Ok, nach diesem kleinen Gefühlsausbruch, immer schön der Reihe nach. Nach dem Rhein-Neckar Pokal hatte ich noch einmal so richtig Blut geleckt. Als Ziel hatte ich mir einen Finalplatz auf der Südwestdeutschen gesetzt, dafür musste aber noch was getan werden. Also rauf aufs Bike und treten, treten, treten. Mir können all diese Fahrradjunkies erzählen, was sie wollen: diese scheiß Sattel sind einfach beschissen unbequem, zumindest wenn man drei Mal am Tag 90 Minuten auf ihnen verbringt. Dass ich keine Hornhaut am Arsch habe, wundert mich jetzt noch. Neben der Form galt es aber auch die Präsentation zu verbessern, also nahmen meine Süße und ich das freundliche Angebot von Markus und Moni Becht an, zu ihnen zum Posingtraining zu kommen.

Samstag, eine Woche vor der Südwestdeutschen war es dann soweit. Es war ein super schöner Vormittag und wahnsinnig lehrreich dazu. Da man aber nun einmal nicht direkt alles auf Anhieb wirklich hinbekommt (ich zumindest nicht) und Markus und insbesondere Moni doch sehr perfektionistisch sind, wurde ein zweites "Date" ein Tag vor der Südwestdeutschen vereinbart. Im Laufe der Unterhaltungen stand dann auf einmal wieder der Begriff "Classic Bodybuilding" im Raum. Das Dumme war nur: Zu dem Zeitpunkt hatte ich dank Rebound rund 95kg, bei den 180cm, von denen ich dachte, dass ich sie hätte, dürfte ich 84kg haben. 11kg in einer Woche? Machbar, aber ratsam?

Abends wurde das Ganze am Telefon nochmal mit Pat besprochen. Die 5kg Rebound waren ja mal Wurst, aber das waren immer noch 6kg im Vergleich zum Rhein-Neckar, 6kg sind viel Holz, verdammt viel Holz. Wir einigten uns darauf, dass ich einfach alles gebe, wir das Schema vom Rhein-Neckar wieder so durchziehen und schauen, was passiert.

Als erstes passierte dann Folgendes: Trotz Diät hatte ich den cleveren Einfall, dass man mich ja mal nachmessen könnte, immerhin wurden die 180cm mit 16 gemessen, so in den Personalausweis eingetragen und danach wurde nie wieder ernsthaft nachgemessen. Also Maßband raus und siehe da: 181,7cm, aufgerundet also 182cm. Da waren es nur noch 86kg. Zu dem Zeitpunkt hatte ich dann erstmals wirklich den Glauben, dass es für die Classic Bodybuilding reichen könnte. Die letzte Woche vor dem Wettkampf war hart: entladen, insgesamt 4,5 Stunden am Tag auf dem Bike, aber es lief alles wie geplant; das Gewicht fiel täglich, die Form, insbesondere die Beine wurden deutlich besser.



Donnerstags stand ein Videodreh mit Franky im traumhaften Sportstudio Ottwald in Kelsterbach an, mein letztes Entladetraining. An der Stelle noch einmal danke an Stefan Hammerschmiedt vom Sportstudio Ottwald, dass wir dort drehen durften und danke auch an Franky für die tollen Aufnahmen.



Freitag war das Gewicht bereits auf 88,6kg runter, bis Samstagmorgen hatte ich 87,1kg erreicht. Nachdem ich seit Freitagabend ja laden durfte, war ich deutlich freundlicher gestimmt und hatte genug Energie, die harte Posingschule der Moni Becht zu überstehen. Danach ab nach Hause und nichts mehr tun. Etwas Farbe auftragen und ansonsten brav laden. Abends um halb zehn dann nochmal ein Telefonat mit Pat, bei dem sie beiläufig nach dem Gewicht fragte. Ich auf die Waage und da traf mich fast der Schlag: 90,2kg. Klar, die Mengen Reis gehen halt irgendwo hin.

Pat beruhigte mich, aber die Panik blieb. Die Classic war zum greifen nahe, jetzt wollte ich die Chance, mir Sonntagmorgen aussuchen zu können, welche Klasse es sein soll, nicht mehr nehmen lassen. Die Nacht wurde also in so dicker Kleidung verbracht, dass man eine Himalaya-Expedition gut überstehen würde. Um ca. 3 Uhr musste der ganze Plunder dann runter, es ging einfach nicht mehr. Aber dafür lag das Gewicht schon wieder bei 88,3kg. Also wieder ins Bett und hoffen. 4.30Uhr: 87,4kg und dann zum Aufstehen um 6 Uhr 86,5kg. Kurze Absprache mit Pat und dann war klar: Nichts essen bis zum wiegen. preview

Bis zur Abfahrt hatte sich das Gewicht auf 85,7kg reduziert, ich war also guter Dinge, hungrig und müde, aber guter Dinge. Gegen 9.30 Uhr kamen meine Süße und ich dann in Andernach an. Erst einmal einen schönen Platz im Athletenraum belegt und dann das Warten auf das Einwiegen. Gegen 10.30 Uhr war es endlich soweit und es hat alles gepasst: 85kg, damit war für mich klar: Classic! Vom Wiegen ging es direkt zum Futtern. Bis zur Vorwahl fanden 2 Mohrenköpfe, eine halbe Packung Schokocookies, ein halber Marmorkuchen, eine halbe Tafel Vanillekipferlschokolade und diverse Reiswaffeln mit Schokoglasur oder Honig den Weg in meinen Magen.

