Donnerstagabend begann das Laden. Laden ist ein schönes Wort und Laden macht unglaublich viel Spaß! Nach den kohlenhydratfreien Tagen war das Essen von Reis ein Hochgenuss. Unbeschreiblich wie geil das war. Freitag dann laden, laden, laden. Schon witzig: Man hat Berge Reis vor sich, aber man wird nicht wirklich satt. Ich hätte locker die doppelte Menge essen können, aber gut. Abends dann noch zwei Mal Farbe auftragen und ein klein wenig cheaten (können Mohrenköpfe lecker sein…). Das wenige Trinken hat zwar etwas genervt, aber gut, man muss Opfer bringen. Schon mal die Körbe gepackt, (da merkt man, wenn man mit einer Frau reist: 2 Körbe und 1 Sporttasche hatten wir dabei) und nochmal alles durchgegangen. Ich habe Euch ja an dem Abend noch einige Bilder ins Netz gestellt.
Der Oberkörper war da schon wunderbar in Form, die Beine aber davon noch ein gutes Stück entfernt. Aber wozu hat man eine Top-Betreuerin?! Ein Anruf und mit ein paar kleinen Tricks versuchten wir, da noch das Maximum rauszuholen. Die Nacht war dann zwar mit einigen Unterbrechungen versehen, aber das Ergebnis Samstagmorgen sprach für sich. Sicher, die Beine waren noch nicht in Topform, das war aber von vornherein klar, dafür bin ich halt noch 2 Wochen out. Aber im Vergleich zum Vorabend hat sich nochmal gut was getan. Die Waage brachte dann das große Staunen: 91,2kg beim ersten Wiegen. Der Stoffwechsel war in Fahrt, also kam ich bis zur Abfahrt, trotz Frühstück, auf 90,6kg runter.
Nach einer etwa einstündigen Fahrt kamen wir dann frühzeitig in Hockenheim an. Vor der Tür mit Pat getroffen und rein in den Athletenraum. Das war schon ein besonderes Gefühl, man war diesmal eben kein Zuschauer, sondern Athlet… Einen schönen Platz ausgesucht und dann erst mal breit gemacht, Beinchen hochgelegt und geduldig auf das Wiegen warten. Um 10 Uhr war es dann soweit. Sollte es doch noch für die Männer III reichen? Die Spannung auf der Waage war enorm, die Zahl erst mal ernüchternd: 90,6kg. Netterweise boten Achim und Spiros mir an, noch etwas zu warten, das Wiegen ginge immerhin bis 11 Uhr. Also raus, einmal um den Block joggen und dann in Shirt, Pulli, Jacke, dicken Socken unter die Fleecedecke, Kaputze über die Ohren und schwitzen. Noch zweimal auf die Toilette und dann war es 10.50 Uhr. Also wieder vor zur Waage und siehe an: Aber sowas von genau, ich denke das nennt man Punktlandung! Also Männer III, wie sich zeigte, eine gut besuchte und vor allem stark besetzte Klasse.
Schwitzen für die Männer III
Da das Wiegen nun vorbei war, durfte ich endlich was essen. Ein paar Reiswaffeln, einen Lebkuchenmohrenkopf und ich war glücklich. Wieder hinlegen, entspannen, Beine hoch. Gegen 12 wurde es dann Zeit für meine Süße. Pat schmierte sie ein und raus ging’s. Die Vorrunde habe ich leider nicht gesehen, lag da noch hinter der Bühne. Es lief dann – sagen wir mal suboptimal.
Mein Schazt in der Vorwahl
Es ist schon bitter, wenn man beim Probelauf, wo man noch nicht wirklich in absoluter Form ist, in eine Klasse kommt, die so übel ist, wie die Figur Ladys gestern. Man kann nun sicher darüber streiten, ob das zum Teil noch wirklich Figurklasse war, aber das führt zu nichts. Ich denke, seitens der Jury war die Bewertung absolut nachvollziehbar und auch gerecht. Also erst mal Natalie wieder etwas aufmuntern, was auch dank der Unterstützung von Pat, ihrem Freund und vor allem auch Moni Becht dann doch etwas gelang. Dann wurde es auch langsam Zeit für mich. Farbe drauf, Form nochmal begutachten (wurde nochmal deutlich besser im Vergleich zum Morgen), eine leckere Argininampulle rein und ab in den Aufpumpraum.
