Ein Artikel von Ironmanmagazine.com
Von Rod Labbe

Verdammt! Gerade wenn das Getriebe ineinandergreift und jede Ente in einer Reihe angeordnet ist, kommt Murphys Law entlang und reißt dir den bequemen Teppich unter den Füßen weg. Das ist es was 2002 passiert ist, gerade als ich eine Karriere definierende Stellung bekam: Das Erstellen eines Persönlichkeitsprofils Flex Wheelers. Flex hatte gerade einen überragenden Lauf als einer der besten Wettkampfathleten des modernen Bodybuildings beendet. Nicht länger bei Weider unter Vertrag, stand er an einem Scheideweg seiner Karriere (und Livestyles). Was würde als nächstes folgen? Eine Autobiographie? Ein Film? Fernsehen? Seine eigene Supplementlinie?

Kassettenrecorder an, Computertastatur raucht, ich höre wie Flex Kämpfe in der Vergangenheit und Gegenwart und den mysteriösen Horizont, der vor ihm liegt beschreibt. Er hofft es bietet eine weitere lohnende Existenz, für diese er letztendlich seine Dämonen, privat und beruflich besiegt hat.

Wir unterhielten uns stundenlang an diesem Tag und planten einen weiteren Termin. Doch dann war er plötzlich über seine Handynummer nicht mehr erreichbar und meine nachfolgenden Emails an ihn wurden als "nicht zustellbar" zurückgeschickt. Uh-oh! Ich speicherte "Flex 2002" auf meiner Festplatte und vermerkte eine Notiz: Vielleicht irgendwann.

Irgendwann kam 3 Jahre später. 2005 richtete sich Flex eine Website ein auf der ich ihm eine Nachricht hinterließ. Ein bisschen aufbessern hier, ein bisschen wegschneiden dort und wir fertigten wie von selbst einen Bericht einer außergewöhnlichen Reise. Er war jedes Bisschen des Wartens wert.

Flex Wheeler: Damals bis 2002



RL: Bodybuilding der frühen 90ger Jahre. Flex Wheeler erobert die Szene und die Fans können nicht genug bekommen. Aber sah irgendjemand von ihnen in dein Herz? Wer genau ist Ken "Flex" Wheeler?

FW: Der Flex von 1993 ist eine bittersüße Erinnerung. Das ist mein erstes Interview nach der Wiederentdeckung meiner selbst und ich bin froh, dass es für "IRON MAN‘s Legends" ist.

Und so begann alles: Als ich in der neunten Klasse war begann ich mit meinem Bruder Darnell und unserem Freund Mike Garza zu trainieren. Wir hoben nach der Schule Gewichte in Mikes Hinterhof und meldeten uns in einem richtigen Studio in Fresno, im Dinas, an. Mike und ich nahmen die Sache wirklich ernst, aber Darnell war nicht so engagiert. [lacht] Irgendjemand erzählte mir von einer Bodybuilding Show, der AAU Mr. Fresno und Jeff Lawson sagte ich, solle daran teilnehmen. Ich? In keinem Fall! Wieso sollte ich einen Bodybuilding Wettkampf mitmachen? Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt vielleicht zwei oder drei Bodybuilding Magazine in meinem Leben gelesen.

RL: Wenn eine Wettkampfteilnahme nicht das war, was du wolltest, was hat Bodybuilding dir damals bedeutet?

FW: Einen Weg Muskeln auf meinen dürren Körper zu packen. Ich habe mir nie im Leben vorstellen können an Bodybuilding Shows teilzunehmen. Halb nackt auf einer Bühne herumzulaufen hat für mich keinen Sinn gemacht. Wer hätte sich schon meinen Körper angucken wollen? Damals konnte ich mich selbst kaum anschauen.

RL: Deine Meinung hat sich jedoch geändert?

FW: Yeah, yeah. Wenn du 15 Jahre alt bist und dir jeder etwas von Potential und Genetik erzählt, erfüllt es dich mit Hoffnung. Ich hatte keine Ahnung wo es mich hinführen würde aber ich wusste, dass mein Leben war bis dahin nicht so rosig war.

RL: 15 Jahre sind nicht viel. Wie hast du deine Posingkür gestaltet?

