Magnesium
Wo es in uns zu finden ist
Magnesium kann mit Sicherheit als das Mineral bezeichnet werden, welches in der Sportmedizin die größte Aufmerksamkeit genießt. Mit einer im menschlichen Körper enthaltenen Menge von ca. 30g ist das Element im Organismus allerdings weniger stark vertreten, obgleich es selbstverständlich dennoch essentielle Funktionen erfüllt.Auch für diesen Stoff stellt das Skelett den größten Speicher dar. Etwas mehr als die Hälfte des Magnesiums ist in der Knochensubstanz vorzufinden, wo es sich an das Hydroxylaptid bindet, jener Hartsubstanz, die bereits in den vorangegangen Ausführungen über Calcium und Phosphor Erwähnung fand. Etwa 0,7% der Knochenmasse bestehen aus Magnesium.
Mehr als 90% des im Körper eingelagerten Magnesiums, das Bestandteil praktisch aller Gewebearten ist, liegen direkt in den Zellen, bzw. Zellflüssigkeiten vor. Speziell die Muskulatur, die ca. 30% des gespeicherten Massevolumens enthält, und die Leber sind besonders magnesiumreich.
Weniger als 10% befindet sich in den Zellzwischenräumen und in den extrazellulären, ständig im Körper transportierten Flüssigkeiten wie z.B. Verdauungssäfte, Lymphen, Ausscheidungssekreten usw. Folgerichtig enthält auch das Blutplasma Magnesium, dessen Menge sich in einer Größenordnung von etwa 0,8 bis 1,1 mmol/L einpegelt.
Auch die Magnesiumresorption findet im Dünndarm statt. Die Aufnahme durch die Darmwand erfolgt über einen Transportmechanismus, bei dem spezielle Carrier-Proteine genutzt werden. Bei erhöhter Magnesiumzufuhr wird dieser Vorgang eingestellt, bei unzureichender Versorgung per Hormonausschüttung durch die Schilddrüse gefördert. Auf diesem Wege steuert der Körper den intra- und extrazellulären Magnesiumspiegel sehr präzise und konstant.
Warum man es braucht
In der Literatur wird Magnesium häufig als eine Art "Antagonist" des Calciums bezeichnet. In mehreren metabolischen Zusammenhängen bewirkt es gegenteilige Resultate, so dass geschlussfolgert werden kann, dass eine optimale Versorgung mit beiden Stoffen eine optimale Funktionsfähigkeit des Körpers aufrecht erhält.An dieser Stelle kann z.B. die Wirkungsweise des Magnesiums in den Muskelzellen genannt werden. Hier verhindert es sowohl den Calcium-Einstrom als auch die -bindung an entsprechende Rezeptoren, durch die die Kontraktion der Muskulatur ermöglicht wird. Wenn Calcium für die Erregbarkeit der Muskeln verantwortlich ist, sorgt Magnesium folglich für die Beruhigung.
Es reguliert auf gleiche Weise die permanente Spannung der Gefäßmuskulatur, die den Gefäßwiderstand bestimmt. Anders ausgedrückt wird durch Steuerung dieser Spannung die variierende Durchblutung der einzelnen Organe gewährleistet.
Als Gegenspieler des Calciums verhindert Magnesium außerdem, ohne hier weiter ins medizinische Detail gehen zu wollen, Kalkablagerungen in den Blutgefäßen, die zu diversen Erkrankungen wie z.B. Infarkten führen können. Zusammengefasst kann gesagt werden, das Magnesium regulierend und stabilisierend auf das gesamte Herz-Kreislaufsystem wirkt.
Magnesium kann zudem als wahres Multitalent hinsichtlich des menschlichen Stoffwechsels bezeichnet werden, da es eine herausragende Stellung bei der Aktivierung von Enzymen einnimmt. Ca. 300 dieser Proteine, die als Katalysatoren in metabolischen Prozessen wie etwa dem Kohlenhydrat- oder Eiweißstoffwechsel fungieren, werden durch Magnesium angeregt. Magnesium findet vor allem deshalb in vielen Diätratgebern Beachtung, da es auch jene Enzyme aktiviert, die den Fettstoffwechsel steuern, bzw. selber Bestandteil jener Enzyme ist.
Auch die Energiegewinnung ist in hohem Maße von einer ausreichenden Magnesiumversorgung abhängig. Magnesium bindet sich an den intrazellulären Energiespeicher ATP, wo es die bereits geschilderte Abspaltung der Phosphatgruppen fördert, jenen Vorgang also, bei dem chemische Energie freigesetzt wird.
