Auch wenn Team Andro ohne Zweifel eine Bodybuilding-Plattform darstellt und somit Sportler vereint, die regelmäßig im Studio mit Hanteln trainieren (wollen), wird es nicht wenige Trainierende geben, die in ihrem sportlichen Leben mehr oder weniger lange Phase des Trainings ohne Geräte absolvierten. Sei es, weil ihnen das Studio zu teuer war, sie neue Reize setzen wollten, oder weil aufgrund von Reisen keine Möglichkeit zur Verfügung stand. Was auch immer die Ursache ist: "Fit ohne Geräte" lautet nicht nur der Titel eines der meistverkauften Bücher zum Thema Körpergewichtstraining, sondern ist nach wie vor eine reizvolle Vorstellung für viele Trainierende.

Buch-Kritik: Fit ohne Geräte von Mark Lauren

Um so weniger verwundert es, dass für diese Buch-Kritik die inzwischen bereits 14. Auflage auf meinem Schreibtisch lag. Der Autor Mark Lauren ist nicht nur Sportausbilder bei der US Army, sondern war selbst Elitesoldat, der einen bis heute gültigen Streckentauchrekord hält, wie man gleich zu Beginn des Buches erfährt. Beste Voraussetzungen also in einer Zeit, in der das berühmt berüchtigte Navy Seal Workout über 3 Millionen Treffer bei Google erzeugt und selbst auf einer Plattform wie Team Andro häufiger gelesen wird, als 99 % aller anderen Artikel. Doch wohin führt uns das Buch "Fit ohne Geräte"?

Fit ohne Geräte: Die Kapitel

Das Buch unterteilt sich in insgesamt 12 Kapitel, wobei Kapitel 11, das die gesammelten Übungen beinhaltet, fast die Hälfte des eigentlichen Buches ausmacht.

Fit ohne Geräte: Kapitel 1 – 10

Wie bereits einleitend angedeutet, interessieren sich die meisten Bodybuilder für ein Training mit Gewichten. So wird es auch niemanden verwundern, dass sich das Buch "Fit ohne Geräte" eben nicht diese Zielgruppe ausgesucht hat, sondern Mark Lauren die körperliche Bewegung und das Training ohne Gewichte Lesern mit einem gewissen Pathos schmackhaft machen will, ohne dabei Floskeln wie "maximaler Muskelaufbau" und ähnliches zu nutzen.

"Mission Erfolg: schlank, stark und selbstbewusst" lautet daher der Titel des ersten Kapitels, der wohl auch am besten beschreibt, an wen sich dieses Buch richtet. Mark Lauren ist selbst kein Bodybuilder und auch wenn der Großteil der Bevölkerung ihn vermutlich als muskulös bezeichnen würde, wird der abgestumpfte Internetuser sich vielleicht nur fragen, warum der dünne Typ denn bitte nur mit einem Unterhemd bekleidet ist.

Doch ähnlich wie Marks Körperbau sind auch die gelieferten Informationen in den ersten sechs Kapiteln eher dünn: Die typische Abhandlung von Krafttraining vs. Cardio, was Fitness eigentlich ist und das Thema Ernährung fehlen auch in "Fit ohne Geräte" nicht, ohne jedoch all zu viele Informationen zu liefern. Wer sich mit diesen Thematiken bisher noch gar nicht auseinander gesetzt hat, erlangt sicherlich eine oberflächliche Einführung. Alle anderen können diese Kapitel dagegen locker über den Daumen laufen lassen.

Das siebte Kapitel zu verbreiteten Mythen über das Krafttraining, sowie Kapitel acht und neun zu Motivation und Intensität sind eine nette Ergänzung, die entgegen der vorherigen Kapitel nicht in gefühlt jedem zweiten Buch aufgeführt werden. Dennoch bleiben die Ausführungen auch hier sehr oberflächlich und massentauglich. Der informierte Leser wird immer wieder daran erinnert, dass "Fit ohne Geräte" sich in erster Linie an Anfänger richtet.

Kapitel 10 bietet schließlich ein paar Informationen zu Trainingsmethoden. Hier wird kein ausgeklügeltes System vorgestellt, jedoch führt Mark Lauren einige Umsetzungsmethoden auf, die vor allem bei dem Training mit Körpergewichtsübungen angewandt und als Intensitätstechnik genutzt werden können. Wer sich allerdings nicht das erste Mal mit Körpergewichtstraining beschäftigt, wird an dieser Stelle ebenfalls nichts Neues erfahren.

