Vor einiger Zeit habe ich beim Versuch meine Ignoranz gegenüber dem Schwimmen zu überwinden etwas gelesen, das im Bereich der Trainingsliteratur häufig als Klassiker angesehen wird – ich sprechen vom Buch "The Science of Swimming" (Die Wissenschaft des Schwimmens) von James ‘Doc’ Counsilman. Im Jahr 1968 geschrieben repräsentiert das Buch einen der ersten Versuche, wissenschaftliche Erkenntnisse auf das Schwimmen anzuwenden. Es ist überflüssig zu erwähnen, dass Schwimmen etwas sehr Seltsames ist und so viel ich weiß, selbst im Jahr 2010 niemand genau weiß, wie Schwimmen "funktioniert" – was sich darauf bezieht, was mechanisch im Wasser vor sich geht.
Doch dies ist kein Artikel über das Schwimmen – es gibt in diesem Buch vielmehr ein Zitat, das mich nachhaltig beeindruckt hat (insbesondere nach einigen der Dummheiten, die ich im Forum gelesen hatte) und das diesen Artikel inspiriert hat. Während der Diskussion der technischen Erwägungen und der Schlagmechanik schreibt Counsilman Folgendes:
"Ordne die fundamentalen Prinzipien nicht den untergeordneten Details unter."
Es sind Zitate wie diese – Zitate, die so direkt auf den Punkt kommen und so klar sind – die für mich hervorstechen. Sie sind außerdem ein Zeichen für eine wirklich sachkundige Person: Menschen, die sich auf ihren Gebiet auskennen und komplexe Ideen mit einfachen Worten ausdrücken können. Menschen, die eine komplexe Sprache verwenden, um den Leser zu verwirren, wissen nicht wirklich, wovon sie reden. Doch das ist ein anderes Thema für einen anderen Tag.
In diesem spezifischen Fall sprach Counsilman darüber, sich Gedanken über die Details der Schlagmechanik zu machen (oder zu versuche, diese zu korrigieren oder zu verändern), ohne hierbei auf die Grundlagen der korrekten Schlagmechanik zu achten – denn die fundamentalen Prinzipien wiegen weitaus schwerer als die untergeordneten Details. Dies trifft genauso gut auf Themen der Ernährung und des Trainings zu.
Wie ich bereits im Artikel "How Detail Oriented Do You Need to Be" beschrieben habe, wurden die Menschen mit dem Aufkommen des Internets mit Informationen überschüttet, von denen viele sich mit Dingen befassen, die man nur als völlig irrelevante Details bezeichnen kann – Dinge, die mit größter Wahrscheinlichkeit in der realen Welt nicht den geringsten Unterschied machen werden. Ich glaube, dass der Grund für diesen Trend darin besteht, dass es weder sexy noch interessant ist, die ganze Zeit über Grundlagen und fundamentale Dinge zu schreiben.—preview --
.
Schaffen wir die große Ausnahme aus dem Weg
Natürlich gibt es mit Sicherheit Zeiten und Orte, bei denen Details eine Rolle spielen können. Wie ich im Artikel "How Detail Oriented Do You Need to Be" beschrieben habe, trifft dies für gewöhnlich bei Menschen zu, die sich auf einem extreme hohen Level der Leistungsfähigkeit oder Schlankheit befinden und die nächste Stufe erreichen möchten. Wenn ich versuche einen Mann auf 5% Körperfett ohne begleitenden Muskelverlust zu bringen, dann werden die Details beginnen eine Rolle zu spielen (auch wenn es interessanterweise einige schaffen dies zu erreichen, ohne je über den grundlegendsten Ansatz hinaus zu gehen). Ein Elitesportler, der versucht das letzte Bisschen an Leistung herauszuholen, befindet sich in einer Situation, in der all das esoterische Zeugs und all die verrückten Details beginnen eine Rolle zu spielen.Doch diese neigen dazu, nur einen geringen, nahezu irrelevanten Prozentsatz der trainierenden oder diätenden Population darzustellen. Sie mögen vielleicht die interessantere Untergruppe sein (denn auch Trainer interessieren sich für dieses Zeugs), doch sie sind nicht der größte Prozentsatz der trainierenden oder diätenden Population.
Und auch wenn jeder im Internet denkt, dass er fortgeschritten ist, ist die einfache Tatsache die, dass dies auf die meisten nicht zutrifft – die meisten wären mit einer Vereinfachung besser als mit einer Verkomplizierung beraten. Darüber hinaus haben die Individuen der oben beschriebenen Population Jahre damit verbracht, so lange an den Grundlagen zu arbeiten, bis diese so gut etabliert waren, dass sie sich keine Gedanken mehr hierüber machen mussten. An diesem Punkt angelangt, können die Details eine Rolle spielen.
