Nicht erst seit dem Film "Super Size me" ist bekannt, dass es Gesünderes gibt als den übermäßigen Konsum von Fast Food. Trotzdem isst in Deutschland jeder dritte junge Mann einmal pro Woche in Schnellrestaurants. Der Umsatz ist gigantisch und das Klingeln der Kassen wird immer lauter. Allein in Deutschland wurden 2011 rund 30 neue McDonalds-Filialen eröffnet.
Im Sport entscheidet oft nicht nur das Training über Erfolg und das Erreichen der eigenen Ziele, auch die richtige Ernährung ist ein entscheidender Faktor. Vor allem Kraftsportler, Bodybuilder und Fitnessathleten achten genau darauf, was auf ihren Teller kommt. Es wird wohl in keiner anderen Sportart mehr Geld für Ernährung und Nahrungsergänzung ausgegeben.
Viele Athleten (und vor allem welche, die es gerne sein würden) schieben trotzdem jede Menge Fast-Food in sich hinein. Andere scheuen es wie der Teufel das Weihwasser. Die Inhaltsstoffe der schnellen Gerichte genauer unter die Lupe zu nehmen, lohnt sich in jedem Fall.
Was ist Fast Food überhaupt?
Man könnte annehmen "Fast Food" sei eine Erfindung unserer hektischen, hochindustriellen Neuzeit. Den meisten kommen sofort bunte Werbung, Bestellautomaten oder nervige Jingles in den Sinn. Sogar Döner schneidende Roboter (der Gerät) sind schon im Einsatz. Tatsächlich gibt es den schnellen Imbiss für unterwegs schon seit Tausenden von Jahren.Bereits in den großen Zentren der Antike waren schnelle Imbisse gefragt. "Fliegende Händler" boten auf den Straßen eine Vielzahl von Speisen an. Das Stadtleben in den historischen Großstädten kann man durchaus mit den heutigen Fußgängerzonen vergleichen. Auf den Marktplätzen, in Arenen und Badehäusern des alten Rom herrschte munteres Treiben. Durch die Gassen strömten Reisende und Geschäftsleute. Sie wurden von den Händlern mit schnellen und einfachen Gerichten versorgt, die unterwegs, meist ohne Besteck, gegessen wurden. Whopper, BigMac und Co. hießen damals schlicht Feigenblätter, Brot und Bratfisch.
Im Zuge der Industrialisierung nahm der Faktor Zeit immer mehr an Bedeutung zu. Automatismen und Zeitpläne der Unternehmen wirkten sich auch auf die Gesellschaft aus und Zeit wurde zur Mangelware. An einem Arbeitstag, der 12 bis 14 Stunden dauert, war jede Zeitersparnis willkommen. Das Zeitalter der modernen Fast-Food-"Restaurants" war eingeläutet. In Großbritannien, der Wiege der Industrialisierung, prägten etliche Fish-and-Chips-Stände die Straßen. Gab es 1888 in England rund 12000 Fischbratbuden, verdoppelte sich die Zahl 1910 auf deren 25000.
1940 wurde McDonalds, die heute mit Abstand größte Fast-Food-Kette weltweit, in den USA gegründet. 14 Jahre später folgte der mittlerweile größte Konkurrent Burger King. Auch die meisten kleineren Ketten und viele regionale Imbissbuden wurden zu dieser Zeit gegründet. Franchising, der Verkauf durch abhängige Filialen, wurde zum Erfolgsmodell und machte die großen Fast-Food Ketten weltberühmt. preview
In Deutschland gibt es darüber hinaus jede Menge verschiedener Frittenbuden, Pizzerien, Sushibars und Chinarestaurants. Am erfolgreichsten bei uns ist aber der Döner, der deutschlandweit mit 15000 Läden die Nase ganz weit vorn hat.
Was steckt drin?
Durch den veränderten Lifestyle und weniger körperliche Arbeit steigt die Energiezufuhr der Deutschen seit Jahrzehnten stetig an und der Energieverbrauch nimmt stetig ab. Es werden mehr Kalorien zu sich genommen und sich gleichzeitig weniger bewegt.Hamburger, Döner und Co. tragen ihren Anteil dazu bei. Sie gehören zu den Mahlzeiten mit der höchsten Energiedichte. Sie sollen schließlich, wenn auch nur für den Moment, satt machen. Sie werden trotzdem oft nur als Snack zwischendurch angesehen. Sie haben jede Menge Kalorien bei einem kleinen Volumen, oft ermöglicht durch einen sehr hohen Fettgehalt. Zur Erinnerung: Der Brennwert eines Gramms Fett ist mit neun Kalorien deutlich höher als der von Kohlenhydraten oder Eiweiß (vier kcal pro Gramm). Anders als vor einigen Jahren, zu Zeiten der großen Fettphobie, gelten Fette heute jedoch nicht mehr per se als schlecht. Dass sie an Herzkrankheiten, Schlaganfällen oder hohen Cholesterienwerten schuld seien, ist längst widerlegt. Ein gewisser Teil der ungesättigten Fettsäuren ist sogar essentiell und gesundheitsfördernd! Meist als minderwertig angesehen werden die gesättigten Fette. Schädlich sind sie zwar nicht, ihr Nutzen ist jedoch immer noch umstritten. Fakt ist, dass sie in großen Mengen wahre Energiebomben sind.
