Eine meiner wichtigsten Brücken in die Heimat ist die Spiegel Online-App. Diese weiß zunehmend auch abseits des seriösen Polit- und Wirtschaftsjournalismus zu unterhalten. So verbreitete der SPON in der vergangenen Woche die frohe Kunde, die in den USA sehr beliebte Modekette American Apparell habe ein couragiertes Zeichen gegen den Hygiene- und Rasierzwang bei Frauen gesetzt. Wie sie das anstellten? Indem sie die Auslage eines sich in New York befindlichen Stores mit Schaufensterpuppen dekorierte, deren üppige Schambehaarung sich deutlich unter der transparenten Unterwäsche abzeichnete. Quasi "Feuchtgebiete" in 3D-Form.
Es kostete mich nur wenige Klicks durch das Web 2.0, um die Adresse des beworbenen Geschäftes ausfindig zu machen. Also trat ich, wie so viele Menschen in New York dieser Tage, die Pilgerreise zur East Houston-Street an, und reihte mich in die Schlange Fotographierwütiger ein.

Selbstverständlich ist es keinem der Verantwortlichen des kalifornischen Fashionkonzerns ein ernsthaftes Bedürfnis, gegen die widernatürliche Beseitigung von Körperbehaarung am weiblichen Körper zu rebellieren. Die Aktion ist ein Werbe-Geniestreich, der letztlich seine wohlverdiente Aufmerksam bekam (und dabei noch mehr Geschmack bewies als die United Colors of Benetton-Kampagnen, die gern auch mal auf Aids-Kranke oder Kriegsversehrte zurückgreifen). Und sie stellt ein weiteres Beweismittel dar für die Verrücktheit dieser Stadt, in der einfach alles eine Daseinsberechtigung hat – und ganz besonders alles, was sich in irgendeiner Weise um die Optimierung des Äußeren dreht.
Hier ist wirklich jeder sehr um seine Außenwirkung bemüht. Oder auch um die seiner Schutzbefohlenen.

Das regt mich zum Nachdenken an. Nicht ausgerechnet über den Umgang mit Schambehaarung, da habe ich seit doch schon einigen Jahren (m)eine unverrückbare Meinung zu (,die ich an dieser Stelle für mich behalte), sondern um Äußerlichkeiten im Allgemeinen. Und darum, wie viel Zeit und nicht nur physische, sondern vor allem emotionale Mühe ich bislang in diese investiert habe.
Da ist noch so eine New Yorker-Sache, die mich gedanklich in diese Richtung drängt. Ich spreche nicht von der Freiheitsstatue, dem Times Square oder der Skyline. Mein metropoltypisches Andenken ist millimetergross, rot, bewegt sich krabbelnd vorwärts und lauert unter meinem Lattenrost: die New York-Bed Bugs! Solltest Du glauben, Du seist zu klein, um etwas bewegen zu können, dann denke an die all die Schäden, die Parasiten und Ungeziefer anrichten können.
Es beginnt schleichend, mit zwei, drei juckenden Bissen, und eskaliert innerhalb weniger Tage, in einer Art und Weise, dass man die Wände hoch gehen möchte. Sie verwandeln den gesamten Körper in einen einzigen Juckreiz.
Ich bin äußerst diszipliniert im Training und, mit gewissen Abstrichen, diszipliniert in meinem Essverhalten. Aber was vernünftige und vorausschauende Zurückhaltung beim Kratzen von Insektenstichen angeht, habe ich mich in disziplinarischer Hinsicht seit meiner Kindheit nicht weiter entwickelt.
So sehe ich dann jetzt auch aus. Und ich fühle mich, als wäre mein Haustier verstorben (also, ich meine jetzt so eins das man lieb hat, ein Meerschweinchen oder ähnliches, keine Untermieter mit Chitinpanzer). Ein sehr wichtiger Teil meines Ichs hat sich für lange Zeit von mir verabschiedet. Es lässt mich einsam zurück, wirklich einsam!
