Ein Artikel von Bodybuilding.com
Von John Hansen

Lee Labrada ist eine Legende des Sports des Bodybuildings. Während seiner aktiven Wettkampfzeit präsentierte Lee einen symmetrischen, ästhetischen Körper, der nahezu jeden Top Titel im Bereich des Profibodybuildings außer dem begehrten Mr. Olympia Titel gewann. Lee war extrem nahe dran, die größte Krone im Bereich des Bodybuildings zu gewinnen und belegte in den Jahren 1989 und 1990 einen sehr knappen zweiten Platz hinter Lee Haney.

Neben den vielen Titeln, die Lee als Profibodybuilder gewann, waren es seine Klasse und sein Stil, die er als Top Bodybuilder zeigte, die ihm das Recht geben, als Legende bezeichnet zu werden. Lee war auf der Bühne ein innovativer Poser und er war sowohl auf der Bühne als auch jenseits der Bühne in jeder Hinsicht ein Profi. Er behandelte seine Gegner und seine Fans mit Respekt und bereitete sich auf jeden Auftritt auf der Bühne mit Hingabe und Klasse vor.

Lee begann als Teenager mit dem Bodybuilding und entwickelte langsam seinen dichten, symmetrischen Körper. Im Alter von 25 Jahren gewann Lee bei den 1985 NPC Nationals und dem IFBB Mr. Universe in seiner Klasse. Es war der zweite dieser beiden Titel, mit dem sich Lee das Recht verdiente, als Profibodybuilder an Wettkämpfen teilzunehmen – und was für eine Karriere er hatte!

Kurz nachdem er seine Frau Robin geheiratet hatte, gewann Lee mit der 1986 Night of the Champions seinen ersten Profiwettkampf. Dadurch, dass er seinen ersten Profiwettkampf mit einem definierten und symmetrischen Körpergewicht von 82 Kilo gewann, zeigte Lee den anderen Profis im IFBB Zirkus, das er eine Kraft war, mit der sie rechnen mussten.

Im Jahr 1987 nahm Lee an seinem ersten Mr. Olympia Wettkampf teil und belegte den dritten Platz hinter Lee Haney und Rich Gaspari. Während der nächsten 7 Jahre platzierte sich Lee bei den begehrtesten Wettkämpfen dieses Planeten mindestens unter den Top 4. Seine historischen Kämpfe mit Haney in den Jahren 1989 und 1990 waren extrem knapp und viele sind der Ansicht, dass Lee es verdient hätte, mindestens eine oder zwei Sandow Trophäen während seiner Wettkampfkarriere zu gewinnen.

Lee zog sich im Jahr 1995 vom Wettkampfbodybuilding zurück und gründete seine eigene Supplementfirma Labrada Nutrition. Während der letzten 8 Jahre hat Lee seine Firma zu einer der erfolgreichsten in dieser Industrie weiterentwickelt. Lee und seine Frau Robin haben jetzt drei Söhne und sie leben weiterhin in Houston, Texas.

Lee Labrada verwendete den Begriff "Masse mit Klasse" um seine Produkte während seiner aktiven Wettkampfkarriere anzupreisen. Es ist offensichtlich, dass die Art und Weise, auf die Lee sein Leben während seiner Wettkampfjahre mit seinem Privatleben und seiner enorm erfolgreichen Firma geführt hat, zeigt, dass Lee Klasse und Professionalität in allen Aspekten seines Lebens definiert.

Es war eine Ehre für mich mit Lee über seine Trainings- und Diätstrategien zu sprechen, die er verwendet hat, um zu einem der erfolgreichsten Profibodybuilder der Geschichte zu werden. Lee ist sehr sprachgewandt und ein perfekter Repräsentant für den Sport des Bodybuildings.
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Das Interview

John: Lee, da wir eine Natural Bodybuilding Website sind, möchte ich Dich zuerst zu Deinem Training befragen, das Du als Teenager, als Du mit dem Bodybuilding begonnen hast, ausgeführt hast. Ich erinnere mich daran, ein Foto von Dir bei Deinem ersten Wettkampf im Flex Magazin gesehen zu haben. Obwohl Du damals noch recht dünn warst, konntest Du den ersten Platz belegen. Welchen Typ von Training hast Du verwendet, um von diesen bescheidenen Anfängen ausgehend den Ehrfurcht gebietenden Körper zu entwickeln, der die 1985 NPC Nationals und die IFBB World Championships gewann?