Fit ohne Geräte: Kapitel 11 – Die Übungen

Dieses Kapitel stellt schließlich das Herzstück des Buches dar und ist wohl auch der Grund, dass die meisten Trainierenden zu "Fit ohne Geräte" greifen. Eines vorweg: Enttäuscht wird in dieser Hinsicht niemand.

Satte 125 Übungen wurden zusammengestellt und nach Muskel sowie Schwierigkeitsgrad kategorisiert. Dazu gibt es gut erkennbare schwarz-weiß Fotos, die in der Regel ihren Zweck erfüllen. Wem gewisse Übungen gänzlich unbekannt sind, weil er oder sie die ersten Erfahrungen mit dem Krafttraining im Allgemeinen macht, wird vielleicht bei der ein oder anderen Übung vor ein Problem gestellt werden, wie er korrekt von der Anfangs- zur Endposition kommen soll. Generell wird dies aber immer ein Problem bei der Erläuterung mit Hilfe von Fotos statt Videos sein, so dass dies dem Autor Mark Lauren nicht angekreidet werden soll.

Wie bereits angeführt behandeln die 125 Übungen in "Fit ohne Geräte" alle Muskeln des Körpers. Somit ist auch Mark Lauren vor das bekannte Problem gestellt, dass der Rücken bzw. Zugübungen im Allgemeinen ohne Hilfsmittel nicht umsetzbar sind. Dennoch bietet er einige Variationen und Tricks an, mit deren Hilfe Rückenübungen oder Curls zu Hause oder eben im Hotel auch ohne Klimmzugstange möglich sind.

Insgesamt kann dieses Kapitel als gelungene Übersicht von Bodyweight Exercises verstanden werden, die man vermutlich zum Großteil alle schon einmal irgendwo gesehen hat, aber hiermit noch einmal eine Art Nachschlagewerk bei der gezielten Suche für einen bestimmten Muskel bekommt.

Buch-Kritik: Fit ohne Geräte von Mark Lauren

Fit ohne Geräte: Kapitel 12 – Das Programm

Im anschließenden Kapitel werden die zuvor vorgestellten Übungen schließlich zu insgesamt vier Programmen zusammengestellt, die allesamt 10 Wochen dauern. Je nach Leistungsstand, der sich an bestimmten Vorgaben orientiert, kann man sich in eine entsprechende Kategorie einordnen.

Die Programme in "Fit ohne Geräte" bestehen dabei aus vier bis fünf Trainingstagen, abhängig davon in welcher Woche man sich befindet, und sind ähnlich wie einem klassischen Bodybuildingsplit in der Regel auf eine Muskelgruppe fokussiert.

Die Ernährung wird dagegen im Rahmen des Programms nicht thematisiert. Mark Lauren scheint auf den Erfolg bei den Kunden allein aufgrund des Trainingseffekts zu hoffen. Dies wiederum verdeutlicht noch einmal, dass "Fit ohne Geräte" sich in erster Linie an Anfänger richtet, wobei gerade die höchste Stufe der vier Programme wohl auch einige Leser vor Probleme stellen dürfte. Saubere, einarmige Liegestütze zum Boden und Pistols werden nicht von jedermann beherrscht.

Zusammenfassende Kritik: Wer sollte sich "Fit ohne Geräte" kaufen?

Jeder, der Interesse an dem Training mit Körpergewichtsübungen hat, wird mit diesem Buch eine umfassende Übersicht an Übungen bekommen. Dieser Punkt trifft sicherlich unabhängig vom Leistungsstand auf jeden Leser zu.

Wer hingegen ein ausgeklügeltes Trainingssystem für zu Hause erwartet, wird von "Fit ohne Geräte" vermutlich genauso enttäuscht werden, wie Trainierende, die bereits länger am Eisen sind und sich wirkliche Inspiration von diesem Buch erhoffen.

Letztendlich bekommt man für weniger als 20 Euro ein faires Buch, dass den richtigen Schwerpunkt setzt und diesen auch gut umsetzt.

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Bilder: Riva-Verlag | Wikimedia.org