behandelt werden. Hierzu den Daumen in der Mitte des oberen Bereiches aufsetzen und gerade die Wade herunter fahren, bis der Ansatz erreicht ist. Diesen dann so lange mit Druck des Daumens massieren, bis sich der Krampf löst.

Quellen

  • Heilmassage zum Wohlfühlen; Kristine Kaoverii Weber; Moewig Verlag
  • Sportmassage; Thomas Meyer; Copress Ver-lag
  • Massage; Larry Costa, DK Verlag
  • Das große Mosaik Massagebuch; Fiona Harrold; Mosaik Verlag
  • Massage; Bernard Kolster; Springer Ver-lag
  • Technik der Massage; Ulrich Storck; Thieme