Zu Beginn möchte ich klarstellen, dass sicher die meisten von euch über die folgenden Ausführungen bescheid wissen, ich aber durch den Artikel die Aufmerksamkeit etwas auf dieses Thema richten möchte, sodass jeder in Zukunft mehr Acht auf Hygiene gibt.

Das Kapital eines jeden Bodybuilders sind sicher seine stählernen Muskeln, doch sind diese nicht alles, was ein gutes, gepflegtes Aussehen bestimmt. Dazu gehören neben einer angemessenen Körperpflege auch ein "artgerechtes" Auftreten im Fitnessstudio und etwas Achtsamkeit in Duschen, Saunas und Schwimmbädern. preview

Struktur und Einrichtung des Fitnessstudios

Ein wichtiges Kriterium für gute Hygiene im Training stellt natürlich an erster Stelle das Fitnessstudio in dem man trainiert dar. Man kann zwar wenig an der Beschaffenheit des Studios selbst ändern (sofern man nicht der Eigentümer ist), aber man sollte einige wichtige Aspekte bei der Wahl des Studios beachten:

Gibt es im Trainingszentrum genügend Belüftungsmöglichkeiten? Dies ist wichtig, um ständig einen Luftwechsel zu garantieren, da sich durch die vielen schwitzenden Athleten verschiedenste Keime ansammeln könnten. Die Fenster sollten sich jedoch nicht unmittelbar neben Trainingsgeräten (schon gar nicht neben Cardiogeräten) befinden, denn die Zugluft könnte ansonsten zu gesundheitlichen Problemen für den Trainierenden führen.

Sollten sie bemerken, dass nur selten gelüftet wird, sorgen sie dafür, dass die Betreiber öfter die Fenster öffnen und das nicht nur in den warmen Sommermonaten, sondern auch regelmäßig im Winter.

In diesem Sinne muss man natürlich auch beachten, dass das Studio nicht gerade neben einer Autobahn oder mitten in der Großstadt sein sollte, sondern wenn möglich in einer grünen Zone, da hier offenbar eine viel gesundere Luft herrscht.

Ist die Reinigung zufrieden stellend? Werden die Fitnessräume mit Besen oder mit Staubsaugern gereinigt? Sollte nur mit Besen gekehrt werden, ist dies meiner Meinung nach schon ein Grund, um das Studio zu meiden. Durch die Kehrerei werden diverse Erreger und Staubpartikel aufgewirbelt, was vor allem für Allergiker ein nicht zu unterschätzendes Problem darstellt. Im Idealfall werden die Böden mit modernen, gut filtrierenden Staubsaugern und die Geräte mit hypoallergenen Desinfektionsmitteln gereinigt.

Wie ist die Räumlichkeit? Einen wichtigen Beitrag zum hygienischen Raumklima leistet ein zureichender Abstand zwischen den Geräten. Je mehr freier Platz vorhanden ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich pathogene Keime ansammeln.

Rauchen: Gibt es genügend Abstände zu Raucherzonen? Gibt es Nichtraucherbars? An dieser Stelle möchte ich noch den Begriff "mentale Hygiene" einführen. In diesen Bereich fallen alle Möglichen Unterpunkte, die auch individuell unterschiedlich sein können:
  • Ist die Belichtung angenehm?
  • Wie wirkt auf Sie das gesamte Ambiente?
  • Finden Sie bereits bei der Besichtigung Ungeziefer im Trainingsraum? Dann sollten Sie sofort einen Studiowechseln in Betracht ziehen.
Ich hoffe, Ihnen hiermit die Studiowahl etwas erleichtert zu haben.

Das eigene Auftreten im Studio

Den Hauptbeitrag zu einem hygienischen Fitnessstudio kann jedoch jeder einzelne Trainierende selbst leisten. Man findet leider immer wieder ungepflegte Studiobesucher, die sich wenig um ihr Erscheinen und um ihre Sauberkeit kümmern. So ist mir z. B. immer wieder ein älterer Herr aufgefallen, der übelriechend an einem Stepper herumstrampelte und sich immer wieder die Achselhöhlen mit seinem Taschentuch abgeputzt hat. Nachher hat er den Stepper in gutem Glauben mit demselben Taschentuch gereinigt. Dass dies ein nicht gerade optimales Verhalten ist, leuchtet jedem ein, aber es sind nicht nur solche groben "Fahrlässigkeiten", sondern auch kleinere "Vergehen", die zu einer unzureichender Hygiene an ihrem Trainingsort führen.

