Kann es das sein?
Wenn du einen Versuch mit 600 Pfund im Bankdrücken versuchst, dann kann schnell was schief gehen. Ich verfehlte grade die 600 zum zweiten Mal und irgendetwas lief definitiv falsch. "Scheiß drauf!", dachte ich. "Lass die Stange beladen!". Es war der dritte Versuch, der wirklich meine Schulter mitnahm. Nun musste ich herausfinden, ob etwas schmerzte, verletzt war oder vollkommen kaputt.
So nenne ich die drei Stadien von Verletzungen. Wenn etwas schmerzt, dann ist das keine große Nummer. Für die Powerlifter oder alle anderen Athleten, die bis an ihre Grenzen mit Maximalgewichten gehen, dann schmerzt dir eigentlich immer irgendwas. Das geht normalerweise einfach weg. Wenn du verletzt bist, dann geht es nicht weg und erfordert evtl. eine Trainingspause und Behandlungen. Wenn es wirklich übel wird, dann bist du vollkommen kaputt. Dies ist der Fall, wenn Sachen einfach nicht besser werden oder Verletzungen aus der Vergangenheit sich wieder melden. Nun musste ich gucken, in welchem Stadium ich war.
Im nächsten Bankdrück-Workout konnte ich die Stange nicht ohne Schmerzen absenken. Es war so, als würde jemand ein Messer in meinen Nacken rammen. Also habe ich ein paar Wochen darum herumtrainiert und es wurde nicht ein Stück besser. Ich wusste, dass ich an der Grenze zwischen Verletzung und vollkommen kaputt stand. Nach fünf Monaten entschied ich mich einen Doktor aufzusuchen. Fünf Monate ohne mehr als 315 Pfund zu drücken, waren nicht gut, also wusste ich, dass etwas falsch läuft. Mir wurde gesagt ich hätte vier Knochensporne, die raus müssten und einen gerissenen Terres Major, der wiederhergestellt werden müsse. Ein Termin für die Operation wurde gewählt und ich legte mich (schon wieder) unters Messer für eine bessere Drückleistung. Ich fragte mich, wie lange es wohl dauern würde, sich von dieser nun zu erholen. Nach der vorigen Operation wegen einem gerissen Brustmuskel dauerte es über ein Jahr meinen Personal Record zu brechen.
Während dem Check-In im Krankenhaus, fragte mich die Krankenschwester, wie ich mich verletzt hatte. Ich erzählte ihr, es sei von jahrelangem Missbrauch. Dann sah sie die andere Operation in meiner Krankenakte und fragte, ob es auch von den Gewichten kam. "Ja", sagte ich ihr, "und warum fragst du?" In diesem kalten Raum mit nichts an, bloß einem hinten offenen OP-Hemd fragte sie mich die Frage, die ich nicht aus meinem Kopf kriegte.
"Warum machst du weiter?"
Ich lachte bloß drüber und wurde in den OP gefahren.
Wenn du zu einer Operation gefahren wirst, fühlst du dich wie ein Verurteilter zu einer Todesstrafe. Die Beratung vor der OP ist die letzte Station, bevor du den Stuhl erreichst. Der Anästhesist erzählte, dass er mir eine lange Nadel in den Nacken stechen wird. Das war die größte verdammte Nadel, die ich je gesehen hatte und er wird mir diese durch den Trapezmuskel rammen. Ärzte halten manchmal Small Talk mit dir, wenn sie dir schmerzvolle Dinge antun, also fragte er mich, wie ich mich verletzte und ich erzählte es ihm. Nachdem er fertig war mit der Narkose, drehte er sich wieder um zu mir und fragte "Warum machst du weiter, wenn es dich so fertig macht, wie du jetzt bist?"
Dieselbe Frage zweimal in der letzten halben Stunde. Ich lachte wieder drüber, aber diesmal beschäftigte sie mich. Als sie mich in den OP fuhren, sah ich meinen Doktor dort stehen. Ich war im la-la Land zu dieser Zeit, hatte aber immer noch die Präsenz dem Doktor zu sagen, er solle auf mich aufpassen. Er hatte nach all dem mein Leben in seinen Händen. Er versicherte mir, er habe dies schon tausende male getan und noch nie einen Patienten verloren. Noch nie einen Patienten verloren? Zur Hölle, ich redete nicht buchstäblich von meinem Leben, ich redete über meine Fähigkeit Bankzudrücken! Konnte er nicht sehen wie wichtig er für mich war?