Da erstmal der Schock: Das ist meine Klasse?? Den ein oder anderen hatte ich beim Einschmieren gesehen und dachte mir noch: Übel, Männer IV oder Männer V? Naja, nix von beidem, Männer III, meine Klasse.
Lektion 1: Außer man ist mit einem extrem überschäumendem Ego gesegnet – hinter der Bühne fühlt man sich so dermaßen scheiß dünn, das ist schon krass. Aber gut, hilft ja nix! Also fein aufpumpen und ab raus. Das war schon ein aufregender Moment, auf die Bühne zu treten. All die Leute im Saal, die Jury vor einem… Alles Folgende verlief irgendwie etwas in Trance. Ich hatte definitiv Spaß, aber alles lief auch so etwas an mir vorbei. Im Kopf hatte ich eigentlich immer nur: Voll anspannen, lachen, schauen, ob es eine Reaktion von Pat gibt!
Nach dem Line Up ging es nach hinten und die Vergleiche wurden rausgerufen. Im dritten Vergleich fiel dann meine Nummer, also fix vor und alles geben! Lasst mich Euch eines sagen: Man kann es stundenlang üben, wenn man da oben steht, ist das nochmal was anderes. Man drückt automatisch noch härter durch und es ist dermaßen scheiß anstrengend. Nachdem wir durch waren, ging es wieder nach hinten. Puh, ausruhen. Doch weit gefehlt, vierter Vergleich und wieder meine Nummer. Also nochmal das Ganze, diesmal war ich zwar platt, aber ruhiger, was sich den Aussagen der Leute im Saal zu Folge, sehr positiv aufs Posen ausgewirkt hat.
Und dann war es auch schon vorbei. Runter von der Bühne, zurück in den Aufwärmraum. Und erst einmal was trinken. Pat rubbelte mir die Farbe runter und ich genehmigte mir einen Mohrenkopf. Gott war der lecker! Dann wieder hinlegen, nach und nach noch etwas essen und entspannen. Und das war leichter gesagt, als getan, denn die Spannung war immer noch da.
Meine Süße zeigte mir dann die Bilder, die sie gemacht hatte und ich muss sagen, ich war absolut positiv überrascht. Klar weiß ich, dass die Form in den Beinen eben noch nicht 100% da war und klar weiß ich, dass die Präsentation noch verbessert werden kann, aber meine Angst, neben den anderen Jungs völlig deplatziert zu wirken, die war verflogen. Ohne arrogant klingen zu wollen, aber das hat gepasst, für mein Empfinden war ich in der Klasse genau richtig.
Die Pause verkürzte ich mir mit etwas posten auf Andro via iPhone. Nach einer Weile kam Pat zu mir, um mir mitzuteilen, dass es nicht fürs Finale gereicht hat. Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht enttäuscht war. Sicher wäre es schön gewesen, aber das Feld war wirklich enorm stark und ich eben noch nicht fertig. Von daher hatte ich keine großen Erwartungen, die enttäuscht werden konnten. Weiterhin motiviert es einfach ungemein, wenn Leute vom Fach wie der gute Markus Becht einem sagen, dass die Form vom Oberkörper her wirklich gut ist, die Beine halt noch mehr Teilung brauchen, aber er insgesamt überrascht war, dass es kein Finalplatz war. Da ich wusste, dass ich nun nur noch zum Posedown aller Athleten um 16 Uhr raus musste, trank ich erst einmal ordentlich und gönnte mir noch das ein oder andere Stück Krapfen. Dann mal raus, schauen was die Stände so an Riegeln hergeben und da erst einmal geschlemmt.
Zwischenzeitlich war dann auch Franky aufgetaucht und nach kurzem Plausch wurden ein paar Fotos gemacht und wir fanden uns vor der Kamera für ein kurzes Interview ein, das sinnigerweise zweimal gedreht wurde, da im ersten Anlauf irgendjemand wohl vergessen hatte, den Ton des Mikros anzuschalten, nicht wahr Franky… (Anmerkung Franky: So hat's meine tolle erste Einleitung doch nicht aufs Video geschafft.. haha) Hat aber echt Spaß gemacht mit dem jungen Herren. War mir wirklich eine Freude, Dich endlich auch mal im echten Leben kennen zu lernen. preview
Als 16 Uhr näher rückte, nochmal Natalie etwas motiviert und dann ab zum Posedown aller Athleten. War durchaus witzig, so mit 60 Athleten und Athletinnen auf einer Bühne. Danach meiner Süßen noch was zum Aufpumpen gebracht und dann noch was zu trinken geholt und mit der Kamera bewaffnet in den Zuschauersaal, meine Süße fotografieren. Gesagt, getan.