Lee: Nun, ich nahm als Teenager im Jahr 1978 an meinem ersten Wettkampf teil. Es war der AAU Teenage Mr. Jacksonville. Ich glaube, dass ich bei diesem Wettkampf 59 Kilo gewogen habe. Ich habe dünn und muskulös und musste mich hiervon ausgehend weiterentwickeln. Als ich mit dem Training begann, verwendete ich ein sechs Tage Trainingsprogramm, das schnell zum Übertraining führte. Ich aß nicht korrekt. Ich aß eine Menge der falschen Sachen und sah nicht besonders viele Resultate. Ich wurde zwar muskulöser aber nicht massiger.

Ich begann schließlich zu wachsen, nachdem ich über einige der High Intensity Training Artikel von Mike Mentzer gestolpert war und einige der High Intensity Prinzipien in mein Programm aufgenommen hatte. Ich hielt mich nie an die 1 bis 3 Sätze pro Muskelgruppe Programme, die er propagierte, da diese etwas zu extrem waren, was insbesondere während dieser Tage galt, als wir 20 Sätze pro Muskelgruppe ausführten. Stattdessen verwendete ich ein System, das ich sehr gut fand. Es umfasste 6 bis 8 Sätze für die kleineren Muskelgruppen wie die Arme und 10 bis 12 Sätze für die größeren Muskelgruppen – für den Rücken vielleicht sogar 15 Sätze. Ich ging im Grunde genommen bei jedem Satz mit so viel Gewicht, wie ich bewältigen konnte, bis zum Muskelversagen. An diesem Punkt begann ich wirklich zu wachsen.

John: Okay, Du führtest damals also 6-8 Wiederholungen pro Satz aus?

Lee: Typischerweise alles zwischen 6 und 10 Wiederholungen, immer abhängig von der trainierten Muskelgruppe. Ich periodisiere mein Training, was mit anderen Worten ausgedrückt bedeutet, dass ich manchmal niedrigere Wiederholungszahlen und zu anderen Zeiten höhere Wiederholungszahlen verwende. Das wichtigste ist jedoch, bis zum Muskelversagen zu gehen, also zu dem Punkt, an dem man keine weitere Wiederholung mehr ausführen kann. Dies fordert die Muskeln auf eine Art und Weise, die sie nicht gewohnt sind.

John: An wie vielen Tagen pro Woche hast Du damals trainiert? Etwa vier?

Lee: Während dieser Zeit verwendete ich einen vier Tage Trainingssplit. Im Grunde genommen trainierte ich montags und dienstags und wiederholte dieses Programm donnerstags und freitags. Die Art und Weise, auf die ich das Training damals aufteilte und die ich rückblickend als recht brutal ansah, war Brust, Schultern und Trizeps an einem Tag und Beine, Rücken und Bizeps am nächsten Tag. Der Rücken und Beine Tag war gelinde gesagt reiner Mord.

John: Ja, ich habe diese Aufteilung selbst verwendet.

Lee: Ich gönnte mir einen Tag Pause, fiel in ein Koma und wenn das Ende der Woche kam, nahm ich mir zwei Tage, um mich zu regenerieren.

John: Das nächste, was ich Dich fragen wollte, ist, wie Du jetzt trainierst. Ich habe Dich bei den Arnold Classics dieses Jahr getroffen und war von der Größe Deiner Arme fasziniert. Ich denke, dass Du jetzt 43 Jahre alt bist und Du arbeitest viel in Deinem Job. Was tust Du, um diese Masse aufrecht zu erhalten?

Lee: Das ist korrekt, ich bin 43 Jahre alt und nicht annähernd so massig wie früher, doch ich bleibe immer noch in einer wirklich guten Form. Typischerweise führe ich ein kurzes, intensives Training durch. Ich führe heute 6 bis 8 Sätze pro Muskelgruppe aus und das gesamte Training dauert nicht länger als 30 bis 45 Minuten.

John: Gehen wir zurück ins Jahr 1990, als die IFBB Dopingtests bei der Mr. Olympia einführte. Ich weiß, dass Du für diese Tests in diesem Jahr warst und ich frage mich, welche Veränderungen Du an Deinem Training vorgenommen hast, um Dich dopingfrei auf diesen Wettkampf vorzubereiten, was die Reduzierung des Trainingsvolumens oder die Reduzierung des Cardiotrainings angeht.