In der Stresstherapie wird von Magnesium Gebrauch gemacht, da es in der Lage ist, die Ausschüttung von Stresshormonen wie z.B. Adrenalin zu hemmen. Es wirkt demnach beruhigend und kann auch bei Leiden wie Schlaflosigkeit oder ADHS Abhilfe schaffen.
Magnesium übt darüber hinausgehenden Einfluss auf den Hormonhaushalt, indem es die Funktionsfähigkeit des Parathormons, das in der Nebenschilddrüse produziert wird, reduziert. Das Parathormon bewirkt u.a. eine Freisetzung des Calciums aus dem Skelett zugunsten der Erhöhung des Calciumblutspiegels. Die Knochenqualität steht somit auch unter erheblichem Einfluss von Magnesium, das zusätzlich eine stabilisierende Funktion im Skelett einnimmt.
Was ohne passiert
Das zweifelsohne bekannteste Mangelsyndrom wird jeder am Ende einer sportlichen (Über-)Anstrengung oder auch des Nachts im Schlaf schon am eigenen Leibe erfahren haben: Magnesiummangel kann zu schmerzhaften Muskelkrämpfen führen. Bis heute ist sich die Wissenschaft über den wahren Auslöser dieses so weit verbreiteten Phänomens uneinig. In einigen Quellen ist u.a. auch von Begünstigung durch Laktatbildung oder Unterbrechung der Muskel-Blutzufuhr als Selbstschutzmechanismus die Rede. Tatsache ist, dass eine Abnahme der Magnesiumkonzentration in der Muskelzelle wie oben erläutert den Eintritt und die Aktivität von erregend wirkendem Calcium begünstigt, wodurch eine kurzzeitig nicht kontrollierbare Überaktivierung, bzw. eine übermäßige Kontraktion des Muskels entsteht.Auch für das Magnesium gilt: So vielfältig seine Einsatzmöglichkeiten, so vielfältig äußert sich auch eine Unterversorgung. Neben dem Krampf können auch andere muskuläre Auffälligkeiten wie allgemeine Schwäche, Muskelzucken oder –zittern usw. Hinweise auf einen Mangel geben. preview
Wenn Magnesium wesentlicher Bestandteil der Knochen ist, führt ein gesunkener Magnesiumgehalt folglich auch zu einer Verschlechterung der Skelettqualität. Magnesium aktiviert sowohl Vitamin D, welches die Calcium-Verwertung positiv beeinflusst, sowie Osteoblasten, also spezielle Zellen, die sich aus einer embryonalen Form entwickeln und neue Knochensubstanz bilden. Magnesium ist demnach unverzichtbar wenn es darum geht, den Skelettabbau zu unterbinden, bzw. den Neuaufbau zu fördern.
Die wesentliche Einflussnahme von Magnesium auf das Herz-Kreislaufsystem lässt auf entsprechende Störungen schließen, wenn eine Unterversorgung vorliegt. Die regulierende Wirkung auf den Tonus der Gefäßwände kann dann nicht mehr gewährleistet werden, so dass ein Zusammenhang zwischen einem Magnesiummangel und Bluthochdruck, bzw. einer erhöhten Herzschlagfrequenz vorliegt.
Auch die "gefäßreinigende" Wirkung des Magnesiums lässt auf gewisse Folgeerscheinungen einer Unterversorgung schließen, da der zelluläre Eintritt von Calcium weniger effektiv blockiert werden kann, entstehen vermehrt Kalkablagerungen, die zu Arteriosklerose, also Gefäßverkalkungen, führen. In vielen Studien konnte ein statistischer Zusammenhang zwischen Herzinfarkterkrankungen und einer mangelhaften Magnesiumversorgung festgestellt werden. Magnesium ist auch Bestandteil sämtlicher medikamentöser Therapieformen bei Herzerkrankungen.
Der bekannte Sportmediziner und Ultralangstreckenläufer Dr. Ulrich Strunz bezeichnet Magnesium als "Salz der Entspannung und inneren Ruhe". Da Magnesium beruhigenden Einfluss auf das gesamte Nervensystem ausübt, führt ein Mangel zu erhöhter Erregbarkeit, woraus erhöhte Stressanfälligkeit, geringeres Konzentrationsvermögen und Schlafstörungen resultieren können; ein Ansatz, den sich die Medizin auch in der Behandlung von Verhaltensstörungen wie Hyperaktivität bei Kindern und Jugendlichen zu Nutzen macht.
