165cm groß…
81kg schwer…
8% Körperfett…

Prähistorische Männer wollen sein wie er, Frauen wollen ihn…

Wer ist er? Er ist der Neandertaler Mann. Der größte, böseste, zweibeinige, evolutionäre Vorfahre in der ganzen Nachbarschaft.

Ihr habt gedacht Neandertaler würden eher wie Quasimodo als wie Quadzilla aussehen?

Erzählt das bloß keinem Eurer Archäologie Freunde. Nichts lässt sie mehr erschauern, als wenn man Neandertaler als Synonym für die Dummen und Faulen verwendet. Immerhin beweisen uns alle ausgegrabenen Indizien das komplette Gegenteil: Neandertaler waren intelligente Lebewesen, und waren perfekt an die harten Bedingungen des Pleistozäns angepasst.

Mit einer Statur die jeden Bodybuilder neidisch machen würde, waren Sie äußerst unwahrscheinlich die buckligen Kreaturen die unten dargestellt werden.

Das nächste Mal wenn euch jemand als Neandertaler beschimpft, bedankt euch und korrigiert seine Aussprache: "Neandertaler" spricht man mit einem harten "T", wie "Beethoven".

Wie also sind wir zu der falschen Vorstellung des buckligen, tölpelhaften Neandertalers gekommen?

Diese Fehlinformation stammt von einem unbekannten archäologischen Boo-Boo. Die ersten jemals gefundenen Neandertalerknochen (in Europa im 19. und frühen 20. Jahrhundert; in La Chappelle-aux-Saints, Frankreich um genau zu sein) waren die eines alten Neandertalers mit schwerer Osteoporose und einigen Verletzungen, eine kaputte Kniescheibe eingeschlossen.

Das passierte genau nachdem Darwins "Entstehung der Arten" in die Buchläden kam, und Wissenschaftler fieberhaft nach einem affenähnlichen Ahnen in der Linie der Menschen suchten. Berechtigt wurden später affenähnliche Vorfahren in Ost-Afrika gefunden die Millionen Jahre alt waren, aber jeder im frühen 20. Jahrhundert wollte das fehlende Puzzleteil in Europa finden.

Geblendet von diesem "Musterbeispiel" haben französische Pareantologen einen niedergeschlagenen, verkrüppelten alten Mann als Herold für die Norm des Neandertalers auserkoren, obwohl es erwachsene Exemplare von außerordentlicher Gesundheit gab. Das war der Beginn unserer Vorstellung des buckligen, Keule schwingenden Brutalos, die sich bis heute gehalten hat.

Wie muskulös waren diese Neandertaler wirklich?

Der Neandertaler war der Höhepunkt der Skelettmuskelhypertrophie in unserer evolutionären Vergangenheit. Genauer gesagt spricht jedes Indiz dafür, dass die Neandertaler dafür gemacht waren viel mehr Muskelmasse aufzubauen als der moderne Mensch des 21. Jahrhunderts (Ich meine Dich, Feuerstein!).

Stellt euch folgende physische Merkmale als Anhaltspunkte vor:
  • Als Beginn, massive, breite Schultern leiten sich aus einem Schulterblatt her das ca. 8% breiter war als das des modernen Menschen. (Neandertaler und modernen Menschen lebten mehrere Jahrtausende Seite an Seite.)
  • Die Muskelansätze der Brustmuskeln waren enorm, bis zu zwei mal größer als der heutige Durchschnitt
  • Neandertaler hatten kürzere humeri (Oberarme), die kombiniert mit den Schultern auf sehr kräftige Rotatorenmanschetten hinweisen. Und stellt euch das vor; die Knochen der Unterarme waren verbogen, von Muskeln die einen Griff hervorbrachten der Steine zermalmen konnte.
  • Diese ganze Oberkörpermuskulatur war auf Oberschenkeln verankert die auf explosive Power und seitliche Bewegungen spezialisiert waren.
Bevor Ihr Euch jetzt denkt Neandertaler sahen nur gut aus und hatten keine Kraft – Es sieht so aus als wäre ihre ganze Physik und ihr Lebensstil darauf ausgelegt gewesen äußerst effektive Großwild-Jäger gewesen zu sein. Wilde Nüsse, Gemüse und Obst waren ebenfalls ein wichtiger Bestandteil ihrer Ernährung. Wenn man jedoch von ihren Verletzungen ausgeht, waren sie in Jagdaktivitäten mit riesigen, wütenden pleistozänischen Säugetieren verwickelt.

