"War das Zeug nicht auch schon einmal billiger?" fragte ich meine Freundin, als ich heute Milch für die nächsten Tage in den Einkaufswagen legte. "Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als Milch 1 Mark, also 50 Cent kostete!" ergänzte ich mürrisch. Was mir in diesem Augenblick allerdings weniger bewusst war, war die Tatsache, dass das Erinnern an "diese Zeiten" alles andere als ein Kunststück darstellte, da diese weniger zurück lagen, als mir im ersten Augenblick bewusst war. preview

Die Zeit der Butter- und Milchberge

Zu Schulzeiten wurde uns immer von den Butterbergen und Milchseen erzählt, die irgendwo im Land Weit-Weit-Weg, das Teil der EU war, aufgetürmt wurden. Ein furchtbares Problem, das gleich nach Erderwärmung und Massenarbeitslosigkeit in der Hitliste einer jeden Lehrkraft vertreten war. Dabei erschien mir die Lösung bereits damals so einfach: Die Butterberge hätten die Antwort auf schmelzende Gletscherpartien sein können und als Grundlage für das Ski-Erlebnis des 21. Jahrhunderts die Rettung für die Alpin-Touristik-Branche, die erst im letzten lahmenden Winter mit argen Einbußen wegen des ausbleibenden Schnees zu kämpfen hatte. Und wie Cleopatra hätten wir alle verjüngende Bäder in reiner Milch mit Rosenblättern nehmen können. Die Lösung aller Klimawandelprobleme und Wasserknappheiten, die wie ein schauriges Gespenst durch die Nachrichten der letzten Wochen spukten, schien zum greifen nah. – Aber nein. Anstatt dem Klimawandel ein Schnippchen zu schlagen und die immensen Vorteilsaspekte des Ganzen zu sehen, begann man mit den GAP-Reformen 1992 und 2003 die Subventionen der (Milch-)Bauern unabhängig von ihrer Produktion in die Höhe zu treiben und die Butter- und Milchberge, die in den 80ern ihren Höhepunkt hatten, zum Schmelzen zu bringen. Und während man sich so im Jahr 2003 noch Gedanken machte, wie die Milchpreise der EU denn dem Weltmarktniveau angepasst werden könnten, ahnte noch niemand, dass die Antwort bereits wenige Jahre später aus dem Land der unverständlichen Video-Rekorder-Gebrauchsanweisungen folgen sollte.

Chinas Durst..

Bereits im Mai 2007 warnte der Geschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels "Wir müssen uns auf höhere Milchpreise voraussichtlich ab Juni einstellen" und machte damit auf einen Trend aufmerksam, der inzwischen auch die deutschen Kaufhallen erreicht hat. - Zumindest meine und damit bestätigte sich die Vorhersage, die der Vizepräsident des Deutschen Bauern Verbandes Udo Folgart bereits im Oktober 2006 orakelte. Doch warum all das? Sollte ich demnächst mit dem Eimerchen ins besagte Land Weit-Weit-Weg pilgern wie einst Deutsche Frauen Ende der 50er Jahre über die Grenze nach Dänemark, um mit vollen Milch- und Buttereimern in die Heimat zurück zu kehren? Nun, ich würde wohl mit leeren Händen zurück kehren, denn die EU verkaufte im April diesen Jahres die letzten 60.000 Tonnen Butter und das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt:

Australien hat aufgrund von Dürre herbe Einbußen bei der Milchproduktion zu verzeichnen und zur selben Zeit bereitet das größte Volk der Erde nach einem erfolgreichem Angriff auf die Unterhaltungstechnikindustrie nun den nächsten Schlag gegen die westlichen Welt vor: auf dem Milchmarkt. Denn während bisher die in Asien weit verbreitete Laktose-Intoleranz uns alle vor Milliarden von milchtrinkenden Chinesen schützte, hat es die letzten Jahre eine klare Trendwende gegeben, so dass der chinesische Premierminister Wen Jiabao bereits im Mai 2006 in einem Interview äußerte "Ich habe einen Traum. Jeder Chinese, zuerst die Kinder, sollten eines Tages täglich einen halben Liter Milch trinken können." – Bescheiden, wenn man die Träume Martin Luthers King dagegen hält und doch mit deutlich weiterreichenden Folgen was das aktuelle Zeitgeschehen betrifft.
Milch
Quelle: Spiegel.de


Na und? Dann trink ich das Whey eben mit Wasser

"Aber was zum Geier geht mich das an, ob ein kleiner chinesischer Junge am anderen Ende Welt auf einmal mehr Milch trinkt? Mein Whey trink ich sowieso mit Wasser!" wird der ein oder andere sich an dieser Stelle denken. – Nun, die Preiserhöhung, die sich gegenüber den Lebensmitteldiscounter wie ALDI oder LIDL auf rund 15% belaufen, betreffen nicht nur die Milch selbst, sondern auch andere Milchprodukte und dabei vor allem fettärmere Sorten. Das bedeutet für den Bodybuilder nicht nur, dass die Milch an und für sich, sondern auch der geliebte Magerquark um einige Prozent im Preis steigen wird. Doch wäre all dies nicht schon genug, so stellt die Spitze des Preis-Berges eine andere Tatsache dar:

PROTEIN-PULVER WIRD FÜR UNS ALLE ZWANGSLÄUFIG TEURER..

..und das nicht zu wenig. Optimum Nutrition, Scitec und MRM haben die Preise bereits angehoben und auch die anderen seriöse Anbieter werden die nächsten Wochen folgen müssen. Dabei ist wohl mit Anstiegen im zweistelligen Prozentebereich zu rechnen und so ist den Worten des olympischen Gewichthebertrainers Jim Conroy "Just remember, somewhere, a little Chinese girl is warming up with your max." wohl nur noch zu ergänzen:

Every time you drink a post-workout-shake, just remember, that you are supporting a little Chinese getting BIG for the Olympic games in Peking 2008.


Quellen: