Da dieser "Grassamen" den Löwenanteil unserer Nährstoffversorgung ausmacht, sollten wir doch wirklich einmal hinterfragen, ob Getreide, wie oft behauptet, wirklich Krankheitspotenzial besitzt. Das wäre fatal, wenn du bedenkst, dass jeder es immer und überall, ständig und in großen Mengen über Jahre hinweg verzehrt. Es bildet sogar das Fundament der gängigen Ernährungspyramiden!
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Getreide wird in etwa seit 333 Generationen in größeren Mengen in die Nahrung der Homos integriert. 6666 Generationen des Homo Sapiens verzehrten jedoch bevorzugt tierische Lebensmittel, jedoch auch Wurzeln, Beeren, Nüsse und Früchte. Seit etwa 4 Generationen gibt es die "moderne" Nahrungsmittelindustrie.
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Es wird gesagt, dass diese Zeit nicht genügen würde um sich an ein "so neues" Nahrungsmittel anzupassen. Heberer schreibt in seinem Buch "Die Evolution der Organismen, Ergebnisse und Probleme der Abstammungslehre", dass es etwa 250.000 Jahre benötigt, um eine neue Art zu entwickeln. Ob das stimmt, oder nicht, darüber sprechen wir jetzt.
"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein" – Die Bibel, Matthäus 4,4Agrikulturelle Expansion: Wer hat's erfunden?
Das erste Getreide, welches verzehrt wurde, war kein Getreide in unserem eigentlichen Sinne, sondern es war Gras. Grassamen. Die ersten Funde von Steinwerkzeugen zur Getreidebearbeitung zeigen, dass der Mensch schon seit wenigstens 23.000 Jahren (Dolores R. Piperno, Ehud Weiss, Irene Holst und Dani Nadel 2004, OFER BAR-YOSEF 1998, K. Wright 1991) Getreide, voraussichtlich zu Nahrungszwecken, bearbeitet. Andere Funde zeigen sogar, dass der Mensch, nähe Mosambik in Südostafrika, schon seit fast 105.000 Jahren Getreide bearbeitet (Julio Mercader 2009).Ob es jahreszeitenabhängig in die Nahrung integriert wurde, oder ob es durchgängig verzehrt wurde, ob es überhaupt zur Nahrungszwecken, und wenn ja zu wie viel Prozent, verwendet wurde, oder zum andicken von Farben oder als Munition für Spuckrohre, zeigt keiner dieser Funde.
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Das Domestizieren und der Ackerbau, welcher die tägliche Nahrungssuche stark reduzieren konnte, führte mit großer Wahrscheinlichkeit dazu, dass sich unsere Zivilisation, so wie wir sie heute kennen, erst ausbauen konnte, da mehr Zeit für andere Dinge zur Verfügung stand wie z.B. die Entwicklung von Facebook.
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Der nahe Osten, damals angrenzend an Südostafrika, kam vor etwa 9500 Jahren mit Getreide in Kontakt. Griechenland und die anderen Mittelmeerländer etwa vor 8000 Jahren, China und Indien vor 7000 Jahren, England und Skandinavien erst vor etwa 4000-5000 Jahren. Deutschland vor etwa 5500 Jahren ("Leben ohne Brot", Cordain L. 1999, Francesco Salamini et al 2002, Eupedia.com, archaeologie-online.de, OFER BAR-YOSEF 1998, K. Wright 1991).
Roggen und Hafer soll den Germanen als Hauptgetreide gedient haben und auch heutzutage sind Mittel-, Osteuropa und Deutschland die Hauptproduzenten von Roggengetreide. Weizen und Gerste stellten das Hauptgetreide in den Ländern des Mittelmeerraumes dar. Und auch heute bestehen "Pizza, Pasta und Co" zu einem großen Teil aus Weizen. Zucker wurde um 1798 Bestandteil der menschlichen Ernährung, gemahlenes Mehl um 1888 und High Fructose Cornsirup (HFCS) 1972.
