Von Alan Palmieri
Es war im September 1967 und wir kamen gerade am Flughafen Newark an, es war ein eher kurzer, 45 minütiger Flug aus Knoxville, Tennessee. Mein Vater und ich waren unterwegs zur großen IFBB Show der Brooklyn Academy of Music, als persönliche Gäste des "Gottvaters des Bodybuildings" Joe Weider. Außer den Klamotten auf meinem Rücken, einer kleinen Kamera und dem Brief von Joe in dem er meinen Vater und mich als seine Backstage-Gäste für alle Events und die Vorausscheidungen einlud, hatte ich nichts bei mir.
Die Eingänge zum Gebäude wurden von New Yorks Besten bewacht. Heute würde man auf die Anwesenheit der Türsteher keinen weiteren Gedanken mehr verschwenden, aber damals in 1967 kam es mir ziemlich heftig vor. Vor jedem Eingang ins Gebäude standen zwei Sicherheitskräfte, vor manchen sogar mehr. Als wir zum Hintereingang gingen, standen dort mindestens ein halbes Dutzend Sicherheitskräfte und eine recht große Gruppe von Zuschauern herum. Mir kam das ein wenig komisch vor da es gerade mal vormittags war, aber dort hatte sich schon eine ziemlich große Gruppe versammelt um einen Blick auf ihren Lieblingsbodybuilder auf dem Weg zur Vorausscheidung zu erhaschen.
Als wir zur Tür gingen hielt uns einer der Sicherheitskräfte auf: "Entschuldigung, niemand darf hier ohne Identifikation vorbei." Ich gab ihm Joes Brief und wurde sofort rein gelassen...das fühlte sich ziemlich gut an. Ich glaube man könnte sagen ich kam mir schon etwas toll vor als ich durch die Menge ging und einfach so rein kam. Joe Weider war gerade dabei die Trophäen aufzustellen, als er aufblickte sah er uns herumstehen. "Hi", sagte Joe, "schön Euch zu sehen. Hoffe Ihr entschuldigt aber ich habe gerade viel zu tun. Bitte fühlt Euch wie zu Hause und seht Euch überall um. Wir sehen uns später."
Als ich um das große Gebäude herumging war ich von der Schönheit des Gebäudes selbst sowie von der Menge der Leute die sich schon Backstage in all den Räumen der Akademie versammelt hatten, beeindruckt. In jedem Raum befanden sich Photographen sowie eine Gruppe von Bodybuildern die gerade beim umziehen, aufwärmen oder am sich unterhalten waren.
Beim Eintreten in einen der Räume sah ich Frank Zane in einem langen weißen Kittel der aussah wie der eines Arztes, er war gerade dabei sich beim einarmigen Rudern mit einem Gummibrustexpander aufzuwärmen. Ein Ende war am Türknauf befestigt, er machte Wiederholung um Wiederholung in sehr strikter und konzentrierter Art und Weise. Er wirkte sehr souverän und entspannt als ich zu ihm ging und ihn fragte "Frank, würde es Dich stören wenn ich kurz ein Foto von dir mache?". "Überhaupt nicht", antwortete er und unterbrach sein Training, stand auf und sagte: "Ist das ok?".
Das war das erste Mal, dass ich Frank Zane getroffen habe. Wenn man bedenkt, dass er sich gerade auf die Vorausscheidungen vorbereitete (er nahm 1967 am Mr. America und Mr. Universe Wettbewerb teil) und bereits ziemlich bekannt von den Covern diverser Magazine war, war seine Bereitschaft für ein Foto zu posen und dabei noch so freundlich zu sein obwohl es sich um einen vollkommen Fremden handelte ziemlich beeindruckend. Ich bin mir nicht sicher ob man viele von den heutigen Top-Wettkämpfern finden würde, die das Gleiche machen würden.
Frank war außerdem so nett alle meine Fragen zu beantworten, und es war offensichtlich, dass er sehr intelligent ist. Ich wusste, dass Frank ein Mathelehrer der Mittelschule war. In späteren Jahren erfuhr ich, dass er zwei Bachelorabschlüsse und einen Master in experimenteller Psychologie hat. Nicht schlecht wenn man bedenkt, dass in dieser Zeit alle dachten Bodybuilder wären nichts anderes als muskelbepackte Idioten. Frank teilte seine Ansichten zu Training und Ernährung mit mir obwohl er gerade in der Wettkampfvorbereitung für zwei der wichtigsten Bodybuildertitel war.