Lee: Nur für das Protokoll, ich bin für Dopingtests JEDES Jahr, so lange die Chancengleichheit gewahrt bleibt. Das Problem besteht darin, dass viele dieser Substanzen nur schwer nachweisbar sind. Es ist also sehr schwer, einen echten dopingfreien Wettkampf zu haben, was insbesondere auf Profiebene gilt. Doch 1990 reichte es mir aus, lediglich das Gesamtvolumen zu reduzieren. Ich aß dieselben Arten von Nahrungsmitteln und erlaubte mir etwas mehr Regenerationszeit. Du kannst auf den Bildern sehen, dass sich mein Körper in den Jahren 1989, 1990 und 1991 nicht wirklich verändert hat. Das liegt daran, dass ich nie ein exzessiver Steroidanwender war. Mein Wettkampfgewicht lag zwischen 86 und 88 Kilo und heute wiege ich zwischen 83 und 84 Kilo. Das ist der Bereich, in dem ich mein Körpergewicht halte.

John: Was sind Deine Gedanken zur Richtung des Profibodybuildings seit 1990? Es scheint so, als ob dieses Jahr einen Durchbruch hätte darstellen können, wenn die IFBB weiterhin Dopingtests durchgeführt hätte. Wer weiß, vielleicht hätte Bodybuilding eine der olympischen Disziplinen bei den olympischen Spielen im Folgejahr in Griechenland werden können, anstatt für immer ausgeschlossen zu werden.

Lee: Es hätte ein Jahr des Durchbruchs für die Profiränge sein können. Auf der Amateurebene hat die IFBB viel unternommen und der Sport ist aufgrund der Anstrengungen von Ben Wieder, Rafael Santoja und den Top IFBB Offiziellen beliebter geworden und wird in mehr Ländern akzeptiert.

Auf der Profiebene haben wir meiner Meinung nach diesen Zug verpasst. Ich glaube, dass wir eine echte Gelegenheit hatten, den Sport zu säubern und ihn für die Öffentlichkeit ansprechender zu machen. Doch es gibt die Experten, die sagen "Uns ist egal, was die Öffentlichkeit denkt." Nun, wenn das der Fall ist, dann darf man sich nicht darüber beschweren, dass die Preisgelder nie steigen, dass es keine Mainstream Unterstützung für Profibodybuilder gibt, usw. Denn am Ende des Tages muss ein Sport, um populärer zu werden, ein Sport sein, dem die Öffentlichkeit abkauft, dass er ein legitimer Sport ist. Die zügellose Verwendung anaboler Substanzen im Sport von heute ist ganz einfach verrückt. Es ist wirklich schlimmer geworden.

John: Wo wird sich dies Deiner Meinung nach hin entwickeln?

Lee: Nun, ich denke, dass es beim Status Quo bleibt, wenn die IFBB nicht einschreitet und etwas unternimmt. Im Wesentlichen wird man diese Profibodybuilder haben, die Ihre Körper ohne Rücksicht auf gesundheitliche Konsequenzen auf die Stufe heben, die mit der zur entsprechenden Zeit verfügbaren Pharmakologie erreichbar ist.

John: Siehst Du eine Veränderung dieses Trends nachdem dieses Jahr Victor Martinez die Night of the Champions und Darrem Charles einen Profiwettkampf gewonnen haben?

Lee: Nun, ich denke, dass diese Körper definitive ihren Wert haben, doch wenn man sich diese Körperentwicklungen ansieht, dann erkennt man, dass sie immer noch deutlich massiger als die Körper der Achtziger und Neunziger sind. Körper wie der von Flex Wheeler sind schön anzusehen und sie zeigen eine enorme Menge an Symmetrie und Muskulosität und gleichzeitig auch eine enorme Masse. Diese Masse ist jedoch gut verteilt. Wogegen ich bin, ist ein Sport, der Masse der Masse wegen unter Ausschluss aller anderen körperlichen Eigenschaften belohnt. Mit anderen Worten ausgedrückt kommt ein Punkt, ab dem der menschliche Körper seine Schönheit und seine Form verliert, wenn man weiter Masse aufbaut. Das ist das, wogegen ich bin.