FW: Welche Kür? [lacht] Ich versuchte die anderen Bodybuilder zu imitieren. Ich trug meine burgunderfarbende Unterwäsche und sie war nicht einmal neu. Ha! Kannst du dir vorstellen so vor ein paar dutzend Menschen zu posen? Oh Gott. preview

RL: Offensichtlich hat es dich gepackt. Nächstes Jahr nahmst du wieder an Wettkämpfen teil.

FW: Klingt banal aber ich wollte ein guter Athlet sein. Damals gab es einen Bodybuildingwettkampf zwischen Schulen. Ich nahm teil, gewann den Preis für die besten Bauchmuskeln und wurde von fast jedem verspottet.

RL: Wurdest du durch die Kritik nicht entmutigt?

FW: Nein, dafür genoss ich das Training mit Gewichten zu sehr. Jeff erklärte mir, dass wenn ich aufhörte Mädchen hinterher zu jagen, hätte ich eine respektabele Karriere als Bodybuilder vor mir. [lacht] Er bot mir überdies noch an mich zu trainieren.

RL: Und das führte zu der Zusammenarbeit mit Jeff?

FW: Ja, das führte es. Ich ging zu "Fitness Plus" und ging sein Angebot ein. Ich wechselte den Verband von der AAU zur NPC. Ein riesen Unterschied. Ich war erschrocken – dort waren richtige Kerle. Dort gab es keine Nichtachtung, aber das Niveau war so viel höher. 1988 absolvierte ich meine erste NPC Show, die Russ Warner Classic. Ich gewann die Mittelschwergewichtsklasse (bis 90 kg) und verlor aber im Gesamtsiegerstechen.

RL: Gefolgt von einem Sieg in der Schwergewichtsklasse (bis 100 kg)beim Governor’s Cup.

FW: Yeah. Ich wog ein bisschen über 90 kg aber ich hatte keine Ahnung davon. Schwergewichtsklasse? Gewichtsklassen? Was?

RL: 1989 hast du dir den Mr. Californien Titel eingesackt. Wie hat sich das angefühlt?

FW: Meine ehrliche Empfindung? Es hat mir nicht viel bedeutet. Nach der Show kehrte ich zurück nach Hause und jeder sagte: "Whoa, Flex du bist Mr. Californien, du bist ein Star!". Ich hatte kein Verständnis für das, was ich bewerkstelligt habe. Meine Ignoranz hielt mich zurück.

RL: Das Kennenlernen Jim Mannions.

FW: Ja, Jim. Wir trafen uns und er fragte mich ob ich natural sein. Natural? Natürlich, wieso nicht. Okay, ich bin natural, was auch immer. Ich hatte damals keine Ahnung, dass das was mit Medikamenten zu tun hatte!

RL: Deine Bekanntheit wuchs im Jahr 1990 beträchtlich.

FW: Das Jahr 1990 war sowohl ein wichtiges als auch ein enttäuschendes Jahr. Ich fühlte mich gut an den Junior National teilzunehmen, doch mein zweiter Platz traf mich hart. Ich heulte unverhohlen von dem Weg von der Bühne, bis hin zum Fahrstuhl und schluchzte wie ein Baby. Ich konnte damals nicht gut mit Niederlagen umgehen.

RL: Wie ging es weiter?

FW: Ich sammelte meine Sachen ein und fuhr nach Hause. Nach kurzer Zeit wusste ich, dass ich weitermachen musste. Ich trainierte mit Chris Cormier und Rico McClinton in Los Angeles. Rico und ich unterzeichneten für die Teilnahme an dem "AAU Teenage Black America". Wir beide waren die einzigen, die an dem Wettkampf teilnahmen und er war um einiges muskulöser als ich. Verdammt, ich dachte, dass Rico mir den hintern versohlen und mir die Trophäe wegschnappen würde. Stattdessen gewann ich den Wettkampf.

RL: Wie viele Wettkämpfe hast du für die AAU bestritten?

FW: Lass mich nachdenken. Ich gewann 60 bis 70 Wettkämpfe der AAU in Fresno. Ich bestritt so viele Wettkämpfe wie möglich und ging manchmal an einem Tag mit 5 oder 6 Titeln nach Hause. Das gab mir allerdings ein falsches Gefühl der Sicherheit, denn an Wettkämpfen in der NPC teilzunehmen ist etwas ganz anderes.

RL: Okay, wir sind im Jahr 1991 und bei den USA Championships. Ein ziemlicher Rückschlag für das Ego von Chris Cormier.