Die gehärteten Fette sind dagegen die Bösewichte in der Fettwelt. Sie sind in der Natur nicht zu finden, weshalb unser Körper nicht mit ihnen umgehen kann. Zum ersten Mal konnten sie vor gut 100 Jahren durch chemische Verfahren hergestellt werden. Dabei reagieren flüssige Pflanzenöle unter Druck mit Wasserstoff und erhalten neue Eigenschaften. Die Herstellung ist kostengünstig und macht die Produkte länger haltbar. Ein Segen für die Industrie.
Im Laufe der Zeit konnte jedoch eine Reihe von Studien eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch den Konsum von gehärteten Fetten nachweisen. Von den deutschen Medien ungeachtet, reagierten daraufhin einige Länder mit einem Teilverbot. In Österreich, Island, Dänemark und einigen Staaten der USA darf ein bestimmter Grenzwert in den Nahrungsmitteln nicht überschritten werden. Tragischerweise, werden die gehärteten Fette in Deutschland oft immer noch als gesunde Alternative zu tierischen Fetten dargestellt. Und wo werden sie am meisten verwendet? Vor allem in den Fritteusen, Pfannen und Gerichten der Imbissstände. Zum Glück haben mittlerweile einige Ketten reagiert und den Anteil an gehärteten Fetten freiwillig europaweit reduziert.
Kombiniert werden die fett-triefenden Mahlzeiten sehr oft mit Einfachzucker. Offensichtlich in Form von Weißmehlprodukt oder unauffällig als Zusatz beigemischt, dürfen schnelle Kohlenhydrate nicht fehlen. Das bekannte Maltodextrin soll beispielsweise verhindern, dass sich die Brötchen mit Fett vollsaugen und unattraktiv wirken.
Der von dem Einfachzucker ausgelöste Insulinausstoß begünstigt die Fetteinlagerung und wirkt sich auf andere Hormone aus. Zusammen mit den gesättigten Fetten stellt das für den ernährungsbewussten Kraftsportler eine (milde gesagt) ungünstige Kombination dar, die jedoch in fast jedem Junk-Food zu finden ist.
Gesunde Inhaltsstoffe sind demgegenüber Mangelware. Ballaststoffe sind wichtig für die Verdauung und sind in einer Diät Gold wert. Sie vergrößern das Volumen der Speisen und machen lange satt. Nach dem Konsum von Fast Food ist oft genau das Gegenteil der Fall. Man hat viel gegessen, aber so wirklich satt ist man nicht. Wenn nach kurzer Zeit der Blutzuckerspiegel wieder genauso schnell nach unten rauscht, wie er durch die schnellen Kohlenhydrate angestiegen ist, meldet sich erneut der Heißhunger. Keine guten Aussichten für die negative Kalorienbilanz.
Neben den Ballaststoffen fehlen Vitamine und Mineralstoffe. Ihr Gehalt in Fast Food ist verschwindend gering. Schuld daran haben die minderwertige Qualität und der klägliche Anteil an Gemüse.
Stattdessen gibt es in den großen Ketten eine extra Portion chemischer Zusätze. Ein Laie ohne abgeschlossenes Chemiestudium wird mit der Zusatzliste wenig anfangen können. Hier ein kleiner Auszug. Das steckt in einem unscheinbaren Hamburger Brötchen:
Weizenmehl, Wasser, fructosereicher Maissirup, Zucker, Hefe, Sojaöl und/oder teilweise hydriertes Sojaöl, Salz, Calciumsulfat, Gluten, Ammoniumsulfat, Ammoniumchlorid, Natriumstearoyllactylat (Emulgator),Diacetylweinsäureester, Ascorbinsäure, Azodicarbonamid, Mono- und Diglyceride,Monocalciumphosphat, Enzyme, Guarkernmehl, Calciumperoxid, Sojamehl, Konservierungsstoffe (Calciumpropionat und Natriumpropionat), Sojalecithin
In den Weiten des Internets gibt es eine Vielzahl von Fotoreportagen, die den Verfall von Hamburgern auf Fotos festhalten. Naja oder eben nicht. Durch die hohe Zahl an chemischen Zusätzen (in Hamburgern sollen bis zu 113 verschiedene nachgewiesen worden sein) werden die Produkte auch für Kleinstlebewesen unattraktiv, die normalerweise für die Zersetzung zuständig sind. Hamburger, die über 20 Jahre alt sind, sehen jedoch immer noch makellos aus. Solches Essen als Lebensmittel zu bezeichnen wäre also mehr als übertrieben.
