Wann immer Menschen aufeinander treffen, müssen sie Wege finden miteinander auszukommen. Wie gut das gelingt, hängt von vielen Faktoren ab: einerseits der Menschendichte und vorhandenen Fluchtmöglichkeiten, dann den bestehenden formellen Regeln, die jedermann bekannt sind, vor allem aber in entscheidendem Maße von den informellen Regeln, den Normen, die sich im Laufe der Zeit in einer jeden Gesellschaft herausbilden. Solange sich alle Beteiligten an diese Normen halten, wird das Zusammenleben weitgehend harmonisch ablaufen. Auch wenn die Herausbildung von Normen ein komplexes Phänomen ist und daher allgemeingültige Normen nur schwer zu formulieren sind, gibt es einige Dinge, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in Deiner sozialen Gruppe Bestand haben, die auch dort zählen, wo Du an der Erfüllung Deines Traumes von einem muskulösen Body arbeitest: im Gym.

1. Du sollst nicht stinken!

Wie sang einst das Comedian-Duo Die Doofen so schön: "Nimm mich jetzt, auch wenn ich stinke...". Doch mal ehrlich: Wer von uns mag schon Stinker? Extreme Körperausdünstungen sind einfach nicht wirklich gesellschaftstauglich und daher sollte jedermann bemüht sein, diese so weit es geht im Griff zu halten. Ein Unterfangen, das so kompliziert gar nicht ist. Zunächst einmal gilt es darauf zu achten, was im Vorfeld des Trainings geleistet wurde, denn frischer Schweiß stinkt nicht. Wer also den ganzen Tag bei 30 Grad im Schatten auf dem Bau schuften muss, der sollte sich überlegen, ob ein kurzer Sprung unter die Dusche vor dem Training nicht angebracht wäre. Wer hier denkt, dass ein Deospray den gleichen Effekt hat, dem sei gesagt, dass dies nicht der Fall ist. Im Gegenteil: Wenn etwas perverser stinkt als alter Schweiß, dann ist es alter Schweiß, der mit süßem Deo vermischt wurde. preview

Weiter im Text: Kleidung...Nicht nur getrockneter Schweiß am Körper selbst stellt eine Misshandlung der Riechorgane der Mittrainierenden dar, vor allem getrockneter Schweiß in der Kleidung ist extrem fies, vor allem in diesen tollen modischen Funktionsshirts, die den Schweiß so klasse aufsaugen. Um es kurz zu machen: Trainingsshirts sollten nach jedem Training gewaschen werden, Trainingshosen, je nach Stärke der Transpiration, spätestens nach jeder dritten Einheit.

2. Du sollst ein Handtuch unterlegen!

Wer liebt es nicht: Da kommt man an ein Gerät und fragt sich verwundert, ob das Dach des Studios irgendwo Löcher hat oder ob ein Wasserschaden vorliegt. Aber das wäre ja zu schön. Nein, was man hier vorfindet, ist die Hinterlassenschaft desjenigen, der vor einem an dem Gerät trainierte und es dabei für unnötig hielt, ein Handtuch unter zu legen.

Ein intensives Training sorgt schnell dafür, dass der Schweiß in Bächen den Körper herunterläuft. Das ist völlig in Ordnung, aber weil man das weiß, legt man ein Handtuch unter, dass die eigenen Körperflüssigkeiten aufsaugt. Wenn dann dennoch überall Hinterlassenschaften der eigenen Transpiration vorzufinden sind, kann ein kurzer Wisch mit einem Papiertuch und etwas Desinfektionsspray (was zu 99% in jedem Cardiobereich zu finden ist) sicher nicht schaden.

3. Du sollst keine Geräte blockieren!

Betritt man ein gut besuchtes Fitnessstudio, so kommt man sich schnell wie im Sommerurlaub vor: überall liegen Handtücher über die Geräte, aber weit und breit niemand zu sehen. Satzpausen sind etwas völlig legitimes, aber wenn das Gerät minutenlang blockiert wird, ohne dass der Besitzer des Handtuches auch nur Anstalten macht, daran zu trainieren (es gibt ja auch unzählige Dinge, die viel viel wichtiger sind: telefonieren, quatschen, flirten usw.), dann ist das schlicht unverschämt.

Besonders unverschämt wird es immer dann, wenn ganz spezielle Experten der Meinung sind, sie müssten Montags abends um 18 Uhr Zirkeltraining an 5 Geräten machen und diese für eben genannten Zweck erst einmal für 30 Minuten blockieren.

4. Du sollst anderen kein Ohr ablabern!

Einige Menschen sind mit einem kaum zu zähmendem Mitteilungsbedürfnis ausgestattet. Egal wer solch einer Person in die Finger gerät, seine Ohren werden bluten. Nicht nur, dass die Person ihr eigenes Training vernachlässigt, sie stört damit auch massiv das der anderen Person. Wer also das große Bedürfnis hat, sich mitzuteilen, dem seien Altersheime oder Selbsthilfegruppen ans Herz gelegt, da freut man sich, wenn jemand mit einem redet.

5. Du sollst Deine Gewichte wieder abbauen und Hanteln zurücklegen!

Bei meinem letzten Besuch in einem Discountstudio habe ich ungelogen geschlagene 5 Minuten nach zwei 5kg Scheiben gesucht. Und es ist nicht so, dass das Studio eigentlich nicht genügend hätte, aber diese waren in die hintersten Ecken des Studios verstreut, nur auf den Scheibenständern, da war nichts zu finden. Ähnlich gestaltet sich die Suche nach zwei gleichartigen Kurzhanteln, wobei dieser Vorgang oft unverkennbar an Mikado erinnert. Es ist einfach nur nervig und zeugt schlichtweg von einer schlechten Kinderstube, seine Sachen nicht wieder wegzuräumen.

6. Du sollst das Inventar pfleglich behandeln!

Vollbeladene Hanteln auf Bänke krachen lassen, Kaugummis unter Geräte kleben, die Dusche für eine Intimrasur missbrauchen...es gibt unzählige dieser Beispiele. Nur weil einem das Inventar nicht selbst gehört, man aber für dessen Nutzung zahlt, heißt das noch lange nicht, dass man es behandeln darf, wie Sperrmüll. Zumal derartiger Vandalismus über früh (durch entsprechende Forderungen des Studios) oder später (durch Erhöhung des Monatsbeitrages) immer auf die Kunden umgelegt wird, also auch auf einen selbst.

7. Du sollst freundlich gegenüber Deinen Mitmenschen sein!

Niemand verlangt, dass Du jedes Mitglied und jeden Angestellten im Studio mit Handschlag, Umarmung und Küsschen begrüßt, aber auch wenn Du gerade in einem noch so fiesen Workout hängst, ist das kein Grund die Mitmenschen grundlos anzupflaumen.

Eigentlich sollte man annehmen, dass diese Regeln eigentlich keinerlei Erwähnung bedürfen, so selbstverständlich mögen sie manchem erscheinen. Leider zeigt die Praxis, dass sie keineswegs selbstverständlich sind. Wenn Du Dich in einem oder mehreren Punkten wiederfindest, überlege Dir mal, ob eine Veränderung Deines Verhaltens nicht zu einer insgesamt deutlich besseren Atmosphäre im Gym beitragen würde.