FW: Ich wurde zweiter und Chris vierter. Er war wirklich sauer. [grinst] Ich veräppelte ihn auf der Bühne, in dem ich ihm zu flüsterte: "Niemals Bro, ich hätte gewinnen sollen".

RL: Wie lief es bei dir privat: gut oder schlecht?

FW: Schlecht. Es war ätzend. Der Bodybuilder Livestyle, für die Studiomitgliedschaft, Ernährung, Supplementierung und den Lebenshaltungskosten können ziemlich teurer sein. Finanziell konnte es mir nicht noch schlechter gehen.

RL: Nichts davon beeinträchtigte deine Liebe zum Training.

FW: Nein, ich war sehr ehrgeizig. Ich wollte alles für den persönlichen Erfolg geben einen großartigen Körper aufzubauen – aber ich habe es nie ohne Hilfe getan. Ich habe mit Rico trainiert. Mein bester Freund, Neal Spruce, hat mir alles über die Ernährung beigebracht. Cormier und Rico arbeiteten als Türsteher und kratzen ihr Geld zusammen um mich zu ernähren. Verzweifelt oder?

RL: Nicht verzweifelt, eher Augen öffnend.

FW: Es war eine deprimierende Zeit für mich. Ich hatte gerade einmal genug Geld um an den Nationals teilzunehmen. Neal fuhr aber hin und bezahlte die Rechnung für mich, ohne mir etwas zu sagen. Das ist die Art Mensch, die er ist. Wenn ich weinte, weinte er auch. Solche Leute trifft man nicht oft im Leben. Wenn sie aber kommen, wertschätzt sie.

RL: Hast du es jemals bereut?

FW: Bodybuilding? Nein. Es gibt aber nichts Schlimmeres als pleite zu sein. Es hat mich gezwungen meine Prioritäten zu überdenken.

RL: Trotz Zweifeln und persönlicher Rückschläge gewann deine Bodybuilding Karriere an erheblich an Bedeutung.

FW: Stimmt, aber aus anschieben wurde schubsen. Ich entschied noch ein letztes Mal an einem Wettkampf teilzunehmen, würde ich bei dem nicht gewinnen, würde ich keine Wettkämpfe mehr bestreiten.

RL: Die 1992 USA Championships, eine bedeutende Zeit.

FW: Dank Gott! Ich nahm an den USA Championships mit Neal, Chris und Nico teil. Ich habe die gesamte Show gewonnen, meine Klasse und den Gesamtsieg mit einer perfekten Punktzahl. (Joe) Weider und Manion übergaben mit die Trophäe und Joe flüsterte mir ins Ohr: "Mach die keine Sorgen, ich werde mich um dich kümmern." Ein Vertrag erlaubte es mir, für meinen Lebensunterhalt zu finanzieren und so konnte ich mein Pro Debüt im darauffolgenden Jahr absolvieren.

RL: Das zog eine Reihe von Siegen nach sich.

FW: Das sicherte der Sieg bei der 1993 Ironman Pro. Vince Taylor und Lee Labrada dort zu besiegen machte sofort auf mich als eine neue Bedrohung aufmerksam.

RL: Eine Szenario, dass sich bei der 1993 Arnold Classic wiederholt hat. Du hattest das gewisse etwas , mein Freund.

FW: (Grinst) Gewinnen tut deinem Selbstbewusstsein unheimlich gut!

RL: Du warst jemand, mit dem gerechnet werden musste, aber die Berichterstattung der Presse über dich war mangelhaft. Hätte die mediale Aufmerksamkeit viel Größer sein müssen, insbesondere für einen Profi?

FW: Das hast du bemerkt? (lacht) Vielleicht habe ich ein paar Leute auf dem falschen Fuß erwischt, aber ich hatte nie die Art von Aufmerksamkeit, die ein Champion verdient. Es wird euch vielleicht umhauen aber ich war auf nur insgesamt auf 5 Covern von Magazinen in den USA.

RL: 5 Covern? Hör auf!

FW: Wirklich! Das erst einmal "Flex", die "NPC News", "IRONMAN" einmal und Jeff Eversons Magazin. Das ist jämmerlich! Ich habe die Ironman Pro und die Arnold Classic mehr als irgendjemand anderes gewonnen und war im Guiness Buch der Weltrekorde – 21 Titel in 27 Wettkämpfen. Aber ihr seht mich nicht auf den Covern von Magazinen. (Schüttelt mit dem Kopf) 1998 gewann ich jeden Wettkampf an dem ich teilnahm inklusive der Arnold Classic aber ich war nur ein einziges Mal das Cover der "Flex". Ich war wirklich sauer aber mittlerweile bin ich darüber nicht mehr verbittert.