John: Gehen wir zurück zu Deiner Ernährung, Lee. Ich erinnere mich daran, dass Du, als Du noch an Wettkämpfen teilgenommen hast, eine Ernährung eingehalten hast, die reich an Protein und Kohlenhydraten war. Heute hört man viel über den augenblicklichen Trend ganz auf Kohlenhydrate zu verzichten oder nur geringe Mengen an Kohlenhydraten zu sich zu nehmen. Glaubst, dass dies notwendig ist, um wirklich definiert zu werden?

Lee: Nein, ich denke, dass man die Insulinspiegel kontrollieren muss, um definiert zu werden. Das bedeutet, dass man dazu in der Lage sein muss, die Kohlenhydratzufuhr bis zu dem Grad zu manipulieren, dass man zwischen komplexen und einfachen Kohlenhydraten wie z.B. Zucker unterscheidet. Die Aufrechterhaltung stabiler Insulinspiegel ist meiner Meinung nach der Schlüssel zum Fettabbau. Die Fett- und Kohlenhydratzufuhr hängt davon ab, wie viel Energie der Körper benötigt.

John: Und wie hast Du dies während Deiner Wettkampfvorbereitung erreicht? Einfach mehr Mahlzeiten?

Lee: Ja, typischerweise aß ich sechs Mahlzeiten pro Tag mit durchschnittlich 40 Gramm Protein pro Mahlzeit. Ich manipulierte lediglich die Kohlenhydrat- und Fettzufuhr entsprechen meines Energiebedarfs. Rückblickend würde ich sagen, dass ich bei meiner Diät besser gefahren wäre, d.h. stabilere Blutzuckerspiegel gehabt hätte, wenn ich meine Fettzufuhr auf 10, 15 oder vielleicht sogar 20 Prozent der Gesamtkalorienzufuhr erhöht hätte. Stattdessen ging ich auf 5% Fettkalorien herunter und verließ mich strikt auf komplexe Kohlenhydrate als Energiequelle. Ich denke, dass ich wahrscheinlich eine bessere Form hätte erreichen können, solange diese Fettkalorien aus essentiellen Fettsäuren-Supplements wie Leinöl und ähnlichem bestanden hätten.

John: Erinnerst Du Dich noch an die genauen Zahlen, Lee? Wie viele Kalorien hast Du während Deiner Wettkampfzeit zu Dir genommen, wie viel Gramm Protein, Kohlenhydrate und Fett?

Lee: Wie ich bereits gesagt habe, lag die Proteinzufuhr bei 40 Gramm pro Mahlzeit und der Rest bestand aus komplexen Kohlenhydraten und Gemüse. Ich würde sagen, dass ich außerhalb der Saison etwa 3500 Kalorien zu mir genommen habe und bis auf 2500 Kalorien am Tag vor einem Wettkampf herunter gegangen bin.

John: Wie sah Deine Aufbauphase aus? Hast Du außerhalb der Saison deutlich zugenommen und wenn ja, wie schwer bist Du geworden?

Lee: Ich habe das zwischen meinem 17. und 21. Lebensjahr getan. Nachdem ich begann bei den Männern anzutreten, ließ ich nicht zu, dass mein Körpergewicht außerhalb der Saison mehr als 5 bis 7 Kilo oberhalb meines Wettkampfgewichts lag. Ich denke, dass mehr kontraproduktiv ist. Ich denke, dass das hart für den Körper ist. Es bedeutet Stress für den Körper und ist größeren Muskelzuwächsen nicht zuträglich.

John: Gehen wir zurück zu Deinen Wettkampfjahren als IFBB Profi. Es gab mehrere Wettkämpfe, bei denen Du im Bezug auf Deine außergewöhnlich gute Gesamtform wirklich herausragtest. Der 1985 Mr. Universe Wettkampf ist einer von diesen, sowie die 1989 Mr. Olympia in Rimini, Italien, bei der Du hinter Lee Haney den zweiten Platz belegtest und die 1992 Mr. Olympia in Helsinki, Finnland. Wenn Du auf Deine Karriere zurückblickst, welches war der Wettkampf, bei dem Du Deine eindrucksvollste Form präsentiert hast?

Lee: Das ist eine gute Frage. Ich würde sagen, dass die 1989 Mr. Olympia in Rimini und die 1992 Mr. Olympia Wahl wahrscheinlich meine besten Wettkämpfe im Bezug auf die Gesamtform waren.

John: Gehen wir zurück ins Jahr 1992. was hast Du damals getan, um Deine Muskelmasse zu steigern? Ich erinnere mich noch daran, wie ich Dich bei diesem Wettkampf gesehen habe und wie sehr ich von der Menge an Masse, die Du im Vergleich zu den vorhergehenden Wettkämpfen entwickelt hattest, wirklich beeindruckt war.

