Wenn ich heute gefragt werde, wie ich denn zum Bodybuilding gekommen bin, dann bin ich mir gar nicht so sicher was eigentlich der Auslöser war. Ich könnte mehrere Gründe anführen. Zum einen ist sicherlich der eigene Vater in jungen Jahren als Vorbild anzuführen. Mein Vater war gelernter Schmied und hatte schon eine respektable Figur. Zwar nicht durchtrainiert, doch aber groß und kräftig.

Zum anderen war da meine Bewunderung für Filmhelden. In meiner Jugend gab es ja noch nicht so viele Muskelmänner im Fernsehen. Dann war da aber auch noch die Geschichte mit dem anderen Geschlecht. Ich stellte schnell fest, dass Mädchen sich oft zu großen starken Jungs hingezogen fühlten. Sicherlich war es aber die Mischung aus all diesen Gründen plus die Liebe für sportliche Betätigungen aller Art.

Heiko


Ich habe mich in vielen Sportarten ausprobiert. Das kann ich auch nur empfehlen, um den Sport zu finden der einem wirklich Spaß macht. Badminton, Fußball, Handball, Leichtathletik (Zehnkampf) waren so meine Hauptsportarten in jungen Jahren. Wir haben uns als Jugendliche fast mehr in Turnhallen als zu Hause aufgehalten. Da blieb es auch nicht aus, dass man in den ersten Kontakt mit Hanteln kam. Die lagen ja fast in allen Turnhallen herum.

Heiko


Natürlich konnte man damals noch nicht von Training sprechen. Das waren mehr Kraftproben unter uns Jugendlichen. Wie viele Klimmzüge schaffst du denn? oder Zeig mal, was du bei Beugestützen (so sagte man früher zu Dips) so drauf hast! Irgendwo gab es immer einen der besser war als man selbst. Da keimte dann so langsam der Wunsch auch einmal besser zu werden.

Im Geräteraum unserer alten Turnhalle lagen ein paar Lang- und Kugelhanteln, da gab es einen Barren und eine Klimmzugstange. So fingen wir mit ein paar Freunden neben unseren anderen Sportarten an, unsere Muskeln zu trainieren. Man merkte schnell, dass wir kräftiger wurden.

Schnell ging die Schulzeit vorbei und man sollte einen Beruf erlernen. Ich musste zur Berufsausbildung in einen 200km entfernten Ort. Da ich in einem Lehrlingsinternat untergebracht war, konnte ich nicht jeden Tag nach Hause zum Trainieren. Und so war ich sehr erleichtert, als ich im Erdgeschoß des Internates einen gut eingerichteten Trainingsraum vorfand. Meine Freunde trainierten also zu Hause und ich im Internat.

Die zwei Jahre Internatsausbildung waren schnell vorbei und ich hatte in dieser Zeit nicht nur einen Größenwachstumsschub hingelegt sondern auch 10 Kilo zugenommen.

Wie das bei vielen der älteren Hantelsportler so war, haben wir nach der Ausbildung überlegt, wo wir unseren Sport ungestört vom Turnhallenbetrieb ausüben können. Da ich aus der ehemaligen DDR stamme, gab es weder Sportstudios, noch entsprechende Trainingsgeräte zu kaufen.

Also hieß es, selbst ist der Mann. Mein bester Freund war gelernter Schlosser. Wir begannen uns eine Hantelbank und andere Zuggeräte selbst zu bauen. Trainiert haben wir dann in einer Garage. Die Liebe zu dem Sport entwickelte sich immer mehr.

Es gehört schon eine ordentliche Portion Enthusiasmus dazu im Winter bei Minusgraden in einer unbeheizten Garage zu trainieren. Wir haben uns aber immer ordentlich ins Zeug gelegt. Wenn es richtig kalt war, saßen wir zwischen unseren Sätzen auf der Hantelbank und der Schweiß stieg, als leichter Dampf sichtbar, an uns empor, aber wir waren glücklich. Glücklich über jedes Kilo mehr bei einer Übung, jeden Millimeter mehr am Armumfang, jedes Gramm mehr auf der Waage.

Der absolute Wahnsinn war dann 1982: Die erste Bodybuildingzeitschrift von Verwandten aus Hameln. Wir sogen jeden Text, jedes Bild in uns hinein. Jeder Trainingsplan wurde ausprobiert. Wir entwickelten Trainingspläne in denen wir bis zu 40 Tonnen Gesamtgewicht in einer Trainingseinheit bewegten.

Natürlich waren wir damals sicher oft übertrainiert. Wir hatten ja keine Ahnung von trainingsgerechter Ernährung oder Erholung. Viel hilft viel und noch mehr ist noch besser. Keine Ahnung von Post- oder Preworkout Nutrition. Tja wenn man das alles schon damals gewusst hätte, wäre einiges besser gelaufen.

Es kamen aber zu dieser Zeit auch langsam Zweifel auf ob der Richtigkeit unseres Handelns. Die Fortschritte kamen zwar, aber nicht so schnell wie wir sie uns erträumten. Aus verschiedenen Zeitschriften erfuhren wir dann auch, dass viele Athleten ihre Körper mit Dopingmitteln aufbauten. Wir lasen aber auch über die vielen Risiken, die damit verbunden waren. Für uns war schnell klar, dass dieser Weg nicht der unsere war. Muskeln ja, aber nicht um jeden Preis.

Ich muss allerdings dazu sagen, dass die Beschaffung durchaus möglich gewesen wäre. Da wir nur für uns in der Garage trainierten, wollten wir uns trotzdem ab und zu ärztlich durchchecken lassen. Bei solch einer Untersuchung befragten wir unseren Arzt über Folgen von Anabolikaanwendungen. Ich muss dazu sagen, dass unser Allgemeinmediziener auch sportärztlich tätig war. Zu unserem Erstaunen fand er den Gebrauch von diesen Mittel durchaus akzeptabel und sagte wörtlich: Ohne diese Mittel könnt ihr einen großen Muskelzuwachs vergessen. Er wollte uns sogar etwas auf Rezept geben.

Wir waren erst mal geschockt und lehnten ab. Wir schaffen das auch so, war unsere einhellige Meinung. Die Verlockung ist zwar groß, schneller zu großem Muskelwachstum zu kommen, aber solche gesundheitlichen Risiken wollten wir nicht eingehen.

Wir blieben also sauber und waren auch froh darüber. Wir hatten auch ohne Doping schon ganz gute Körper entwickelt und fielen in den Discotheken auf. Das war ein tolles Gefühl von Anderen wegen unserer Muskulatur bewundert zu werden. Wir waren ja auch immer in der Gruppe mit Gleichgesinnten. Kaum einer wagte sich, uns dumm zu kommen. Dadurch sind wir sicher um viele Dorfschlägereien herumgekommen.

Nun kam für uns alle fast gleichzeitig die Zeit des Wehrdienstes. Jeden verschlug es woanders hin. Ich hatte Glück und konnte auch dort trainieren. Mein Freund bekam während dieser Zeit Kontakt zu einer Kraftsportgruppe bei Berlin. Als wir unseren Wehrdienst hinter uns hatten, haben wir uns mit dieser Truppe getroffen und beschlossen im Kraftdreikampf in einer Mannschaft zu starten.

Zu dieser Zeit hatten wir bereits eingesehen, dass wir solche Körper wie in den Hochglanzmagazinen auf natürliche Weise nicht entwickeln können. Wir wollten aber sauber bleiben und den Sport für unsere Gesundheit betreiben. Das Training veränderte sich deutlich und wurde leistungsbezogener. Wir kamen auf deutliche Leistungssteigerungen. Bankdrückwerte von über 200kg, Kniebeugen 6er Sätze mit 220kg und mehr. Es war eine schöne Zeit, doch auch hier stellten wir fest, dass Doping immer mehr eine Rolle spielte.

