Lukas sagte 1969 bereits, dass die Geschichte der Körperkultur in dem weitverzweigten System der Sportwissenschaft einen bedeutenden Platz einnimmt. Die sporthistorische Körpergeschichte ist jedoch nach Wedemeyer-Kolwe (2010) keine eigene Disziplin und hat keinen fest definierten Inhalt. Körper werden symbolhaft und physisch sozialen und kulturellen Konstruktionen sowie Kontrollen unterworfen. Körper dürfen nicht als autonom und authentisch betrachtet werden. Sie werden gemacht und über ihre Attribution und Handlung sozial und kulturell definiert. Dass sportliche Betätigungen ein Urphänomen menschlicher Verhaltensweisen sind, lässt sich jedoch nicht abstreiten (Lukas, 1969).

Ein sonderbarer Widerspruch in unserer Gegenwart ist die zunehmende Aufmerksamkeit für unseren Körper, die vermehrten Schönheitsoperationen, der Anstieg der Sport- und Fitnesscenter, die Wellness-Welle sowie der Diätwahn im Bezug auf die Kommunikationswelt, bei der die physische Erscheinung kaum noch ein Rolle spielt, da whats-app, SMS, Email, Facebook und Chats die körperliche Anwesenheit bei Kommunikationen ablösen.

Wenn es trotz unserer sonderbaren Kommunikationswelt einmal zu einer direkten Interaktion kommt, ist es nicht abstreitbar, dass körperliche Merkmale wie Körperbau, Haut-, Haarfarbe Körperhaltung und Körperpraktiken von Interaktionspartnern aufgenommen und teilweise interpretiert werden, da der Körper der erste Bezugspunkt ist (Thiel 2013, S. 73).
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    Die Pflege des Körpers war aber auch schon in der Antike wichtig. Der antike Athlet übte körperliche Übungen sowie kraftvolle Tänze aus, welche für alle menschlichen Aktivitäten als sinnvoll eingestuft wurden, da sie auch zu einem Tugendgewinn beitrugen sollten.
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Der Begriff Körperkultur besitzt in der Literatur nicht immer die gleiche Bedeutung und eine hohe Varianz in der Angliederung. Aus diesem Grund wird in diesem Artikel der Begriff Körperkultur zuerst eingegrenzt. Besonders das Training, die Ernährung und das Schönheitsideal, welche Komponenten der Körperkultur sind, werden miteinander verglichen. Die Frage ist, ob die Körperkultur in der heutigen Gesellschaft Parallelen zu der Antike aufzeigt.

Körperkultur der Antike im Vergleich zur Moderne (I)

Um diese Frage beantworten zu können, wird zunächst untersucht, in welchem Verhältnis die moderne Gesellschaft zum menschlichen Körper steht und welche körperlichen Ideale die Antike aufweist. Die Körperkultur der Moderne ist ein Thema der Sportsoziologie, die antike Körperkultur ist der Sportgeschichte zu zuordnen. Aktuelle Trainingssysteme sind dem Fachbereich der Trainingswissenschaft anzuordnen und die aktuelle Sporternährung der Ernährungswissenschaft wie auch der Sportmedizin. Die antike Sporternährung und Trainingsgestaltung ist wieder im Bereich der Sportgeschichte vorzufinden.

Dies macht deutlich, dass sich die Sportgeschichte mit vielen Bereichen des geschichtsträchtigen Sports befasst.

In diesem Artikel verschmelzen somit die Fachbereiche Sportgeschichte, Trainingswissenschaft, Sportmedizin und Sportsoziologie miteinander. Damit die Vergleiche deutlich werden, wird nach jeder historischen Beschreibung ein Gegenwartsbezug hergestellt. Lediglich bei der Beschreibung des Schönheitsideals wird zunächst das antike und anschließend das moderne beschrieben. Dies ist durch die komplexe Wechselwirkung der gesellschaftlichen Normen und Werten begründet.

Ob die generalisierende Vorstellung eines sehr muskulösen und gepflegten antiken Athleten, der unserer Gesellschaft über Bildhauer und Plastiker vermittelt wurde, mit dem aktuellen Wissenstand der Forscher vereinbar ist, wird unter der Überschrift Schönheitsideale und Körperbau geklärt.

Begriffserklärung

Damit die Körperkultur in der Antike mit der gegenwärtigen zu vergleichen ist, muss zunächst der Begriff Körperkultur definiert werden. Nach Röthig (1992) ist die Körperkultur ein gesellschaftlicher und politischer Auftrag mit dem Ziel der physischen Vervollkommnung. Im Sport-Brockhaus (1977) wird Körperkultur als ein in den sozialistischen Ländern gebräuchlicher Oberbegriff für Leibesübungen und Sport definiert. "Körperkultur wird [auch] als klassenbedingte, historisch kulturelle Erscheinung und als Teil der Bildung des sozialistischen Menschen aufgefaßt [sic!]" (Das Sport-Brockhaus, 1977, S. 257).