.
Sprechen wir über jeden anderen
Wie ich bereits erwähnt habe, befinden sich die meisten Menschen, die trainieren oder ihre Ernährung verändern, nicht in der oben beschriebenen Position und suchen nicht nach dem letzten Bruchteil eines Prozents an Fortschritten, ab dem Details beginnen eine Roller zu spielen – was sie unglücklicherweise nicht davon abhält, sich allzu oft so stark auf unbedeutende Details zu konzentrieren, dass eines der folgenden Szenarien eintritt:- Sie beginnen nie wirklich mit ihrem Plan.
- Sie schaffen es, die grundlegenden Prinzipien vollständig zu vergessen.
.
Man sollte einfach etwas tun
Eines der primären Resultate einer unnötigen Konzentration auf Details ist, dass die Leute häufig Wochen (oder Monate) damit verbringen, nach dem perfekten Programm und/oder der perfekten Diät zu suchen. Und sie konzentrieren sich ohne Ausnahme auf die kleinsten, unwichtigen Details, die unterschiedliche erfolgreiche Programme unterscheiden. Ein Programm besitzt ein bestimmtes Satz und Wiederholungsschema, während beides bei einem anderen Programm minimal anders ausfällt. Ein Programm kann frequenzbasiert sein, während ein anderes intensitätsbasiert sein könnte (wie dies im Artikel "A Quick Look at Some Popular Hypertrophy Programs" beschrieben wurde).Ich sehe die ganze Zeit über, dass Menschen dies tun: sie fragen nach einem Vergleich und den Unterschieden eines Programms vs. eines anderen Programms. Ist eines besser als das andere? Was ist mit diesem dritten Programm? Was ist mit diesem? Was ist mit jenem?
Dasselbe trifft auf die Diät zu. Eine verwendet eine zyklische Kohlenhydratzufuhr auf die eine oder andere Art und Weise auf täglicher Basis, eine andere verwendet große Kohlenhydrat Refeeds weniger häufig (wie die meisten meiner Pläne), eine dritte mach etwas völlig anderes. Und jeder Ansatz scheint erstaunlich gut (zumindest bei einigen Menschen) oder überhaupt nicht (bei anderen) zu funktionieren. Doch dies ist mehr ein Thema des Kontext als alles anderen – was richtig (oder potentiell ideal) für eine Person oder Situation ist, ist dies in einer anderen Situation oder bei einer anderen Person nicht. Der Kontext spielt hier eine große Rolle.
Von größerer Relevanz ist jedoch – und dies geschieht recht häufig -, dass Menschen so sehr von der Konzentration auf die Details überfordert werden, dass sie nie agieren. Sie verbringen Wochen damit, nach der perfekten Diät oder dem perfekten Trainingsprogramm zu suchen (welches sowieso nicht existiert – im besten Fall haben alle Programme Vor- und Nachteile und sind höchstens unter einem gegebenen Satz von Umständen man besten) und verlieren Zeit, während der sie ganz einfach irgendetwas tun sollten.
Am Ende des Tages ist es unter der Annahme, dass das Training oder die Diät nicht völlig idiotisch sind (und man sollte sich nichts vormachen, hiervon gibt es leider sehr viele da draußen), immer besser irgendetwas zu tun, als ohne Ende über Wochen nur darüber zu sprechen.
Ja, es ist dieses Schema, in das zu viele fallen – die Leute verbringen Tage und Wochen oder länger damit, Fragen zu diesem Plan vs. einem anderen Plan, diesem Programm vs. einem anderen Programm zu stellen. Sie könnten diese Zeit viel produktiver damit verbringen, tatsächlich mit irgendeinem der unzähligen Programme zu beginnen, über das sie Fragen stellen.
Und dies ist insbesondere bei Anfängern wahr (und weniger bei etwas Fortgeschrittenen, auch wenn hier dieselben Prinzipien gelten). Wenn man gerade erst mit dem Training oder der Diät beginnt, ist das Schöne hieran, dass alles funktionieren wird. Ein Satz, drei Sätze – alles funktioniert. In den meisten Fällen wird jede nicht völlig idiotische Diät bis zu einem gewissen Graf effektiv sein, wenn es darum geht, einen Gewichtsverlust oder Fettabbau zu generieren.
Verdammt, selbst einiges des idiotischen Zeugs wird auf dieser Stufe funktionieren, da es besser als das ist, was die betreffende Person zuvor getan hat. Es ist nicht so, dass der neue Ansatz unbedingt gut ist, er ist jedoch nicht so schlecht wie das, was man hinter sich gelassen hat. Doch an diesem Punkt spielen Details ganz einfach keine Rolle. Was zählt ist, dass man tatsächlich etwas tut. Man wird für gewöhnlich erst dann herausfinden, ob etwas das Richtige für einen ist, wenn man es selbst ausprobiert hat. Man sollte also aufhören sich Gedanken zu machen und stattdessen etwas tun.