Danach dann wieder hinter die Bühne, Madame abholen. Immerhin, einen Pokal hat sie bekommen. Ist ja auch schon mal was. Nachdem wir dann sie etwas verpflegt hatten, vertrieben wir uns die Zeit mit interessanten Gesprächen mit Pat, Moni und Markus, schlenderten etwas durch die Stände und gönnten uns etwas zu Essen. Dann wurde es Zeit langsam die Sachen zusammen zu packen und sich die Finals der Männer anzuschauen. Beeindruckt war ich von Jury, dem Sieger der Männer II. Wahnsinns Körper, sehr schönes Posing, super Kür, ganz klar verdienter Sieger. Nach der Männer III machten wir uns dann auf den Heimweg. Der Tag war lang, ich wurde langsam müde und der Hunger auf was Richtiges zu Essen stieg. Also adieu Hockenheim! War eine wunderschöne Meisterschaft, ein starkes Feld (im Athletenraum sieht man ja die Jungs und Mädels, echt richtig gute Leute dabei) und eine tolle Organisation. Alles lief reibungslos, die Verpflegung war super, vielen Dank!
Nach entspannter Fahrt dann der ersehnte Stopp bei Burger King. Mit zwei Personen 35€ in einem Fast Food-Laden zu lassen, schlecht finde ich das ja nicht, zumal wenn eine davon eine kleine Dame mit unter 60kg ist. Fix nach Hause, Platz fürs Essen schaffen und mit Cola Light und dem Arsenal an Junk Food vor den TV. Herrlich, einfach herrlich! Dass etwas so gut schmecken kann, unbeschreiblich. Als das große Fressen beendet war, war ich zwar auch zum Platzen voll und es zwickte und drückte, aber das war es wert. Noch schön geduscht und einfach nur mit meiner Süßen vorm TV liegen, manchmal sind es echt die kleinen Dinge, die einen glücklich machen. Gleiches gilt auch für den unfassbar leckeren Schoko-Vanille-Whey-Shake mit Milch, den ich vor dem Schlafen getrunken habe. Ein Shake mit Milch, unfassbar lecker… Aus Spaß vor dem Schlafen nochmal gewogen: 95,6kg – das nenn' ich mal Gewichtsschwankung: Von 94,5kg Freitagmorgen auf 90kg Samstagmorgen auf 95,6kg Samstagabend. Geschlafen habe ich dann wie ein Murmeltier, kein Vergleich zu den Nächten zuvor.
Heute Morgen dann gut gelaunt aufgewacht, ein bisschen supplementiert und raus zum joggen. Das tat richtig gut und ging auch extrem locker, kein Wunder, die Glykogenspeicher laufen auch über. Wieder zu Hause nochmal ein paar Fotos gemacht und dann Frühstück. Heute wird wieder langsam in die Diät übergegangen, sprich keine Cheatmeals mehr, aber einfache Dinge, die trotzdem glücklich machen: etwas Porridge zum Frühstück, gleich eine Putenhackpfanne mit Gemüse und etwas Reis und nachher noch ein klein wenig Magerquark. Dann ist aber auch Schluss mit lustig! Ab morgen geht es dann mit Volldampf los! Es sind noch zwei Wochen Zeit und ich werde mir so dermaßen den Arsch aufreißen, dass ich zur Hessisch-Rheinlandpfälzischen in einer absoluten Topform erscheine. Also ab morgen wieder Feuer frei im Training, wieder drei Einheiten Cardio am Tag und dazu werde ich versuchen, noch jeden Abend 30-45 Minuten locker auf dem Bike zu treten.
Die Diät wird nochmal angezogen, aber das überlasse ich Pat. Ihre Planung ging bisher super auf, alles hat gepasst und daher bin ich voller Vertrauen, dass das bis zum 21.11. passt. Gleiches gilt übrigens auch für meine Süße, deren Ehrgeiz nun auch nochmal richtig wach gekitzelt ist. Weiterhin wird natürlich jeden Tag die Präsentation geübt und wir werden das großzügige Angebot von Markus und Moni natürlich gerne annehmen, nächste Woche nochmal bei Ihnen reinzuschauen, damit sie mit uns das Posing durchgehen. Wann hat man schon mal so eine Chance?! Vielen Dank an der Stelle an Euch!
