Ich trainiere schon sehr lange und bin gesegnet mit dem Glück große Zahlen aufstellen zu können. Obwohl ich einen großen Anteil meines Erfolges meiner Disziplin, harten Arbeit und Zielsetzung zuschreibe, habe ich auch von ein paar tollen Trainingspartnern profitiert.

Etwas Interessantes an sehr starken Liftern ist: sie sind nicht nur die nettesten und hilfsbereitesten Kerle die Du je treffen wirst (solange Du sie nicht in einem schweren Satz nach der Fernbedienung für den Fernseher vor dem Cardiobereich fragst), doch sie sind alle mehr oder weniger wahnsinnig.

Und oft kommt die "dieser Kerl gehört in einer Zwangsjacke"-Mentalität in einem Workout zum Vorschein.

Ich könnte ein Buch mit den wahnsinnigsten Geschichten schreiben. Zusammen mit lächerlich schweren Gewichten, die durch den Raum geworfen wurden, gab es tausende verbogene Langhanteln, gebrochene Bänke, gebrochene Kurzhanteln, eine endlose Serie an gerissenen Muskeln, gerissenen Sehnen und sogar gebrochenen Knochen.

Doch neben diesen blutigen und zehrenden Dingen zeigen die meisten dieser Workouts die wahrste Stärke – die Stärke eines menschlichen Charakters.

Spine-Crusher Ken

Die erste Geschichte spielt vor sechs oder sieben Jahren im Studio in meiner Garage. Ich trainierte mit zwei Freunden, recht erfolgreiche Powerlifter, zusammen mit einer olympischen Radfahrerin die ins Powerlifting wechseln wollte. Sie war eine erfahrene Athletin und unglaublich stark, doch nie und nimmer auf das vorbereitet, was heute passieren würde.

Mein Trainingspartner Ken war ein 198 Pfund schwerer Lifter der Masters Klasse und ist seit 1980 in den höchsten Ligen angetreten. Auch wenn er mitte vierzig war, war er trotzdem imer noch stärker geworden und bewegte die schwersten Gewichte seines Lebens.

Wir machten Kniebeugen und Ken arbeitete sich auf 700 Pfund hoch – was für einen 198 Pfund schweren Masters Athleten beeindruckend ist. Er wollte einen neuen Rekord mit 715, doch ich wusste dass er mehr schafft. Ich überredete ihn auf 735 zu gehen, was er natürlich machte.

Kens Versuch damit sah gut aus, aber als er damit begann sich abzusenken, spürte er einen Knack in seiner Wirbelsäule, an der Stelle wo die Hantel auf seinem Rücken liegt. Er schrie wie ein abgestochenes Tier, schaffte es aber sich nach vorne zu lehnen und die Hantel ins Rack zu werfen, bevor er krampfend auf dem Studioboden lag.

Wir waren sprachlos. Ken lag bewegungslos für eine gefühlte Ewigkeit unter dem Rack bevor sein oberer Rücken anfing spastisch zu zucken. "Ich habe mir die Wirbelsäule gebrochen!, ruft den Notarzt!!!"

Ich wurde wieder aufmerksam. Ich bat Ken darum arme und Beine zu bewegen, um sicher zu sein dass er nicht gelähmt war. Er konnte es. Uns fiel ein Stein vom Herzen und auch wenn Ken die schlimmsten Schmerzen seines Lebens hatte, konnte ich mich entspannen.

Du musst das hier bedenken: wie sind alle nicht ganz dicht und sehen Verletzungen als Teil des Spiels, über den man sich lustig machen muss. – preview --

Diese Einstellung ist sehr wichtig für Powerlifter oder Strong Man. Dinge, die andere Leute zum Entsetzen finden, finden wir lustig. Um seinen Körper Grenzbelastungen auszusetzen, musst Du verrückt sein, sonst wirst Du nie erfolgreich werden.

