Von Dave Tate
In der letzten Ausgabe beschrieb ich die Herangehensweise der progressiven Überlastung, die ich in meiner ersten erfolgreichen Trainingsphase wählte. Diese Ausgabe beschreibt die nächste Phase, meinen fast vergessenen Übertritt in die Welt des Wettkampfbodybuildings.
Bodybuilder haben einen schlechten Ruf im Iron Game. Powerlifter lachen sie aus wegen ihren vergleichsweise niedrigen Kraftleveln und die agilen Athleten witzeln über die Unbeweglichkeit von ihnen. Stellt Euch mal vor ein Offseason-Bodybuilder sollte sprinten.
Nichts zieht mehr Kritik an als der vermeintliche Narzissmus, dessen Eindruck durch ein paar schwarze Schafe aus der Gemeinschaft gefestigt wird. Schonmal bemerkt, dass die Läden mit den meisten Spiegeln neben Friseurladen und Braut-Boutiquen ein Hardcore-Bodybuilding-Studio ist? Dafür gibt es schon einen Grund.
Bevor Du aber zu viel von den Seitenhieben an Bodybuilder Dir ausdenkst, solltest Du bedenken dass die muskulösesten Bad Boys der Welt Bodybuilder sind.
Ein Elite-Level Powerlifter beugt vielleicht 800+ Pfund und drückt 600, doch wie viele von denen haben Quads oder Bizeps auf dem Level einer Profi Bodybuildingshow?
Kein Training baut mehr Muskeln auf als das der Bodybuilder. Bodybuilder sind Pioniere in ihrem Handwerk. Wenn man nur etwas Powerlifting-Training umändern müsste um muskulös zu sein, wären die gesamten Powerlifting-Kellerstudios voll mit glattrasierten Kerlen im Stringer Tank.
Es scheint dass jeder Coach, Lifter oder Berater meint dass sie sehr viele Informationen hergeben können, doch nur wenige meinen dass sie auch was lernen können. Wenn Du Muskeln aufbauen willst – und das sollten an einem bestimmten Punkt alle wollen – solltest Du Die Klappe halten und den Rat von Bodybuildern einholen. Die Chance ist sehr hoch, dass sie Dir etwas sagen können was Du noch nicht weißt.
Zuallererst ein paar Hintergründe
Nachdem ich die High School noch geradeso abschloss und zum College ging, war ich gezwungen mein Powerliftingstudio und meine Mentoren zu verlassen. Wenn ich das Wort "Mentor" benutze, dann meine ich dies nicht leichtfertig. Diese Jungs hatten mir mein Leben gerettet.In der Grundschule hatte ich einen steinigen Weg und musste mit vielen Vorurteilen kämpfen. Ich wurde als "Analphabet" und mit "Lernschwäche" bezeichnet, daher war ich zu bestimmten Kursen gezwungen und musste Tutoren haben. Leider habe ich diese Klassifizierungen akzeptiert und mich hinter ihnen versteckt, sodass ich mit letztendlich selbst als "dumm" sah.
Diese Titel haben mein Selbstvertrauen zerstört. Es war auf einmal "in Ordnung" für mich das dumme Kind zu sein, dass immer als letztes im Sportunterricht gewählt wurde. Ich war der Loser, der nach dem Unterricht verprügelt wurde. Diese Klassifizierungen ließen mich nirgendwo reinpassen und zerstörten meine Hoffnungen für eine bessere Zukunft.
Dank diesen Titeln schrieb ich mich in einem privaten Studio ein. Ich dachte, dass wenn mein Leben schon so schlimm ist, ich es wohl etwas bessern könnte indem ich stärker werden würde. Außerdem suchte ich dort meine Ruhe von den Anderen.
Doch die Kerle im Studio hatten mich direkt durchschaut. Vielleicht erkannten sie etwas von ihnen selbst in mir, ich weiß es nicht, doch sie trieben mir diese gesamten Flausen aus dem Kopf. preview
Sie brachten mir bei, dass ich einen Wert hätte. Dass ich mit Zielsetzung und Konzentration alles erreichen könnte. Sie brachten mir Aufopferung, harte Arbeit, Beständigkeit, Disziplin und den inneren Antrieb bei, von dem ich nie wusste dass ich soetwas hätte. Sie zeigten mir dass vier von Kreide bedeckte Wände ein heiliger Tempel von mentaler und physischer Stärke sein können. Es kann ein Zuhause sein. Es könnte MEIN Zuhause sein.