RL: Du gewannst den German Grand Prix 1993 ebenfalls.

FW: Mit einem perfekten Punkten. Lee (Haney) war zurückgetreten und ich bereitete mich auf den Mr. Olympia vor. Ich wollte daran teilnehmen und Schaden anrichten.

RL: Daraus entstand ein historischer Moment.

FW: Es war eine unglaubliche Nacht. Zweiter Platz hinter Dorian Yates, eine riesen Aufregung! Das war das erste Mal in der Geschichte des Bodybuildings, in dem es einen Amateur gelang in dem Jahr in dem er sein Profi Debüt absolvierte, als der zweitbeste Bodybuilder der Welt gekürt zu werden. Niemand hat von so etwas schon einmal gehört.

RL: Für eine Weile hast du Shawn Ray als die große schwarze Hoffnung verdrängt.

FW: Ich erzeugte eine gewaltige Reaktion und mehr Arbeit für in Form von Seminaren für mich. Aber kurz danach, am 09. Juni 1994, hatte ich einen Autounfall, bei dem ich mir zweimal das Genick brach. Meine Bodybuilding-Karriere war sofort auf Eis gelegt. Keine Möglichkeit mehr für mich Geld zu verdienen, nichts mehr. Ich war für Wochen aus dem Verkehr gezogen.

RL: War dein Wieder-Vertrag nicht eine Art Sicherheitsnetz für dich?

FW: Das dachte ich zumindest. Bedauerlicherweise annullierte die Weider Group meinen Vertrag. Sie sendeten mir ein Fax, in dem sie mir mitteilten, dass ich meine Leistungsfähigkeit nicht aufrechterhalten könne und der Vertrag damit beendet ist. Ich habe noch versucht Joe zu erreichen aber er war nicht verfügbar.

Niemand hat mich auch nur angerufen um sich zu erkundigen ob ich noch am Leben bin oder bereits gestorben bin. Ich habe ihnen ein Fax zurück gesendet, indem ich ihnen mitteilte, dass ich an der Arnold Classic und der Ironman Pro teilnehmen würde, wenn sie mich wieder unter Vertrag nehmen.

RL: Was sie getan haben.

FW: Widerwillig! Mein neuer Vertrag umfasste jedoch nur noch ein Sechstel meines alten Vertrages. Ich habe mein Haus, meine Harley und alles von Belang. Neal Spruce kam ein weiteres Mal und rettete mich. Er ließ mich und meine Freundin bei sich in seiner Eigentumswohnung leben.

RL: Warst du jemals in der Lage das in dich gesetzte Vertrauen zurückzugeben?

FW: Nein, jedoch ich versuchte und versuchte ich es. 1995 war das erste Jahr, in dem die South Beach Pro stattfand. Ich nahm an der South Beach Pro, der Ironman Pro, gefolgt von dem Mr. Olympia, teil. Ich betrat also im Februar, erstmals nach meinem Unfall, die Bühne des South Beach Pro und gewann den Wettkampf. Joe war davon allerdings nicht beeindruckt. Bei dem Mr. Olympia wurde ich 8ter und schlug Leute, die kerngesund waren aber Joe konnte nur daran denken, wie ich vor meinem Unfall ausgesehen habe.

RL: Inwiefern hat das deine Gemütslage beeinträchtigt?

FW: Es ist zutiefst enttäuschend, wenn Leute nicht mehr an dich glauben, aber ich war glücklich und zufrieden mit meiner Leistung. Ich hatte einen schweren Autounfall und hätte beinahe mein Leben verloren. Zurück auf die Bühne zu kehren und respektabel auszusehen – nach nur ein paar Monaten – ist meiner Meinung nach bemerkenswert.

Du weißt, es endete für mich immer beschissen. Erinnerst du dich an Dorian bekannten Bizepsabriss? Die Magazine überschlugen sich die Angelegenheit zu verschleiern. Sie haben ihn einen Helden, einen Kämpfer genannt. Ich habe mich davon erholt, dass mir buchstäblich mein Gesicht von Knochen gerissen wurde und niemand hat sich dafür interessiert.

RL: Die Magazine machte aus dir eine riesen Nummer.