Woher wissen wir das? Fast jedes Neandertaler-Skelett weist ernsthafte Verletzungen und Traumata auf, sehr ähnlich den Verletzungen von modernen Rodeo-Reitern.

Es sieht so aus, als hätten sich unsere furchtlosen Vorfahren solange mit den größten und fiesesten Kreaturen, wie Wollnashörnern, angelegt, bis diese angriffen und sich selbst auf baumstamm-große Speere aufspießten, die im letzten Moment angehoben wurden (denkt an Braveheart). Macht keinen Fehler Leute, Neandertaler hatten diesen beeindruckenden Körper nicht aus Gründen der Eitelkeit. preview

Waren Neandertaler mit all dieser Muskelkraft große, dumme Brutalos? Offenbar nicht. Neandertaler hatten jede Menge Köpfchen hinter all den Muskeln. Genauer gesagt waren ihre Gehirne sogar ein wenig größer als die des durchschnittlichen modernen Mannes. Aber der ganze Grips war sicher nicht dazu da, rund um ein Lagerfeuer zu sitzen und über das zweite Gesetz der Thermodynamik zu diskutieren. Die Größe des Gehirns lässt nicht direkt auf die Intelligenz schließen. Nichtsdestotrotz hatten sie große Gehirne und muskulöse Körper – das komplette Gegenteil des allgemein bekannten Bildes eines Neandertalers.

Bevor Ihr denkt, dass jeder Neandertaler ein Übermensch mit einem kleinen roten Cape war, es gibt eine Unbeständigkeit in der Neandertaler-Hypertrophie. Die, die sich für längere Zeit an einem Ort aufhielten, waren massiger als die, die dauernd in Bewegung waren. Als Beispiel, wiesen Neandertaler Skelette die in der Shandiar Hölle im Irak gefunden wurden, starke Hypertrophieanzeichen den Halte- und Stützapparat betreffend auf.

Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass diese riesige Hölle als Basecamp diente, wo sie jede Menge Nahrung zur Verfügung hatten und mindestens ein paar Monate im Jahr verweilten. In anderen Gebieten, mit weniger verfügbarer Nahrung, fand man eher kleinere Neandertaler die ständig unterwegs sein mussten um zu überleben.

Es gibt zu viele Faktoren um einen Einzelnen zu isolieren der für den unterschiedlichen Stand an Hypertrophie verantwortlich war, aber Nahrung im Überfluss und die Art der Bewegung schienen eine Rolle gespielt zu haben. Alle altsteinzeitlichen Völker waren aktiv – das mussten sie sein um zu überleben. Aber wenn man die vergleicht, die mehrere 100 Kilometer im Jahr zurück legen mussten, mit denen, die für längere Zeit am selben Ort blieben und in kurze aber intensive Aktivitäten verwickelt waren, werden wir einen Unterschied zwischen Ausdauer- und Kraft- trainierten Körpern sehen.

Was passierte mit den Neandertalern?

Ironischerweise besiegelte der harte und unbeständige Lebensstil und ihre kräftige Physik, die vor hunderttausenden von Jahren ihr überleben sicherte, auch ihr Schicksal, um Platz zu machen für den Homo Sapiens. Während Neandertaler die größten Teile von Europa und dem nahen Osten besetzten, entstanden in Afrika anatomisch modernen Menschen und verbreiteten sich in die Gebiete der Neandertaler. In manchen Fällen gab es eine Co-Existenz mit ihren evolutionären Cousins. (Solltet Ihr jemals Jane Auels Serie "Earth Children" lesen, werdet Ihr womöglich die fiktionale Darstellung der Beziehung zwischen Homo Sapiens und Neandertaler bemerken.)

Wie sahen unsere direkten Vorfahren im Vergleich mit unseren evolutionären Cousins aus? Traurigerweise für unsere Trainingsleistung, werden die frühsten Modernen mit schwächlicheren Körpern und gleich großen Gehirnen beschrieben. Das Verhältnis Gehirn zu Muskelmasse war also im Vergleich zum Neandertaler gestiegen. In der Tat sind Menschen, im Vergleich zu anderen Lebewesen, wandelnde Gehirne. (Zugegeben mögen nicht alle gleich gut funktionieren, aber sie sind vorhanden.)