Wir alle haben einschneidende Erlebnisse in unserem Leben, die unseren Charakter und unser Auftreten in gewisse Bahnen lenken. Diese Zeit war ein solcher Einfluss. Ein riesiger. Diese Jungs sind der Grund für meine heutige Tätigkeit, vielleicht sogar der Grund warum ich überhaupt noch atme. Sie haben mein Leben geändert. Sie haben mein Leben gerettet. Dafür bin ich außerordentlich dankbar.
Als die Zeit in diesem Studio nun vorbei war, war ich stark. Doch auch jung und auf mich allein gestellt, nur mit dem einen Ziel im Kopf: MASSIV WERDEN!
Meine erste Show machte ich zwischen High School und College. Ich ging in die Juniorenklasse und machte meine Vorbereitung ganz alleine…Pre Contest verließ ich mich allerdings auf ein Programm, welches ich von Rich Gaspari gekauft hatte.
Ich folgte diesem Programm bis ins letzte Detail und als ich auf der Bühne stand, war ich der massivste Kerl mit 50 Pfund Vorsprung. Problem war, dass ich zwar in Form mit Bauchmuskeln war, doch Streifen oder ähnliches vorweisen konnte, sodass mein Hintern von einem 145 Pfund schweren Defintionspaket versohlt wurde.
So kam eine Beleidigung zu einer Verletzug hinzu. Ich fühlte mich wie das dickste Kind der Schulklasse und der Showmaster wiederholte die gesamte Zeit, dass der Kerl der mich besigte vom Hard Bodys Gym war.
Wiederholt sagte er es, Hard Bodys Gym, Hard Bodys Gym. Ich wusste, dass ich dort unbedingt hin musste.
Hard Body Mecca
Mein Eintritt zu Hard Bodys war schwerer als gedacht. Meine Eltern wollten mich auf dem College haben und ich bewarb mich überall, aber mit einem Notendurchschnitt von 1,59GPA nach der High School war ich nicht exakt die gesuchte Klientel. Ich wurde nicht gerade mit Briefen überhäuft. Sagen wir einfach dass Yale mich nicht zurückgerufen hat; verdammt, niemand hat sich bei mir gemeldet.Letztendlich schaffte ich es in eine kleine Wirtschaftsschule, die die Universität von Tiffin genannt wurde. Dies besänftigte meine Eltern, doch mir brachte es nichts. Tiffin war viel zu weit von Hard Bodys entfernt. Das nächste Studio neben der Uni war das im YMCA und es waren zwei Meilen Entfernung. Weil ich kein Auto hatte, musste ich laufen. Ich redete mir schon ein dass ich verloren hätte.
Also änderte ich meine Pläne. Ich konzentrierte mich auf meine Noten und nahm eine Menge zusätzlicher Fächer, die ich in der High School nie belegt hatte (Biologie und Algebra). Diese musste ich besuchen, da ich sonst nicht diese auf dem College bestehen könnte. Durch dieses Vorgehen wollte ich mich zu einer besseren Schule vorarbeiten – Bowling Green. Diese Einrichtung wäre viel näher am Hard Bodys.
Ein Semester später schaffte ich es zu mein Ziel. Ich konnte wechseln! Hard Bodys ich komme!
Bowling Green war eigentlich auch viel schöner als Tiffin. Ich sage "eigentlich", weil ich nach einem Semester aufhörte.
Ich war ja nun bei Hard Bodys und da war es schwer die Kurse zu besuchen oder, Gott vergebe mir, überhaupt zu lernen; besonders mit dem Doppelsplit pro Tag, die mir drei Stunden am Tag stahl.
Hinzu kommt dass ich noch viel mehr Zeit für die Zubereitung meiner Nahrung und die Fahrt zum Studio und zurück zweimal täglich aufbringen musste (ich hatte genug Geld für ein Auto gespart, nicht um schneller zur Schule zu kommen sondern fürs Hard Bodys). Nun, es gibt nur entweder – oder. Und wenn man mal überlegt, was ich alles fürs Hard Bodys investiert hätte, konnte ich dies nicht loslassen.
Wach endlich auf, verdammt nochmal!
