Gestern fand in Andernach die Frühjahrsmeisterschaft des hessischen und des rheinlandpfälzischen Verbandes und somit die Qualifikation für alle Hessen und Rheinlandpfälzer für die Deutsche Meisterschaft am kommenden Samstag in Wiesloch statt.

Da ich aufgrund diverser kleiner Unwegsamkeiten erst gegen 13 Uhr die Halle erreichte, habe ich von der Vorwahl im Grunde nichts mitbekommen, mein Fazit bezieht sich also rein auf das Finale. Mit insgesamt 35 Startern war das Feld quantitativ nicht sonderlich stark besetzt, dafür war die Qualität der teilnehmenden Athleten sehr ansprechend, wie mir von einigen Zuschauern erzählt wurde. Das machte doch Lust auf das Finale, welches um 15 Uhr beginnen sollte. Die bis dahin verbleibende Zeit wurde mit dem ausgiebigen Spielen mit den beiden Hunden von Markus und Moni Becht, vor allem aber mit Gesprächen mit diversen Athleten, Betreuern, Organisatoren und Kampfrichtern gefüllt, was einerseits immer wieder schön ist, da man viele der Leute ja dann doch nur auf den Meisterschaften trifft, mir andererseits aber auch einen Vorgeschmack auf das Finale gab, so dass ich mit gewissen Erwartungen gegen 15 Uhr den Saal betrat. Im Vergleich zur Vorwahl waren nochmal einige Zuschauer, darunter auch Bodybuildingprominenz wie Pit Trenz und Skadi Frei und Matze Botthof und Regiane da Silva hinzugekommen, was sowohl für den Veranstalter als auch die Athleten sicher eine schöne Sache war. Aber genug des Vorgeplänkels, kommen wir zur Fleischbeschau.

Den Beginn machte eine mit sechs Athletinnen im Vergleich zum Herbst stark gewachsene Bikini-Klasse, in der sechs Athletinnen am Start waren. Positiv stachen vor allem die spätere Siegerin Cindy Siebert (32) und die Zweitplatzierte Kathrin Hollmann (34), beide aus der Sportschule Gudensberg, hervor. Dahinter platzierte sich Christin Ciura (33) vor Simone Steindecker (8) und Corinna Beckert (20). Etwas leidtun konnte einem Monika Lukoschek (9), die einen tollen Körper präsentierte, für die Figurklasse. So wurde sie vom Kampfgericht für Ihre Muskulösität und Härte abgestraft, auch wenn einige Kampfrichter das mit einem weinenden Auge taten, wie ich im Vorgespräch erfahren durfte. Dennoch ist diese Entscheidung sicher nachvollziehbar und ich denke Monika kann damit leben, zumal sie – nach reichlicher Überredung u.a. durch Moni Becht – wohl mit zur Deutschen fahren wird, aber dann in der Figurklasse, die leider gestern nicht besetzt war. Gleiches galt erwartungsgemäß für die Fitness Leistung, so dass wir auf der Deutschen wohl wieder auf eine entsprechende Kür verzichten werden müssen, denn auch aus den anderen Bundesländern ist mir keine Starterin in dieser Klasse bekannt. Schade!

Nach den Bikini-Mädels waren nun die Body-Damen an der Reihe. Hier gab es zwei Starterinnen, fein aufgeteilt in die Klassen I und II, so dass die Vergleichsrunden als vorgezogenes Gesamtsiegerstechen betrachtet werden konnten. Manuela Klein (25) kam kompakter und vor allem in der Rückansicht härter daher als ihre rund 15kg schwerere und mindestens ebenso viel Zentimeter größere Konkurrentin Kathrin Dumitra (23) daher, welche in meinen Augen im Line Up sehr unglücklich stand und somit die Breite im Schulterbreich, die sie allein schon durch ihre Größe mitbrachte etwas verschenkte, dafür aber zum Teil sehr elegante Posen zeigte. Interessant waren besonders die Küren, wo Manuela eine eher klassische, Kathrin eine doch mehr powerbetonte Kür zeigte. Beide sehr schön anzuschauen, ich persönlich muss gestehen, dass Kathrin durch die Most Muscular direkt zu Beginn der Kür doch einen Stein im Brett hatte. Die Entscheidung war letztlich so knapp wie es nur sein kann: Punktgleichstand, woraufhin Kathrin durch die bessere Wertung in der Finalrunde den Gesamtsieg errang. Was ich an dieser Stelle noch einmal positiv hervorheben möchte, war die sehr feminine Ausstrahlung beider Athletinnen. Wenn auch nicht mit extremer Muskulösität ausgestattet, so zeigten beide doch eine sportlich und zugleich optisch ansprechende Darbietung. Mehr davon!

