Fünf Jahre Strandfigur – mir kommt es vor, als wäre es gestern gewesen, dass ich Stephen den Vorschlag zu einem kostenlosen Coaching auf TEAM ANDRO machte. Seitdem ist viel passiert. Zeit das Geschehene Revue passieren zu lassen.

Wär der Gedanke nicht so verwünscht gescheit,
Man wär versucht, ihn herzlich dumm zu nennen.

Friedrich von Schiller


2012: Die erste Strandfigur by Team Andro

So in der Art muss man die Idee zur Strandfigur wohl sehen. Coaching via Internet, ob das funktionieren kann? Und dann noch kostenlos: Das kann sich doch nie rechnen, oder? Diese Fragen geisterten mir durchaus durch den Kopf, als ich Ende 2011 Stephen die Idee unterbreitete, unseren Usern einen neuen Service anzubieten.
Ihr dürft nicht vergessen: Das war vor dem Hype um Fitness-Youtuber und in einer Zeit, in dem nicht jeder Hansel sein eigenes Coaching-Programm im Web vermarktet. Ich hatte bereits ein wenig Erfahrung mit dem Coachen via Web, aber das steckte damals noch in den Kinderschuhen.
Schon gar nicht war ich mir bewusst, was es bedeutet, sich nicht intensiv um eine Hand voll Leute, sondern gleich um eine ganze Wagenladung zu kümmern. Aber sagen wir mal so: Ich war glücklicherweise naiv genug, es zu wagen. Stephen lies mir freie Hand und wagte das Experiment, wohl auch weil die Kosten recht überschaubar waren.

Und was soll man sagen: Über 150 Teilnehmer sprengten alle Erwartungen. Der Erfolg des ersten Jahres, in dem vieles sicher noch gewisse Kinderkrankheiten hatte, war der Grundstein einer Erfolgsgeschichte, wie man sie sich nicht schöner hätte ausmalen können. Die Fortsetzung war schon keine Wahl mehr, sondern Verpflichtung.

Im Folgejahr gingen wir mit drei Teams und erstmals den Outlaws an den Start. Fast 400 Teilnehmer folgten unserem Aufruf, den Sommer 2013 nicht als Schwabbelbacke zu verbringen. 2014 präsentierten wir euch gar sechs Teams. Die Teilnehmerzahl stieg abermals auf fast 600 Teilnehmer. Und die Erfolgsgeschichte ging weiter: 2015 nahmen insgesamt fast 800 User an unserer Aktion teil und in diesem Jahr nehmen über 1.300 Abnehmwillige an unserer Strandfiguraktion teil.

Doch nicht nur das: Frank erkannte schnell, dass man die Teilnehmer nicht nur in der Diät begleiten sollte und rief 2014 Big and Strong ins Leben und seit dem vergangenen Jahr bieten wir dank des Summer Camps ein 365-Tage-Rundum-sorglos-Paket an.

Nach so langer Zeit und so vielen Coachlingen – es müssten allein bei mir mittlerweile inklusive Wiederholungstäter knapp 1000 sein – habe ich mir in den vergangenen Tagen einmal die Zeit genommen, Schlüsse aus dem zu ziehen, was ich in den vergangenen Jahren mit euch erlebt habe. Denn wenn man so will, ist die Strandfigur-Aktion ein perfektes Massenexperiment.

1. Es kommt nicht (nur) auf das System an

Gerade die hohe Zahl an Wiederholungstätern ist ein Segen. Nicht nur, weil man sich freut, bekannte Gesichter wiederzusehen, sondern weil man vor allem an Hand derer Entwicklung sehr viel auswerten kann. Die wohl wichtigste Erkenntnis:
Das System spielt nicht die entscheidende Rolle.
Wir haben Teilnehmer, die in verschiedenen Gruppen teilgenommen haben und jeweils super Ergebnisse erzielt haben. Ich speziell habe Teilnehmer, die sich jedes Jahr mit mir auf eine neue Abwandlung einlassen und hervorragend abnehmen, egal ob 2er oder 4er Split, egal ob low fat oder low carb. Im Grunde erleben wir eine Entmystifizierung der Systemfrage. Wer sich hypokalorisch ernährt, intensiv trainiert und dem Körper ausreichend Erholung gibt, nimmt (bis auf seltene Fälle) auch ab.

Strandfigur 2013

Warum bieten wir dann so viele verschiedene Systeme an? Und warum schlagen sich im Web Coaches die Köpfe ein, wegen eines T. mehr in der Abkürzung des Systems?

Zur ersten Frage lässt sich einfach sagen, dass nicht nur um Effizienz gehen sollte, sondern auch darum, ein System zu finden, mit dem man sich wohlfühlt. Das einem "Spaß" macht. Wenn also die Ergebnisse verschiedener Systeme im Groben gleich sind, macht es natürlich Sinn, sich eine Variante herauszusuchen, die sich besser in den Alltag integrieren lässt und die einfach dem Einzelnen am besten liegt.