Wenn die Leute fortgeschrittener werden, dann können die Details, wie bereits erwähnt wurde, beginnen eine Rolle zu spielen. Im Grunde genommen muss man sich, wenn man höhere Stufen der Leistung oder Schlankheit oder Muskularität erreicht, mehr und mehr Gedanken über geringfügigere Dinge machen. Zu dem Zeitpunkt, an dem man diesen Zustand erreicht, weiß man jedoch in der Regel genug darüber, wie der eigene Körper reagiert und besitzt Jahre der Erfahrung mit den Grundlagen, um zu wissen, was man als nächstes tun muss oder wie man weitermachen sollte. Auch wenn wie oben angesprochen jeder denkt, dass er fortgeschritten ist, ist die Realität die, dass dies bei den meisten nicht der Fall ist.
Vergessen der fundamentalen Prinzipien
Man sollte sich nicht täuschen, ich konzentriere mich häufig auf Details und viele meiner Artikel spiegeln dies wider. Natürlich versuche ich mein Bestes, dies mit Artikeln auszugleichen, die fundamentale Konzepte betrachten, denn die Grundlagen sind wichtig und sollten allen intelligent geplanten Ansätzen zugrunde liegen. Das ist der Grund dafür, dass ich Einführungen zu unterschiedlichen Themen schreibe und versuche, die fundamentalen Prinzipien zu betrachten, anstatt auf komplizierte Details einzugehen (diese faszinieren mich zwar, sind jedoch häufig nicht global relevant).Es sollte erwähnt werden, dass die meisten meiner komplizierten Ansätze in erster Linie auf Fortgeschrittene abzielen. "The Ultimate Diet 2.0" ist eine fortgeschrittene Diät für fortgeschrittene Diätende – sie zielt auf Personen ab, bei denen die Details eine Rolle spielen. Und selbst wenn die Gesamtstruktur dieser Diät etwas komplizierter ist, sind dies die einzelnen Tage nicht.
Die Informationen in "The Stubborn Fat Solution" sind genauso detailorientiert. Doch auch dieser Ansatz zielt auf Leute ab, die versuchen das letzte bisschen Fett loszuwerden, das nicht leicht schwindet, wenn man nicht auf solche Details achtet. Für jeden anderen sind solche Details nicht notwendig – es ist wichtiger, dass Training und Diät durchgeführt werden und weniger wichtig, dies genau getan wird.
Doch die fundamentalen Prinzipien müssen immer beachtet werden – selbst bei fortgeschrittenen/komplizierteren Programmen. Es ist nur einfach so, dass die Details für die weniger weit Fortgeschrittenen weniger relevant sind. Wie ich in den Artikeln "The Fundamentals of Fat Loss Diets Part 1" und "The Fundamentals of Fat Loss Diets Part 2" beschrieben habe, gibt es einen Satz fundamentaler Prinzipien für Fettabbau Diäten, die ich als für den Erfolg entscheidend ansehe, wobei mit das wichtigste hiervon die Generierung eines ausreichend großen Kaloriendefizits ist.
Und offen gesagt wird jeder Ansatz, der diesen Prinzipien auf die eine oder andere Art und Weise entspricht, ein gutes Programm darstellen. Während ich meinen Ansatz habe, Alan Aragon seinen Ansatz hat, jemand wie Borge Fagerli (Blade) wieder einen anderen Ansatz hat und Martin Berkhan seinen Intermittent Fasting Ansatz hat, wird man, wenn man sich diese Pläne im Bezug auf die fundamentalen Prinzipien hin ansieht, feststellen, dass alle Pläne diesen Prinzipien entsprechen. Die Pläne mögen sich im Detail und beim Ansatz etwas unterscheiden, aber die Grundlagen sind immer präsent.
Man könnte einen ähnlichen Artikel über Trainingsprinzipien für Wachstum oder Kraftzuwächse schreiben (und ich werde dies irgendwann auch tun). Es gibt fundamentale Prinzipien (die sich um Intensität, Frequenz, Volumen, usw. drehen), die ein intelligentes Programm beachten muss. Wie diese erfüllt werden ist weniger relevant, als dass sie auf die eine oder andere Art und Weise erfüllt werden. Und auch wenn die Leute endlos über die Unterschiede bezüglich der Anwendung streiten werden, unterscheiden sich die meisten Programme, wenn man die Grundlagen betrachtet, weniger als man denken mag – die guten sowieso nicht.