Da die Junioren I unbesetzt war, ging es nun direkt mit den Junioren II weiter, wo drei Starter antraten. Der aus Niedersachen angereiste Michael Neumann (7) stellte sich als 18jähriger (und somit eigentlich noch in die Altersgruppe "Jugend" fallend) Rehman Munir (22) und Mike Nießen (24). Man kann Michael ein gewisses Potential nicht absprechen, aber gegen die beiden älteren Athleten sah er gestern dann doch kein Land. Den Sieg machten somit Rehman und Mike unter sich aus. Aus meiner Sicht ein Kopf an Kopf-Rennen, bei dem Rehman im Oberkörper etwas mehr Härte und die etwas voluminöseren Oberschenkel präsentierte, Mike hingegen die härtere Beinrückseite besaß. Schwer zu entscheiden, aber letztlich setzte sich Rehman durch und konnte den Siegerpokal mit nach Hause nehmen.

Weiter ging es mit der Classic Bodybuilding, der an diesem Tag mit ursprünglich acht Athleten am stärksten besetzten Klasse, die in meinen Augen zudem die größte Leistungsdichte zeigte. Ein extrem starkes Feld, in dem auch die beiden nicht fürs Finale platzierten Athleten Peter Freimuth (12) und Dominik Winter (35) die Halle mit erhobenem Haupt verlassen konnten, auch wenn das sicherlich ein schwacher Trost ist. Im Finale präsentierten sich die sechs verbleibenden Athleten sehr stark und sehr eng beisammen, einzig Stefan Kall (1) stach heraus und sicherte sich mit einer für die CBB eindrucksvollen Kombination aus Masse und Härte, sowie einer sehr kreativen Kür, welche schon beinahe an einen Bruce Lee-Film erinnerte, völlig zu Recht den Sieg. Doch dahinter war das Feld völlig offen. Für den mit einer schönen Linie ausgestatteten Lukas Oettler (4) blieb letztlich nur der sechste Platz, was wohl auf die im Vergleich zum Oberkörper etwas abfallende Härte in den Beinen zurückzuführen ist. Mit Markus Hausmann (13) kam der mit Abstand größte Teilnehmer der Klasse auf den fünften Platz, der besonders in den seitlichen Posen glänzen konnte. Auf Platz 4 landete Sebastian Weis (18), der besonders in Sachen Oberkörperentwicklung überzeugen konnte. Der dritte Platz ging an Theo Panidis (19), welcher sich wohl aufgrund der etwas härteren Beine vor Sebastian setzen konnte. Mit Andreas Tack (5) sicherte sich ein im Vergleich zu den beiden hinter ihm platzierten Athleten etwas schlankerer, dafür aber extrem harter Athlet, insbesondere im Unterkörper, den zweiten Platz hinter dem dominierenden Stefan Kall. Ich sage es nochmal: Ein brutal starkes Feld, bei dem sicher die ein oder andere Entscheidung auch anders hätte ausfallen können, ohne dass irgendjemand sich hätte beschweren können.

Und dann waren auch schon die Männerklassen an der Reihe, angeführt von der Männer I, in der sich Henry Rademann (10) mit Hüseyin Cece (28) ein spannendes Duell lieferte. Zwei tolle Athleten, die vergessen ließen, dass es sich um die leichteste der fünf Männerklassen handelte. Besonders Hüseyin konnte mit seiner enormen Rückenentwicklung begeistern, welcher ein tolles Paket perfektionierte, welches auch auf der Deutschen der Konkurrenz das Fürchten lehren dürfte. Dem war Henry trotz eines ebenfalls starken Körpers nicht gewachsen, doch überzeugte er mit einem famosen Posing, das völlig zu Recht später mit dem Best Posing Award prämiert wurde.