Neandertaler hatten aber ebenfalls große Gehirne. Wieso also starb ihre Art aus während andere überlebten?

1. Große Muskeln und große Gehirne sind teuer

Evolutionäre Fitness stütz sich auf die Entwicklung vieler verschiedener Krisenpläne und in Zeiten wo Nahrung knapp war musste der moderne Mensch sicherstellen, dass das Gehirn satt war. Die Muskulatur des Menschen verblasst im Vergleich mit allen anderen existierenden Primaten wie Gorillas und Schimpansen. Was uns an Muskeln fehlt machen wir an Fett wieder gut.

Körperfett ist im Kindesalter wichtig, während das Gehirn wie Unkraut wächst. Größere Fettdepots unterstützen den Wachstum eines Kindergehirns mit einer dauerhaften Energielieferung, und reduzieren die metabolischen Kosten des Körpers. Muskulatur ist metabolisch gesehen einfach zu teuer, und wenn es heißt Gehirn gegen Muskelmasse, lässt unsere Genetik unser Gehirn gewinnen.

2. Wenn Nahrung knapp ist müssen wir gut denken, nicht gut aussehen

Unsere wenig beeindruckenden Körper und übergroßen Gehirne haben den evolutionären Kampf gewonnen und Homo Sapiens haben die Erde bevölkert, nicht Neandertaler. Weil wir mehr Kalorien als Fett speichern können und somit Energie für unsere Gehirnaktivitäten sparen. Deshalb, durch Zeiten des Hungers, während die riesigen Muskeln und Gehirne der Neandertaler Energie forderten, beim Kampf um Nahrung wurden sie schwächer und intellektuell träge, stellten unsere Fettdepots uns mehr Energie für unsere Genialität zur Verfügung. Und Genialität besorgt Dir Nahrung wenn Du physisch Schwach bist.

3. Wenn man schwach ist verlässt man sich nicht auf Kraft

Da die Modernen nicht so stark waren wie Neandertaler, um mit Wollnashörnern zu kämpfen, lernten sie sich auf ihre geistigen Fähigkeiten zu verlassen.

Um Beute nicht jagen und in den Nahkampf gehen zu müssen, investierten die modernen Menschen ihre mentale Energie in die Entwicklung von Technologien die Tiere aus der Ferne ausschalten konnten. (Den Speer und eventuell Pfeil und Bogen). Während die Neandertaler versuchten sich jedem physischen Hindernis zu stellen, versuchten die modernen Menschen jedes Hindernis auszutricksen. Ein Neandertaler würde die Treppe benutzen, während unsere Vorfahren den Lift nehmen würden. In anderen Worten, der modernen Mensch ist der denkende, faule Mensch.

4.>Große Gehirne bedeuten nicht immer große Intelligenz

Neandertaler und Modernen hatten annähernd gleich große Gehirne. Trotzdem schien der moderne Mensch klüger gewesen zu sein. Der Grund dafür könnte die Zusammensetzung der Gehirne sein.

Es könnte kein Zufall sein, dass viele Überreste der Homo Sapiens in küstennahen Gebieten entdeckt wurden. Meeresfrüchte schienen wichtig für die Gesundheit und Intelligenz eines Gehirns zu sein. Ein Typ einer Omega-3-Fettsäure, der in Fisch und Meeresfrüchten vorkommt, bekannt als Docosahexaensäure (DHA), entspricht Raketentreibstoff für unser Gehirn. Unser Säugetier-Nervensystem besteht zum größten Teil aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren, DHA und Arachidonsäure (AA). Mit anderen Worten, haben wir dieselben Fettsäuren die in Fisch vorkommen zwischen unseren Ohren. Mit DHA und AA als Treibstoff bekam unser Gehirn seine moderne Form, mit einem großen Vorhirn das für überlegenen Intellekt steht. (Ausnahmen bestätigen die Regel, Beispiel Jessica Simpson)

Als Ergebnis dieser Unterschiede wurde das Schicksal der Neandertaler vor ca. 30 000 Jahren, als die globale Bevölkerung begann um Ressourcen zu kämpfen, besiegelt. Unter demographischem und ökologischem Stress, gewann die Bevölkerung mit der abwechslungsreichsten Diät und der größten mentalen Flexibilität den Münzwurf. Man braucht kein furchtloser Jäger zu sein um Fisch zu fangen und Hasenfallen aufzustellen, jedoch war es diese Welt in der der moderne Mensch aufblühte. Obwohl es weniger Nahrung gab hatte der moderne Mensch ein paar entscheidende Vorteile gegenüber dem Neandertaler, er konnte mehr Fett speichern, hatte weniger Muskeln, und verbrauchte so weniger Kalorien.