Gegen 11.30 Uhr wurde es dann für meine Süße ernst: Vorwahl. Ich huschte also fix in den Zuschauersaal, um ihr zuzuschauen und ich muss sagen, ich war enorm stolz auf mein Baby! Wirklich der Hammer! Nachdem sie fertig war, war es für mich soweit, dass die Farbe aufgetragen werden musste. Etwas aufpumpen und schon ging es hinter die Bühne. Etwas aufgeregt stand ich ein paar Minuten später dann auf der Bühne und tat mein Bestes, die Leute, die viel Zeit darin investiert hatten, mich von einem katastrophalen zu einem einigermaßen passablen Poser zu machen, nicht zu enttäuschen. Unabhängig davon hat es aber auch wieder einen riesigen Spaß gemacht. Ich war zwar völlig fertig, als wir von der Bühne durften, aber es war absolut geil!

Das Feedback von Pat und Moni war dann auch nicht so schlecht, was mich entspannt auf das Finale warten ließ. Denn das Ziel war bei vier Teilnehmern in der Klasse ja eh erreicht. Nun geisterte aber ein neues Ziel in meinem Kopf herum: Nachdem ich mit relativ großer Sicherheit davon ausging, dass mein Schatz die Klasse gewinnen wird, bzw. sich zumindest sicher für die Deutsche qualifizieren wird, konnte ich sie ja nicht alleine fahren lassen. Also ein Qualiplatz, zwar Träumerei, aber manchmal werden Träume ja auch wahr. Zwischenzeitlich tauchten auch noch Franky und David auf, die ein kurzes Interview mit mir machten, ansonsten wurde die Zeit bis zum Finale mit Essen (was ja echt Spaß macht, nur dass mit dem "nichts" trinken nervt halt) und kurzen Gesprächen mit mitgefahrenen Freunden genutzt.



Langsam rückte das Finale dann näher. Mein Schatz war wieder an der Reihe, also wieder ab in den Zuschauersaal und anfeuern. Und tatsächlich, sie hat den Pott geholt! War unglaublich stolz auf sie und habe mich wahnsinnig gefreut. Natalie hat sich echt in den letzten Wochen den Arsch aufgerissen, es hat mich riesig gefreut, dass das belohnt wurde.



Viel Zeit zum Feiern blieb aber nicht, denn schon musste bei mir die Farbe erneuert werden und dann ging es auch schon wieder auf die Bühne. Die Aufregung des Vormittags war verflogen, es poste sich auf einmal ganz leicht und wohl auch nochmal deutlich besser als bei der Vorwahl. Kurz verschnaufen, einen Schluck Wasser trinken und wieder raus, Kür zeigen. Bei der Kür war es dann wirklich so, wie mir Flo gesagt hatte: Es ist der schönste Teil. Auch anstrengend, aber nicht so extrem wie die Vergleichsrunden, aber es ist einfach ein tolles Gefühl die Kür, in die man viel Arbeit gesteckt hat, zeigen zu dürfen.

Nach der Kür dann wohl nochmal einen guten Liter Wasser abgepumpt, da ich das Posedown irgendwie völlig vergessen hatte. Vom Gefühl her hatte ich eine Plautze bis zur Jury, aber man hat es wohl kaum gesehen, Glück gehabt. Dann war es auch schon vorbei! Und nun warten… Warten ist scheiße, wisst Ihr das? Naja, glücklicherweise dauerte es nicht lange und wir wurden zur Siegerehrung raus gerufen. "Platz 4 geht an…" – nicht meine Nummer! Yes, schon mal nicht letzter! "Der dritte Platz geht an…" – wieder nicht meine Nummer, wie geil ist das denn? Dass Alex gewinnen würde, war mir klar. Er hat es sich auch absolut verdient und war der klare Sieger, ein ganz feiner Kerl übrigens dazu; ich denke wir hatten echt Spaß. Also zweiter Platz! Internationaler Südwestdeutscher Vizemeister, klingt doch gut!

Glücklich wie ein Kleinkind, das eine große Schale Eis bekommt, erst einmal alle gedrückt, die mir in den Weg kamen. Ein zweiter Platz, einfach der Hammer. Für mich wie ein Sieg! Und zudem mit nahezu absoluter Sicherheit die Quali für die Deutsche! Mein Baby und ich fahren gemeinsam nach Wiesloch, ich war echt happy ohne Ende. Draußen erst einmal Glückwünsche entgegen genommen, etwas getrunken, etwas gegessen und dann nur noch gefreut. Da nun ja Zeit war, wurde die Chance genutzt, sich die Männerklassen anzuschauen, wo beeindruckende Athleten am Start waren. Dann war es auch schon vorbei und wir standen bei Markus und nahmen unsere Einladung zur Deutschen in Empfang. Den Brief in der Hand zu halten war ein unglaubliches Gefühl: Nun war es echt real! Wahnsinn!!!

Dann noch von den Leuten verabschiedet und ab ins Auto zu Burger King. Und es schmeckt einfach unglaublich geil so ein fetter Burger nach all der Schinderei. Und die geht jetzt noch eine Woche weiter, eine Woche, die wir beide gerne in Kauf nehmen. Eine Woche nochmal alles geben, die Form nochmal verbessern, die Präsentation nochmal verbessern und einfach das Wochenende in Wiesloch genießen. Wir fahren nun völlig ohne Erwartung da hin. In der ersten Saison gleich zur Deutschen zu dürfen, das ist schon der Wahnsinn. Mehr geht eigentlich nicht, alles weitere ist Zugabe.

Soweit bis hier her. Ich habe mich riesig über das viele positive Feedback gefreut! Tausend Dank natürlich an Pat, Markus und Moni!

Ihr hört von mir nach der Deutschen!