Ein schönes Mädchen namens Christina Harris war eine Mitstreiterin im Miss America Contest. Mir fiel auf, dass Frank und Christine während des Tages viel Zeit miteinander verbrachten. Bis zu diesem Abend wusste ich nicht, dass die beiden ein Paar waren. Sie haben, wenn ich mich nicht täusche, Ende 1967 geheiratet. Sie waren beide sehr attraktive Menschen. Manche Paare sehen einfach so aus als würden sie zueinander gehören...so wirkten Frank und Christina auf mich.
Bis heute bin ich beeindruckt von der Art wie Frank mich seinen so bedeutenden Tag unterbrechen ließ. Über die Jahre habe ich viele Bodybuilder beobachtet die weitaus weniger bekannt waren als Frank, die ihre Fans und andere Mitmenschen grob behandelten. Ich erkläre es mir damit wie sich die Zeiten geändert haben, weil es absolut keinen Grund dafür gibt, dass manche Menschen sich so verhalten. Manche der heutigen Bodybuilder würden einem sogar für einen Schnappschuss von ihnen etwas berechnen! Gebt mir eine Pause. Ich sehe ein, dass man das Recht hat mit seiner harten Arbeit Geld zu machen aber mal im Ernst...
Frank hat den Gesamttitel an diesem Abend nicht gewonnen. Er hat in seiner Größenklasse des Mr. America gewonnen und wurde Dritter in seiner Größenklasse des Mr. Universe. Ich glaube Christina gewann die Miss American Krone und wenn ich hinzufügen darf, sie verdiente sie auch. Franks Wettkampf war hart weil einige der meist-bekanntesten Namen dieses Sports auch für den Titel antraten.
IFBB Mr. America 1967
Gesamtsieger: Don HoworthTall
- Don Howorth
- Ken McCord
- Don Peters
Medium
- Frank Zane
- Zabo Koszewski
- Allen Keene
Short
- Rock Stonewall
- Joe Nista
IFBB Mr. Universe
Gesamtsieger: Sergio OlivaTall
- Sergio Oliva
- Vic Downs
- Frank Zane
- Christopher Forde
Short
- Rick Wayne
- Rock Stonewall
- Dennsi Gauthier
- T Kanazawa
Frank hatte eine Zeit als einer der größten Champions der Bodybuilderszene. 1999 kam er in Joe Weiders Bodybuilder-Hall of Fame. Er war auf den Covern von ungefähr 60 Bodybuilder-Magazinen. Er hatt mehrere Bücher geschrieben, unter anderem "Zane Way to a Beautiful Body", "Mind, Body, Spirit" und "Fabulously Fit Forever". Außerdem hat er eine Reihe wichtiger Titel mit seinem Namen darauf und falls es jemand vergessen haben sollte, Frank besiegte Arnold Schwarzenegger beim Kampf um den Mr. Universe Titel. Ein gut proportionierter und definierter Zane mit einem Gewicht von unter 200 Pfund wurde der "Giant Killer". preview
Einige der vielen Titel die Frank Zane gewann:
- 1983 Mr. Olympia 4.
- 1982 Mr. Olympia 2.
- 1980 Mr. Olympia 3.
- 1979 Mr. Olympia 1.
- 1978 Mr. Olympia 1.
- 1977 Mr. Olympia 1.
- 1976 Mr. Olympia 2.
- 1985 Mr. Olympia 4.
- 1974 Mr. Olympia 2.
- 1972 Mr. Olympia 4.
- 1972 Pro Mr. Universe Short 1. & Gesamtsieger
- 1971 NABBA Pro Mr. Universe Short 1.
- 1970 Amateur Mr. Universe Gewinner
- 1968 Mr. Universe Short 1. & Gesamtsieger
- 1968 IFBB Mr. America Medium 1. & Gesamtsieger
- 1967 IFBB Mr. Universe Tall 3.
- 1967 IFBB Mr. America Medium 1.
- 1966 IFBB Mr. America Medium 1.