Im Folgenden möchte ich einige Anhaltspunkte liefern, wie man sich in einem Fitnessstudio vom hygienischen Standpunkt aus betrachtet verhalten sollte.
  • Wenn sie im Besitz von langen Haaren sind, seien sie so gut und binden sie diese zusammen, um zu vermeiden, dass unnötig Haare am Boden herumliegen.
  • Leider ist es nur in manchen Studios eine Selbstverständlichkeit, saubere Handtücher auf die gerade verwendeten Geräte zu legen. Dies ist einer der wichtigsten Punkte, wie sie die Geräte sauber halten können. Im Optimalfall putzen sie nach der Benutzung eines jeden Gerätes dieses anschließend mit Desinfektionsmittel.
  • Verwenden sie bitte nicht die Freizeitschuhe mit denen sie ins Studio gekommen sind als Trainingsschuhe. Auch unwissentlich tritt man im Freien mit den Schuhen auf dreckige, keimreiche Sachen und sollte unbedingt vermeiden, damit das Trainingszentrum zu verunreinigen.
  • Tauschen sie ihre Handtücher niemals mit Trainingskollegen aus, auch nicht mit ihrem eigenen Partner.
  • Wenn sie gerade an einem Infekt leiden, vermeiden sie wenn möglich öffentliche Trainingshallen, um die anderen Trainierenden nicht zu gefährden. Fanatiker, die trotz leichter Krankheit nicht auf ihr Training verzichten wollen, möchte ich ersuchen, möglichst Abstand zu den anderen zu bewahren, sich entsprechend zu verhalten und nahe Kontakte zu ihnen zu unterlassen.
  • Tragen sie, wenn es die Temperaturen zulassen, lockere, kurze Kleidung, in der sie nicht übermäßig viel schwitzen. Denn der Schweiß sammelt sich in der Kleidung an und ermöglicht es v.a. Feuchte-liebenden Bakterien, sich dort anzusiedeln. Umso schlimmer wäre es natürlich, dasselbe Gewandt für mehrere Trainingseinheiten ungewaschen zu verwenden. Also waschen sie ihre Trainingsklamotten nach jedem Training am besten mit bakteriziden, desinfizierenden Reinigungsmitteln.
Zum Abschluss noch ein weiterer wichtiger Denkanstoß für ihre eigene Hygiene. Sollten sie Trinkflaschen wiederauffüllen und wieder verwenden, putzen sie diese mindestens einmal wöchentlich mit im Handel erhältlichen speziellen Reinigungsmitteln. Praktisch alle Erreger lieben nämlich das feuchte Ambiente ihrer Trinkflasche und können dort richtige Kolonien bilden. Und dann, besonders wenn man gerade von einer harten Trainingseinheit noch geschwächt ist, kann eine Infektion besonders leicht geschehen.

Körperpflege

Besonders die ambitionierten Athleten unter uns müssen sich mindestens einmal täglich duschen. Wenn man sich dermaßen oft am ganzen Körper reinigt, muss man sich unbedingt Gedanken machen, mit welchen Seifen und Kosmetika man sich pflegt.

Einige grobe Richtlinien werde ich ihnen nun geben:

Richten sie sich bei ihrem Einkauf in der Drogerie niemals am Duft von Kosmetika. Für unsere Haut ist es nämlich ein nicht zu unterschätzender Stressfaktor, ständig mit anderen, neuen Chemikalien konfrontiert zu werden. Verwenden sie daher pH-hautneutrale, hypoallergenische Seifen und Duschgels, da sie dadurch nicht den Säureschutzmantel ihrer Haut zerstören. Nicht selten kommt es zu allergischen Reaktionen auf bestimmte Cremen und andere Hautpflegemitteln und sie sollten sich deshalb in ihrer Drogerie oder Apotheke individuell beraten lassen, weil ich an dieser Stelle nicht auf alle Hauttypen eingehen kann.

