Ginseng, auch als die Königin der Elixiere bekannt, wurde alleine oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen bei Leiden wie Rheuma, Tuberkulose, Husten, Übelkeit, Schlaflosigkeit, Pocken, pediatrischem Fieber, Ödemen, Gelbsucht , Brechreiz, überhöhtem Cholesterinspiegel, niedrigem Blutdruck, hohem Blutdruck, Nierenkrankheiten, Diabetes, Durchfall, Verstopfung, Gicht, Inkontinenz, Arteriosklerose, Krebs, Verstrahlung, Symptomen der Menopause, Immunschwäche Impotenz und Unfruchtbarkeit eingesetzt (1, 2, 3). preview

Ginseng war bereits 3000 Jahre vor Christi Geburt als starkes Heilkraut anerkannt (1) . Ginseng ist eine kleine, langsam wachsende Pflanze, die auf schattigem Waldboden in Teilen von China, Nordkorea, Sibirien, Nordamerika und Kanada wächst.

Es gibt viele verschiedene Sorten Ginseng. Die gebräuchlichsten Formen sind der Panax Ginseng, der in Teilen von China, Korea und Sibirien heimisch ist, der Panax Quinquefolium, der in Kanada und den USA beheimatet ist und der Eleutherococcus Senticosus, der in Sibirien vorkommt. Der Eleutherococcus Senticosus, welcher auch als sibirischer Ginseng bezeichnet wird, ist aus botanischer Sicht kein echter Ginseng. Trotzdem sind seine Eigenschaften denen der chinesischen, koreanischen und amerikanischen Form sehr ähnlich und einige Wissenschaftler sind sogar der Ansicht, dass der sibirische Ginseng für Sportler die beste Wahl darstellt(4).

Ginseng setzt sich aus vielen Substanzen zusammen, welche Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme und Flavonoide umfassen. Die meisten Experten glauben, dass die Vorzüge des Ginseng von einer Familie von mindestens 20 strukturell ähnlichen Komponenten herrühren, die als Glykoside, Saponine und am häufigsten als Ginsenoside bezeichnet werden(5, 6).

Ginseng kann in vielen Formen konsumiert werden, welche die ganze Wurzel, mit Pulver gefüllte Kapseln, Tabletten, Tee und ölige Extrakte umfassen. Wirksamkeit und Qualität von Ginseng können stark variieren(7, 8). Aufgrund der starken Schwankungen der Produktqualität gibt es jetzt auch standardisierte Produkte, die zu den meistverkauften Supplements in Amerika gehören. Die anhaltende Beliebtheit von Ginseng hat dazu geführt, dass dieser zu einem verbreiteten Inhaltsstoff in Sportriegeln, Proteinsupplements, Erfrischungsgetränken, Tees und Säften wurde.

Einer der häufigsten Gründe für die Verwendung von Ginseng ist seine Fähigkeit die Energie zu steigern. Seit vielen Jahren wird Ginseng als ein Heilkraut angesehen, welches die Ermüdung hinauszögern und die Leistungsfähigkeit verbessern kann. Sportler überall auf der Welt verwenden Ginseng für Training und Wettkämpfe. Man schätzt, dass im Jahr 1993 fünf bis sechs Millionen Menschen alleine in Amerika Ginseng als Sportsupplement eingesetzt haben(9), während die Anzahl der Menschen in Europa, Südamerika, Asien und Afrika, die Ginseng verwenden, schwankt.

Es konnte gezeigt werden, dass Ginseng die Psychomotorik und die Aufmerksamkeit verbessert(10). Weiterhin besitzt Ginseng einen positiven Einfluss auf unterschiedliche Werte der Lungenfunktion beim Menschen, zu denen auch die maximale Atemkapazität gehört (11).

Auch wenn Ginseng die Ausdauer verbessert, sind sich die Wissenschaftler noch nicht darüber im Klaren, wie dies genau funktioniert. Eine Theorie, die von einer häufig zitierten Abhandlung unterstützt wird, ist, dass Ginseng den Milchsäurespiegel im Blut senkt (12).