Dazu kommt, dass es eben auch Fälle gibt, bei denen ein System wirklich merklich besser anschlägt als das andere. Wer weiß, dass er mit hohem Volumen gar nicht klarkommt, der hat eben Alternativen zu meinem System.

Zur zweiten Frage: Marketing! Wir müssen uns nicht auf die Fahne schreiben, das neueste, innovativste, einzigartige, die Welt verändernde System erfunden zu haben, da wir es nicht verkaufen müssen.
Die Strandfigur war und ist für euch komplett kostenfrei. Sicher bitten wir darum, aus Gründen der Fairness auch in unserem Shop einzukaufen, aber letztlich liegt das in eurer freien Entscheidung und hat keinen Einfluss auf die Möglichkeit der kostenfreien Teilnahme.
Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, wir hätten kein Interesse an vielen Teilnehmern, aber der Fokus der Strandfigur ist eben ein anderer. Dabei geht es gar nicht mal nur um das Prädikat kostenlos, sondern vielfach auch um die Community, um das Zusammengehörigkeitsgefühl in den Teams und darüber hinaus. Das ermöglicht es uns, sehr frei mit diesem Thema umzugehen.

2. Gruppendynamik ist ein starkes Zugpferd

Wie im Leben sonst auch, gibt es unterschiedliche Menschen: Die einen machen Dinge gerne für sich, mögen die große Bühne nicht, die anderen sind extrovertiert und funktionieren am besten, wenn ihnen alle zuschauen.

Gerade für letztere ist die Strandfigur perfekt geeignet. Nicht nur um sich zu zeigen und seinem medialen Exhibitionismus zu frönen, sondern weil es vielen einfach hilft, sich zu "outen". Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen:
Wenn du öffentlich sagst "Ich mache Diät", entsteht bei anderen eine Erwartungshaltung und bei einem selbst der Druck, dieser gerecht zu werden.
Gerade die sehr kommunikativen User haben schnell viele Mitleser in ihren Logs und es entstehen zum Teil (virtuelle) Freundschaften.

Zu wissen, dass man sich deren Urteil in spätestens vier Wochen wieder stellen muss, hat mit Sicherheit schon unzählige Schokoriegel in den Schrank zurückwandern lassen. An dieser Stelle auch nochmal ein Lob von mir: Mit ganz wenigen Ausnahmen ist der Zusammenhalt großartig! Ihr motiviert euch gegenseitig, leistet Hilfestellung, teilt Erfahrungen… genau das ist es, was die Strandfigur ausmacht.

Strandfigur 2014

3. Potenzial ohne Ende

Internetforen werden ja gerne mal belächelt. "Da tummeln sich eh nur Hungerhaken und Fettsäcke" hört man dann. Jedem, der so ein Urteil fällt, werde ich künftig mal eine Sammlung von Bildern unserer Teilnehmer unter die Nase halten. Was da zum Teil für Ergebnisse entstehen, ist absolut der Hammer. Und damit meine ich nicht nur die User, die am Ende wirklich bühnenfertig sind.
Auch die vielen Teilnehmer, die einfach mal 20 kg und mehr abwerfen und damit (hoffentlich) den ersten Schritt in ein neues Leben tätigen, sind einfach beeindruckende Beispiele dafür, was man mit Motivation und Disziplin erreichen kann.
Aber nochmal zurück zu den Teilnehmern, die am Ende wirklich in unglaublicher Form da stehen. Ich habe es in meiner Gruppe ja einigen schon gesagt: Macht was daraus. Ob es dann nun die Wettkampfbühne ist oder eine Karriere als Fitnessmodel, eure Entscheidung. Wir werden wahrscheinlich auch nicht den nächsten Ronnie Coleman heranzüchten, aber eben eine ganze Reihe von top Athleten, die wirklich auch die Konkurrenz im Wettkampfsport nicht fürchten müssen.

4. Genetik ist Macht

Die bittere Seite der Medaille: Neben diesen Vorzeige-Teilnehmern hat man natürlich immer auch solche, deren Erfolge nicht so toll sind. Ich setze grundsätzlich immer voraus, dass sich an alle Vorgaben gehalten wird, es sei denn, der Teilnehmer sagt etwas Anderes. In manchen Fällen ist es vielleicht wirklich das System, in anderen die Voraussetzungen, mit denen die Aktion begonnen wurde (Stoffwechsel im Arsch etc.), in manchen Fällen ist es aber eben auch die Genetik.
Das ist keine Ausrede, dass man zu einem Leben als Specki verdonnert ist, aber man muss sich klar werden, dass manche eben sehr viel mehr Leistung bringen müssen, um ein auch nur ansatzweise vergleichbares Ergebnis zu erzielen.
Beispiele: Da hat man Teilnehmer, die selbst im übergewichtigen Zustand noch eine super dünne Haut und eine breite Statur haben. Nehmen die ab, sind sie fix vaskulär und wirken extrem muskulös. Andere hingegen haben einen schmalen Körperbau und neigen zu Wassereinlagerungen, haben zudem ein nicht so gutes Gewebe. Gleiche Anstrengung, gleiche Disziplin, vielleicht sogar bessere Ausgangslage, aber schlechteres Ergebnis.