Nicht nur Frauen, sondern auch immer mehr Männer stellen sich die Frage, ob sie sich die Achselhaare rasieren sollen. Vorausgeschickt möchte ich mit dem Gerücht aufräumen, dass es dadurch zu einer geringeren Schweißproduktion kommen soll. Unseren Schweißdrüsen ist es prinzipiell egal, wie lange Haare neben ihnen wachsen und sie werden dadurch bestimmt nicht beeinflusst. Lediglich das subjektive Gefühl vermittelt oft, dass man weniger schwitzt. Dies kommt am ehesten dadurch zustande, dass kurze Achselhaare leichter zu pflegen sind und sich dadurch weniger Bakterien in diesem Bereich ansiedeln. Auf diese Weise nimmt der Schweißgeruch ab und man glaubt, weniger zu schwitzen. Vom hygienischen Standpunkt aus würde ich nur Personen zur Achselhaarrasur raten, die wirklich lange Achselhaare besitzen. Ein positiver Effekt kann hier bereits durch eine teilweise Rasur erzielt werden, eine vollständige Haarentfernung ist hierzu nicht notwendig. Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass der Schweißgeruch nicht auf die Hygiene eines Menschen schließen lässt, da jeder von uns unterschiedlich viel und unterschiedlich (un)angenehme Duftstoffe produziert und freisetzt.

Vorsicht aber auch vor einer übertriebenen Hygiene. Wenn sie sich zu sauber halten und ständig waschen, zerstören sie ihren Säuremantel der Haut und auch ihre physiologische Hautflora (Koagulase negative Staphylokokken) wird dadurch geschädigt.

Gerade im Bodybuilding ist Akne ein häufiges Problem. Hierbei spielen neben der genetischen Prädisposition vor allem die endogenen Androgenspiegel eine wichtige Rolle. Je mehr Testosteron durch die 5-Alfa-Reduktase in Dihydrotestosteron umgewandelt wird, desto stärker prägt sich die Akne aus. Eine 100%-ige Vorbeugung gibt es hier leider nicht, man kann aber durch Zink (Verweis auf unsere Ernährungsexperten) und vor allem durch antibakterielle Akneprodukte aus der Apotheke sowohl prophylaktisch, als auch therapeutisch recht gut intervenieren.

Eine genaue Anleitung zur Injektion (intravenös, intramuskulär, subkutan) von Vitaminen beispielsweise möchte ich an anderer Stelle geben, da dies hier den Rahmen sprengen würde. Es sei aber kurz erwähnt, dass auf alle Fälle jede Art von Nadelstich vor und nach dem Einstechen gut desinfiziert werden muss, um eine eventuelle Bakteriämie (Bakterien im Blut) oder gar eine gefährliche Sepsis ("Blutvergiftung") zu vermeiden.

Am meisten gefürchtet: Fußpilzinfektionen

Die ernsthafteste und häufigste Infektionsgefahr in den öffentlichen Duschen, Saunen und Schwimmbädern sind Fußpilzinfektionen. - Pilze sind Erreger, die ein feuchtes Mileau lieben und sich somit in diesen Orten gerne ansiedeln.

Fußpilze sind die häufigste Art von Hautpilzen, weil gerade die Feuchtigkeit in dieser Region zur Ansammlung solcher Keime führt. Die häufigsten Erreger sind Hefen, Dermatophyten oder Schimmelpilze. - Sie erkennen einen Fußpilz an feuchten Bläschen, umgeben von gereizter, juckender, geröteter Haut.

Trotz des Juckreizes, sollten sie sich nicht ständig kratzen, weil dadurch einerseits die Schmerzen zunehmen können und andererseits die Pilze über die Blutbahn (Fungämie) in andere Körperpartien gelangen können.

Wenn sie den Verdacht haben, dass ihre Sauna nicht zu den saubersten gehört, meiden sie besonders nach harten Trainingseinheiten das geliebte Dampfbad, da gerade eine schlechte Immunlage (wie sie nach dem Training meistens ist) entscheidend für eine eventuelle Pilzinfektion ist. Auch kleine Wunden im Bereich der Füße sollten sie besonders aufmerksam auf angemessene hygienische Maßnahmen machen.

Begünstigt werden Pilzinfektionen auch durch exzessive Schweißproduktion an den Füßen, ein weiterer Grund, sich nicht zu warm zu anzukleiden und regelmäßig Socken und Schuhe zu wechseln. Die Socken sollten eventuell mit flüssigem Desinfektionsmitteln aus der Drogerie gewaschen werden.

Ihre Sportschuhe können sie ruhig auch hin und wieder mit Desinfektionsmitteln in ihre Waschmaschine geben. Heute sind auch schon sogenannte "Schuhdeodorants" erhältlich. Falls sie Lederschuhe benutzen, sollten sie unbedingt Socken tragen und niemals barfuss in ihnen herumlaufen. Geschlossene Schuhe aus Plastikmaterial sollten vermieden werden, da sich dort viel Schweiß ansammeln und nicht entweichen kann.