FW: Alle Magazine waren gegen mich und ich weiß bis heute nicht warum. In der einen Minute wirst du begünstigt und in der nächsten bist du unten durch.

RL: Du hast aber weitergemacht und ein beachtliches Comeback geliefert.

FW: 1196 war ein fantastisches Jahr! Ich habe die Ironman Pro gewonnen und wurde zweiter hinter Kevin Levrone bei der Arnold Classic. Bei dem Canada Pro Cup zerstörte Ronnie (Coleman) mich und ich war echt angepisst! Ich konnte gar nicht abwarten noch einmal gegen ihn anzutreten.

RL: Ein Mann eine Mission. Du hast ihm den Hintern bei der Florida Pro versohlt.

FW: Ich nahm an der "Night of Champions" teil, an der ich ihn ein zweites Mal schlug.

RL: Das brachte dich wieder auf die Olympia Bühne.

FW: (nachdenklich) Yeah, aber ich hatte ein Problem und platzierte mich nur als Vierter. Eine weitere bittere Pille, die ich schlucken musste.

RL: Hast du jemals auf deine Bodybuilding Karriere zurückgesehen und gesagt: "Was für eine Explosion"?

FW: Definitiv nicht! Leute haben mich gefragt, ob ich einen Maßstab als Bodybuilder hätte. Du denkst vielleicht, es wäre meine erste Olympia Teilnahme aber ich war viel zu jung um das Ganze zu verstehen. Jetzt kann ich meine Karriere objektiver wiederspiegeln und sehe meine verpassten Möglichkeiten und Situationen in denen ich schlecht gehandelt habe.

RL: Klingt als wärst du erwachsen geworden.

FW: Das Reifen ist ein natürlicher Prozess aber ich lernte es auf die harte Tour. Die Leidenschaftlichkeit und das nicht Überdenken von bestimmten Situationen waren meine größten Fehler in meinem Leben.

RL: Du beschreibst die Natur des Menschen. 1997 hast du zum dritten Mal die Arnold Classic gewonnen und ich habe gelesen, dass Arnold (Schwarzenegger) höchstpersönlich von deinen Fähigkeiten fasziniert war.

FW: Bei der Arnold Classic 1997 nannte er mich den besten Bodybuilder aller Zeiten – vor allen Leuten auf dem Seminar vor dem Wettkampf. Ich war geplättet.

RL: Nach der 1998 Arnold Classic erlebtest du eine zweite Wendung.

FW: Dorian hat sich aus dem aktiven Wettkampfgeschehen zurückgezogen und ich dachte der Titel des Mr. Olympias 1998 wäre meiner. Aber Ronnie schlug mich um 3 Punkte – 3 Punkte Bro!

RL: War er zwischendurch nicht 17 Punkte hinter dir in der Wertung der Juroren?

FW: Yeah. Irgendwie hat er es geschafft den Rückstand an Punkten wieder aufzuholen. Nach dem Wettkampf hat ihm Werder übrigens einen Vertrag angeboten.

RL: Du bist in unterschiedlichen Wettkämpfen gegen Ronnie Coleman angetreten, nicht nur bei dem Mr. Olympia.

FW: Einmal beim Joe Weiders Pro World Cup – in England veranstaltet. Einmal mehr wurde ich auf die harte Tour mit der Realität konfrontiert; du kannst einen Mr. Olympia nicht besiegen. Bei dem Mr. Olympia war ich fast 8 kg schwerer und in besserer Form als jemals zuvor, dennoch gewann Ronnie mit einem perfekten Punktestand den Titel.

RL: Was ist mit dem Jahr 2000?

FW: Das neue Millenium. Ich trat bei der Ironman Pro an und Chris Cormier besiegte mich. Verdammt! Das hat meine Gefühle wirklich verletzt.

RL: Ein Rückschlag von kurzer Dauer. Du warst in der Lage süße Rache an ihm der Arnold zu nehmen.

FW: Oh, wirklich sehr süß (lacht). Ich versohlte ihm den Hintern.

RL: Bei dem Mr. Olympia 2000 sah man bei dir die Rückkehr zur klassischen Form.