Aufgrund meiner ungünstigen Hebelverhältnisse kam ich irgendwann an meine Grenzen. Bei 1,91m Größe hat man einfach zu lange Wege mit der Hantel zurückzulegen, um ganz vorn eine Rolle zu spielen. Der Wille trieb mich weiter und die Technik wurde unsauberer. Es kam, was kommen musste. Die ersten Verletzungen stellten sich ein, so dass ich immer öfter nicht so trainieren konnte, wie ich wollte.

Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass es nicht der richtige Weg für mich war. Ich hörte auf mit den Wettkämpfen, kurierte meine Verletzungen aus und begann nur noch für mich zu trainieren.

Ich fragte mich War es das jetzt? Meinen Traum, einmal auf einer Bodybuildingbühne zu stehen, hatte ich immer noch. Ich wollte aber weiterhin sauber und dopingfrei trainieren und glaubte so, keine Chance auf einen vorderen Platz zu haben. Deshalb schob ich diesen Traum erstmal beiseite.

Kraftdreikampf ging auch nicht mehr. Ich war aber immer stark und hatte mir eine kräftige Figur antrainiert. Ich beschloss das Training nur für mich zu betreiben.

Ich hatte mir mit meinem Erscheinungsbild in unserer Gegend einen gewissen Namen gemacht und man kannte mich so muskulös. Das sollte auch so bleiben. Ich trainierte also weiter, weil ich das Gefühl des Ausarbeitens der Muskulatur liebte.

Dann fiel 1989 die Mauer. Für uns eröffneten sich plötzlich ganz andere Möglichkeiten. Diese Aufbruchstimmung schlug sich auch auf unser Training nieder. Von unserer Trainingsgruppe waren nur noch drei Mann übrig. Meine beiden Freunde ergriffen die Chance auf dem Grundstück ihrer Eltern ein Fitnessstudio zu eröffnen. Sie machten als Brüder ihr Hobby zum Beruf. Anfangs wussten sie nicht, ob sie damit ihre Familien ernähren können, aber es läuft noch heute sehr gut, und sie sind immer noch im Dreikampf aktiv. Sie starten noch selbst in den Altersklassen bei DM und EM und kümmern sich viel um den Nachwuchs.

Mich verschlug es beruflich an die Nordsee. Um weiter trainieren zu können und um Geld zu sparen schaffte ich mir einen Hantelsatz und ein einfaches Kettler-Trainingsgerät an und trainierte zu Hause. Ich blieb weiter stark, legte regelmäßig Kraftphasen ein in denen ich noch bis 180kg auf der Bank bewegte.

Das Computerzeitalter brachte die Möglichkeit im Internet viel über das Training zu erfahren und zu lernen. Ich war immer noch bestrebt viel zu lernen, um das Beste aus meinem Training heraus zu holen. Eines Tages fand ich die Internetseite der German Naturel Bodybuilding and Fitness Föderation (GNBF).Die GNBF setzt sich für dopingfreies natürliches Bodybuilding ein, und bietet allen, die an gesundem Bodybuildingsport interessiert sind, die Möglichkeit an einer deutschen Meisterschaft unter Gleichgesinnten teilzunehmen. Ich war wie gefesselt. Mittlerweile 44 Jahre alt, keimte in mir die Hoffnung meinen Jugendtraum doch noch wahr zu machen und einmal auf einer Wettkampfbühne zu stehen. Ich setzte mich mit dem Gründer und Verbandspräsidenten Berend Breitenstein in Verbindung und stellte schnell fest, dass wir auf einer Wellenlänge lagen. Die GNBF veranstaltet einmal jährlich eine Deutsche Meisterschaft.

Heiko


Ich trat dem Verband bei, modernisierte mein Heimstudio und beschloss mich für die Meisterschaft 2007 vorzubereiten. Ich trainierte wie besessen. Ich hatte wieder ein Ziel. Ich nahm an den kostenlosen Schulungen der GNBF zur Wettkampfvorbereitung teil und informierte mich über Diätstrategien. Ich tat alles um gut in Form zu kommen.

Im Oktober 2007 war es dann so weit. Mit 45 Jahren mein erster Wettkampf im Bodybuilding. Mein Herz schlug, als wollte es aus dem Hals springen. Ich hatte von 115kg in der Aufbauphase auf 100kg in der Diät heruntergezogen. Es war noch nicht perfekt, aber ich hatte das für mich Beste getan. Und nur darauf kommt es an. Man muss mit sich und dem was man getan hat zufrieden sein. Was am Ende dabei herauskommt, ist dann nicht ganz so wichtig.

Heiko


Die Posingrunden liefen nicht schlecht. Ich hätte nur nicht gedacht, dass es so anstrengend sein würde, die Posen so lange zu halten. Immer wieder in mehreren Bewertungsrunden alle acht Pflichtposen. Ich atmete so schwer wie nach mehreren 100m Sprints. Der Schweiß lief mir in Strömen am Körper herunter.

Der Lohn der Mühe war ein dritter Platz im Schwergewicht. Wau, mein erster Pokal. Man kann es gar nicht beschreiben, was für ein Glücksgefühl mich durchströmte.

Voll motiviert ging ich gleich die Vorbereitung für die Deutsche Meisterschaft 2008 an. Ich wusste, dass ich noch eine bessere Definition erreichen musste, um weiter vorn zu landen. Ich konnte bei noch stärkerer Konkurrenz wieder den dritten Platz erreichen. Wie ich später im Erfahrungsaustausch mit anderen Athleten erfuhr, verhinderten Diätfehler ein besseres Abschneiden. Masse und Symmetrie waren gut, nur die absolute Härte fehlte noch.

Diese Fehler möchte ich in diesem Jahr vermeiden, um mich noch besser zu platzieren. Ich plane auch eine Teilnahme bei der Amateurweltmeisterschaft am 07.11.2009 in New York. Dafür muss ich allerdings noch Sponsoren finden, da die Kosten komplett selbst getragen werden müssen, ist das für einen Familienvater ein teures Projekt.

Heiko


Was soll euch diese Geschichte nun sagen. Gebt NIE eure Träume auf, auch wenn es länger dauert sie zu verwirklichen. Trainiert sauber um gesund zu bleiben.

Bleibt immer neugierig und probiert im Training wie auch in der Ernährung alles aus um euren eigenen Weg zu finden. Jeder Körper reagiert anders. Es gibt zwar gewisse Grundregeln aber kein für jeden gültiges Konzept. Führt ein Trainingstagebuch, ich kann noch heute die Trainingspläne ansehen nach denen ich in den Anfangsjahren trainiert habe. Das hat mir gerade aktuell geholfen, um ein Plateau zu überwinden. Ich habe in den letzten Jahren viel mit HIT-Prizipien trainiert und kam jetzt nicht mehr weiter. Beim durchblättern meiner alten Trainingstagebücher stellte ich fest, mit was für einem hohen Volumen wir früher trainiert haben. Ich habe aktuell das Volumen stark erhöht und konnte jetzt wieder gute Fortschritte machen.

Bleibt also abwechslungsreich und überrascht euren Körper immer von neuem. Verändert in jedem Training einzelne Parameter wie Wiederholung, Gewicht oder Pausenzeit. Monotonie bringt lange Weile und man verliert den Spaß an der Sache.

Setzt euch Ziele. Keine Utopien sondern realistische Ziele und versucht in terminlich gesetzten Teilschritten diese zu erreichen. Nichts kommt von heute auf morgen und der natürliche Weg ist der schwerere aber gesündere Weg.

In diesem Sinne trainiert hart und mit Spaß an der Sache und verliert nie euer Ziel aus den Augen.
Viele Grüße euer Heiko!