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Nicht, dass ich jemals so ganz zufrieden war mit meinem Körper. Wer von uns ist das schon (jetzt mal abgesehen von den 30 Sekunden am Tag, in dem man sich in den Spiegeln von Fitnessstudio-Umkleidekabinen betrachtet)?
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Wenn Bodybuilding überhaupt ein Sport ist, dann ist es ein furchtbar undankbarer. Man kommt weder irgendwann zu irgendeinem Ende, noch könnte man wenigstens seinen Leistungsstand zeitpunktbezogen objektiv messen. Das ist so durch und durch unbefriedigend, dass sich eigentlich nach aktuellem psychologischem Forschungsstand nicht begründen lässt, warum sich trotzdem so viele Menschen dieser Sache annehmen. Vielleicht ist eines dieser "grade deshalb"- statt "trotzdem"-Paradoxon.
Ich für meinen Teil habe nie einen Hehl daraus gemacht: Es war zu großen Teilen das andere Geschlecht, aus dem ich meine Motivation bezog. Mein Selbstbewusstsein ist zu schmächtig, als dass ich mich nicht scheren könnte um die Meinung Außenstehender. Das ist nicht minder ermüdend: Die Einschätzung des Geschmacks anderer Menschen ist etwa so treffsicher wie jene Erkenntnisse, die Körperfettwaagen immer so selbstbewusst verkünden.
Einen Vorteil hat das Ganze dann allerdings doch noch, denn wenn man nie richtig liegen kann, kann man fairerweise auch nie falsch liegen.
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Passt die Form immer noch nicht? Der Lichteinfall war einfach ungnädig. Vom Jungen für zu dünn befunden? Der ist doch sicher einer von diesen Kranken, die sich im Internet Fetisch-Videos mit schlagsahnelöffelnden, adipösen Frauen angucken!
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Mein Einstieg ins Crossfit hier in den USA geschah mehr oder weniger aus einer spontanen Laune heraus. Und ja, ich wurde zuvor angelockt von Werbeclips und bunten Bildern. Ich hätte niemals, nur aus dem Wunsch heraus, meine athletischen Fähigkeiten zu verbessern, ein derart großes Interesse entwickelt. Wenn diese Crossfiter nicht das verkörpert hätten, was mich schon seit Jahren umtreibt: ästhetische Perfektion.
Ich hätte meine Figur nicht gegen Musle-ups getauscht. Die sieht doch keiner am Strand. Umso angenehmer bin ich nun überrascht, dass sich augenscheinlich beide Bedürfnisse zeitgleich befriedigen lassen, das neuzeitliche nach körperlicher Attraktivität und das urzeitliche nach Leistungen und der Entwicklung jener Fähigkeiten, die wir eigentlich zum Überleben bräuchten, wenn nicht irgendwer die Elektrizität und die Tier- und Pflanzenzucht entdeckt hätte.
Crossfit ist ein Selbstläufer. Ich bin immer noch muskelsüchtig, aber was mich mittlerweile mehr reizt als nackte Tatsachen, sind nackte Zahlen. Mein Training ist härter geworden, aber es fällt mir leichter. Das Eis auf dem ich stehe, ist weiterhin kalt, aber es ist weniger zerbrechlich. Nicht einmal die Bed Bugs können es zerstören.
Dies war kein lesefreundlicher Artikel. Im Nachhinein erscheint er mir selbst konfus, beginnend mit behaarten Schaufensterpuppen, über Bettwanzen bis hin zu jenem Punkt, an dem schließlich jeder Artikel dieser Serie endet: die Frage nach dem Sinn und Unsinn der Crossfit-Philosophie.
Was ich schreibe, spiegelt ein Stück weit meine eigene Verwirrtheit wieder. Ich habe noch 3 Monate Zeit, um zu einem Urteil zu kommen. Bis dahin bin ich zufrieden auf meinem Weg, möge er aus Holz sein oder nicht - weil ich wirklich liebe, was ich tue.