In diesem Artikel möchte ich auf das von Arthur Jones ins Leben gerufene High-Intensity-Training, kurz "HIT" eingehen. Hierbei handelt es sich um eine zusammengefasste Version, da eine vertiefte Betrachtung hier den Rahmen sprengen würde. Es geht darum einige Missverständnisse aufzuklären und dem Leser, der sich bisher nicht mit HIT beschäftigt hat, einen groben Überblick über die Entstehung und die Grundtheorie zu verschaffen.

Das HIT System wurde von Arthur Jones erstmals 1970 in seinem "Nautlius Training Principles: Bulletin No. 1" vorgestellt. Arthur Jones war ein Pilot, Unternehmer, Tierfilmer und Abenteurer, der 1926 in Arkansas geboren wurde. Schon früh interessierte er sich nach eigenem Bekunden für das Krafttraining und später wurde die Erforschung effektiver Trainingsmethoden seine Leidenschaft.

Im Zuge dessen entwickelte er die Nautilus- und MedXtrainingsmaschinen, die er auch selbst vertrieb. Unter Jones trainierten unter anderem Bodybuilinggrößen wie Sergio Oliva, Mike und Ray Mentzer, Casey Viator, Boyer Coe und andere.
Seine Grundtheorie war, dass Gewichtstraining "hard, brief and infrequent" also kurz, hart und unregelmäßig sein sollte. Ein weiterer Grundsatz war das ein Training "entweder hart oder lang, aber niemals beides zugleich" sein könne, oder anders formuliert, je länger ich trainiere desto weniger intensiv wird mein Training ausfallen.
Eine Aussage, die durchaus Sinn macht, wenn man das Training von Kurz- und Langstreckenläufern vergleicht. Ich kann unmöglich mit der gleichen Geschwindigkeit einen 1.000 Meterlauf bestreiten in der ich einen 100 Meter Sprint angehe.

Das stand im Gegensatz zur Volumentrainingsmethode der damaligen Bodybuilding Generation, die oft zweimal täglich, mit hohem Volumen – 20 Sätze pro Muskelgruppe waren die Regel - und an sechs Tagen in der Woche trainierte.

Foto: Matthias Busse

Die Trainingsbelastung wurde dann in der Gesamttonnage der in einem Workout bewältigten Gewichte angegeben. Eine Theorie die auf recht wackeligen Füßen steht, wenn man bedenkt, dass man an einem Tag relativ problemlos hunderte Körpergewichtskniebeugen bewältigen kann, aber sich nach drei Sätzen mit schweren Gewichten bis zum Versagen kaum noch auf den Beinen halten kann.

Nach Ansicht von Jones war ein dreimaliges Training pro Woche völlig ausreichend, um mindestens die gleichen, in der Regel aber wesentlich bessere Ergebnisse zu erzielen.

Jones propagierte zudem ein Ganzkörpertraining statt des damals verbreiteten Trainings mit hohen Splits. Des Weiteren sollte jeder Satz bis zum positiven Muskelversagen ausgeführt werden.
Ein typisches Trainingsprogramm von Jones beinhaltete vor allem die klassischen schweren Grundübungen wie Kniebeugen, Schulterdrücken, Klimmzüge, Bankdrücken, Kreuzheben und Dips.
Später wurden auch Übungen an den neu entwickelten Nautilus Maschinen in die Programme integriert.

Diese boten einen gleichbleibenden Widerstand über den gesamten Bewegungsradius an, die bekannteste davon ist die Pullover Maschine, auf die Dorian Yates gerne verweist wenn er auf die Geheimnisse seines Rückentrainings angesprochen wird.

Von jeder Übung wurden meistens 1 - 2 Sätze und gelegentlich 3 Sätze empfohlen, jedoch niemals mehr als 3 Sätze. Jones argumentierte das nach der erfolgreichen Stimulation durch das Muskelversagen der Adaptionsmechanismus der Muskeln ausreichend aktiviert ist, und jeder weitere Satz nur die Regenerationsfähigkeit negativ beeinflusst.

Zur Veranschaulichung hier mal ein Beispielprogramm:
  1. Squats 2 x 10
  2. Wadenheben 3 x 20
  3. Schulterdrücken 2 x 10
  4. Klimmzüge 2 x 10
  5. Bankdrücken 2 x 10
  6. Rudern 2 x 10
  7. Dips 2 x 10
  8. Curls 2 x 10
  9. Handgelenkcurls 2 x 10
  10. Kreuzheben (Beine gestreckt) 1 x 15
Es ist zu bemerken, dass das ursprüngliche HIT wenig mit den später von Mike Mentzer und Dorian Yates propagierten Versionen zu tun hat, die verlangen von jeder Übung nur einen Satz auszuführen und auch grundsätzlich Split Programme mit niedriger Frequenz sind.
Die Trainingsprinzipien von Jones waren bei genauer Betrachtung nichts weiter als ein modifiziertes "back-to –the-roots" zu den alten 5 x 5 Programmen aus der Anfangszeit des Bodybuilding mit Ikonen wie Steve Reeves, Bill Pearl oder Reg Park, die alle Ganzkörperprogramme propagierten. Allerdings mit reduziertem Volumen und mit dem Unterschied das Jones Training bis zum Muskelversagen befürwortete, während dies von Reeves & Co. als mental zu taxierend abgelehnt wurde, da es den Trainerenden in eine negative Stimmung versetzen würde.

Erst durch den stark verbreiteten Konsum von anabolen Steroiden, war es den Bodybuildern möglich, nahezu täglich und sogar mehrmals am Tag zu trainieren. Natürlich eiferten auch die normalen Trainerenden ihren Idolen nach und versuchten mit deren Split-Programmen die gleichen Erfolge zu erzielen. Ein Unterfangen, welches über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt war und vielen enthusiastischen Hobbyathleten eine Menge Frust bereitete.

Mittlerweile ist durch die Wissenschaft recht gut belegt, dass bei einem ungedopten Athleten, die Muskelproteinsynthese nach dem Training einer Muskelgruppe ca. nach 24 - 48 h wieder auf den Normalwert zurückgeht. Daher ist ein Ganzkörpertraining, oder zumindest ein niedriger Split, einem hohen Split vorzuziehen.

Somit war Jones Ansatz durchaus ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings wirft ein derartig intensives Training wie es von Jones gefordert wurde – seine Schützlinge fielen während einer Trainingseinheit nicht selten in Ohnmacht – die Frage auf, wie lange man dies durchhalten kann.

Foto: Andre Niebergall

Selbst einer seiner prominentesten Schützlinge, der als genetischer Freak bekannte Bodybuilder Casey Viator (Olympia Dritter 1982), gab später zu, dass ein derartiges Training als weit fortgeschrittener Athlet kaum lange durchzuhalten ist.
In dem Artikel "The name of the game" weist Jones explizit darauf hin, dass die allerwichtigste Grundvoraussetzung für Fortschritte im Training die progressive Steigerung der Gewichte ist. Diese Vorrausetzung eint letztendlich alle bekannten Trainingssysteme.
Ein Umstand der heutzutage gerne vergessen wird, da grade Anfänger anhand der Vielzahl der Möglichkeiten schlichtweg den Überblick verlieren und von einem Trainingsplan zum nächsten rotieren.

Abschließend ist festzuhalten, dass man sich mit den Theorien von Jones durchaus mal befassen sollte und sich nicht aufgrund von oberflächlichen und oft falsch wiedergegebenen Berichten abschrecken lassen sollte. Dümmer wird man auf keinen Fall dabei.