Die definitive beste, positive Studie bezüglich der Wirkung von Ginseng wurde mit einem Supplement durchgeführt, das Ginseng in Verbindung mit Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Dimethylaminoethanol Bitartrat (DMAE) enthielt. Bei dieser placebokontrollierten Doppelblindstudie verwendeten 49 männliche Probanden im Alter von 21 bis 47 Jahren für die Dauer von sechs Wochen entweder Ginseng oder ein Placebo, bevor für weitere 6 Wochen die Präparate zwischen den Gruppen getauscht wurden. Die Ginsenggruppen konnten sowohl ihr VO2 max (maximale Sauerstoffaufnahme) erhöhen, als auch die Zeit bis zum Eintritt der Erschöpfung verlängern. Weiterhin konnte eine Reduzierung der Serum-Laktatspiegel (Milchsäurespiegel) sowie zahlreicher anderer Indikatoren der Cardiovaskularen Erschöpfung, inklusive der Herzfrequenz, festgestellt werden(13). Der einzige Nachteil dieser Studie liegt darin, dass das verwendete Supplement nicht ausschließlich Ginseng enthielt und somit nicht genau gesagt werden kann, ob die positiven Wirkungen auf Ginseng, DMAE, das Mikronährstoffprofil oder die Kombination mehrerer oder alle dieser Inhaltsstoffe zurück zu führen ist.

Die wachsende Popularität von Ginseng hat zu genaueren Untersuchungen durch die wissenschaftliche Gemeinschaft geführt. In den letzten Jahren hat die Zahl der Untersuchungen bezüglich Ginseng und Sport deutlich zugenommen. Diese Abhandlungen (welche ich im zweiten Teil dieses Artikels näher betrachten werde) waren Großteils negativ. Der häufigste Kritikpunkt der Befürworter von Ginseng bezüglich der negativen Studien aus den späten Achtzigern und den frühen Neunzigern war die Frage, ob die verwendeten Supplements adäquate Mengen an echtem Ginseng und seiner aktiven Wirkstoffe enthielten.

Colgan(7) zitierte eine Studie von Varro Tyler (New Honest Herbal, George F. Stickley, publisher, Philadelphia, 1987 – Ich konnte diese Studie nicht finden), welche herausfand, dass 32 von 54 Ginsengprodukten, die er untersucht hatte, nur verschwindend geringe Mengen an Ginsenosiden enthielten(7). Colgan macht die Aussage, dass qualitativ hochwertige, nicht standardisierte Ginsengprodukte 1 – 2 % Ginsenoside enthalten (7). In einer 1994 veröffentlichten Untersuchung, bei der 50 Ginsengzubereitungen getestet wurde, enthielten 44 hiervon einen Ginsenosidanteil von 1,9 % bis 9 % (8). Basierend af diesen beiden Untersuchungen scheint der Anteil der qualitativ hochwertigen Ginsengprodukte auf dem Markt deutlich gestiegen zu sein.

Im zweiten Teil dieses Artikels werde ich einen genaueren Blick auf aktuelle negative Veröffentlichungen bezüglich Ginseng und sportlicher Leistungsfähigkeit werfen.

Teil 2 findet ihr hier.





Quellen:

  1. Harriman S. The Book of Ginseng. New York: Pyramid Books, 1973.
  2. Pierra M. The Way of Herbs. New York: Washington Square Press, 1980.
  3. Demargaux N. Phytotherapy: A Practical Handbook of Herbal Medicine, 3rd ed. United Kingdom: Herbal Health Publishers, 1989.
  4. Baranov A. Medicinal uses of ginseng and related plants in the Soviet Union: recent trends in Soviet literature. Journal of Ethnopharmacology 1982;6:339-353.
  5. Ng P, Yeung H. Scientific Basis of the Therapeutic Effects of Ginseng in Folk Medicine: The Art and the Science. Washington, D.C.: American Chemical Society, 1986, pp. 138-151.
  6. Bucci L. Nutrients as Ergogenic Aids for Sports and Exercise. Boca Raton, FL: CRC Press. 1993.
  7. Colgan M. Optimum Sports Nutrition. New York: Advanced Research Press, 1993, pp. 305-310.
  8. Cui J, Garle M, et al. What do common commercial ginseng preparations contain? Lancet 1994;344:134.
  9. Beltz S, Doering P. Efficacy of nutritional supplements used by athletes. Clinical Pharmacology 1993;12:900-908.
  10. D'Angelo L, et al. A double-blind, placebo-controlled clinical study on the effect of standardized ginseng extract on psychomotor performance in healthy volunteers. Journal of Ethnopharmacology 1986;16:15-22.
  11. Dorling E, et al. Do ginsenosides influence performance? The results of a double-blind study. Notabene Medici 1980;10:241-246.
  12. Forgo I, Kirchdorfer A. On the question of influencing performance of top sportsmen by means of biologically active substances. Arztliche Praxis 1981;33:1784-1786.
  13. Pieralisi G, et al. Effects of a standardized ginseng extract combined with dimethylaminoethanol bitartrate, vitamins, minerals, and trace elements on physical performance during exercise. Clinical Therapeutics 1991;13:373-382.