- 1965 IFBB Mr. Universe Medium 1.
- 1965 Mr. Sunshine State
- 1963 Mr. Keystone 2.
- 1962 Mr. Keystone 1.
- 1960 Jugend Mr. America 3.
- Mr. Pennsylvania 13.
Franks Körperbau war nicht unbedingt massiv, sondern eher ebenmäßig, proportioniert, geformt und definiert, etwa in der Art von Vince Gironda. Frank war außerdem ein hervorragender Poser und wusste wie er seine Stärken sehr gut betonen konnte. Für viele, die eher nach dem eher natürlichen und ebenmäßigen Körperstil streben ist Frank das Vorbild heutiger Tage dem man sich zuwendet.
Ich erinnere mich an viele Dinge aus den Jahren meiner Erfahrung mit dem Bodybuilding. Die IFBB Show im September 1967 stach wirklich heraus. Ein Grund dafür war der Austausch, den ich mit Frank Zane hatte. Er war schon damals ein echter Gentlemen und Champion. Ich weiß, die Zeiten haben sich geändert und so auch die Menschen, aber es liegt viel Wert und Bedeutung darin, wenn eine anerkannte Berühmtheit Güte und Stil zeigt, so wie Frank es getan hat. Es spricht in hohem Maße für die Person und bringt dem Sport einen größeren Beitrag als man sich vorstellen kann. Damit diejenigen, die egoistisch und geldgeil sind sich daran erinnern, dass sie ohne Fans und ohne den Sport nicht da wären wo sie sind. Lernt eine Lektion von Frank Zane.
1977 interviewte mein guter Freund und bekannter Bodybuilding-Autor Dennis B. Weis Frank Zane kurz vor seinem ersten Mr. Olympia Sieg. Dennis hat mir dankenswerter Weise erlaubt, dieses faszinierende und informative Interview in meinen Artikel zu integrieren.
Frank Zane Interview
Von Dennis WeisDennis: Es ist bekannt, dass Du ein leidenschaftlicher Bogenschütze bist (der im 400 m Feld schießt). Praktizierst Du diesen Sport noch?
Frank: Die einzige Übung, die ich noch bekomme ist, wenn ich mit Arnold Schwarzenegger und Dan Howard schießen gehe. Ich habe sie beide zum Bogenschießen gebracht. In der Tat ist Dan ziemlich gut darin, weil er lange Zeit auf Tontauben und mit Gewehren schoss. Er versucht mich zu überreden mit ihm schießen zu gehen, damit er mich schlagen kann, aber ich habe in letzter Zeit wirklich keine Zeit für Bogenschießen gehabt, weil ich viel trainiert habe. Diesen Sommer werde ich wahrscheinlich anfangen wieder ein bisschen zu schießen, weil es sehr entspannend ist und ich es genieße.
Dennis: Chuck Sipes sagte mir, dass die Bewegungen beim Training am Kabelzug seine Leistungen beim Bogenschießen viel stabiler gemacht hätten. Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht?
Frank: Mir fiel nur auf, dass wenn ich regelmäßig trainiere und ich in richtig guter Verfassung bin ich auch beim Bogenschießen besser bin. Ich trainiere nicht so viel am Kabelzug, außer vor einer Show. Natürlich gehe ich den letzten Monat vor einer Show ohnehin nicht zum Bogenschießen, also hatte ich nie die Möglichkeit diese Beobachtung zu machen. Aber vor einigen Jahren als ich noch sehr regelmäßig Bogenschießen betrieb, machte ich Training am Kabelzug um meinen Rücken zu stärken da ich mit relativ schweren Bögen schoss. Ich glaube sowohl Training mit Gewichten als auch am Kabelzug sind effektiv um sich beim Bogenschießen zu verbessern.
Dennis: Vor ein paar Jahren gab es im Muscle Builder Power Magazin einen Artikel über das Gruppentraining, dass Du zusammen mit Columbu, Draper, Jacobs, Arnold und Waller im Gold’s Gym absolvierten. Was macht ihr um euch gegenseitig beim Training zu helfen?