FW: Mann, du überhäufst mich mit Komplimenten. Ich mag das (lacht). Das Jahr 2000 war ein gutes aber eines meiner letzten Jahre auf der Wettkampfbühne. Ich nahm am Mr. Olympia teil und wurde dritter, hinter Ronnie und Kevin (Levrone). Die ganzen Kerle von Weider zerpflückten mich. (Schüttelt mit dem Kopf) Ich wurde krank und musste ins Krankenhaus. Ich kämpfte gegen eine Kolitis und andere fieser Scheiß.

RL: Ich gebe dir Zeit darüber nachzudenken.

FW: Bettlägerig zu sein gibt dir genug Zeit um nachzudenken. Freunde von mir – darunter auch Rico – erreichten zusammen, dass ich Christ wurde. Etwa im November begannen wir zusammen die Bibel zu studieren. Wir lasen sie jeden Tag. Am 28ten Juni 2001 entschied ich mich mein Leben Gott zu widmen. Am 29ten Juni wurde ich getauft und hörte auf Steroide zu verwenden. Cold turkey.

RL: Komplett ohne Stoff?

FW: Komplett. Ich habe nichts mehr angerührt. Ich bin einer von Christus‘ Soldaten und mein Kampf gilt dem Bösen. Ich liebe es darüber zu sprechen, in Kirchen, auf Versammlungen, einfach überall. Ich unterschrieb kürzlich sogar einen Vertrag und eine ihrer Hauptbedingungen ist keine Steroide zu verwenden.

RL: Ein Buch? Cool! Deine Lebensgeschichte?

FW: Genau und es wird als gebundenes Buch veröffentlicht. Sie haben mir ein großartiges Angebot gemacht. Seit September 2001 bin ich arbeitslos. Bio-Chem hat mich entlassen, so dass ich nur Personal Training anbiete.

RL: Okay, raus mit der Sprache. Ist Bodybuilding ein lukrativer Sport? Kannst du davon gut leben?

FW: Die finanzielle Situation ist grauenhaft und unsere Präsentation mangelhaft. Niemand auf der Welt weiß, wer der Mr. Olympia ist; wir sind noch weit entfernt von dem Standard anderer Sportarten. Die Lebenserhaltenskosten steigen, all Sport Gehälter steigen nur die Verträge von Wieder bleiben auf dem gleichen niedrigen Level.

RL: Es ist also wichtig Ausweichplan parat zu haben.

FW: Definitiv. Mein wichtigster Ratschlag an junge Bodybuilder ist: Macht eure Hausaufgaben. Bildet euch selbst, so dass ihr nicht getäuscht oder für einen Dollar gefährdet werdet. Fragt euch wie weit ihr mit eurem Körper gehen könnt. Wenn ihr eine Antwort habt, könnt ihr von da an weitermachen.

RL: Warum meinst du hast du so viel im Bodybuilding erreicht Flex?

FW: Ich wurde von Gott gesegnet eine andere Körperstruktur zu haben – eine anständige Kombination aus Masse und Symmetrie. Und als ich meinen Spitznamen "Flex" bekam, war das einfach unvergesslich. Bevor sie mich überhaupt gesehen haben, kannten sie meinen Namen.

RL: Aber es gibt einen weiteren Grund als nur durch die Anerkennung durch den Spitznamen. Vielleicht war Bodybuilding einfach deine Bestimmung.

FW: Bodybuilding war mein Schicksal. Ich meine, wenn ich zurück blicke wie alles begann, verstehe ich, dass dahinter ein göttlicher Plan steckt. Ich wurde mit meinem Körperbau geboren und damit zu beginnen – es ist von Gott gegeben. Dazu kommt, dass ich den Antrieb hatte und es gehasst habe zu verlieren.

RL: Gab es einen Zeitpunkt, an dem du dich gezwungen gefühlt hast, mehr Masse aufzubauen?

FW: Das erweist sich als Missverständnis. Ich habe trainiert um immer größer und größer zu werden aber ich war selber nicht aufrichtig mit meinem Körpertyp. Wenn ich ein Sprinter wäre, ist es das Beste wenn ich sprinte und nicht wenn ich einen Marathon laufe. Und ich habe versucht einen Marathon zu laufen.

RL: Du warst in den 90gern eine wichtige Persönlichkeit, ein Bodybuilding Superstar, der alles zu haben schien. Warst du glücklich?

FW: Ich war niemals wirklich glücklich, nicht auf eine oberflächliche und überwältigende Art und Weise. Die Bodybuilding Szene ist nicht gesund. Die Kameradschaft aus den Tagen von Arnold existiert nicht mehr und das ist traurig. Ich beschuldige nicht die Athleten; das Wettkampfbodybuilding ist Halsabschneider-Unternehmen.