Das Tragen von eigenen Saunaschlappen ist Pflicht, um auch andere Saunen- und Duschen-Besucher nicht zu gefährden. Der oft angenommene Irrglaube die 90 Grad Celsius der Sauna würden alle Keime und Pilze abtöten stimmt leider nicht.

Die Anti-Pilz-Desinfektions-Spritzer in Schwimmbädern und Saunen sind ebenfalls kaum wirksam und können sogar das Gegenteil bewirken. Gerade unter diesen sammeln sich nämlich sehr häufig große Mengen an Pilzen an und sollte man die Geräte verwenden, dann sollte man nicht mit dem Boden unmittelbar unter dem Spritzer in Berührung kommen.

Reinigen sie die Zehenzwischenräume nach jedem Training mit Toilettenpapier (nicht mit dem Handtuch) und sorgen sie dafür, dass sie jegliche Feuchtigkeit entfernen. Natürliche Desinfektionsmittel sind z. B. Lavendelöl, Teebaumöl oder schwarzer Tee. - Sollten sie an einem Fußpilz leiden, seien sie bitte so fair und meiden sie öffentliche Saunen, Bäder und Duschen, da ein hohes Übertragungsrisiko auf andere Personen besteht.

Wenn sie viel Hornhaut an den Füßen haben, reiben sie diese ab, da der Fußpilz durch eine rissige Hornhaut gefördert wird.

Furunkel

Zum Abschluss möchte ich mit ihnen noch über das leidige Thema Furunkel sprechen, das vornehmlich Athleten betrifft, die häufig auf Fahrrädern, Ergobikes, Spinningrädern usw. trainieren.

Ein Furunkel ist eine eitrige, schmerzhafte, tiefe Entzündung eines Haarbalgs und des umliegenden Gewebes. Der häufigste Erreger ist der Staphylokokkus aureus. Anfangs stirbt etwas Gewebe ab (Nekrose) und es kommt zur eitrigen zentralen Einschmelzung, sodass ein Pfropf entsteht, der die Hautoberfläche durchbrechen kann. Die Diagnose des Furunkels ist sehr einfach und meist sogar durch den Patienten selbst erkennbar.

Furunkel entleeren sich meistens spontan, können aber auch wenn sie schon eine entsprechende Größe haben aufgestochen werden. - Da Furunkel sehr schmerzhaft sind und oft in einen Karbunkel (mehrere benachbarte Furunkel an einer Stelle) übergehen können, ist eine Vorbeugung und frühzeitige Therapie sehr wichtig. Besonders gefährlich ist ein Furunkel dabei in der Kopfregion, da er in das Schädelinnere übergreifen und zu Komplikationen führen kann. Am gefährlichsten ist hierbei eine eventuelle Hirnvenenthrombose.

Vermeiden sie enge, scheuernde Trainingshosen:
Wenn sie zu den Athleten gehören, die häufig Rad fahren, sollten sie prophylaktisch eine milde, hypoallergenische, zinkhaltige Hautsalbe auf ihrer Gesäßregion auftragen. Die beste Erfahrung habe ich als Rennradsportler mit einfachen Babycremes gemacht, die in jeder Apotheke erhältlich sind.

Sollten sie von einer Furunkolose (schubweises Auftreten von Furunkeln) leiden, lassen sie sich von einem Arzt beraten, der ihnen dann wahrscheinlich lokale Antibiotikacremes (z. B. Fucdinsäure) verschreiben wird.

Bei unreifen Furunkeln werden oft hyperämisierende (gefäßerweiternde) Salben verwendet, wodurch die Reifung des Furunkels beschleunigt wird und die Zeit bis zur Inzision beschleunigt wird. In seltenen Fällen müssen die Furunkel/Karbunkel auch chirurgisch entfernt werden.

Sollten sie all diese Punkte schon immer beachtet haben, gratuliere ich, machen sie weiter so. Falls nicht, versuchen sie doch mal ihr Hygieneverhalten etwas zu optimieren und sie werden sehen, in wie kurzer Zeit sich nicht nur ihre eigene Lebensqualität, sondern auch die ihrer Mitmenschen verbessern wird.





Literaturangaben und Quellen

  • Praktische Krankenhaushygiene und Umweltschutz, Daschner, Dettenkofer, Frank, Springer, Berlin 2006
  • Brock Mikrobiologie mit medizinischer Mikrobiologie und Immunologie, T. Madigan, M. Martinko, D. Brock, Pearson Studium, 2006