Lee: Nun, der größte Unterschied bestand in diesen frühen Jahren darin, dass ich begonnen hatte zusätzlich zu den normalen tierischen Proteinquellen wie Hühnchenbrust und Fisch, usw. so genannte Mahlzeitenersatzpulver (MRPs) zu verwenden. Ich begann damit, Proteinpulver zu verwenden und ich denke, dass das Proteinpulver, da es mechanisch zermahlen ist, feiner ist und vom Körper besser aufgenommen werden kann und außerdem eine höhere Proteinqualität besitzt. Ich denke, dass das eine Menge damit zu tun hatte.

John: Du denkst also, dass es mehr die Proteinpulver als das Training waren, die es Dir erlaubten, Deine Muskelmasse so dramatisch zu steigern?

Lee: Ich denke, dass kein Zweifel daran besteht, dass es eine Folge der Ernährung war. Was das Training angeht, habe ich natürlich weiter die Gewichte gesteigert, doch es war trotzdem eine Auswirkung der Ernährung.

John: Wenn wir gerade davon sprechen, welche Gewichte hast Du beim Training verwendet? Hast Du Dich auf sehr schwere Gewichte konzentriert, oder ging es Dir mehr darum, die Muskeln zu fühlen?

Lee: Ich habe mich mehr darauf konzentriert, die Muskeln zu spüren. Ich war einer dieser Bodybuilder, der niemals Probleme damit hatte, die Muskelgruppen gleichmäßig zu entwickeln. Ich würde mich als jemanden bezeichnen, der Muskeln langsam bis mittelschnell aufbaut. Ich war weder jemand, der extrem schnell Muskeln aufbaut, noch ein extremer Hardgainer und ich war auch keiner dieser übermenschlich starken Bodybuilder wie Ronnie Coleman. Er ist praktisch Pfund für Pfund genauso stark wie ein Powerlifter. Ich verwendete genug Gewicht, um meine Muskeln zu erschöpfen.

John: War es für Dich wirklich wichtig, bei Deinen Trainingseinheiten schwer zu trainieren?

Lee: Ja, da ich dazu in der Lage sein wollte, meine Muskeln in einem Wiederholungsbereich von 6 bis 10 Wiederholungen bis zu dem Punkt zu erschöpfen, an dem keine weitere Wiederholung mehr möglich war.

John: Wie viel Cardiotraining hast Du während Deiner aktiven Wettkampfjahre absolviert? Einige Bodybuilder führen an bis zu sechs Tagen pro Woche zweimal täglich Cardiotraining aus, währen andere nur drei Cardioeinheiten pro Wochen ausführen. Hattest Du das Gefühl, dass Cardiotraining wirklich notwendig war, um wirklich definiert zu werden?

Lee: Ich denke, dass Cardio ein gutes Hilfsmittel ist. Ich verlasse mich nicht stark auf Cardio. Ich hatte schon immer einen recht schnellen Stoffwechsel und mein Cardiotraining bestand aus 5 Einheiten pro Woche, die jeweils 20 bis 30 Minuten lang waren.

John: Wie sah es außerhalb der Saison aus? Hast Du während dieser Phasen Cardiotraining ausgeführt?

Lee: Typischerweise habe ich außerhalb der Saison nicht viel Cardiotraining ausgeführt – vielleicht zwei bis dreimal wöchentlich.

John: Du bist während Deiner Karriere in den Achtzigern und Neunzigern gegen einige wirklich fantastische Bodybuilder angetreten. Wer von den hervorstechenden Profis, gegen die Du angetreten bist, hatte Deiner Meinung nach die besten genetischen Veranlagungen?
Lee: Ich würde sagen, dass Lee Haney und Flex Wheeler die zwei genetisch am meisten gesegneten Bodybuilder waren, gegen die ich angetreten bin. Lee Haney war in einer eigenen Klasse. Er war ein erstaunlicher Bodybuilder mit einer Menge gottgegebenem Talent. Ich würde sagen, dass es eine Tragödie ist, dass Flex Wheeler nicht an einem Punkt seiner Karriere den Mr. Olympia Titel gewinnen konnte. Ich denke, dass dies die Richtung der Entwicklung des Bodybuildings hätte verändern können. Ich würde sagen, dass dies die beiden talentiertesten Bodybuilder mit den besten genetischen Veranlagungen waren, gegen die ich angetreten bin.