Wie Du sehen kannst, hat das neue Selbstbewusstsein – vermittelt durch die Kerle im Anfangsstudio – mir einen Fokus verliehen, der nicht zu überbieten war. Zum Glück haben mir ein paar Leute im Laufe meines Lebens einen Bremser verpasst, wenn meine Engstirnigkeit Schaden mitsich brachte.Nachdem ich vom College geworfen wurde, traf ich einen alten Coach mit dem ich immer mal wieder trainierte. Während er mir alles Wissenswerte bei meinen zwei Einheiten täglich erklärte, fragte er mich nach meinem College. Ich sagte ihm, dass Schule "nichts für mich sei".
In einem freundlichen aber aggressiven Tonfall wies er mich darauf hin, dass ich nicht dumm sondern VERDAMMT FAUL war und einfach immer doppelt so hart wie die anderen arbeiten müsste.
Er redete mir ein, dass mein Wille, meine Disziplin und Fähigkeit nie im Studio aufzugeben alles was ich bräuchte sei, um ENDLICH AUFZUWACHEN. Ich war mir sicher, dass ich dieses schon alles vorher gehört hatte, doch dieser Person hörte ich das erste Mal zu.
Bildung eines Bodybuilders
Unter anderem trainierte ich zweimal täglich, weil ich dann mit dem Besitzer von Hard Bodys, Rick, reden konnte. Rick war Wettkämpfer und trat beim Mr.Ohio an. Er war der Maßstab eines Bodybuilders für mich und ich wusste, dass ich mit seinem Wissen meine Ziele verwirklichen konnte.Viele junge Kerle des Internetzeitalters verstehen nicht, dass man früher nicht EINFACH SO mit diesen Kerlen geredet hat. Man musste sich beweisen indem man immer wieder zur selben Zeit wie sie trainieren und dadurch beweisen dass Du es ernst meinst. Dann durftest Du vielleicht, aber nur vielleicht einmal fragen mit ihnen trainieren zu dürfen oder mal die Übungen mit ihm zu machen.
Ich wusste nie zu welcher Zeit Rick trainierte, daher trainierte ich zweimal täglich um die Möglichkeiten auszuschließen und ihm zu zeigen dass ich existiere. Zum Glück erinnerte er sich an mich wegen meiner ersten Show. Die schlechten Neuigkeiten waren, dass ich wie Scheiße aussah und eine Menge Arbeit vor mir hatte.
In Kurzfassung sah mein Körper durchs Powerlifting so aus:
- Zu breite Taille, daher keine Bauchübungen mehr.
- Zu schmale Schultern, sie brauchten mehr Breite.
- Zu schmale Lats, ich brauchte mehr Schwung.
- Zu wenig obere Brust.
- Zu wenig Quads.
- Keine Form im Trizeps.
- Ernährung musste sich komplett ändern (mehr dazu später).
Um dies zu demonstrieren, Rick ließ mich mit meinen Brustmuskeln zucken – dies kann wohl jeder Jugendliche der Bankdrücken macht. Dies war also leicht, doch nun sagte Rick ich solle dies mit meinem Trizeps machen.
Den Trizeps zucken lassen? Ich konnte ihn anspannen, aber nicht tanzen lassen wie meine Brustmuskeln. Klar konnte Rick das, genauso seine Delts, Trapezmuskeln, Lats und Quads. Trotzdem erkannte ich den Sinn dahinter nicht.
"Du musst jeden Muskeln lernen zu kontrollieren. Wenn Du sie wachsen lassen willst, brauchst du die Kontrolle über jeden einzelnen", sagte Rick.
In den nächsten Monaten machte ich, neben im Bett liegen und üben meine hintere Schulter zucken zu lassen, folgendes: Ich trainierte nach Ricks Methode, dies bedeutete dass ich alle Gewicht halbiere und auf das Gefühl abziele.
Ich war sauer als ich die Gewichte immer niedriger wählen musste und Rick erinnerte mich jedes Mal daran, dass der Muskeln nicht weißt ob es grade 400 oder 40 Pfund auf der Hantel sind; er weiß nur ob er trainiert wird oder nicht.
Damit hatte ich zunächst wirklich Probleme, doch nach einer Zeit war es wirklich cool zu sehen, dass ich meine Brust mit 70 Pfund Hanteln zerstören konnte, wobei ich sonst mit 150 arbeiten musste. Ich fing an wirklich gut zu wachsen.
Plötzlich hatte ich einen Bizeps, Trizeps, Beinbizeps und Waden. Meine Brust kam in Form und ich konnte meine Lats endlich bei Klimmzügen, Latzug oder Rudern spüren.