RL: Das Geld ist zweifelsfrei der Übeltäter.

FW: Geld ist die Wurzel jedes Bösen, aber wir brauchen es um zu leben. Als ich bei Wieder unter Vertrag stand, stieg mein Gehalt bis 1993. Ab 1993, dann keine Steigerung des Gehaltes mehr – und das obwohl ich erst ab dann an begann die meisten Titel meiner Karriere zu gewinnen! Es gab Athleten, die es noch nicht mal geschafft haben, sie für die Bühnen zu qualifizieren auf denen ich stand über die aber vielmehr Berichterstattung erfolgte und sie mehr Gehalt bekamen. Ein Rezept für Spannungen.

RL: Wenn wir über Spannungen sprechen, wie warst du darin involviert? Du hattest eine andauernde Fehde mit Shawn Ray.

FW: Es stimmt, ich war in ein paar Zusammenstößen verwickelt. Einige waren das Resultat von Autoren, Magazinen und Supplement Firmen, die Öl ins Feuer schütteten. Das war nicht unterhaltsam – zumindest nicht für mich. Was die Leute verstehen sollten ist, dass auch Bodybuilder aus Fleisch und Blut sind. Wir haben Gefühle, wir haben verschiedene Persönlichkeiten und es ist nicht alles so, wie es in den Magazinen dargestellt wird.

RL: Hat sich deine Meinung bezüglich Shawn Ray geändert?

FW: Seitdem Gott in mein Leben getreten ist, versuche ich Wiedergutmachung zu leisten. Ich entschuldigte mich öffentlich bei Jedem, der den ich jemals verletzt habe, inklusive Shawn. Alles, was ich ihn gefragt habe ist über mich zu urteilen, wie ich heute bin, 2002, nicht wer ich damals, 1993, war.

Flex Wheeler: Heute

RL: Hier sind wir nun, 4 Jahre später. Wie geht’s dir Großer?

FW: Gut Bro, einfach gut – jetzt! Entschuldige, dass ich unser früheres Projekt verjähren ließ. Ich hatte gesundheitliche Probleme und meine terminlichen Verpflichtungen waren erst einmal nebensächlich.

RL: Kein Problem, ich habe mitbekommen, dass du krank warst.

FW: Ich war nicht nur krank. Ich stand schon an der Schwelle des Todes! Hast du je von der rekurrierende fokal-segmentale Glomerulosklerose (FSGS) gehört?

RL: Hört sich nicht gut an.

FW: FSGS ist die tödlichste Form der Nierenerkrankung, die bis dato bekannt ist. Keine Behandlung, keine Therapie. Eine Nierentransplantation ist die einzige Option und die wird nicht immer vorgenommen. Es kann auch schnell wiederkommen, so dass du noch nicht aus dem Krankenhaus raus bist und bereits wieder eine neue Transplantation benötigst. Es wurde bei mir diagnostiziert.

RL: Wann passierte das alles?

FW: 2000 direkt nach dem Mr. Olympia. Letztes Mal als wir uns getroffen haben, hatte ich bereits Probleme und dann fanden sie es heraus.

RL: Hast du automatisch die Steroide und deren Konsum dafür verantwortlich gemacht?

FW: Meine Ärzte verneinten das, aber ich bin mir sicher, dass sie mir nicht gut taten. Wenngleich es meinen Gesundheitszustand verschlechterte Scheiße für Wettkämpfe zu mir zu nehmen, verwendete ich sie für meine letzte Show. Eine törichte und dumme Entscheidung, die mich beinahe umgebracht hat. Das war bei der Ironman Pro 2002. Ich kannte bereits meine Prognose und mein Arzt erklärte es mir in jedem grauenvollen Detail. "Ken" sagte er "dein Gesundheitszustand wird nicht besser und das wird er auch nicht mehr. Wir können probieren ihn auf einem bestimmten Level zu halten aber letztendlich benötigst du eine neue Niere."

RL: Ein beängstigender Moment.

FW: Das war es wirklich. Ich verlies das Krankenhaus und kontrollierte meinen Gesundheitszustand und fühlte mich wirklich gut. Zur gleichen Zeit kollabierten meine Einkommensverhältnisse. Ich stand nicht mehr unter Vertrag und erhielt den Ruf als Schwachkopf und Junkie. So war ich der Meinung, wenn das schon mein Ruf ist, dann spiel ich mit ihm, zum Teufel mit meinem Gesundheitszustand – ich verdien noch gutes Geld obwohl sich mir eine andere Gelegenheit bot.