Ich wurde instruiert rückwärts von Zehn zu zählen. Zehn…Neun…und während ich wegdriftete…Acht…kam mir die Frage wieder in den Kopf...Sieben…Warum mache ich das?...Sechs…und ich war weg…
…zurück im Studio, mit derselben Frage im Kopf. Als ich es betrat, bemerkte ich einen bestimmten Geruch dieses Ortes. Eine spezielle Mischung aus Schweiß, Kreide, Silikonspray und Balsam. Das ist derselbe Geruch, den du in jedem Hardcore-Studio findest. Der Geruch von harter Arbeit, Schmerzen und Disziplin. Der Geruch von Courage. Für einen wahren Lifter ist das der Geruch von Zuhause, dem Ort an dem du sein willst. Ich dachte mir, "Kann es das sein? Kann dieser Geruch es sein, worum es sich dreht?"
Wartend auf unseren regulären Trainingsbeginn um 8.30AM, startete ich den Prozess des Auftragens des Balsams. Zu dieser Zeit kommen meine Trainingspartner grade an. Sie machen Witze, reden Müll, schließen Wetten ab, bringen sich auf den neusten Stand. Beim Warm up dachte ich mir, ob es das ist, worum es geht, warum ich es tue. Ist die Verwandtschaft mit meinen Trainingspartnern die wahre Antwort?
Um 8.30 ändert sich die Einstellung des Studios. Sie wird von Comedy und Freundschaft zu Aggression und Krieg. Die erste Übung der Session ist die wichtigste. Das ist das, worum es geht, der Lift indem wir versuchen Rekorde zu brechen, den du zerstörst oder er dich zerstört. Die Musik wird vom Radio zu etwas härterem geändert. DMX, AC/DC, es ist wirklich vollkommen egal, Hauptsache es ist laut. Ich spüre, wie sich mein Herzschlag erhöht und sich die Aggression aufbaut. Ich sehe diesen Blick der Aggression in den Augen von jedem. Wenn du zu diesem Zeitpunkt ins Studio laufen würdest und nicht wissen würdest, was hier los ist, dann wäre es das Beste sich so schnell wie möglich umzudrehen und später wiederzukommen. Als ich um mich herum schaute, dachte ich mir, "Kann es das sein? Kann die Musik und Aggression der Grund sein warum ich das tue, was ich tue?"
Wenn wir anfangen die Übung zu machen, in der es um Alles geht, beginnen wir mit leichten gewichten und arbeiten uns hoch zum "Courage-Gewicht", dem eigentlichen Maximalgewicht. Als ich die Stange griff, spürte ich das kalte Metall in meiner Hand. Die scharfe Riffelung schmerzt etwas in meinen schwielig-tauben Händen, die Hände, die ihr Leben mit dem Eisen verbrachten. Das Gefühl der Stange weckt in mir die Aufregung zu den großen Gewichten zu gelangen, den Gewichten, die nur wenige jemals erreichen, dem Bereich, wo nur diejenigen hinkommen, die wissen wie es ist, große Träume zu haben. Kann es das sein? Kann es das Gefühl des Stahls sein, warum ich tue, was ich tue? Kann das Training unter maximaler Anstrengung der Grund sein, warum ich es tue? Sind es die Schreie und Ermutigungen, wenn ich einen neuen PR versuche aufzustellen? Oder tue ich es für die Wut und die Befreiung, die nur schweres Powerlifting bringen kann?
Nachdem alle ihre Versuche getan haben, bin ich an der Reihe. Ich sage ihnen, ich sei fertig für heute, aber die Worte kommen zurück zu mir, wie ein Messer, dass dir in den Rücken gestochen wird. Was zur Hölle meinst du damit, du seiest fertig? Pack ´nen Quarter drauf und schwing dich verdammt noch mal unter die Stange! In diesen Zeiten gehe ich tief in mich und bringe eine andere Persönlichkeit zum Vorschein, die mit dieser Scheiße klarkommen muss. Dave ist dafür nicht gemacht, aber mein alter Ego ist es. Wir nennen ihn Zippy und Zippy erledigt den Job, wenn Dave sich verabschiedet.
Also gehe ich in mich und finde diese andere Person und sie bewegt sich zur Stange. Der Fokus auf die Aufgabe blendet alles aus, was um mich herum ist. Während ich mich unter die Stange lege, fühle ich mein Herz in der Brust schlagen und die Aggression und Wut ist an einem absoluten Höhepunkt angelangt. Sobald das Gewicht raus gehoben wurde, gibt es keinen Zweifel in meinem Kopf, dass ich dieses Gewicht zerstören werde. Kann es das sein? Kann das Bewegen von Gewicht, von dem ich erst dachte, es würde mich töten der Grund sein, warum ich mir das antue? Können es Blut, Schweiß und Tränen des Trainings der Grund sein, warum ich tue, was ich tue?