Wir benutzten folgenden Split:
- Tag 1) Brust und Schulter
- Tag 2) Beine
- Tag 3) Arme
- Tag 4) Rücken
- Tag 5) Wiederholen
Das Training bestand eigentlich aus zwei Phasen. Nach der viertägigen Rotation wechselten wir sie ab.
Phase 1: Schwer
- Volumen: 20 Sätze für große Muskelgruppen, 10 Sätze für kleine
- Wiederholungen: 6-8
- Übungen: Grundübungen
- Techniken: Cluster, Teilwiederholungen, Pyramidensätze
- Pause: Längere Pausenzeiten
- Anmerkungen: Kein Muskelversagen
- Dauer: 45 Minuten
Phase 2: Leicht
- Volumen: 20 Sätze für große Muskelgruppen, 10 für kleine
- Wiederholungen: 10-15
- Übungen: Isolationsübungen
- Techniken: Vorermüden, Supersätze, Dropsätze, konstante Spannung. Schwache Körpergruppen wie obere Brust, Quad-Sweep, Schulterbreite und Rückenbreite haben besondere Aufmerksamkeit bekommen.
- Pausen: kurze Pausenintervalle
- Anmerkungen: Bis übers Versagen
- Dauer: 90 Minuten
Ernährung
Wie Rick es sagte, musste meine Ernährungsweise für einen Bodybuilder komplett umgeändert werden.Während meiner Zeit bei Hard Bodys aß ich so:
Mahlzeit 1:
- 4-6oz Haferflocken
- 8 Scheiben Vollkorntost
- 1 Apfel oder Grapefruit
- 8oz Saft oder Eiweißshake
ODER
3 Vollweizen-Pfannkuchen mit Honig (mit Toast, Obst und Getränk)
ODER
4-6oz Vollwert-Cornflakes mit Milch (und Toast, Obst und Getränk)
Mahlzeit 2:
- Mageres Rindfleisch
- Backofenkartoffel oder Pasta oder brauner Reis
- Salat mit low Fat Dressing
- Obst
Mahlzeit 3:
- Mageres Rindfleisch
- Backofenkartoffel oder Pasta oder brauner Reis
- Salat mit Low Fat Dressing
Mahlzeit 4:
- Siehe Mahlzeit 2
Mahlzeit 5:
- Siehe Mahlzeit 3
Mahlzeit 6:
- Siehe Mahlzeit 2 und 4 (vielleicht mit zusätzlichem Eiweißshake).
Vorm Wettkampf änderte sich alles nur geringfügig. Rick war der Meinung, dass bestimmte Nahrungsmittel "funktionieren" würden für Fettabbau und man nur die Mengen von ihnen verändern sollte.
Es war also nicht überraschend, dass ich mit den ganzen Carbs ein großes Problem mit meiner Form hatte. Selbst mit einer langen Vorbereitung – Minimum 16 Wochen – schaffte ich nie die Form, die ich später mit Carb Cycling erreichte.
Mein Ausweg
Es war der Wettkampf der mich reizte. Ich mochte die Jungs im Hard Bodys zwar und das Training auch, aber am Ende der Vorbereitung lohnte sich das alles nicht für mich. Beim Powerlifting bekam man viel mehr zurück.Zuallererst ist die gesamte letzte Woche ein absoluter Alptraum und jeder der etwas anderes sagt, ist entweder ein verdammter Lügner oder hat es noch nie zuvor gemacht.
Zweitens, und dies wurde mir Backstage bei einer Aufwärm-Show vor dem Mr.Ohio klar: Du stehst auf der Bühne am Wettkampftag und Dir wird klar: Ich stehe auf der Bühne in Unterwäsche. Ich bin mit Selbstbräuner und Öl eingeschmiert und spanne meine Muskeln vor einem Publikum an, das zu 90% aus Kerlen besteht. Alle haben ein Nacken-Fett-Polster und tragen unter ihrem Sweatshirt ein Tank Top. Das war einfach nicht das was ich wollte.
Nach der Show ging ich in mein Appartement und aß mich wortwörtlich ins Koma. Mein Trainingspartner kam den nächsten Tag vorbei und fand mich Ohnmächtig zwischen Pizzakartons und McDonalds Tüten liegen und sagte, "Verdammt Dave, Ich glaube Du bist wirklich durch mit den Wettkämpfen hier."
War ich. Ich liebte das Training, den Wandel und alles, doch ich bekam keinen Lohn dafür.