John: Wer war der hartnäckigste und ausdauerndste Bodybuilder, gegen den Du angetreten bist, der niemals aufgegeben hat (natürlich abgesehen von Dir)?

Lee: Ich würde aus Sicht der Hartnäckigkeit sagen, dass der Name, der mir hierzu einfällt, Rich Gaspari ist. Rich ist ein großer Athlet und zur gleichen Zeit hat er nicht unbedingt die beste genetische Veranlagung. Doch er hat nur durch hartes Training und schiere Willenskraft das Beste daraus gemacht.

John: Wer war der der Wettkämpfer, der als der mental härteste hervorsticht?

Lee: Ich würde sagen Dorian Yates. Er sprach nicht viel. Ich denke, dass man hieran erkannte, dass er es ernst meinte.

John: Um diese Liste fortzuführen würde mich interessieren, welcher der Wettkämpfer derjenige war, gegen den Du einige Deiner härtesten Kämpfe geführt hast.

Lee: Das sind ohne Zweifel die Kämpe mit Haney in den Jahren 1989 und 1990. Wenn man es auf einen Kampf herunter brechen müsste, dann würde ich sagen, dass diese der Kampf mit Haney im Jahr 1990 war. Damals lag ich nach dem Pre-Judging, wie Du wahrscheinlich weißt, bereits mehrere Punkte vor ihm, als die Show am Abend begann. Dann schlug er mich mit zwei oder drei Punkten Vorsprung. Das war eine harte Niederlage, die ich verkraften musste.

Das war ein echter Wendepunkt für mich – sowohl aus der Sicht des Bodybuildings als auch vom Profistandpunkt aus. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich meine Ambitionen, die Mr. Olympia Krone zu gewinnen, offen gezeigt und 1990 war ein Wendepunkt für mich persönlich, da es das Jahr war, in dem mir klar wurde, dass ich mich nicht darauf konzentrieren musste, die Mr. Olympia Krone zu gewinnen, sondern dass ich mich grundsätzlich darauf konzentrieren musste, meinen Körper zu verbessern und dass ich die Mr. Olympia Krone als Resultat hiervon gewinnen würde. Es war eine Verschiebung des Fokus und aufgrund dieser Erkenntnis war ich dazu in der Lage, größere Zuwächse aus meinem Körper herauszuholen und zusätzlich hierzu war ich dazu in der Lage, mein Leben sehr viel mehr zu genießen.

John: Ich möchte Dich gerne ein paar Sachen zu deiner Firma, Labrada Nutrition fragen. Du scheinst die Art von Person zu sein, die für den Erfolg plant, anstatt einfach nur Jahr für Jahr zu gewinnen. Ich erinnere mich, dass ich vor Jahren in einem Artikel in einem Magazin gelesen habe, dass Du gesagt hast, dass Du geplant hattest, zehn Jahre als Profi bei Wettkämpfen anzutreten und dass Du Dich, nachdem diese 10 Jahre vorüber waren, aus dem Wettkampfgeschehen zurückgezogen hast. Du bist nicht davon abgewichen und Du hast auch kein Comeback versucht, wie es so viele andere Bodybuilder tun.

Lee: John, ich kann nur sagen, dass Du Bodybuilding liebst. Ich denke nicht, dass sich irgendwer sonst daran erinnert hätte. Es ist in der Tat das erste mal, dass irgendjemand dies im Rahmen eines Interviews erwähnt hat. Aber Du liegst exakt richtig. Ich habe das gesagt. Als ich im Alter von 26 Jahren meine Frau heiratete, sagte ich ihr, dass ich mit diesem Sport noch genau 10 Jahre lang weitermachen würde. Ich wollte mich im Alter von 35 Jahren aus dem Wettkampfgeschehen zurückziehen, da ich wusste, dass ich, wenn ich den Mr. Olympia Titel nicht bis zu diesem Zeitpunkt gewonnen hatte, diesen auch später nicht mehr gewinnen würde. Als ich dann 35 wurde wusste ich, dass der Zeitpunkt gekommen war. Und es war gut so, da man, wenn man weiß wie die Ausstiegsstrategie aussieht, erfüllter leben kann. Es erlaubt eine Planung und man holt so viel mehr aus der Erfahrung heraus, wenn es so geplant ist.