Frank: Eigentlich trainierten wir nicht wirklich zusammen. Wir waren nur zur selben Zeit im Fitnessstudio. Wenn wir zur selben Zeit im Studio waren, kreierte es etwas das man eine kollektive Atmosphäre nennt. Jede Person hat seine eigene Intensität, was zur allgemeinen Atmosphäre im Fitnessstudio beiträgt. Es erzeugt einfach ein spezielles Gefühl im Studio das Dich dazu bringt, härter zu trainieren. Da drin gibt es jede Menge Typen die hart trainieren. Was wir füreinander tun ist vielleicht die Gewichte des anderen zu kommentieren oder ihm zusehen während er ein Satz macht. Sagen wir ich mache ein Satz und Arnold sieht mir dabei zu. Ich mache dann automatisch mehr, genau wie er oder jemand anders der dabei ist und der ein harter Trainer ist mir helfen würden intensiver zu trainieren. Wir kritisieren einander auch, wir können zum Beispiel nach einem Workout gemeinsam unseren Posingablauf durchgehen und darüber reden was gut ist und was verbessert werden könnte.
Dennis: Gib uns ein paar Eindrücke zu den erwähnten Männern und ihren Trainingprogrammen.
Frank: OK. Draper – Meistens trainiert er kurz. Er trainiert früh am Morgen, so gegen 7, sein Workout dauert meistens eine Stunde und 15 Minuten. Er befolgt keinen speziellen Satzablauf. In der Vergangenheit sowie auch heute noch kam er ins Fitnessstudio, machte anfangs ein paar Sätze mit mir zusammen und ging dann zu seinem eigenen Trainingsprogramm über. Er trainiert eher auf instinktive Art und Weise.
Waller – er trainiert mit sehr schweren Gewichten und nicht wirklich schnell. Er macht ein langes Workout, so um die 3 oder 4 Stunden. Waller ist ein großer Esser und isst gerne viel Eiscreme und genießt die Zeit. Das gleicht er mit einem extrem harten und langen Training mit sehr schweren Gewichten aus.
Columbu – er ist sehr stark und würde beim Bankdrücken nie weniger als 350 Pfund nehmen, sogar wenn er gerade nicht in Form ist wärmt er sich damit auf. Weil er so stark ist hilft ihm das, eine derartige Muskelmasse und Muskelkraft zu haben. Die meiste Zeit trainiert er nicht wahnsinnig hart, aber im Sommer vor einer Show schon. Er hat einen guten Stoffwechsel und eine gute Hebelkraft, was sehr wichtig im Umgang mit schweren Gewichten ist. Er muss keine sehr strikte Diät befolgen um Muskelmasse aufzubauen, also hat er in vielerlei Hinsicht Glück.
Arnold – er ist wahrscheinlich derjenige der am härtesten trainiert, von denen die ich kenne. Wenn er sich auf einen Wettkampf vorbereitete trainierte er extrem hart und es war für jeden von uns sehr schwer mit ihm zusammen zu trainieren weil sein Workout so intensiv war. Er hat wirklich jede Menge Energie reingesteckt.
Mike Katz – lange Workouts, um die 6 bis 8 Stunden. Er war sehr stark. Wenn er sich mehr auf seine Schwächen konzentriert hätte, wäre er bei den Wettkämpfen um einiges besser gewesen. Trotzdem ist er ziemlich gut.
Dennis: Was passiert hinter der Bühne bei einem Mr. Olympia Wettbewerb bei einem Superstar wie Du selbst es bist?
Frank: Ich ging zwei Stunden zu früh rüber zum Auditorium um rauszufinden um welche Zeit wir dran waren. Nachdem ich das erfahren hatte, dachte ich 20 Minuten vorher werde ich anfangen mich vorzubereiten, aber da ich ja noch 2 Stunden zu früh dran war, könnte ich noch für eine Stunde eine Nickerchen machen. Danach unterhielt ich mich noch mit ein paar Leuten bis mir noch 20 Minuten blieben bis ich dran war. Es ist nichts Besonderes passiert.
Dennis: So eine berühmte Persönlichkeit wie Du es bist, gab es jemals irgendwelche Eingriffe in Deine Privatsphäre?