Was ich gelernt habe und mochte
Je älter ich werde und je mehr sich mein eigenes Training entwickelt, desto mehr weiß ich die Zeit im Bodybuilding zu schätzen. Die größten Lektionen aus dieser Zeit sind diese hier:- Der Wert von hartem Training mit hohem Volumen. Powerlifting ist anstrengend. Ein Maximalversuch Kreuzheben oder Kniebeugen kann Dir das Gefühl vermitteln, dass Dir die Lungen gleich aus dem Hintern schießen. Aber auch hartes Training mit hohem Volumen im Bodybuildingstil hat eine gewisse Qual in sich. Du wirst lange Zeit durch dieses Training geschlaucht. Wie sonst kann das Gefühl beschrieben werden, wenn man eine ich-kann-keine-weitere-Wiederholung-machen-für-kein-Geld-der-Welt-Wiederholung macht und der ganze Körper ermüdet und aufgibt. Und die Pumps? Ich will nicht Arnold zitieren, aber wer liebt sie nicht?
- Der Wert von Isolationsübungen. Klar braucht ein erfolgreicher Powerlifter das Verständnis für die BEWEGUNG, nicht die Muskeln. Doch wenn Imbalancen entstehen, dass gibt das schwächste Glied der Kette als erstes auf. Bodybuilding hat mir beigebracht wie man diese Schwachpunkte intensiv angeht. Dieses Wissen kann ein Powerlifter in die Wahl der Assistenzübungen einfließen lassen.
- Der 24-7 Faktor. Seien wir ehrlich. Powerlifting ist sehr fordernd, doch bei weitem nicht so sozial einschränkend wie Bodybuilding. Wenn Du Dich auf einen Powerlifting-Meet vorbereitest, kannst Du eigentlich immer noch alles essen was Du willst und ein Sozialleben haben. In einer Wettkampfvorbereitung beim Bodybuilding? Vergiss es.
Es ist eben eine Herausforderung, die 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche geschlagen werden will. Etwas so monotones und schwieriges hat mir letztendlich im Geschäftsleben später sehr geholfen. Ich kann die Dinge tun, an denen normale Kerle zerbrechen oder nicht den Willen haben es zu tun. Es fordert eine Menge Eier so zu leben. - Die Planung fordert. Ich hatte eine Menge damals trainiert, besonders mit den Doppel-Splits täglich oder in der Vorbereitung. Dies forderte eine strikte Wochenplanung, in der ich alle Termine dort herumplante. Das mache ich noch bis heute – ich plane meine Workouts in der Woche als wären sie Meetings, so verpasse ich keins. Ich habe nur etwas Reue in mir, dass ich nicht meine College-Kurse so geplant hatte.
Ein Rückblick aufs Bodybuilding
Ich habe in meiner gesamten Karriere immer zu den Extrempunkten geneigt. Ich konnte nie nur "stark" sein, ich musste "lächerlich stark" sein und zerstörte meinen Körper in diesem Prozess.Dasselbe gilt fürs Bodybuilding. Ich konnte nicht einfach so massiv und breit sein und die Bars mit einem 50er Oberarm erobern, ich musste drei Stunden täglich trainieren und jahrelang denselben Mist machen. Zusätzlich hatten die Wettkämpfe eine Anziehungskraft auf mich.
Aber so bin ich eben. Die normale Person will überdurschnittlich muskulös und stark sein. Daher ist für die meisten Leute ein normales Bodybuildingtraining der Schlüssel zum Erfolg.
Du willst nie die Brust, die Arme oder die Quads eines Bodybuilders bekommen, wenn Du nicht wie er trainerst; zumindest für einen gewissen Zeitraum. Mir ist egal wie massig oder stark ein Powerlifter ist, etwas Isolationsübungen braucht er einfach um sein volles Hypertrophie-Potenzial zu verwirklichen – besonders in hartnäckigen Regionen.
Hartnäckige Muskelgruppen brauchen Volumen aus Isolationsübungen um zu wachsen. Hier scheiden sich vielleicht die Geister, doch ich habe 30 Jahre Erfahrung um meine Ansicht zu untermauern. Versuche mich gar nicht erst zu überzeugen dass Deine Arme endlich anfingen zu wachsen als Du Klimmzüge bewusst integriert hast. Dein Bizeps ist gewachsen weil Du ein verdammter Anfänger warst/bist. Ich rede nicht von 2cm mehr auf Deinem 35er, sondern von dem Zuwachs eines 46ers auf einen 50er.