In vorherigen Artikeln konnte schon gezeigt werden, dass tierische Produkte bis zu 65% der täglich aufgenommenen Kalorien ausmachen sollten. 35% bleiben für pflanzliche Nahrungsmittel übrig. Die aufgenommen Makronährstoffe der heute noch lebenden Jäger- und Sammlervölker, welche von gängigen Zivilisationsleiden verschont bleiben, betragen 28-47% Fett, 19-35% Protein und 22-40% Kohlenhydraten (Cordain L. 2000). Ströhle und Hahn (2011) geben allerdings an, dass der Kohlenhydratgehalt der Jäger- und Sammlervölker sehr stark variieren kann, sich jedoch tatsächlich, sogar deutlich, von den heute empfohlenen "kohlenyhdratbetonten, fettreduzierten" Kostformen unterscheidet.
65% tierisch, 35% pflanzlich. Was heißt das jetzt genau? 1kg Beeren haben in etwa 150kalorien. 1kg mageres Fleisch hat etwa 1000kalorien. Zusammen macht das so circa 1150kalorien. Bei 86% tierischen Lebensmitteln und 14% pflanzlichen. Aber die Menge ist identisch! Die gleiche Rechnung kannst du mit Gemüse, Früchten und so weiter anstellen. |
Was passierte, als der Mensch das Getreide zähmte?
Der Jäger und Sammler wurde gegen den Ackerbauern eingetauscht. Anstatt vorwiegend tierische Nahrungsmittel und nahrhafte Beeren, Nüsse und Früchte, wurden jetzt vorwiegend pflanzliche Nahrungsmittel, allen voran Getreide, verzehrt.Nach Loren Cordain (1999) traten nach dem Getreideboom folgende Änderungen auf:
- das Höhenwachstum ging zurück
- Dentalkaries entwickelte sich
- die Kindersterblichkeit stieg an
- die Lebenserwartung ging zurück
- Infektionskrankheiten breiteten sich vermehrt aus
- Blutarmut entwickelte sich

Und was ist heute mit dem Getreide?
Schauen wir uns die Nährstoffzusammensetzung des heutigen Getreides an. Es muss ja gut sein, wenn die führenden Ernährungsgesellschaften und Professoren dieses Nahrungsmittel empfehlen und es das Fundament der heutigen Ernährung bildet. Vor allem das volle Korn scheint besonders wertvoll zu sein. Es enthält ja auch alles. Und das ist das Problem!Ein Korn, ein Samen, ein Kern stellt nichts anderes dar als ein Embryo einer Pflanze. Jede Mutter beschützt ihr Kind. Bei dem Artikel "Die immunologische Komponente der Ernährung" habe ich schon gezeigt, dass auch die Muskulatur zu unserem Immunsystem gehört. Wegrennen, kämpfen. Aber auch Krallen und Reißzähne, Waffen, können dem Schutz dienen. Säugetiere besitzen selten Gifte, sondern schützen sich oft wie beschrieben.
Wie macht das eine Pflanze?
Das Mutterkorn möchte nicht, dass wir seine Kinder speisen: Wie beschützt Mutter Korn ihr Kind?Viele Pflanzen besitzen Gifte (z.B. Fliegenpilz), Dornen und Stacheln (z.B. Rose) oder andere abschreckende Schutzmechanismen (z.B. Brennnessel), um sich vor (Fress-)Feinden zu schützen. Pflanzen können in der Regel ja nicht wegrennen.
Eine Nuss schützt sich durch eine harte Schale. Wird diese geknackt, dann kann der Samen, die "Nuss", verzehrt werden. Er, der Samen, enthält, bis auf Phytate, keine Gifte mehr.
Knoblauch, Zwiebeln und andere Gemüsesorten schützen sich über bestimmte Arten von Saponinen und Bitterstoffe. Grade diese Stoffe, die als Gift gedacht sind, können positive Wirkungen im menschlichen Körper entfalten. Daher gehören diese auch zu den "anti-entzündlichen" Nahrungsmitteln.
Bei Äpfeln sieht das folgendermaßen aus. Wir essen das Fruchtfleisch und werfen anschließend die Kerne weg. Da wo wir die Kerne hinwerfen, dort wächst ein neuer Apfelbaum. Da wir dem Apfel helfen, sich zu verbreiten, hilft er uns gesund zu bleiben. Er schmeckt und ist gesund.