Selbst wenn an dieser Stelle die Symptome eines extremen temporären Mangels, der äußerst selten auftritt (was auf Grund der verhältnismäßig großen Speichermengen und der hochfunktionalen Kompensationsmechanismen des Körpers im Übrigen für alle Mengenelemente gilt), vernachlässigt werden, ließe sich Aufzählung möglicher Mangelerscheinung nahezu unendlich fortsetzen. Viele Quellen bringen eine unzureichende Magnesium-Versorgung u.a. mit Menstruationsbeschwerden, erhöhten Cholesterinwerten, Wachstumsstörungen oder sogar Diabetes in Zusammenhang, wobei es sich hier jeweils um Krankheitsbilder handelt, die von derart vielen Faktoren begünstigt werden, dass nicht immer eine konkrete Kausalität vorliegen kann; beispielsweise konnten Studien nachweisen, dass Diabetiker durch einen niedrigen Blutzuckerspiegel vermehrte Magnesiumverluste über den Urin erleiden, wodurch sich die Verbindung zwischen Mg-Mangel und der Zuckerkrankheit – allerdings in die andere Richtung - leicht herstellen lässt. Es muss demnach salopp gesagt immer kritisch hinterfragt werden, ob das Ei vor dem Huhn da war oder nicht.
Wie viel, woher, wo am besten?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE empfiehlt eine tägliche Zufuhr von ca. 350mg Magnesium, wobei hier wiederum individuelle Bedarfsunterschiede bestehen. Bekanntlich führt z.B. verstärktes Schwitzen durch sportliche Belastung zu Mineralstoffverlusten, so dass im Falle entsprechender Aktivitäten die angegebene Zufuhrmenge deutlich überschritten werden sollte.Obgleich eine derart große Auswahl an Lebensmitteln nennenswerte Magnesiummengen enthält und eine ausreichende Versorgung bei ausgewogener Ernährung gewährleistet werden sollte, weist nach Statistik jeder vierte Deutsche einen Mangel auf.
Magnesium ist beispielsweise in allen grünen Gemüsesorten vorkommend, da es Teil des für die Photosynthese notwendigen Zellfarbstoffs Chlorophylls ist. Generell ist Magnesium in allen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten. Auch Nüsse, Sojaprodukte und andere Hülsenfrüchte sind hervorragende Lieferanten. Milchprodukte, Fleisch und Fisch enthalten Magnesium in geringerer Konzentration.
Viel Magnesium kann auch über Getreideprodukte, insbesondere Vollkornbrot etc., bezogen werden, wobei hier Verluste durch das Ausmahlen dieser Lebensmittel zu beachten sind.
Magnesium gehört zu den am häufigsten in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zugeführten Stoffen. In diesem Zusammenhang ist die Frage von Interesse, ob die Einnahme der auf dem Markt erhältlichen hochkonzentrierten Präparate, deren Gehalt bei 300mg und mehr liegt, überhaupt noch ihre Zweckmäßigkeit erfüllt. Studien konnten einen starken Rückgang der Resorptionsrate bei Zufuhr größerer Mengen innerhalb kürzester Zeit nachweisen. Der Konsum stark magnesiumhaltiger Nahrungsergänzungsmittel gilt zwar als gesundheitlich unbedenklich, da ein gesunder Organismus überflüssige Mengen ausscheidet, ein erkennbarer medizinischer Nutzen lässt sich allerdings auch nicht daraus ziehen. Die gängige Empfehlung lautet daher, die Magnesiumzufuhr auf mehrere Etappen pro Tag aufzuteilen.
Wie viel Magnesium durch den Dünndarm effektiv resorbiert wird ist auch von weiteren Faktoren, bzw. der Zusammensetzung der gesamten Nahrungszufuhr abhängig. Magnesium aus Milchprodukten gilt als besonders gut verwertbar, da Laktose die Aufnahme zusätzlich fördert. Auch bestimmte organische Magnesiumsalze wie z.B. Magnesium-Citrat, das als Nahrungsergänzungsmittel in Pulver- oder Tablettenform erhältlich ist, können vom Körper leichter aufgenommen und genutzt werden.