Heute Morgen
Wie gesagt, noch zwei Wochen! Verzeiht mir, wenn ich in der Zeit vielleicht nochmal etwas ruppig im Forum werde, eine Diät zehrt doch schon enorm an einem. Auf jeden Fall auch nochmal Danke für das tolle Feedback von Euch! Das motiviert natürlich noch viel mehr, sich richtig den Arsch aufzureißen, damit das Ergebnis am 21. nochmal deutlich besser wird. Für mich war der gestrige Tag in jedem Fall eine wunderschöne Erfahrung und ich kann nur jedem empfehlen, der Ambitionen in diese Richtung hat, es durchzuziehen.
Man wird wohl kaum im ersten Anlauf direkt Deutscher Meister, aber das ist es doch auch nicht, was zählt. Wichtig ist für mich, den bestmöglichen Körper zu bringen, der mir möglich ist und diesen so gut zu präsentieren, wie ich nur irgendwie kann. Alles andere hat man eh nicht in der Hand. Du weißt vorher nie, wer neben Dir steht, Du weißt nie, wie gut das Feld ist. Aber das ist auch egal. Ganz ehrlich: Lieber erreiche ich keinen Finalplatz in einem Top-Feld, als dass ich in einem Feld voller Totalausfälle gewinne. Noch schöner ist es sicherlich, in einem Top-Feld zu siegen, das ist sicher auch die Motivation, aber nicht der Anspruch. Es ewig vor sich her zu schieben, immer nach dem Motto: Nächstes Jahr, wenn ich dann noch 5kg mehr Masse habe. – bringt es das? Die meisten der Jungs stehen dann doch nie auf der Bühne.
Sofern man nicht in völlig desolater Form erscheint, kann man nichts verlieren und ich denke, dass sich absolut jeder, der da oben steht, seinen Respekt verdient hat. Und wie gesagt: Aus meiner Sicht ist es die Quälerei und die Mühen absolut wert. Allein für die zwei Tage vor dem Wettkampf, wo man wirklich stündlich sieht, wie die Form besser wird. Das ist ein Gefühl, es ist schwer in Worte zu fassen. Und auch die Atmosphäre bei einem Wettkampf, das ist einfach etwas ganz besonderes. Im Athletenraum zu liegen, neben all den anderen Jungs und Mädels, der Duft von Reiswaffeln und Dream Tan, all das hat einen magischen Flair und es ist einfach ein fantastisches Erlebnis.
Abschließend noch ein paar Worte zu Dingen, die ich gelernt habe. Erst einmal kann man nie genug zu essen und vor allem zu trinken mit auf einen Wettkampf nehmen. Sobald Du endlich trinken darfst, könntest Du einen ganzen See aussaufen. Auch wenn es da natürlich die Athletenverpflegung gibt, es schadet nie, ein paar Flaschen Wasser dabei zu haben. Zweitens fand ich die Atmosphäre unter den Athleten sehr sehr angenehm. Man hört ja oft einmal auch andere Stimmen, aber für gestern kann ich nur sagen, dass die Stimmung absolut gut war. Und zu guter Letzt weiß ich nun, wie geil es sein kann, einfach mal ungehemmt zu schlemmen.
Ich muss dazu sagen, dass ich mich sonst eigentlich 365 Tage im Jahr weitgehend sauber ernähre, so ein Crashday ist da echt einfach nur geil! Oreos, Brownie-Riegel, Mohnschnecken, Krapfen, Burger, Onion Rings, geil ist der ganze Mist ja schon. Ich habe aber auch gemerkt, dass ich – so geil ich das auch fand – es nicht dauernd brauche. Heute ist die Lust auf Müll schon wieder verflogen. Wie gesagt, ein paar gesunde Leckereien, die sonst im Rahmen der Diät halt nicht gehen, aber sonst alles wieder sauber.
Und zu Guter Letzt: In diesem Sport gibt es einfach unglaublich viele, sehr sehr sympathische Menschen, die ohne davon zu profitieren, einfach aus Liebe zu diesem Sport, enorm viel leisten. Ich denke, das zeigt, wie tief unser Sport doch auch in uns eindringt und uns beeinflusst. Ich finde das spitze, denn ohne die Hingabe all der Menschen, die solche Wettkämpfe organisieren, dabei helfen, Athleten vorbereiten und so weiter, wäre all das gar nicht möglich. Da merkt man dann, dass Bodybuilding einfach mehr als ein Sport ist, es ist wirklich eine Lebenseinstellung!