Hardcore zu sein ist gefährlich
Ich arbeite mit Spitzensportlern zusammen und deren Trainingsprogramme sind alles andere als sicher. MMA Kämpfer, die nicht nur im MMA-Stil trainieren, brechen sich während des Trainings die Nase, das Schlüsselbein und kugeln sich die Schultern aus. Powerlifter reißen sich ihre Pecs und erleiden Bandscheibenvorfälle, Bodybuilder verletzen ihren Bizeps und entwickeln Hernien, Profi Radfahrer entwickeln das Karpal-Tunnel Syndrom und klemmen sich Nerven ein. Diese Liste ließe sich fortführen. Athleten, die an der Spitze sind, leiden an ernsthaften Verletzungen und die meisten dieser Verletzungen passieren während des Trainings. Jedes Trainingsprogramm, das auch gute Ergebnisse erzielt, ist mit dem Risiko einer ernsthaften Verletzung verbunden. preview
Beachte jedoch, dass auch Unvernunft Gefahren mit sich bringt. Sei Dir über den Unterschied bewusst, denn ein gefährliches Training ist nicht immer ein Spitzentraining. Wenn man auf einem Physioball balanciert und gleichzeitig abwechselnde Hantelcurls ausführt, dann ist das kein Spitzentraining, sondern gefährlich.
Wenn man wegen eines gescheiterten 365 lbs Bankdrück-Versuchs, auf die Bank gedrückt wird, dann ist das schmerzhaft aber hat auch nichts mit Spitzentraining zu tun. Es ist zwar gefährlich, zu versuchen, 225 lbs beim Push-Press zu bewältigen, aber mit der richtigen Vorbereitung und dem richtigen Training, kann man dadurch riesige, kräftige und rundliche Schultern bekommen. Keine Vorbereitung der Welt kann die Push-Press zur sicheren Übung machen, aber die Push-Press bildet Größe. Wenn Du es sicher magst, dann absolviere MMA-zertifiziertes Seitenheben mit Bändern, damit Du wie der Schauspieler auf der Titelseite der Männerzeitschrift von diesem Monat aussiehst. Ganz egal welchen dieser Kerle Du Dir anschaust, er wird dürr aussehen, auch wenn die Bilder höchstwahrscheinlich digital bearbeitet wurden. Allerdings kann keine Bildbearbeitung dieser Welt ein erbärmliches Training beheben.
Sei nicht so dumm wie ich, zu denken: "Oh, ich werde mich niemals verletzen". Wenn Du ernsthaft trainierst, dann wird es geschehen. Ich habe einen angerissenen Pectoralis, Obliquus, einen ausgekugelten Ellbogen und ein ausgekugeltes Handgelenk, eingeklemmte Nerven, Subluxationen von Sehnen und eine Degeneration der Halswirbelsäule. Nach jeder Verletzung, fange ich langsam wieder mit Training an, kräftige das betroffene Areal und stelle sicher, dass mein Training zum Problem passt und es nicht verschlimmert. Mit jeder neuen Verletzung werde ich besser, aber ich vergesse dabei niemals, dass hinter der nächsten Ecke etwas Unerwartetes auftauchen könnte.
Wie ist Dein Training? Hast Du im Studio schon immer viel Zeit vertrödelt? Wechselst Du von einer leichten Trainingseinheit zur nächsten? Schnallst Du Dir eine Weste mit Gewichten um, machst Treppen laufen, trainierst einige Liegestütze und erzählst jedem, Du bist ein MMA Kämpfer? Oder kämpfst Du selbst nach jahrelanger Erfahrung gegen das Eisen und die Zeit an, und bist Du Dir gleichzeitig bewusst, dass es jeden Tag Verletzte gibt und Du einer davon sein könntest?
Es ist Zeit, Dir über eines klar zu werden. Bist Du bereit, die Gefahren zu akzeptieren, die mit großen Errungenschaften einhergehen? Wirkliche Sicherheit wird nur durch Mittelmäßigkeit garantiert, weswegen gilt: "Hardcore zu sein, ist gefährlich".