RL: Zum Teufel mit dem Krankheitszustand? Du lieber Himmel!

FW: Exakt! Ich schäme mich es zuzugeben aber ich war 2002 weit davon entfernt natural zu sein. Ich wollte nochmal so viel Geld verdienen wie nur irgendwie möglich und das war natural einfach nicht machbar. Ich wurde verrückt! Vielleicht war es eine Art Todeswunsch, weil ich auf dem besten Wege dazu war, ich ging dem Tod entgegen!

RL: Aber du hast es auf die Ironman Pro geschafft.

FW: Und was ich dachte wird ein Kinderspiel, drehte sich zu einer riesen Enttäuschung. Ich wurde lediglich Dritter, hinter Cutler. Irgendwas in meinem Körper war total im Arsch – ich bekam das subkutane Wasser nicht aus den Muskeln, egal wie ich mich quälte. Ein paar Tage später ging ich mit meiner Familie zur Kirche und ich hatte eine Attacke. Es ist schwierig das zu beschreiben außer, dass es mich zitterte und ich ausrastete. Meine Frau brachte mich ins Krankenhaus. Es war ein Kampf um Leben oder Tod. Sie hingen mich an Nadeln und Schläuche für eine Dialyse und begannen sofort mit der Suche für eine Niere. Es gab nichts, was ich tun konnte bis auf das, was mir der Arzt mitteilte. Andernfalls würde ich sterben. Wenn du mit einer solchen Entscheidung konfrontierst wirst, wachst du auf und tust das richtige.

RL: Ich habe von deinen Problemen gelesen. Es hat dir eine Frau aus deiner Kirche ihre Niere spenden wollen. Das ist wirklich wahr.

FW: Kumpel, ich würde heute nicht hier sitzen, hätte es die Frau nicht gegeben. Die Operation benötigt eine nachfolgende Verlaufsbeobachtung und ich bin den Rest meines Lebens auf Medikamente angewiesen. Sie haben die Medikation auf mich angepasst aber ich muss täglich Pillen schlucken.

RL: Hat das erhebliche Spuren hinterlassen?

FW: Yeah, aber wenn ich mir meine Operationsnarbe ansehe, weiß ich, dass ich am Leben bin. Es erinnert mich daran ehrlich und begrenzt zu leben und jede einzelne Minute meines Lebens das Gott mir gegeben hat zu genießen.

RL: Du siehst fit aus und das hört sich gut an. Du trägst außerdem eine beeindruckende Masse mit dir herum.

FW: Ich bin in Angesicht der Lage wirklich glücklich. Du weißt, dass ich 2005 die Arnold Classic Karate Meisterschaft gewonnen habe oder?

RL: Hab ich, eine außergewöhnliche Meisterleistung.

FW: Danke Mann. Kampfsport ist eine angenehme Abwechslung. Es ist ein Weg, wie ich immer noch an Wettkämpfen teilnehmen kann.

RL: Wie fühlst du dich?

FW: Im Großen und Ganzen gut. Ich habe auch schlechte Tage. Wenn du jemals so einen niederschmetternden Zustand erlebt hast, wirft dich das manchmal zurück. Deine Sterblichkeit wird dir bewusst. Ich guckte dem Tod direkt ins Gesicht und alles an was ich denken konnte waren meine Kinder und meine Frau – was würde mit ihnen passieren.

RL: Beruflich hast du Fahrt aufgenommen.

FW: Yeah. Ich arbeite für Muscular Development, ich habe meinen Kampfsport, ich habe meine Gedanken frei und habe die Liebe meiner Familie. Gott gab mir eine zweite, eine Dritee und eine vierte Chance und ich will es nicht versauen. Ich bin der Präsident von Hardbody Entertainment, eine mit dem Sport verbundene Firma. Wir waren der Titel Sponsor der Arnold Classic und des Mr. Olympias 2006 und haben den Webcast betrieben. Mir gehört auch Flex Wheeler Choppers. Wir sind darauf spezialisiert exotische umbauarbeiten an Motorrädern zu machen. Meine Kinder werden älter und in der Nachbarschaft ist alles wunderbar.