Einige Nährstoffe verschlechtern die Magnesium-Resoprtionsrate. So ist beispielsweise Phytinsäure, die in Getreideprodukten zu finden ist, in der Lage, Magnesiumionen zu binden, wodurch eine Resorption im Darmtrakt erschwert oder verhindert wird. Schwer lösliche chemische Komplexe entstehen auch aus der Verbindung mit Phosphaten, Oxalaten (vorkommend z.B. in Spinat und Kakaoprodukten) und gesättigten Fettsäuren.
Besonderes Augenmerk im Zusammenhang mit einer optimalen Mineralstoffversorgung muss auf die wechselseitige Beziehung von Magnesium und Calcium gelegt werden; eine einseitige erhöhte Zufuhr sowohl des einen als auch des anderen Mengenelements führt zu einer Verschlechterung der Werte des jeweils anderen. Vereinfacht ausgedrückt ist dies darin begründet, dass beide Stoffe sich in ihrem chemischen Aufbau sehr ähneln und demzufolge über den gleichen Mechanismus resorbiert werden, oder sich anders formuliert ein Carriersystem teilen müssen. Vor diesem Hintergrund erscheint zunächst das große Angebot von Kombi-Präparaten aus beiden Stoffen unlogisch. Zu beachten gilt hierbei jedoch das Verhältnis von Calcium zu Magnesium, das bei ungefähr 2:1 liegen sollte. Dies ist auch in etwa die Relation, mit der die Mineralien über die Ausscheidungen verloren gehen. Wird dieses Mischverhältnis also beachtet, kann eine simultane Einnahme erfolgen. Andernfalls wird ein zeitlicher Abstand von mehreren Stunden empfohlen.
Kalium
Wo es in uns zu finden ist
Kalium gehört zu den sieben am häufigsten vorkommenden Elementen auf der Erdoberfläche. Der menschliche Körper besteht zu etwa einem viertel Prozent aus Kalium, was durchschnittlich etwa 150 bis 190g entspricht.Auch dieses Mineral liegt fast ausschließlich intrazellular vor, wo es, bezogen auf seine Menge, das wichtigste positiv geladene Ion darstellt. Die exakte Höhe der intrazellulären Konzentration ist abhängig von der metabolischen Aktivität eines Gewebes; die Muskulatur weist einen Kaliumgehalt von ca. 60% aus, eine Leberzelle hingegen enthält etwa 6%.
Weniger als 2% des im Körper befindlichen Kaliums liegt in den Zellzwischenräumen vor, wobei ein überwiegender Teil flexibel eingesetzt werden kann und z.B. per Insulinausschüttung oder Regulierung durch den Blut-pH-Wert sowohl intra- als auch extrazellulär nutzbar ist.
Die Regulationsmechanismen des Körpers sind höchst effizient; die Resorption erfolgt auch hier über den oberen Dünndarmabschnitt, wobei die Rate bei annähernd 100% liegt und keine Beeinflussung durch eine Veränderung der Kalium-Zufuhrmenge erfährt. Ein Mangel des eingangs betrachteten Magnesiums vermindert die Quote, da Magnesium die für die Diffusion notwendigen Kaliumkanäle, bzw. grob gesagt die Durchlässigkeit des Darmtraktes beeinflusst.
Die Ausscheidung erfolgt wiederum über den Stuhl, den Schweiß und, zu überwiegenden Teilen, über den Urin, wobei auch hier eine sehr flexible Anpassung der Ausscheidungsmenge an die Zufuhrmenge über die Nierentätigkeit gewährleistet wird. Die Ausscheidungstätigkeit der Niere wird präzise über das Hormon Aldosteron gesteuert, dessen Ausschüttung an den Kalium-Blutspiegel gekoppelt ist.
Warum man es braucht
So wie Magnesium und Calcium in wechselseitiger Beziehung gewisse Mechanismen im Körper regulieren, wirken Kalium und Natrium (das an anderer Stelle näher betrachtet wird) vergleichbar zusammen.An erster Stelle sei die funktionale Bedeutung im Zusammenhang mit der Erregbarkeit von Muskel- und Nervenzellen so wie der Weiterleitung von Impulsen genannt. Hier wird das Zusammenspiel aus Kalium und Natrium besonders deutlich: während Kalium wie eingangs erläutert vorwiegend intrazellulär vorliegt, befindet sich Natrium in den Zellzwischenräumen. Wenn man zusätzlich bedenkt, dass beide Stoffe ausschließlich in ionisierter Form auftreten, wird ersichtlich, dass durch die so auftretenden Ladungsunterschiede an der Zellwand ein elektrisches Feld entsteht. Ohne diese ständig existierende Spannung wäre die Entstehung und Übertragung von Nervenimpulsen nicht möglich. Kalium ist demnach an jeder Form der Bewegung, aber auch an allen permanent und unmerklich im Körper ablaufenden Prozessen beteiligt; vordergründig sind hier die Herz- und Hirnaktivitäten zu nennen. Kalium übt erheblichen Einfluss auf den Blutdruck aus.