Netter Versuch Ronald
Auf den ersten Blick scheinen die Kalorienzahlen bei McDonalds und Co. vertretbar zu sein. Aber Achtung, die Angaben haben ihre Tücken! Alle Angaben werden in der Regel pro 100 Gramm gemacht und nicht pro Portion. So sind die deklarierten 224 kcal für einen BigMac in Wirklichkeit 495 pro Portion. Der Doppel-Whopper bei BurgerKing schlägt mit 857 kcal zu Buche. Im Menü gekauft, sollte man nochmals 500 Kalorien für Pommes und Cola dazu rechnen. Genau genommen stecken im BigMac- Menü also knapp 1200 Kalorien.Wie bereits erwähnt, lässt sich die Energiedichte (also das Nahrungsvolumen) mit der von natürlicher Nahrung kaum vergleichen. Man nehme als Beispiel das Lieblingsgericht des Otto-Normal-Bodybuilders: Pute mit Reis und Brokkoli. Um auf 1200 Kalorien zu kommen, könnte man ein leckeres Gericht aus 600 Gramm Putenfilet, 300 Gramm gekochtem Reis und 800 Gramm Brokkoli zaubern.
Big Mac Menü
- Eiweiß: 33g
- Carbs: 150g
- Fett: 48g
Pute mit Reis und Brokkoli
- Eiweiß: 170g
- Carbs: 92g
- Fett: 22g
Warum denn überhaupt noch Fast Food?
In den meisten Produkten steckt wenig Gutes und viel Schlechtes. Zudem sind sie oft sehr teuer. Dennoch kann oder will nicht jeder Kraftsportler auf den schnellen Imbiss zwischendurch verzichten. Was also tun, falls man keine andere Wahl hat oder die Freunde einen wieder mal breitschlagen? Wer will schon gerne mit seiner Tupperdose vor der Tür warten?McDonalds hat in den letzten Jahren versucht, sein Image aufzupolieren und hat hierfür viel Geld investiert. Das Logo wurde (teilweise) grün und die Zahl der McCafé's ist gestiegen. In Deutschland machte Heidi Klum Werbung für fettarme Wraps und die Speisekarten wurden teilweise umgeschrieben. In Paris gibt es seit 2011 sogar eine Filiale, in der es ausschließlich Salate gibt.
Mit ein klein wenig Planung kann auch jeder selbst sein Fast Food etwas "gesünder" gestalten:
In den großen Fast-Food-Ketten kann man praktischerweise die Nährwerte genau unter die Lupe nehmen und vergleichen. Hier sollte immer auf einen hohen Eiweiß- und einen niedrigen Fettanteil (da gehärtet) geachtet werden. Das ein oder andere Salatblatt kann auch nicht schaden. Oft gibt es interessante Aktionen, die von der Qualität hochwertiger sind als der Standard.
Auch beim Kauf eines Döners ist die Qualität der entscheidende Faktor. Wird hochwertiges Fleisch oder billiges Hack verwendet? Wird das Brot vielleicht sogar ohne Zusatzstoffe selbst hergestellt? Kommt die Soße aus der Tüte? Hat man den Dönerladen seines Vertrauens gefunden, lohnt es sich auf das Weißbrot zu verzichten und den Teller mit reichlich Rohkost zu bepacken. Ein großzügiger Löffel Chili regt zudem den Stoffwechsel an.
Für vielbeschäftigte (oder einfach nur faule) Leute bietet Subway eine gesündere Alternative. Dort kann man sich sein Sandwich mit Vollkornbrot, Putenfleisch und viel Salat zusammenstellen. Auch wenn das Essen industriell hergestellt wird, ist es durchaus akzeptabel.
Fazit
Bei allen Nachteilen, die Fast Food mit sich bringt, muss man es dennoch nicht verteufeln. Auch in den Regalen unserer Supermärkte steht haufenweise Müll. Solange das Maß stimmt kann man mal bedenkenlos zugreifen.Die meisten "Internetsportler" werden nie an Wettkämpfen teilnehmen und wollen durch den Sport lediglich ihre Lebensqualität verbessern. Warum also komplett verzichten, wenn man wirklich auf Fast Food steht? Niemand wird von jetzt auf gleich krank oder fett. Grundsätzlich sollten wir uns jedoch nicht fragen "warum nicht?", sondern vielmehr "warum überhaupt?".
Die meisten Jugendlichen wachsen mit dem "Gasthaus zum goldenen M" auf. Sie sind jahrelang einer Gehirnwäsche in Form von klugen Marketingkampagnen ausgesetzt. McDonalds ist demnach für viele "einfach gut".
Als ernsthafter, intelligenter Sportler sollte man das alles hinterfragen und sich mit seiner Ernährung bewusst auseinandersetzen. Hör also auf, via facebook Werbung für deinen Burger zu machen und denk mal kurz nach.
Auf Aspekte wie Umweltverschmutzungen, Tierquälerei und Menschenrechtsverletzung in Bezug auf Fast-Food wurde bewusst in diesem Artikel verzichtet.
Literaturquellen
- Maike Doll (2008): Neue Orte der Menschlichkeit
- Roman Büttner (2007): Von der Imbissbude zur Globalisierung
- Claudia Schirrmeister (2010): Bratwurst oder Lachsmousse
- Elisabeth Heckl (2008): Fast Food - Slow Food