Das Problem fängt an, wenn die Leute damit beginnen, sich so sehr auf Details (die relevant oder nicht relevant sein mögen) zu konzentrieren, dass sie hierbei die fundamentalen Prinzipien vergessen. Die Leute wollen eine magische Kombination von Nahrungsmitteln oder was auch immer, um die Notwendigkeit der Generierung eines Kaloriendefizits umgehen zu können – sie hoffen, dass sie das fundamentale Prinzip des Fettabbaus (ein Ungleichgewicht zwischen Energiezufuhr und Verbrauch) mit Hilfe eines geringfügigen Details meiden können. Das ist der Punkt, an dem die Probleme beginnen.
Ich kann gar nicht zählen, wie oft irgendjemand im Forum eine Frage der Art “Warum befinde ich mich auf einem Plateau/ warum verliere ich kein Gewicht” gestellt hat und nicht einmal die grundlegende Frage danach beantworten konnte, wie viele Kalorien, wie viele Kohlenhydrate und wie viel Fett er pro Tag zu sich nimmt. Diese Leute können einem so ziemlich alles über ihre Diät erzählen - nur nicht das, was wirklich relevant ist: wie viel.
Sie machen sich Gedanken über den glykämischen Index eines Nahrungsmittels vs. dem glykämischen Index eines anderen, darüber, ob eine Proteinquelle besser oder schlechter als eine andere ist, ob 12,7% eines Nährstoffs besser oder schlechter als 17,2% desselben Nährstoffs sind, ob ein Supplement besser als ein anderes ist, usw. … Und sie wissen noch nicht einmal, wie viel sie pro Tag essen, oder wie ihre Makronährstoffverteilung aussieht – oder irgendetwas, das tatsächlich eine Rolle spielt. Ich könnte die Liste endlos fortführen und ich bin mir sicher, dass der Leser dies schon selbst im Internet beobachtet hat.
.
Worauf ich hinaus will
Man sollte mich nicht falsch verstehen – unter gewissen Umständen kann es von Vorteil sein, sich um geringfügige Details Gedanken zu machen. Für einige ist dies ein echtes physiologisches Bedürfnis – diese weit fortgeschrittenen Mensche, die sich um die Details Gedanken machen müssen, da sie eine Stufe erreicht haben, auf der diese Details eine Rolle spielen. Doch wie ich oben bereits erwähnt habe, haben diese Menschen bereits so viel Zeit mit den Grundlagen verbracht, dass sie sich jetzt in einer Position befinden, in der Details eine Rolle spielen können.Bei anderen besteht häufig ein psychologisches Bedürfnis danach, sich um Details Gedanken zu machen. Dies ist ein Typ der dazu neigt, eine Diät und ein Trainingsprogramm besser zu befolgen, wenn diese eine irrsinnige Menge an Details umfassen, um die er sich Gedanken machen muss. Diese Diätenden mögen diese Details aus physiologischer Sicht nicht unbedingt benötigen, doch sie wollen diese und werden nur dann glücklich sein, wenn sie präsent sind.
Und bis zu einem gewissen Grad ist vieles von dem, was in der Sport- und Bodybuildingliteratur (diese Subkulturen befinden sich am zwanghaft besessenen Ende der Skala) geschrieben wurde hierauf zugeschnitten – den Leuten eine Menge Details, die häufig irrelevant sind, zu geben, um die sie sich Gedanken machen können und von denen sie besessen sein können. Bestimmte psychologische Bedürfnisse sind wichtig und müssen berücksichtigt werden, doch diese Details müssen auf den grundlegenden fundamentalen Prinzipien aufsetzen. Viele dieser Menschen lernen im Lauf der Zeit, dass diese Details sowieso nicht so relevant sind. Doch zu Beginn wollen oder benötigen sie diese Details häufig, um glücklich zu sein, oder um ihr Programm zu befolgen.
Im Endeffekt wird man für gewöhnlich Folgendes herausfinden: sobald man die fundamentalen Prinzipien beachtet, spielen die meisten der geringfügigen Details keine große Rolle mehr – zumindest bringen sie nicht annähernd die zusätzlichen Resultate, auf die die meisten Menschen hoffen. Und so lange man die fundamentalen Prinzipien nicht auf die Reiher gebracht hat, spielen die geringfügigen Details überhaupt keine Rolle. Dies gilt zusätzlich zu der Situation, in der eine Besessenheit von geringfügigen Details jemanden daran hindert, überhaupt jemals zu agieren.
Es gilt das, was Doc so klar und prägnant gesagt hat: Man sollte die fundamentalen Prinzipien nicht den geringfügigen Details unterordnen.