Ivan Abadjiev wurde bei den Weltmeisterschaften im Gewichtheben 1957 Zweiter, aber nur wenige Gewichtheber oder Trainer kennen ihn als einen, der zu seiner Zeit besten Athleten der Welt. Nein, Ivan Abadjiev ist als einer der erfolgreichsten, und unbestreitbar innovativsten Gewichtheber-Trainer in die Geschichte des Sports eingegangen. Lass mich Dir mehr erzählen.

1968 gewann Bulgarien mit einer für sie enttäuschenden Darstellung bei den olympischen Spielen nicht eine einzige Medaille im Gewichtheben. Ein Jahr danach wurde Abadjiev zum Nationaltrainer ernannt. Drei Jahre später, in München, gewannen bulgarische Gewichtheber drei Gold- und drei Silbermedaillen. Dieser Erfolg hielt an, Abadjiev trainierte insgesamt neun olympische Sieger und 57 Weltmeister in seinen ersten zwei Dekaden als Nationaltrainer. Ein solcher Erfolg konnte nicht ignoriert werden, und bald begannen Länder wie Griechenland, die Türkei und der Iran das "bulgarische System" anzuwenden.

Abadjiev‘s erfolgreichster Schüler war Naim Suleymanoglu, welcher in drei olympischen Spielen Goldmedaillen gewann, 51 Weltrekorde brach und pfund-für-pfund immer noch als der beste Gewichtheber aller Zeiten gilt. Ein anderer großer Athlet Abadjievs ist Antonio Krastev, ein Super-Schwergewichtler, welcher 1987 216kg riss, ein Rekord der immer noch ungebrochen ist. Ein heutiger talentierter Athlet ist Pat Mendes, ein amerikanischer Gewichtheber der von Poliquin Performance gesponsert wird. Im Alter von 19 Jahren riss er 200kg. Ich erwähne dies, weil Mendes von John Broz trainiert wird, welcher im Gegenzug von Antonio Krastev trainiert wurde.

Rekorde auf der Plattform beiseite, Abadjiev wird immer als der Trainer gelten, welcher eine andere Denkweise in Bezug auf das Training von Gewichthebern einführte. Er begann mit Athleten zu arbeiten als diese noch sehr jung waren, oft noch vor ihrer Jugend, und trainierte sie härter und öfter als es jemals vorher versucht wurde. Diese Philosophie steht im Gegensatz zu der von amerikanischen medizinischen Organisationen wie der American Academy of Pediatrics, deren Stellung zu diesem Thema folgende ist: "Kinder und Jugendliche sollten Powerlifting, Bodybuilding und Maximalkraftübungen vermeiden bis sie physisch Ausgewachsen sind." Je nach Person bedeutet "physisch Ausgewachsen" ungefähr 18 Jahre für Männer und etwas weniger für Frauen.

Obwohl Abadjievs Erfolg als Trainer im Sport des Gewichthebens stattfand sind viele seiner Ideen auf alle Aspekte des Kraft- und Ausdauertrainings für Athleten anwendbar. Hier sind fünf von diesen: preview

Lektion #1: Die Bedeutung der frühen Spezialisierung

Als Abadjiev als Nationaltrainer begann, fingen Gewichtheber oft nicht mit schwerem Heben an bis sie schon lange in ihrer Jugend waren. Abadjiev war der Meinung, dass jüngere Athleten besser mit dem größeren Level von Volumen und Intensität, welches bei ihm gefordert wurde, klarkommen würden, also war es nötig die Spezialisierung im Gewichtheben mit einem sehr jungen Alter einzuführen. Das Resultat war, dass Bulgarien begann die Junioren Weltmeisterschaften (U20) zu dominieren und sogar viele seiner Junioren mit den besten Senioren der Welt mithalten können. Suleymanoglu brach seinen ersten Senioren Rekord als er erst 15 war.

In den USA treten Athleten in vielen verschiedenen Sportarten während ihrer Highschool-Jahre an, und das schafft eine erlebnisreiche Erfahrung. Aber wie Athleten in anderen Sportarten wie Tennis (Maria Sharapova), Fußball (Freddy Adu) und Basketball (LeBron James) zeigen, ist eine frühe Spezialisierung vielleicht nötig um den höchsten Level der Leistung, in fast jedem Sport, zu erreichen.

Lektion #2: Hohe Leistung erfordert Spezifität

Vor Abadjiev hatte die bulgarische Nationalmannschaft ein Grundgerüst das aus 19 Übungen bestand. Abadjiev reduzierte dieses auf ein halbes Dutzend und benutzte Überwiegend wenige Wiederholung mit schweren Gewichten.

Teil des Grundes für das Betonen der Spezifität im Training ist, dass Bulgarien Abadjiev nicht mit den Ressourcen, wie sie andere Länger hatten, ausstatten konnte. In den Siebzigern hatte Bulgarien ungefähr 5‘000 wettbewerbsfähige Gewichtheber während Russland über 300‘000 hatte. Ohne den Luxus eines riesigen Talentpools voll mit Athleten musste Abadjiev dafür sorgen, dass jede Wiederholung eines jeden Satzes eines jeden Trainings den hochgesteckten Zielen zu Gute kam. Das bedeutete, dass die traditionellen Methoden, das heißt Trainingspläne mit Prozenten, aus dem Fenster geworfen wurden.

Anstatt von Prozenten auszugehen versuchten Abadjievs Athleten jedes Training so schwer wie möglich für mehrere Sätze zu heben, in einer Art wellenförmigen Schema.