Kalium beeinflusst zudem den Wasserhaushalt und wirkt osmotisch, wobei hier wiederum Natrium, bzw. einige weitere extrazellulär vorliegenden Stoffe und Verbindungen beteiligt sind. Ein ausreichendes intrazelluläres Kaliumvorkommen bindet Wasser in der Zelle, denn wäre jene Konzentration nicht ausreichend, würde Zellflüssigkeit durch die Membranen in die natriumreichen Gewebszwischenräume gepumpt werden, um diese gewissermaßen zu "verwässern"; der Ausgleich des Konzentrationsgefälles erfolgt nicht über einen Austausch der Stoffe, sondern über Zuführung, bzw. Entzug von Wasser. Bei idealer Konzentration der intra- und extrazellulären Stoffe ist auch die intra- und extrazelluläre Wasserverteilung und ideal.
Kalium leistet somit einen bedeutenden Beitrag zur Aufrechterhaltung des osmotischen Zelldrucks. Und dieser ist – um hier nicht in den Chor der sich an biochemischen Details überschlagenden Literatur einzustimmen – mit einem Wort: überlebenswichtig. In Bodybuilding-bezogenen Ausführungen wird nicht selten erwähnt, dass Kalium durch eben diese osmotische Wirkweise auch eine gewisse Relevanz für ein pralles Erscheinungsbild der Muskulatur besitzt.
Auch die Regulierung des Säure-Basen-Gleichgewichts im Körper kann, zumindest in Teilen, als kaliumabhängig bezeichnet werden. Hierbei können verschiedene Mechanismen in Betracht gezogen werden. Einer von ihnen erlaubt eine indirekte Verbindung zum oben erläuterten osmotischen Zusammenhang; bei einem Kalium-Mangel in den Zellen werden im Zuge des osmotischen Ausgleiches positiv geladene Wasserstoffionen aus dem extrazellulären Raum entzogen. Hierdurch entsteht zunächst eine intrazelluläre Übersäuerung. Diese kann von der Niere, die bekanntlich eine Hauptrolle im Säure-Basen-Gleichgewicht spielt, nicht wahrgenommen werden, ein pH-Ausgleich über die Urinabgabe erfolgt somit nicht.
Zusätzlich muss beachtet werden, dass die extreme Umstellung der Ernährungsgewohnheiten des Menschen innerhalb eines Zeitraums erfolgte, der zu kurz war, um ausreichende evolutionäre Anpassungen des Organismus zu bewirken. Die Niere fungiert noch heute so, als läge die tägliche Kaliumversorgung in gleichen Größenordnungen wie noch vor einigen Jahrtausenden (was längst nicht mehr der Fall ist) und scheidet entsprechend große Mengen aus. Der pH-Wert des Urins sinkt in der Folge erheblich.
Die Wissenschaft benennt unzählige weitere Funktionen, die das Kalium im menschlichen Körper erfüllt: Es bewirkt die Freisetzung von Hormonen wie z.B. Insulin, ist für das Zellwachstum verantwortlich, wirkt im Energiegewinnungsprozess, in dem es die Spaltung von Phosphatverbindungen (z.B. jenen, die Teil des bereits erwähnten ATPs sind) fördert, ist Grundlage des Aufbaus körpereigener Eiweiße, Enzym-Aktivator und vieles weitere mehr. Was für viele Mineralstoffe gilt, gilt auch und im besonderen Maße für Kalium: was überall vorhanden ist, beteiligt sich auch an sämtlichen metabolischen Prozessen.