Also Ken liegt nun auf dem Boden, stöhnt und kann sich nicht bewegen und mein anderer Trainingspartner Chad und ich lachen uns den Arsch ab. Ich gebe der Radfahrerin mein Handy und sage ihr, dass sie 911 wählen soll. Sie verzieht sich dann schnell in einer Ecke des Studios und wählt die Nummer.

Als Ken nun rausfand, dass er nicht gelähmt war, war sein Hauptbedenken dass wir ihm seinen Kniebeuge-Anzug ausziehen, da der Notarzt ihn sonst aufschneiden würde. Immerhin war der Anzug neu.

Unterbrochen von Lachen und Kichern zogen Chad und ich Ken auf eine Bank und beugten ihn bäuchlings mit dem Gesicht zum Boden darüber und versuchten ihm den Anzug so auszuziehen, dass wir keinen weiteren Schaden anrichteten.

Diese surreale Szene war so bemerkenswert, weil es ein sonniger Sonntagnachmittag war. Die Garagentore waren offen und meine Einfahrt war von den Nachbarn einsehbar.

Ich kann mir nur schwer vorstellen was die Nachbarn dachten, als zwei dicke Kerle (Chad ist 1,90M groß und 300 Pfund schwer) einen etwas schmaleren, stöhnenden Kerl über eine Bank werfen und ihm die Kleidung auszogen.

Als der Notarzt ankam, hatten wir Kens Equipment schon entfernt. Als sie ihm die Nackenkrause anlegten, holte ich meine Videokamera und filmte wie Chad und ich über den Vorfall lachten.

Einer der Sanitäter schaute mich entsetzt an und fragte, "Du filmst das doch nicht etwas?"

"Natürlich nicht, das würde ich nie tun", antwortete ich, doch filmte weiter ohne auch nur einen Handgriff der Sanitäter zu verpassen.

Als Ken erfolgreich in die Krankenwagen geladen wurde, machten Chad und ich mit den Kniebeugen weiter. Während der gesamten Zeig blieb unsere olympische Freundin in der Ecke und sagte kein weiteres Wort. Sie trainierte nie wieder mit uns.

Ken erlitt eine Kompressionsfraktur der Brustwirbel (oder wie er es eloquent formulierte: gebrochene Wirbelsäule). Er fing wieder mit dem Training an und bewegte Monate später noch schwerere Gewichte in der Kniebeuge.

Der neue Kerl mit dem gerissenen Trizeps

Ein paar Jahre später in demselben Garagenstudio bereitete sich ein neues Mitglied unserer Crew auf einen PR im Bankdrücken Raw vor. Wir machten an diesem Tag Bankdrücken, anwesend waren Chad, Mark (ein weiterer 300 Pfund schwerer Powerlifter), der neue Kerl und ich.

Der Neue trainierte seit ein paar Monaten mit uns und machte gute Fortschritte. An diesem Tag hoffte er einen neuen Rekord mit knapp über 400 Pfund aufzustellen. Seine Aufwärmsätze waren gut und er schien in guter Form einen neuen PR aufzustellen. Bevor er sich auf den entscheidenden Single vorbereitete, wählte ich ein Gewicht welches 95% seiner Maximalleistung entsprach.

Die Hantel war mit knapp unter 400 Pfund beladen und er hob das Gewicht grade heraus und senkte es auf die Brust ab. Kurz bevor seine Ellenbogen komplett gebeugt waren, riss seine linke Trizepssehne und das Gewicht raste auf ihn hinunter.

Es wurde noch schlimmer. Sobald seine Trizepssehne riss, verlagerte sich das gesamte Gewicht auf seinen rechten Arm, sodass sein rechter Brustmuskel gleichzeitig riss. Es hörte sich an als würde man eine Jeans auseinanderreißen.

Chad, Mark und ich waren eine Sekunde wie gelähmt, bevor wir die Hantel von seiner Brust heben konnten, aber es waren nicht die gerissenen Sehnen und Muskeln die uns schockierten.