John: Hattest Du einen Plan, Lee? Wusstest Du, dass Du Deine eigene Supplementfirma führen würdest?

Lee: Ich wusste bereits im Jahr 1993, dass ich meine eigene Supplementfirma gründen würde. Es war während einer Bodybuilding Show, wo ich eine Vorstellung gab und zufällig Dale Ruplinger, einen früheren Mr. Universe im Mittelgewicht, traf. Ich sah, dass er ein paar Vitamine und Supplements für eine andere Firma verkaufte. Ich kam mit ihm ins Gespräch und der Virus infizierte mich. Ich wusste an diesem Punkt, dass darin eine Zukunft lag.

Davor wurde ich bereits im Jahr 1991 von Bill Phillips bezüglich eines relativ obskuren Produkts namens Met-Rx angesprochen. Im Großen und Ganzen war es eine Frage davon, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und ich unterschrieb bei Met-Rx. Beteiligt waren damals Bill Phillips, Scott Connelly, Jeff Everson und ich und das Produkt wurde ein Hit. Das Produkt wurde enorm erfolgreich und ich sah, dass es für mich eine Gelegenheit in der Supplementindustrie gab und dass es Möglichkeiten für Firmen mit guten Produkten gab, da sich die Supplement Industrie damals noch in den Kinderschuhen befand.

John: Als Besitzer Deiner eigenen Firma frage ich dich, welche Produkte Labrada Nutrition anbietet, die aus Deiner Sicht für einen steroidfreien Wettkampfbodybuilder von besonderem Vorteil sind.

Lee: Ohne Zweifel die Mahlzeitenersatzpulver (MRPs), denn wenn wir ehrlich sind, ist es schwer, sechs Mahlzeiten pro Tag zu essen. Mir ist egal, was mir andere erzählen, se ist schwer, da man eine Kühltasche mit einer Menge Hühnchenbrust, Kartoffeln und anderen Dingen mit sich herumschleppen muss und ein guter Bodybuilder wird dies tun. Es ist so einfach Mahlzeitenersatzpulver als Ergänzung einer vollwertigen Ernährung zu verwenden. Ich würde also sagen, dass es die Mahlzeitenersatzpulver und insbesondere Lean Body sind. Die Riegel sind gut für Notfälle, insbesondere nach dem Training. Man kann sie einfach in seine Trainingstasche werfen. Dann würde ich sagen, dass das Glutamin und das Kreatin wichtig sind, wenn man an Wettkämpfen teilnimmt und wir haben beides in unserem Sortiment.

John: Was hast Du genommen, als Du noch als Wettkampfbodybuilder an Wettkämpfen teilgenommen hast, Lee?

Lee: Ich verwendete bis zu drei Portionen Malzeitenersatzpulver pro Tag und manchmal sogar vier pro Tag und ich habe diese mit Kreatin kombiniert.

John: Wie sieht die Zukunft für Lee Labrada aus, was Deine Firma und Dich persönlich anbetrifft?

Lee: Du meine Güte, ich werde Dir eines sagen, nur der Himmel ist die Grenze! Wir expandieren, wir wachsen und wir sind in immer mehr Verkaufsstellen vertreten und entwickeln eine größere Fanbasis. Wie Du weißt, haben wir den Lean Body Coach Newsletter, ein kostenloses wöchentliches e-Magazin, das ich an über 50.000 Leser verschicke. Dies ist ein Magazin, das Ernährungs-, Trainings- und Supplement Tipps von einigen der besten Autoren zu diesen Themen umfasst.

Ich bin sehr beschäftigt damit, als Fitnessbeauftragter für die Stadt Houston zu arbeiten. Ich wurde vom Bürgermeister Lee Brown im Juni 2002 zum Fitnessbeauftragten ernannt, der alle initiativen der Stadt Houston leitet, die das Ziel haben, das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Sport und korrekter Ernährung zu steigern und das Übergewicht zu bekämpfen. Wir haben eine Menge Arbeit im Bereich des Verbraucherschutzes verrichtet.

Vor kurzem habe ich einen sechsstelligen Buchvertrag mit Harper Collins unterschrieben und ich werde um Januar 2005 ein Buch herausbringen.

John: Wow, das ist toll, Lee. Vielen Dank für dieses Interview und alles Gute für Dich und Deine Firma Labrada Nutrition, sowie die Stadt Houston. Wir freuen uns alle bereits auf Dein Buch!