Was ohne passiert
Ein extremer Kaliummangel, bzw. eine extrem niedrige Kalium-Blutkonzentration (die sog. Hypokaliämie) kann praktisch nicht aus einer Unterversorgung, sondern nur aus einem außergewöhnlich hohen temporären Verlust hervorgehen. Dieser tritt teilweise bei starkem Durchfall oder Erbrechen, starker Entwässerung oder Alkoholismus auf. Bekanntlich führen vermehrte Fäkal- und Sekretausscheidungen zu einer Verschlechterung des gesamten Mineralhaushaltes, so dass eben auch der angesprochene Kaliummangel auftreten muss. Dieser äußert sich in Unterleibsschmerzen, Verdauungsstörungen und Muskelschwäche, bzw. –krämpfen, in besonders schweren Fällen auch durch Atem- und Herz-Rhythmusstörungen.Eine langfristige unzureichende Kaliumzufuhr äußert sich in derart unspezifischen Symptomen, dass sie von Medizinern nur selten vermutet und erkannt wird. Als häufig auftretende Anzeichen seien beispielhaft genannt: allgemeine Schwäche und Müdigkeit, erhöhter Herzschlag, Verstopfungen, ein niedriger Blutdruck und ein niedriger Blutzuckerspiegel. Eine gravierende Kalium-Unterversorgung durch die Ernährung tritt in den Industrienationen relativ selten auf, so dass die genannten Folgeerscheinungen in den weitaus meisten Fällen nur dann auftreten, wenn eine allgemeine Unter- oder Fehlernährung und somit auch ein Mangel an vielen anderen Mineral- und sonstigen Nährstoffen vorliegt. Es wäre somit stets vermessen, konkrete Rückschlüsse auf die Kaliumversorgung zu ziehen; eine reine Therapie mit Kalium sollte in den seltensten Fällen die Beschwerden im Alleingang lindern können.
Wie viel, woher, wie am besten?
Um den gewöhnlichen ausscheidungsbedingten Kaliumverlust auszugleichen wird eine tägliche Kaliumaufnahme von ca. 2 bis 3g empfohlen. Da der menschliche Schweiß ca. 300mg Kalium pro Liter enthält, muss für einen sportlich aktiven Menschen eine entsprechend nach oben korrigierte Richtlinie von wenigstens 4g gelten. Diese Vorgabe sollte durch eine solide Mischkost leicht zu erfüllen sein; Voraussetzung ist eine ausreichende Verabreichung pflanzlicher Lebensmittel, da diese die primären Quellen darstellen.Sehr viele Gemüsesorten gelten als besonders kaliumreich, darunter Kartoffeln, Kohlsorten wie Brokkoli und Blumenkohl, Erbsen und sämtliche Hülsenfrüchte, Sprossen usw. Auch Pilze, bestimmte Beeren- und Obstsorten wie z.B. Bananen und Orangen sowie Getreideprodukte stellen wertvolle Lieferanten dar, wobei bei letzterem zu beachten ist, dass der Gehalt mir steigendem Verarbeitungsgrad sinkt; Weißmehlprodukte können keinen entscheidenden Beitrag zur Kaliumversorgung beisteuern.
Selbiges gilt für tierische Produkte, die in diesem Zusammenhang, bis auf Ausnahme weniger Fischsorten wie z.B. Forelle oder Makrele, eine eher untergeordnete Rolle spielen. Nicht zu vernachlässigen sind Süßspeisen wie Honig oder Schokolade. Reines Kakaopulver besteht zu 1,5% aus Kalium; nur Sojabohnen und Kleie weisen vergleichbare Werte auf. Kalium wird zudem in Form von Kaliumchlorid in vielen stark industriell verarbeiteten Lebensmitteln als Geschmacksverstärker eingesetzt.
Kalium ist sehr gut wasserlöslich, so dass bei wasserreichen Garmethoden wie z.B. längerem Kochen von Kartoffeln hohe Verluste entstehen. Das Auffangen und Weiterverwenden des Kochwassers für Soßen etc. kann hier Abhilfe schaffen.
Aufgrund der kurz thematisierten Interaktionen können sich bestimmte Nährstoffkombinationen förderlich oder hinderlich auf die Resorption, bzw. die Ausscheidung auswirken. Eine erhöhte Natriumzufuhr behindert die Kaliumaufnahme, während eine erhöhte Kaliumzufuhr zu größeren Natriumverlusten führt. Eine auf die Menge bezogene ausgeglichene Zufuhr beider Mineralstoffe wirkt sich vor allem auf den Blutdruck positiv aus. Kalium ist vermutlich auch in der Lage, die Calziumaufnahme über die Niere zu fördern und gleichzeitig übermäßige Ausscheidungen, die häufig wiederum aus einer Überversorgung mit Natrium resultieren, zu vermindern.