Jetzt bin ich bei den IPA Nationals und laufe durch den Warm-up Raum. Man kann spüren wie die Aufregung ansteigt. Trainingstaschen sind überall gestapelt und überall sind Athleten. Teens, Masters, Amateure und Profis gemischt untereinander. Der Sport des Powerliftings hat einen Platz für jeden. Alle freuen sich auf ihren Versuch für die Wertung, ihren Moment der Wahrheit. Als ich herumschaue, erkenne ich Freunde, die ich vor Jahren gefunden habe und neue Freunde, die ich heute noch finden werde. Ich frage mich wieder, kann es das sein? Kann es der Grund sein inmitten jener, die das Eisen genau so wie ich lieben zu sein?
Nun bin ich bei einem Wettkampf, hinter der Bühne und warte, Das ist der Moment, für den ich trainiert habe, der Moment, den wenn er erstmal vorbei ist, mir keiner nehmen kann und man ihn nicht noch mal erlebt. Dieser Moment ist für einen Powerlifter der, wo er glänzen kann, dieser Moment, der festlegen wir, ob er seine Arbeit im Studio abgeleistet hat oder nicht. Hast du deine Arbeit getan und es war die richtige Sorte Arbeit, dann wird dieser Moment einer der großartigsten dieses Jahres sein. Wenn du deine Arbeit nicht getan hast, dann wird es dein Denkzettel werden wo etwas falsch lief, gezahltes Lehrgeld, die dich zu einem besseren Athleten machen kann.
Ich bin jetzt auf der Plattform, ein Powerlifter vor mir, Bandagen werden umgewickelt und der Anzug angezogen für eine riesige Kniebeuge. Bin ich bereit für die bevorstehende Aufgabe? Ist mein Kopf am richtigen Ort? Ich bin Umgeben von einer bunten Mischung aus Ermutigung und hochgradiger Aggression. Mein Name wird aufgerufen und es ist Zeit aufzudrehen. Das ist es, wo ich sein will. Das ist es, wo ich für trainiert habe. Hier liegt es nur noch an dir; niemand kann für dich das Gewicht bewegen. Furcht ist keine Option. Das ist der Tag, wo du der Furcht ins Gesicht spuckst und weiter machst. Es ist Zeit die Wut loszulassen.
Das Gewicht lacht mich aus als ich unter die Stange trete, aber es fühlt sich leicht an. Das Spiel ist bereits vorbei. Ich weiß schon, wer der Gewinner heute sein wird. Zwei Sekunden später, mit der Nase voll Blut und Sternen in den Augen, lege ich das Gewicht ab und sehe weiße Lampen, die so hell leuchten wie der Las Vegas Strip. Ein neuer PR. Ein Gewicht, von dem ich zehn Jahre zuvor nur träumen konnte. Kann es das sein? Ist es das, warum…
…und jemand sagt meinen Namen immer und immer wieder. Der Doktor. Ich bin im Aufwachraum und völlig von Sinnen. Später, auf der Fahrt nach Hause, traf mich die Antwort wie eine Wagenladung voll Ziegelsteine. Ich tue, was ich tue, weil es das ist, was ich tue. Es ist nicht der Geruch des Studios, ich war in vielen Studios und ich liebte sie alle. Sie haben alle nicht denselben Geruch. Es sind nicht meine Trainingspartner. Trainingspartner kommen und gehen. Es ist nicht der kalte Stahl oder das Gefühl der Stange. Manche Stangen sind dicker als andere, manche dünner, manche sind weniger geriffelt, während andere scharf wie sonst was sind.
Es ist nicht die Anstrengung und es ist nicht die Musik im Studio. Musik ändert sich mit der Zeit, aber meine Leidenschaft bleibt dieselbe. Es sind nicht die alten und neuen Freunde, die ich mir mache auf Wettkämpfen. Freunde kommen und gehen; Powerlifter setzten sich zur Ruhe und hören auf. Es sind nicht die persönlichen Rekorde, die auf Meisterschaften aufgestellt werden. Wäre das der Fall, dann hätte ich vor langer Zeit schon aufgehört. In 20 Jahren an Wettkämpfen, waren es glaube ich bloß drei Wettkämpfe, in denen ich in jedem Lift einen PR brach.
Also, was ist es? Warum tue ich das, was ich tue? Es ist nicht ein Ding oder ein Moment. Es ist der Prozess, für den ich die Leidenschaft habe. Es ist alles. Ich liebe es alles und deswegen tue ich das, was ich tue. Vor 20 Jahren nahm ein 13jähriger ein Powerlifting USA Magazin in die Hand und träumte davon, in den Top Ten zu sein. An diesem Tag wurde die Leidenschaft geweckt und der Kampf begann. 20 Jahre später hat dieses Kind immer noch nicht seine Kindheitsträume losgelassen und ein Top Ten Total gepostet.
Wenn dich jemand fragt, warum du das tust, was du tust, lächle bloß. Wir tun, was wir tun, weil es das ist, was wir tun. Unsere Leidenschaft formt unseren Charakter und unser Charakter macht uns zu dem, was wir sind. Verliere nie deine Leidenschaft.