Frank: Es gab nie bedeutende Eingriffe in meine Privatsphäre. Mein Leben Zuhause ist sehr privat. Die Leute erkennen mich im Fitnessstudio wieder. Normalerweise unterhalte ich mich genauer mit ihnen wenn mein Training vorbei ist. Manchmal ist das Reisen sehr anstrengend, wegen dem Umfeld und dem Bedürfnis, Zeit für sich selbst zu haben. Manchmal verstehen das die Fans nicht. Alles was sie wissen wollen ist wie man Armmuskulatur aufbaut, und wenn man dann ein wenig ungeduldig ist, weil diese Frage allein auf diesem Trip schon tausend Mal gestellt wurde, dann verstehen sie das nicht. Aber im Allgemeinen waren die Leute immer sehr nett zu mir egal wo ich war, also kann ich mich nicht wirklich beschweren.
Dennis: Was ist Dein Hauptgrund für das Abhalten von Bodybuilderseminaren?
Frank: Nummer 1: Natürlich um mehr Geld zu verdienen. Der Hauptgrund warum ich Seminare leite, ist glaube ich weil Bodybuilding immer mehr in die Öffentlichkeit rückt und die Leute Informationen aus erster Hand wollen: Wie die Topsportler trainieren, wie sie ihre Workouts angehen und so weiter. Und mit diesem Gedanken gebe ich aus erster Hand Informationen über meine Trainingsabläufe weiter. Diese Herangehensweise scheint mit manchen der falschen Vorstellungen die die Leute über das Bodybuilding haben aufräumen zu können.
Dennis: Warum hast Du Dich fürs Bodybuilding und nicht für den Kraftdreikampf als Wettkampfsport entschieden?
Frank: Ich habe anfangs an Kraftdreikämpfen teilgenommen. Ich lebte in Pennsylvania und zu dieser Zeit war es gängig, aber ich habe nicht wirklich die Struktur dafür. Ich entschied mich für Bodybuilding weil ich das Gefühl hatte den richtigen Körperbau dafür zu haben und dass ich auf diesem Potenzial aufbauen könnte.
Dennis: Trainierst Du lieber zu Hause oder in einem Fitnessstudio?
Frank: Fitnesstraining zu Hause ist bequem, aber ich würde es nicht mehr machen. Die Atmosphäre ist einfach nicht die gleiche wie an einem Ort wie im World Gym wo ich hingehe.
Dennis: Gibt es irgendwelche Lebensmittel die Dich nach einer Weile fertig machen?
Frank: Einfachzucker (z.B. Eiscreme, Milch), Brot, Kartoffeln. Große Mengen an Kohlenhydraten vertrage ich schon nach etwa einer Woche nicht mehr. Ich gehe nie darüber hinaus. Ich war immer in enger Verbindung mit meinem Körper, so dass er mir signalisiert wenn ich zuviel trainiere oder zu viel esse, dann fahre ich dementsprechend zurück.
Dennis: Bist Du jemals so ernsthaft krank geworden bis zu einem Punkt wo Du das Training vollständig beenden musstest?
Frank: Vor ein paar Jahren hatte ich die Grippe. Nach der Empfehlung eines Bekannten bekam ich eine Antibiotikainjektion. Meine Haut reagierte extrem darauf und ich verlor 35 Pfund in einem Monat. Ich war auf 160 Pfund runter. Ich blieb für einen Monat im Bett und als es mir wieder besser ging und ich wieder mit dem Training anfing nahm ich 25 Pfund in 2 Wochen zu (bis auf 185 Pfund). Kurz danach war ich wieder in meinem Normalzustand. Ein anderes Mal als zu diesem Zeitpunkt war ich nie wirklich ernsthaft krank.
Dennis: Hast Du irgendwelche Tipps für die Bodybuilder die sich auf ihren ersten Contest vorbereiten?
Frank: Übe das Posen, sei in bestmöglicher Verfassung. Sei selbstbewusst. Bring ein gutes Bild von Dir selbst auf der Bühne rüber. Lies ein paar von meinen Bücher über das Posen.
Dennis: Wie schaffen es Männer wie Du ein positives Verhältnis zur Familie aufrechtzuerhalten wenn man in der Contestvorbereitung steckt?