Wenn Dein Ziel ist wie ein durchschnittlicher Kerl mit etwas überdurchschnittlichen Kraftleveln und Muskelmasse-Leveln auszusehen, dann solltest Du Bodybuilding immer wieder in Dein Training integrieren. Selbst wenn Dein Hauptziel die Kraft ist, drei Monate pro Jahr tun keinem weh.
Selbst wenn Du der eingefleischteste Powerlifter der Welt bist, sollte ein Nutzen dieses Stil zumindest in den Assistenzübungen zum Tragen kommen. Die meisten Powerlifter machen sich nicht viel Gedanken über diese Übungen und daher ist ein geplanteres System hier nur von Vorteil. Sie kennen sich nicht mit Zyklen oder bestimmten Nutzen aus, sie machen einfach.
Bodybuilding auf die richtige Art und Weise
Würde ich nochmal von vorne beginnen können, was würde ich anders machen?- Training: Die größte Veränderung würde ich im Zuge für meine Erholung machen. Ich würde nicht mein Training in 8 Tage quetschen und die Double Splits wären auch unnötig. Pre-Contest hätte ich lieber Cardio machen sollen anstatt so oft zu trainieren.
Ich würde immernoch jede Muskelgruppe 2x wöchentlich trainieren. Dies war in den 80ern sehr populär und ging in den 90ern verloren, als jeder auf den "alles nur 1x die Woche"-Zug aufsprang. Ich weiß nicht warum – vielleicht sind die Bodybuilder von heute nur faul? Unabhängig davon funktionierte eine hohe Frequenz sehr gut für mich und wenn ich den besten Plan der Welt aussuchen müsste, würde er jede Muskelgruppe 2x wöchentlich trainieren. - Ernährung: Was würde ich nicht ändern? Der Ernährungsplan war schrecklich; viel zu viele Carbs, zu wenig Protein und Fett, nicht genug Abwechslung und keine wahren Nährwerte.
Ich würde direkt Shelby Starnes anheuern, damit er mir einen Carb-Cycling Plan erstellt. Nicht unbedingt mit wenigen Carbs – ich mag sie echt gerne – doch einfach eine Anpassung der Makronährstoffe an den Verlauf der Woche, der mich mehr Fett verbrennen lässt und ich so mehr aus den Fettreserven zehren konnte. Dies ist witzig zu schreiben, da ich jetzt gerade auf so einem Programm abgestimmt bin.
Weiterhin würde ich eine ausgedehnte Workout-Supplementation mit genug Aminos und Carbs. So könnte ich viel mehr Muskelmasse bewahren und mit den richtigen Nährstoffen ein besseres Training abliefern. Damals hatten wir sowas einfach nicht und man merkt den Unterschied sehr. - Ich hätte dem Projekt mehr Zeit gegeben. Wenn ich diesen Lebensabschnitt nochmal wiederholen könnte, dann würde ich dem Ganzen mehr Zeit geben. Mit dem heutigen Wissen über Ernährung und Supplementation hätte ich wohl etwas mehr als respektables auf die Beine stellen können.
Es ist nicht so dass ich darüber sehr angepisst bin oder mich beschwere, doch die Sache ist die: Ich bin vielleicht bekannt als Dave Tate der Powerlifter, doch bis heute frage ich mich, ob meine Gene eher fürs Powerlifting oder fürs Bodybuilding geeignet waren?
Ich habe meine Entscheidung zugunsten des Powerliftings getroffen und bereue nichts, doch ich muss trotzdem an diese Frage denken. Außerdem wundere ich mich, was passiert wäre wenn ich mit meinem heutigen Wissen über die Gesunderhaltung des Körpers trainiert hätte. Doch dazu kommen wir in den nächsten Ausgaben.
Zusammenfassung
Wenn wir zurückblicken auf meinen kurzen Abstecher ins Bodybuilding, erkenne ich viele Fehler – das muss man einfach eingestehen – doch es hat mich auch ein paar Schritte im Powerlifting, im Geschäftsleben, als Vater und als den Bodybuilder der ich heute bin weitergebracht.Als ich anfing bei Hard Bodys zu trainieren, war ich wie ein NASCAR Stock Car; Alles was zusammengebaut als Teil zur perfekten Leistung. Meine Bodybuilding-Mentoren, bauten sie das Auto auseinander, säuberten jedes Teil und bauten es auf gerichtete Spitzenleistung auf.
Erst als ich diesen Körper zerstört hatte, merkte ich wie gesegnet ich eigentlich war.