In der Männer II waren drei Athleten am Start. Karsten Hummel (15) zeigte eine ansprechende Härte, konnte aber nicht ganz mit den anderen beiden Athleten mithalten. Zwischen dem Sieger dieser Klasse auf der Newcomer zwei Wochen zuvor Danny Zeeh (16) und Radmand Shabahang (2) entwickelte sich folglich ein Zweikampf um den Sieg, bei dem sich letztlich der etwas härtere Radmand gegen den massiveren Danny durch, der mit etwas mehr Härte in den Beinen durchaus auch ein würdiger Sieger gewesen wäre. Auch hier in meinen Augen keine leichte Entscheidung.

Die traditionell starke Männer III glänzte mit fünf Teilnehmern, von denen Stefan Hammerschmidt (30) vom Sportstudio Ottwald direkt herausstach. Beeindruckende Masse, eine gefällige Linie und extreme Definition ließen vom ersten Augenblick an keinen Zweifel daran, wer hier als Sieger hervorgehen würde. Hinter ihm platzierte sich Heiko Mühleib (6), der ebenfalls eine gute Muskelentwicklung bei ansprechender Härte zeigt. Gleiches lässt sich über Markus Schönbeck (27) sagen, den ich mit Heiko ziemlich gleichauf sah. Mit Matthias Erhardt (14) stand ein noch junger Athlet im Feld, der mit reichlich Potential ausgestattet ist, um noch deutlich bessere Platzierungen einzufahren. Gestern reichte die Härte, speziell in den Beinen aber nicht für mehr. Jan Sein (26) zeigte ein kompaktes Auftreten und massive Beine, welche jedoch die nicht perfekte Härte und gewisse Strukturschwächen nicht wett machen konnten.

Im Schwergewicht (Männer IV) waren drei Athleten angetreten. Harald Selsam (29) konnte sich mit toller Härte und extrem massiven Beinen bei einer guten Präsentation etwas von den anderen beiden absetzen und gewann verdient die Klasse. Dahinter platzierte sich Matthias Napp (31) mit ansprechenden Muskelformen und einer extrem ansprechenden Most Muscular, dem aber noch der letzte Feinschliff fehlte um Harald gefährlich werden zu können. Viktor Eberle (11)zeigte eine gute Härte, jedoch zerstörten die überdimensionalen Schultern etwas die Harmonie in der Frontansicht und in den Rückenposen fehlte gegen die beiden kleineren Konkurrenten schlicht noch etwas Fleisch.

Zu guter Letzt waren nun die ganz schweren Jungs der Männer V an der Reihe. Auch hier ließ der spätere Sieger Ernö Reichardt (21) von Beginn an keinen Zweifel, wer diese Klasse gewinnen würde. Er war schlicht der massivste und zugleich härteste Athlet auf der Bühne und holte sich somit ungefährdet den Klassensieg. Dahinter platzierte sich Pascal Püllen (3), der sich aufgrund der besseren Härte und schlankeren Mittelpartie gegen Dieter Weber (17) durchsetzen konnte, dem schlichtweg nicht die Form bringen konnte, um sich gegen Pascal durchzusetzen.

Nachdem nun alle Klassensieger feststanden, konnte es auch schon mit dem Gesamtsiegerstechen losgehen, in dem Stefan Hammerschmidt sich mit 6:1 Richterstimmen klar durchsetzen konnte und in der Form sicher auch ein klarer Anwärter auf den Sieg bei der Deutschen ist.

Und damit war eine schöne Meisterschaft zu Ende. Ich wurde nicht enttäuscht, die Ankündigung, dass die Qualität beachtlich sein würde, wurde voll bestätigt. Danke an dieser Stelle natürlich auch noch an die Organisatoren der Meisterschaft rund um Alexander Thomessen vom Outback Gym Mainz, die für einen weitgehend reibungslosen Ablauf der Meisterschaft sorgten.