Was bleibt uns heute?

Das Überleben unserer Spezies hat an größeren Gehirnen, mehr Fett und weniger Muskeln gelegen. Jawohl, unsere evolutionäre Vergangenheit macht es uns nicht gerade leicht eine Modelfigur zu haben. Um genau zu sein hat eine überfürsorgliche Mutter Natur genau für das Gegenteil gesorgt, den Hang dazu mehr Fett und weniger Muskeln zu speichern. Während uns das ein Überleben leichter gemacht hat, tut es uns keinen Gefallen wenn wir zum Strand wollen.

Sollen wir uns deshalb unserem Schicksal hingeben und korpulent und schwach sein? Nicht so schnell Speckie.

Manche Menschen schaffen es noch immer einen Körper wie ein Neandertaler zu bekommen. Mit Nahrung die gut für Gehirn und Muskeln ist und viel Bewegung und Training mit schweren Gewichten können wir uns unserer Genetik widersetzen. Während neuste Studien zeigen, dass 50-60% unserer körperlichen Entwicklung von der Genetik abhängen, können 40-50% unserer Umwelt zugeschrieben werden (was wir essen, wie viel wir uns bewegen usw.) Es stimmt also, dass wir alle Vorteile unserer großen, genialen Gehirne nutzen, und trotzdem wie unsere Neandertaler Cousins rum laufen, schwere Gewichte stemmen die unsere Unterarme verbiegen und das Fleisch von Wollnashornknochen nagen können.

Traurigerweise machen das die Wenigsten. In einer Welt voller billiger Nahrung im Überfluss und leeren Kalorien, schließt sich der Kreis der Evolution. Wir fressen uns wortwörtlich zu Tode. Unser Kapital von damals (die Genialität Nahrung aufzutreiben) wird heute zur Last. Wir sind zu effizient in der Beschaffung von Kalorien geworden, und alle unserer Technologien, die Kalorien aus Vollwertkost ziehen, resultieren in überverarbeitete, verpackte Herzinfarkte in den Regalen der Supermärkte.

Evolution folgt einem konservativen Weg und genau genommen sind wir genetisch noch immer Steinzeitmenschen. Prähistorische Völker aßen alles was sie einfach in ihre Finger bekamen, und das ist genau dasselbe Mantra dem viele Leute heutzutage folgen. Unsere Technologie hat uns über unsere genetische Evolution hinaus befördert. Wenn wir einen steinzeitlichen Jäger und Sammler in unsere Zeit verpflanzen könnten, würde er schnell zu einem krankhaft fettleibigen Herzpatienten aufgehen.

Was sollen wir, die evolutionären Sieger, also tun?

Vielleicht sollten wir etwas von den Neandertalern lernen. Sie machten Ausdauersport. Sie machten anaeroben Sport. Sie zeigten muskuläre Stärke in ihren Taten. Sie aßen freilaufende Säugetiere. Sie aßen Früchte, Nüsse und Gemüse. Sie waren muskulös und fettfrei. Und Ihr könnt das auch – obwohl knochenverbiegende Kraft außer Reichweite scheint. Wie auch immer, mit der plötzlichen Beliebtheit von prähistorischen, evolutionären Nahrungstheorien (Warrior Diät) und Speisen ist ein Wort der Warnung angebracht. Geister aus prähistorischen Zeiten zu beschwören, die einem Nahrungsvorschläge geben, ist vielleicht mehr Trugschluss als Fakt. Die Neandertaler und unser Vorfahren aßen was sie aßen aus einer Notwendigkeit und nicht wegen toller Bauchmuskeln. Unsere antiken Vorfahren waren eine gemischte Gruppe – manche schlank, manche fett; manche aßen protein- und fettreich, manche aßen kohlehydratreich; manche lebten niedergelassen, und manche waren ständig unterwegs.

Deshalb werden wir im zweiten Teil dieses Artikels einen genaueren Blick auf die verschiedenen Hintergründe werfen von denen wir kommen (frühe Homo Sapiens) und sehen ob uns das einen Einblick gibt was wir essen sollten und weshalb.