Frank: Es ist schwierig eine gute Beziehung zur Familie aufrechtzuerhalten, vor allem im letzten Monat vor dem Contest. In meinem Fall geht es nur um meine Frau und mich, sie ist sehr verständnisvoll und weiß was ich durchmache. Sie ist eine hervorragende Photographin und hilft mir auf diese Art und Weise. Das Beste an meiner Frau ist (was das Training betrifft), dass sie mir sehr strenge Kritik gibt. Sie sagte mir niemals wirklich, dass ich fantastisch aussehe, aber vielleicht wird sie das eines Tages. Ich habe mein Bestes beim Training und den Contests gegeben nachdem ich geheiratet habe. Man muss von verständnisvollen Menschen umgeben sein während man für einen Contest trainiert. Sehe ich das immer so? Ich weiß, dass meine Frau keine Mühen scheut um mir beim Trainieren zu helfen. Man kann wirklich ziemlich unsensibel hinsichtlich der Bedürfnisse Anderer werden, weil die ganze Aufmerksamkeit auf einen selbst gerichtet ist. Also sollte man sich klar machen, dass man den Anderen etwas schuldet und man es wieder ausgleicht wenn der Wettkampf vorbei ist. Sei in dieser Beziehung nicht egoistisch.
Dennis: Gibt es einen Grund warum manche Bodybuiler Awards für bestimmte Körperteile gewinnen, bei Contests an denen sie häufig teilnehmen, aber nie einen Gesamttitel gewinnen?
Frank: Sie haben von sich selbst etwas errichtet was ich eine persönliche Fiktion Ihrer selbst nenne – eine Art Mythos oder Fabel wovon sie leben – deshalb gewinnen diese Leute nie große Contests. Wenn man nicht gewinnt sollte man ernsthafter trainieren und dann zurückkommen und vollkommen anders aussehen. Das kann man nur wenn man seinen Geist vollständig darauf verwendet.
Dennis: Ist Dir aufgefallen, dass manche Contestteilnehmer eine schlechte Einstellung haben, was ihre Platzierung im Contest betrifft?
Frank: Es gibt einige schlechte Verlierer bei den Contests. Sie können sich selbst nur von ihrem eigenen Standpunkt aus betrachten. Sie sehen nichts Falsches wenn sie in den Spiegel schauen. In den Augen ihrer Frauen und Mütter sind sie die Besten. Was sie brauchen ist jemand der sachkundig ist was die Körperstandards betrifft um sie zu bewerten. Sie brauchen jemand, der sie photographiert und ihnen zeigt wie sie wirklich aussehen. Nur wenn man seine Fehler kennt ist man in der Lage sich zu verbessern.
Dennis: Was glaubst Du bringt die Zukunft für Wettbewerbsbodybuilding?
Frank: Der Einfluss des Buches "Pumping Iron" und der kürzlich erschienene Film sowie die Aufmerksamkeit die Arnold Schwarzenegger bekam hat sehr geholfen. Arnold hat das Bodybuilding immer sehr aufgewertet, was auch immer er gemacht hat.
Dennis: Kannst Du den Lesern einen Eindruck davon geben wie Du außerhalb der Saison trainierst?
Frank: Außerhalb der Saison, das sind für mich die Monate November und Dezember. Während dieser Periode hab ich kein spezielles Training im Kopf. Ich gehe ein oder zweimal die Woche ins Fitnessstudio. Ich benutze während dieser Zeit niemals schwere Gewichte, maximal 60 Prozent. Ich trainiere zum Spaß und um mich ein bisschen aufzuputschen, das ist alles. Ich trainiere schnell, halte was ich kann und mache ungefähr 8 bis 10 Wiederholungen pro Körpterteil. Meine Wiederholungen sind oft 10-8-7 bei drei Sets pro Übung. Es ist sehr locker. Beim Training außerhalb der Saison versuche ich relativ wenig Struktur aufrechtzuerhalten. Was ich zum Beispiel in dieser Zeit mache ist mich auf die schwachen Körperteile zu beschränken. Ich kann zum Beispiel nur die schwachen Punkte trainieren und den Rest des Körpers ganz weglassen. Zum Beispiel kann ich den Rücken drei Mal pro Woche trainieren und sonst nichts, oder die Waden oder welchen Körpterteil auch immer ich verbessern will. Also wenn ich dazu bereit bin diese schwächeren Bereiche intensiv zu trainieren bleiben sie gut. Die starken Bereiche gehen ein wenig zurück aber wenn ich dann regelmäßig alles trainiere kommt alles gleichmäßig zusammen. So denke ich sollte die Zeit außerhalb der Saison genutzt werden. Normalerweise geht mein Körpergewicht außerhalb der Saison runter, so um die 15 Pfund von meinem besten Wettkampfgewicht von 195 Pfund.