Beerenobst und Bananen enthalten sehr kleine Kerne. Diese Kerne werden selten zerbissen. Wir essen diese Frucht, schlucken die Kerne im intakten Zustand herunter. Dort wo wir "groß" machen, dort wächst ein neuer Bananenbaum.
Aber der Schutz über passive Abwehrmechanismen und "Barrieren" ist nicht nur bei den Pflanzen aktuell, sondern in der gesamten Natur nicht fremd.
Hühner schützen ihre Embryos mit einer harten Schale. Der Inhalt ist nahezu frei von Giften. Die Henne wird zuerst allerdings versuchen zu verhindern, dass du ihr Ei, ihr Küken, frisst. Beim Thema Cholesterin haben wir schon gesehen, dass cholesterinreiche Nahrungsmittel nicht zwangsläufig ein gesundheitliches Risiko bergen, sondern im Gegenteil sogar vor Infektionen schützen können.
Eier enthalten im Eiweiß einen Stoff welcher Bakterien, Pilze und ähnliches bindet: Ovolaktoferrin. Dieser Stoff kommt als auch in Rohmilchprodukten und in Muttermilch vor als Laktoferrin. Machen wir nüchtern Sport, so bildet unser Körper auch Laktoferrin welcher beim Schutz vor Bakterien helfen kann. Dieses Ovolaktoferrin in Eiern oder Laktoferrin aus Rohmilch, kann Bakterien bereits in unserem Mund, bei dem Verzehr dieser Lebensmittel, binden. Es ist allerdings sehr hitzeempfindlich.
Ein Ei enthält alles, um ein kleines Lebewesen, das Küken, zu ernähren. Ausreichend Protein, Fette, Cholesterin, Vitamine und Mineralstoffe wie Jod und Zink.
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In aller Regel wurden die Schalen der Eier und der vollen Körner, nicht verzehrt.
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Im Gegenteil können sie zu Nährstoffdefiziten führen, die Verdauungsorgane krank machen und in ihrer Funktion beeinträchtigen. Die meisten Gifte sitzen in der Schale. Wir erinnern uns an die Barrieren in unserem Körper? Darm, Lunge, Haut? Genau die Teile, die mit unserer Umwelt in Kontakt stehen, sind Barrieren. Bei einem Korn, einem Samen, ist es die Schale. Die Schale enthält also den Großteil der Gifte.
Prinzipiell ist kein Lebewesen oder keine Pflanze dazu geschaffen, verzehrt zu werden.
Das perfekte Lebensmittel wirst du also immer noch nicht finden. Die Nahrungszubereitung aus der Vergangenheit wie das Schälen von Kartoffeln, malen von Getreide, erhitzen, kochen, einlegen, wässern und ähnliche können den Gehalt von Antinutrienten teilweise reduzieren.Darüber hinaus ist Deutschland eines der wenigen Länder, welches hauptsächlich Vollkornprodukte empfiehlt. Länder wie Italien, Spanien, Frankreich oder auch Indien benutzen zumeist Mehl aus geschälten Körnern um daraus Fladenbrot, Pasta, Pizza, Baguette und ähnliches herzustellen. Eventuell haben diese Länder daher weniger Probleme mit dem Getreide, da sie eben nicht das volle Korn verwenden. Von 10 Giften gibt es dann vielleicht nur noch zwei. Das wird sicherlich einen kleinen Unterschied machen können.
Da Vollkornprodukte den glykämischen Index reduzieren können, wird dieses oft für Diabetiker empfohlen. Allerdings spielt die glykämische Last, das bedeutet die absolute Kohlenhydratmenge in einem Lebensmittel, eine größere Rolle als der glykämische Index. Das haben wir ja schon gesehen. Und die Glukose- und Insulintolleranz wird sowieso primär durch Sport, Kohlenhydrat-, Mahlzeitenfrequenz- und Entzündungsreduktion verbessert und nicht durch den Austausch verschiedener Brotsorten.
Bilder: mommy peace