Wie schwer? Nun, wenn ein Athlet 100kg reißen konnte sahen die Arbeitssätze vielleicht folgendermaßen aus: 90kg x 1 x 3, 95 x 1 x 2, 100 x 1 x 1, 90-92 x1 x 3, 100-103 x 1 x 1, 90-92 x 1 x 3, 102-105 x 1 x 1, 85-88 x 5 x 3. Puh ! Genau wie Abadjiev keine Prozente benutze lasse ich in meinen Plänen schlicht "die Wiederholungen die Last diktieren", so dass die benutzten Gewichte nicht zu leicht oder zu schwer sind, sondern genau richtig um den optimalen Stimulus zu erzielen.

Wenn es Dir um das Erreichen deiner Ziele ernst ist musst Du Dich auf die Dinge konzentrieren die Dir am besten helfen diese Ziele zu erreichen. Wenn Du derzeit 130kg einmal beugst und 230kg einmal beugen willst solltest Du Deine Zeit besser in viele Kniebeugen anstatt in nichtspezifische Übungen wie Beinstrecker oder Goblet-Beugen investieren.

Lektion #3: Trainiere schwer, hart und schnell

Abadjiev war der Meinung, dass die Trainingseinheiten kurz sein mussten um mit höchster Intensität zu trainieren. Er glaubte dass die Testosteronlevel während des Trainings nach etwa 15 Minuten ihren Höhepunkt erreichen und nach weiteren 30-45 Minuten wieder abnehmen. Um die höchste Trainingsqualität zu nutzen sollte jede Einheit also ungefähr 45 Minuten dauern.

Um bei diesen kurzen Einheiten das Volumen zu erreichen, das nötig ist um kontinuierlichen Fortschritt herbeizuführen, mussten seine Athleten mehrere Einheiten in der Woche absolvieren. Ein typischer bulgarischer Plan für einen einzigen Tag könnte folgendermaßen aussehen:

Training morgens

  • Frontkniebeugen, 30 Minuten
  • 30 Minuten Pause
  • Reißen, 30 Minuten
  • 30 Minuten Pause
  • Umsetzen und Stoßen, 30 Minuten
  • Frontkniebeugen, 30 Minuten

Training abends

  • Umsetzen und Stoßen, 30 Minuten
  • 30 Minuten Pause
  • Reißen, 30 Minuten
  • 30 Minuten Pause
  • Frontkniebeuge, 30 Minuten
  • Züge, 30 Minuten
Auch wenn ein solcher Plan für jeden, der ein Leben hat, nicht durchführbar ist, werden sich Deine Resultate verbessern wenn Du Deine Einheiten kurz hältst und Du Deinen Fokus darauf legst, mit hoher Qualität zu trainieren.

Lektion #4: Schaffe eine wettbewerbsartige Trainingsumgebung


"Sei niemals zufrieden. Nie.", sind die Worte die Terry Todd hörte, als Abadjiev sie vor 16 Jahren zu Naim Suleymanoglu sagte nachdem Abadjiev gerade gesehen hatte wie sein Schüler das Dreifache seines Körpergewichts beim Umsetzen und Stoßen schaffte. Für Abadjiev war es essentiell eine Trainingsumgebung zu schaffen die sich um harte Arbeit drehte. So trainieren die besten Athleten seines Landes zusammen in einem nationalen Trainingscenter, wo Disziplin gefordert wurde – und wenn jemand hinzukam der besser war als du konntest du deinen Platz im Team verlieren, trotz Deiner vorrangegangenen Erfolge im Wettbewerb.

Ich wende dieses Prinzip auch in meinem Training an und wähle die Personen mit welchen ich trainiere sorgsam aus, weil ich niemanden mit einer halbgaren Einstellung neben mir haben möchte. Ich bin im Gym um Resultate zu erzielen, nicht um Freunde zu gewinnen. Ebenso motiviere ich meine Trainer ernsthaft zu sein wenn sie mit einem Klienten arbeiten, sie sollen während des Trainings nur über Dinge sprechen welche die Leistung dieser Einheit direkt beeinflussen.

Lektion #5: Miss Dich mit Anderen, so oft wie möglich

Abadjiev war der Meinung dass Athleten oft an Wettbewerben teilnehmen müssen um gut darin zu sein. Ein Beispiel dafür ist der Kampf zwischen Russlands Vasily Alexeev und Belgiens Serge Reding.

Reding galt als der stärkere der beiden Super-Schwergewichtler, er beugte angeblich 400kg für fünf Wiederholungen. Als sie dann aber gegeneinander antraten war Alexeev immer der siegreiche von den Beiden, und ein Grund dafür ist, dass Alexeev immer in Wettkampfform war weil er oft an Wettkämpfen teilnahm. 1974 brach er Weltrekorde in sieben Wettbewerben!

Wenn Abadjievs Athleten gerade nicht an Wettkämpfen teilnahmen ahmte er einfach wöchentliche Wettkämpfe nach um eine solche Umgebung zu simulieren, damit seine Schüler nicht den Antrieb verlieren würden. Ebenso wird Dich, auch wenn Dein Ziel keine Goldmedaille ist, ein kommender Wettkampf motivieren wenn Du weißt dass Deine Ergebnisse öffentlich gemacht werden. Außerdem wirst Du nach einem Wettkampf oft noch motivierter sein, um Dich im nächsten besser zu schlagen.

[Weil Ivan Abadjiev so eine Einfluss auf den Sport des Gewichthebens hatte – man sagt, er veränderte das Spiel – habe ich arrangiert, ihm eine Präsentation nach der zweiten jährlichen Eleiko Strength Summit zu widmen, welche am 20-21 Mai des nächsten Jahres im Poliquin Strength Institute in East Greenwich, Rhode Island stattfindet.]