Dennis: Warum zeigst Du uns nicht wie Du die Vorbereitung für den Mr. Olympia Titel beginnst?
Frank: Die beginnt normalerweise im Januar. So habe ich 9 Monate Zeit mich vorzubereiten. Ich fange mit einem recht niedrigen Gewicht an, wiege dann so um die 180 Pfund. Schritt für Schritt steigt mein Gewicht über die Monate bis auf 200 Pfund, einen Monat vor der Show. Während dem letzten Monat wenn ich die Muskelkraft trainiere verliere ich noch 4 oder 5 Pfund. Also während es so aussehen mag als ob ich über die Monate Muskelmasse aufbaue, so ist dem nicht so, dies ist eine schrittweise Folge meines Gesamttrainings. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ein Körpterteil während diesem Training nicht im Gleichgewicht ist, dann baue ich ihn auf. Wenn man den Rücken als Beispiel nimmt: Wenn ich am Montag ein intensives Rückenworkout mache, mit 25 Sets, dann mache ich am Dienstag 15 Sets (mit anderen Übungen). Mittwoch mache ich dann 10 bis 15 Sets. Am Donnerstag Ruhepause. Und am Freitag das nächste intensive Rückenworkout ähnlich dem Trainingsplan vom Montag. Am Samstag dann nur ein klein wenig Rückentraining. Diese fünf intensiven Tage in der Woche über einen Zeitraum von 2 Wochen lassen den Rücken richtig zur Geltung kommen. Diese Art von Training kann man auch auf andere Körpterteile anwenden. Eine Spezialisierung dieser Art mache ich nie länger als zwei Wochen.
Dennis: Wenn man berücksichtigt, dass Du lange Reisen auf Dich nimmst um an Contests in den USA oder anderen Ländern teilzunehmen, wie passt Du Dein Training und Ernährungsprogramm an um für die Show in Höchstform zu bleiben?
Frank: Ich habe auf dem Trip 1970 zur Mr. Universe Show in London eine interessante Erfahrung gemacht. Als ich das erste Mal dort hinfuhr, war es ein Desaster. Als ich losfuhr, war ich in extrem guter Verfassung und sah fantastisch aus. Der Contest war am Samstag, also flog ich am Mittwoch los. Während des Flugs dahin verlor ich etwas Gewicht und mir fehlte es an viel Schlaf. Also war ich am Abend der Show erschöpft und ohne Energie. Aus dieser Erfahrung habe ich gelernt, und so habe ich 1972 einiges anders gemacht: Ich hatte mehr Gewicht drauf und flog eine Woche früher los. Das führte dazu, dass ich zum Zeitpunkt der Show in Höchstform war. Ich glaube, dass wenn man in eine Stadt reist man in Betracht ziehen sollte wie weit sie entfernt ist, wie der Flug ist, wann man ankommt, wann man mit dem Training aufhört. Arnold hat das sehr gut in Worte gefasst. Er sagte, wenn er sich auf den Weg macht, ist er schon im Urlaub. Er ist entspannt und isst worauf er Lust hat, weil zu diesem Zeitpunkt alle Aspekte der Contestvorbereitung erledigt sind. So sollte es sein.
Dennis B. Weis ist ein in Ketchikan (Alaska) seßhafter Power-Bodybuilder. Er ist der Mitverfasser von 3 Büchern die von den Kritikern hochgelobt wurden: "Mass!", "Raw Muscle" und "Anabolic Muscle Mass". Er ist außerdem ein oftmals sehr kritischer, kompromissloser Freelanceautor für einige der weltweit erscheinenden Mainstream Bodybuilding- und Fitnessmagazine. Derzeit erscheint seine Q&A Kolumne monatlich im "MuscleMag Int’l" .