Es war der weiblichste, ohrenzerreißendeste Schrei den wir je gehört hatten, als das Gewicht auf seiner Brust landete. Es war so schrill und hoch, dass jedes Chormädchen neidisch werden würde. Es schien einfach nicht möglich, dass dieser Schrei aus dem Körper unseres neuen Freundes kommen würde, kam er aber.

Sobald die Stange abgelegt war und der Neue von der Bank kam, versuchten wir ihn zu beruhigen.

Er drehte komplett durch und so verständlich wie es auch scheinen mag, für uns war das ein geowhntes Szenario. Wir sind seit Jahrzehnten im Sport gewesen.

Ich sagte dem Neuen dass wenn es nur ein gerissener Trizeps ist, es kein Problem sei und nach der OP er so gut wie neu ist. Ich überredete ihn sogar selbst zum Krankenhaus zu fahren, damit die anderen drei von uns unser Training beenden konnten.

Nachdem wir ihn wegfuhren sahen, schauten wir uns geschockt an und Mark fragte was wir alle dachten. "Habt ihr den Schrei gehört?"

Den Rest des Tages lachten wir über den Vorfall und die Reaktion des Neuen, wie es seine Karriere beeinflussen würde. Ich war mir sicher, dass der Neue nach der OP wieder im Studio sein wird, doch Mark und Chad waren sicher dass er nie wieder mit uns trainieren wird.

Wie sich herausstellte, hatten Mark und Chad Recht. Der Neue fing wieder an zu trainieren, aber nie wieder richtig schwer, geschweige denn mit uns. Der Vorfall beeinflusste ihn psychologisch in einer Weise, die ihn nie wieder losließ.

Schwere Perspektive

Es gibt unsensible Leute auf diesem Planeten und Du denkst sicher, dass ich und meine Trainingspartner zu diesen Leuten gehören. Sind wir aber nicht. Wir wollten immer das Beste für unsere Freunde, doch wenn es umgekehrt gewesen wäre und wir selber auf dem Weg zum Krankenhaus gewesen wären, hätten die Reaktionen nicht andes sein können. Sie wären gleich gewesen.

Das Wichtige ist die verschiedene Reaktion auf ähnliche Situationen. Ein Lifter hat nach einem Wirbelbruch schnell wieder trainiert und wurde noch besser, andere Lifter trainierten nie wieder schwer danach.

Im Laufe meiner Karriere habe ich beide Szenarien viel zu oft erlebt. Der Unterschied liegt nicht in der Ernsthaftigkeit der Verletzung, sondern in der Einstellung des verletzten Lifters.

Der Zwiespalt der Reaktionen kann in verschiedenen Situationen beobachtet werden. Es kann sich beim Versagen in der Karriere, bei Investitionen oder sogar dem Ende von Beziehungen äußern.

Für jede schwere und anstrengende Situation im Leben kann man sich etwas vorstellen, was einen runterzieht und etwas, was einen aufbaut. Wir zehren die Kraft aus etwas.

Der Unterschied zwischen den beiden Seiten liegt in der Einstellung des Individuums. Das Tolle daran ist, dass es Deine Wahl ist. Diejenigen, die sich dazu entscheiden an sich zu glauben, die können mit Negativität so gut umgehen, dass sie später wieder am Gipfel des Berges sind.

Auf der anderen Seite gibt es die, die sich dagegen entschieden haben zu glauben. Sie werden nie mit Rückschlägen zurechtkommen und sich über "Pech" oder "schlechte Gene" beschweren, oder "immer den kürzeren Strohhalm ziehen würden", doch nichts aktiv dagegen tun die Zukunft zu verändern.

Ich denke, dass ihr alle die das hier lest, bereits beiden Arten von Menschen begegnet seid. Meine Frage lautet deshalb, für welche Art von Person hast Du Dich entschieden?