Warum ich das sage? Sicher nicht um zu demotivieren. Vielmehr um zu verstehen, warum andere einfach bessere Erfolge erzielen. Das liegt im Zweifel nicht daran, dass ihr alles falsch macht, sondern dass ihr eben andere Voraussetzungen habt. Aber nochmal: Das hindert niemanden daran, abzunehmen, eine gute Figur zu bekommen. Der Weg mag steiniger sein, aber er ist begehbar, zumindest bis zu einem gewissen Punkt.

5. Begrenzte Kapazitäten

Ich hatte dieses Jahr zu Beginn bald 300 Teilnehmer in meiner Gruppe. So erfreulich das ist, so problematisch ist es auch, all diesen Teilnehmern gerecht zu werden. Letztlich ist es in der Form, wie die Aktion aufgebaut ist, nur sehr begrenzt möglich.
Ohne die Unterstützung von Eric und erfahrenen Teammitgliedern wäre es gar nicht möglich.
Für das kommende Jahr muss man sich Lösungen überlegen, sei es eine Begrenzung der Teilnehmer pro Team oder was auch immer. Denn gerade zu Beginn ist es beinahe unmöglich sich den einzelnen Teilnehmern ausreichend zu widmen.

Da stoßen wir an die Grenzen einer kostenlosen Aktion, wobei ich selbst bei 300 zahlenden Coaching-Kunden keine Chance hätte, das irgendwie so zu bewältigen, wie ich mir ein bezahltes Coaching vorstelle, selbst wenn ich dafür meine zweite Firma verkaufen würde und mich einzig und allein aufs Coaching stürzen würde.

Strandfigur 2015

Da wir Coaches, ohne sich beklagen zu wollen, lediglich eine Aufwandsentschädigung erhalten, muss man natürlich irgendwo schon schauen, dass Kosten und Nutzen sich irgendwo die Waage halten, wenngleich eine Aktion wie diese für die Coaches aus rein finanzieller Sicht nicht der beste Deal ist, der möglich ist. Aber, und auch da möchte ich ehrlich sein, ein solches Coaching ist natürlich auch eine bezahlte Marktingmaßnahme und ich habe dank der Aktion einige Kunden für ein persönliches Coaching gewonnen.

Von daher soll meine Aussage nicht so verstanden werden, dass allein finanzielle Motive verhindern, dass man alle Logs wirklich geflissentlich verfolgt. Bei der Vielzahl der Teilnehmer wäre das selbst in Vollzeit eine anspruchsvolle Aufgabe.

Was ich aber an der Stelle positiv erwähnen möchte: Die Disziplin der Teilnehmer hat sich deutlich verbessert: Mittlerweile werden die Updates weitgehend von allen Teilnehmern brav in den entsprechenden Thread gepostet, die Artikel werden, trotz mancher Copy & Paste-Fehler meinerseits, genau gelesen… super!

Wir werden auf jeden Fall Lösungen finden, die euch zufriedenstellen und die uns zufriedenstellen. Ob die dann Stephen zufrieden stellen… Spaß, man macht das hier ja auch irgendwo, weil es einem Freude bereitet. Weil es schön ist, zu sehen, wie andere Menschen durch die eigene Hilfe Erfolg haben, etwas schaffen, was sie sich nie zugetraut hätten. Und dann kommt ja immer noch der Effekt dazu, dass man wirklich durchaus verallgemeinerbare Schlüsse aus diesen "Massenexperimenten" ziehen kann, was einen selbst weiterbringt.

Nicht falsch verstehen: Ich denke, ich kann da für alle Coaches sprechen, wenn ich sage, dass wir nur Dinge predigen, hinter denen wir stehen. Und dennoch gibt es auch da so viele Schräubchen, an denen man drehen kann, um zu schauen, ob das Wasser danach noch genauso schnell fließt. Das sorgt auch für Demut, denn man lernt, dass eigene Überzeugungen vielleicht doch nicht die einzig wahre Lösung sind. So habe ich euch immer länger Milchprodukte essen lassen, ohne dass es einen nennenswerten Unterschied gemacht hätte.

Egal wie, zum Ende noch etwas Selbstkritik: Gerade wenn man im fünften Jahr sein Programm immer wieder neu auflegt, passieren Flüchtigkeitsfehler. Oder man merkt einfach erst während der Aktion, dass einzelne Punkte, die auf dem Papier so logisch klangen, in der Realität einfach nicht klappen. Dafür sorry!

Natürlich wird es auch 2017 eine Strandfigur geben und ich plane fest damit, auch 2017 wieder ein Team ObG an den Start zu bringen. Und egal wie wir es lösen: 2017 wird nochmal größer, nochmal besser als 2016.

Freut euch darauf!

Strandfigur 2016

Und an euch gerichtet: Vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen!