Mit diesem Artikel möchte ich dir dabei helfen, kleinere Entzündungsherde oder nicht zu große muskuläre Verletzungen wie zum Beispiel die "banale Zerrung" mit Hilfe bunter Klebeverbände selbst zu behandeln.

Dazu erkläre ich dir zunächst, welche medizinische Wirkung die Tapes verwirklichen und nach welchen Prinzipien geklebt wird. Anhand von Bildern werde ich dir demonstrieren, wie du mit den Tapes umgehen musst. Speziell betrachten werden wir hierbei einen klassischen Bereich des Bodybuilding: die Bizepssehne.

Wirkung:

  • Die Tapes sind, herstellerabhängig, unterschiedlich elastisch. Wird das Tape aktiv (durch dich) oder passiv (durch den Klebeverlauf) gedehnt, so entsteht lokal ein Dehnungsreiz, der mit einer erhöhten Durchblutung des beklebten Areals einhergeht, was als Hyperämie bezeichnet wird. Heilungsprozesse laufen dadurch schneller ab.
  • Die unterschiedlichen Farben der Tapes wirken nach farbpsychologischen Gesichtspunkten über den Farbeindruck und die damit konditionierten Assoziationen im Gehirn und über Farbrezeptoren auf der Haut in Verbindung mit einfallendem Licht.
  • Durch spezielle Klebetechniken können einzelne Muskeln tonisiert (höhere Leistungsbereitschaft) oder auch detonisiert (beruhigt) werden. Klebetechniken zur Anregung des Lymphflusses sind realisierbar, ebenso wie direkte Eingriffe in die Statik der Bewegungsradien einzelner Gelenke oder schlicht und einfach eine Stabilisierung von anfälligen Strukturen zur Prävention oder unterstützenden Rehabilitation nach Verletzungen.
  • Der Kleber ist wellenförmig auf dem Tape aufgebracht, um eine optimale Verteilung des Klebers mit Hilfe der Körperwärme zu erzielen. Ein zusätzlicher Sprühkleber macht nur dann Sinn, wenn das Tape sich nicht von selbst festigen kann, z. B. wenn in letzter Minute vor einem Wettkampf (Marathon o. Ä.) geklebt wird. Ansonsten empfiehlt es sich, den Kleber wegzulassen, da der Körper das Tape, wenn es nicht mehr gebraucht wird, durch eine Veränderung von Hautspannung und Schweißsekretion eigenständig wieder abstößt.


Kinesiologisches Taping

Grundsätzliches

Für dich zuhause ist es vor allem wichtig, ein Tape möglichst einfach zu gestalten, da ich an dieser Stelle voraussetze, dass du medizinische Kenntnisse nicht parat hast.

Die Beeinflussung komplexer Bewegungseinschränkungen / Verletzungen solltest du dem Therapeuten überlassen.

Wenn du dir Basiskenntnisse der Anatomie angelesen hast, kannst du natürlich weitergehend mit Taping experimentieren. In diesem Artikel wird es darum gehen, Einzeltapes zu kleben. Komplexe Tapekombinationen sind aus meiner Erfahrung durch Anlesen nicht nachzuvollziehen und für dich daher uninteressant – auch deshalb weil sie für kleinere Beschwerden häufig gar nicht notwendig sind.

Mit den Fachbegriffen für Tapevorgänge werde ich dich hier ebenfalls nicht langweilen: der Schwerpunkt liegt hier eher auf der praktischen Anwendung.

Kosten darf das Tape natürlich nicht zu viel. Preislich bewegt sich eine Rolle Tape von fünf Meter Länge bei 5 - 18 €. Mit Taperollen im Preisbereich von 6 - 8 € habe ich keine schlechteren Erfahrungen im Praxisalltag gemacht, als mit Rollen für 18 €, weshalb ich nur dazu anregen kann, es auch einmal mit preiswerten Tapes zu versuchen. Die Farbe sollte sich beim Duschen jedoch nicht ablösen.

Eine spezielle Marke kann ich an dieser Stelle nicht empfehlen, da ich bisher keine schlechten Erfahrungen mit den unterschiedlichen Tapes gemacht habe. Tapes gibt es auch schon als Fertigzuschnitte. Ein Fertigzuschnitt kostet für gewöhnlich mehr, als ein Eigenzuschnitt.

Der Einfachheit halber kann ich für zuhause Tapezuschnitte dann empfehlen, wenn du keine Lust auf das Zuschneiden hast. In der Heilpraxis erachte ich persönlich die Zuschnitte für nicht individuell genug, was die Körperproportionen angeht, womit ich nicht sagen möchte, dass andere Therapeuten mit Fertigzuschnitten keine gleichwertigen oder vielleicht noch besseren Ergebnisse erzielen.

Zum Schneiden verwende ich in der Praxis eine speziell für Tapes beschichtete Titanschere, da man mit einer normalen Schere schnell verzweifelt. Für dich zuhause eignet sich eine einfache Erste-Hilfe-Schere aus einem ohnehin abgelaufenen Kfz-Verbandskasten (erwischt – wie schnell die Teile immer ablaufen…) ganz, ganz hervorragend! So eine habe ich auch im Notfalltäschchen und ebenfalls im Hausbesuchkoffer.

Kinesiologisches Taping

Die Tapes sind wasser- / schweiß- / trainingsfest. Wenn sich eine Ecke ablöst, schneidest du den überstehenden Teil einfach mit der Schere ab.

Das Tape bleibt so lange dran, bis es sich von selbst abgelöst hat, aus den zuvor genannten Gründen. Starker Juckreiz, ohne dass sich das Tape ablöst, werte ich allerdings als Abstoßungsreaktion, die es rechtfertigt, das Tape abzuziehen.

Bevor wir mit dem Praxisteil beginnen, hier ein Beispiel für ein eher fortgeschrittenes Tape und einer Erklärung, was hier genau gemacht wurde:

Kinesiologisches Taping

Bei der Patientin lag eine Überdehnung des Kniegelenks nach ventral, also zur Körpervorderseite vor. Das Kniegelenk wurde während des sportlichen Trainings weiter, als sein physiologischer Radius es zulässt, nach vorne bewegt, was Schmerzen bei Bewegungen, die vom normalen Gang abweichen, ausgelöst hatte.

Da die Patientin ein wärmendes Tape gewünscht hatte, sind die bevorzugten Farben dieses Tapes pink und rot. Das rote Tape umfasst die Kniescheibe und wurde bei leichter Beugung des Kniegelenks angelegt, um lokal die Durchblutung zu steigern.

Das pinke Tape wurde mittelstark gedehnt und unterstützt den patellaren Bereich zusätzlich. Das blaue Streifen wurde maximal gedehnt und bewirkt eine leichte Bewegungserschwerung, um den schmerzhaften Bewegungsbereich zu umgehen.

Das Tape bewirkte eine sofortige Schmerzfreiheit. Das Foto ist übrigens nach drei Stunden Saunaaufenthalt entstanden – der Kleber hält! Dieses Tape weicht von dem Knietape, welches du schon öfters im Fernsehen gesehen hast, ab und wurde speziell für diesen Verletzungsfall angelegt. Auf der Rückseite befindet sich ein hier nicht zu erkennender roter Streifen, um die Stabilität im Kniegelenk zu verbessern.


Nun gehen wir über zu deinem Tape am Beispiel der Bizepssehnenentzündung. Wenn du keine Magenbeschwerden oder eine stärkere Niereninsuffizienz hast, bietet sich bei entzündlichen Prozessen als Ergänzung zum Tape eine Supplementation von Vitamin C geradezu an.

Wir werden zwei Beispiele für den Bizeps basteln. Beim ersten Beispiel wirst du das Tape nicht selbst dehnen, es eignet sich für beginnende Reizungen. Im zweiten Beispiel gehen wir davon aus, dass der Schmerz den Sehnenbereich überschritten hat und beziehen einen größeren Bereich mit ein.

Los geht’s

Wenn deine Bizepsbeschwerden sich auf den Bereich der Ellenbeuge beschränken, schneidest du dir ca. 15 cm Tape ab und knickst es in der Mitte.

Kinesiologisches TapingKinesiologisches Taping

Dann schneidest du die Ecken rund – das sieht nicht nur besser aus, sondern erhöht auch die Haltbarkeit. Aus Faulheit hast du das Tape vorher geknickt und schneidest damit beide Ecken gleichzeitig.

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Jetzt knickst du eine Ecke um und reißt den Schutzstreifen auf der Rückseite an dieser Stelle ab.

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Diese Stelle setzt du jetzt am Unterarm an und ziehst den restlichen Schutzstreifen ab. Dann beugst du den Arm um ein paar Centimeter und setzt das andere Tapeende am Bizeps an.

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Nun hast du eine "Brücke" gebildet, die du mit den Fingern andrückst – gleichzeitig kannst du den Arm strecken. So sieht das fertige Einzeltape dann aus.

Das Tape wird sich so anfühlen, als ob du einen leichten Drang zum Beugen des Arms verspürst. An dieser Stelle können die Heilungsprozesse nun optimal ablaufen.

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Die zweite Version kannst du genauso kleben, wenn deine Schmerzen stärker sind. Du misst die Länge dieses Mal aber rund 3 x so lang ab und klebst das zweite Ende nicht auf den Bizeps, sondern an den Beginn des Schulterbereichs.

Dies bietet sich an, wenn deine Beschwerden den Bizeps selbst mit einschließen. In der Mitte des Tapes habe ich hier einen Schnitt gemacht, um die Bizepsteilung zu betonen. Du kannst auch 2 Tapes nebeneinander kleben und damit einen größeren Bereich abdecken.

Kinesiologisches Taping

In meinen Beispielen klebe ich mit schwarzem Tape, da ich ein Farbset erworben habe, was die Farbe schwarz beinhaltet, mit der ich aber nichts anfangen kann. Ich empfehle dir den Erwerb von blauem (=kühlend) und rotem (=wärmend) Tape.

Physiotherapeuten verwenden oft hautfarbene Tapes und kleben daher nicht nach farbpsychologischen Gesichtspunkten. Ich habe jedoch bei mir und den Patienten meiner Naturheilpraxis nur beste Erfahrungen mit der Farbpsychologie gemacht und möchte dir daher nahe legen, es ebenfalls zu erproben.

Farben beeinflussen ohne Zweifel unsere Stimmung, und wenn ich durch eine entsprechende Stimmung immunologische Vorgänge positiv beeinflussen kann, ist das ein genauso wichtiger Faktor zur Heilung wie der korrekte Verlauf des Tapes.

Wenn dein Schmerzzustand allgemein muskulären Ursprungs ist, kannst du mit einer sofortigen Erleichterung durch das Tape rechnen. Bei Verschleißerscheinungen hingegen kannst du die Muskulatur besser auftrainieren, um dadurch langfristig deine Beschwerden zu verbessern, vielleicht auch ganz zu heilen.

Bei lokalen Entzündungen kann der Heilungsprozess stark verkürzt werden. Bei Beschwerden durch Fehlhaltungen wirst du unbewusst durch den Zug des Tapes zur Einnahme einer korrekten Haltung animiert, was sich auch positiv auf deine technische Ausführung schwerer Grundübungen auswirkt.

Ich wünsche dir gutes Gelingen!