Langenfeld (2010, S. 145) versteht unter Körperkultur aktive Übungen zur Kräftigung und Gesunderhaltung des Körpers (Leibesübungen) sowie passive zur Pflege und Wiederherstellung der Gesundheit (Bäderkultur, Massage, Heilgymnastik).

Das Sport-Brockhaus unterscheidet an dieser Stelle Körperkultur von Körperkulturistik (Bodybuilding, Körpergestaltung). Körperkulturistik ist demnach eine in Nordamerika und den Ländern des vorderen Orients durchgeführte Form der Gymnastik, die zur Stärkung der Muskulatur dient. In Schauwettbewerben wird der harmonische Körperbau der Männer vorgestellt. An dieser Stelle sind der Muskelaufbau, die Geschmeidigkeit und das Posieren entscheidend.

Das Sport-Brockhaus beschreibt darüber hinaus, dass ihr sportlicher Wert umstritten ist (ebd.). An dieser Stelle bin ich mir unsicher, ob die letzte Aussage immer noch in den Köpfen der Gesellschaft vorhanden. Eberspächer (1992) schreibt: "Verbindet sich Körperkultur (Gymnastik, Turnen, Sport) mit Ideen wie Rationalismus, Romantik, Nationalismus, Internationalsmus, so ist klar, daß [sic] die jeweilige Ausprägung von Körperkulturen ohne den jeweiligen Zusammenhang nicht zu verstehen sind".
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    Körperkultur, Leibeskultur und Sportkultur können somit als Synonyme verstanden werden und sind Ausdrücke verschiedener gesellschaftlicher Phasen.
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1950, nach dem zweiten Weltkrieg, gründete die damalige Deutsche Demokratische Republik (DDR) eine Hochschule für Körperkultur, welche im Jahr 1993 zur Sportwissenschaftlichen Fakultät umgestaltet und somit ein fester Bestandteil der Universität Leipzig wurde (Lehmann, 2007). Zur Körperkultur gehören natürlich Körperübungen bzw. Leibesübungen.

Als Leibesübungen werden nach dem Sport-Brockhaus (1977) alle körperlichen Tätigkeiten und Übungsformen, die vorwiegend zur Entfaltung physischer und psychischer Eigenschaften und Fähigkeiten der Persönlichkeit sowie ihres sozialen Verhaltens geeignet sind, definiert. Leibesübungen umfassen ein großes Spektrum: Sie reichen von freien Spielen bis zum planmäßigen Trainingsaufbau für sportliche Höchstleistungen. Sport ist an dieser Stelle eine "Sammelbez. für die an spielerischer Selbstentfaltung und am Leistungsstreben orientierten Formen menschl. Betätigung, die der körperl. und geistigen Beweglichkeit dienen, bes. auf dem Gebiet der Leibesübungen" (a.a.O., S. 444).

Körperkultur der Antike im Vergleich zur Moderne (I)

Körperkultur in der Antike im Vergleich zu heute

Die griechische Gymnastik und Agonistik und die Olympischen Spiele sind ein erster fassbarer Höhepunkt der Körperkultur (Lukas, 1969).

Im kulturellen Leben der antiken Griechen erreichten die Leibesübungen einen besonderen Stellenwert. Besonders durch die Panhellenischen Spiele.

Die ständige körperliche Schulung in den Gymnasien entsprach der Bildung des freien Bürgers in der "kalokagathia" als individuelle Vollendung (Das Sport-Brockhaus, 1977, S. 279). Die Körperkultur in der Antike reichte von Körperbewegungen auf Musik bis zu brutalen Box- und Faustkämpfen.
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    Dass nicht nur die Bewegung des Körpers, sondern auch die Form von Bedeutung war, zeigte sich in den Statuen der Antike, in denen muskulöse Diskuswerfer, nackte Jünglinge und durchtrainierte Läufer abgebildet sind.
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Die Nacktheit galt bei den antiken Frauen jedoch als unanständig. Lediglich bei den Männern war, in beschränkten öffentlichen Bereichen, die Nacktheit als natürliche Gegebenheit angesehen. Im Gymnasion, die körperliche Trainingsstätte, war z.B. das Nacktsein gewöhnlich. Bei den Olympischen Spielen wurden die Disziplinen nackt ausgeführt, das Pferderennen stellte die einzige Ausnahme dar.

Gründe dafür können unterschiedlich sein und sind nicht bewiesen. Fakt ist jedoch, das Klamotten bzw. Lederschürzen ein zusätzlicher Ballast beim Laufen sind. Darüber hinaus können sie das Geschlecht hinter der Kleidung bzw. Gegenstände in der Kleidung verstecken.

Swaddling (2004) führt die Nacktheit der Athleten jedoch darauf zurück, dass die Athleten stolz auf ihre durchtrainierten Körper waren und diese bei den Spielen präsentieren wollten

Ein durchtrainierter Körper war auch immer ein Zeichen für den Trainingszustand des Athleten.

Traditionell werden auch heute bestimmte Sportarten (z.B. Boxen) oberkörperfrei ausgetragen. Bemerkungen über die massiven Schultern oder die definierten Bauchmuskeln der Boxer seitens der Kommentatoren sind nicht selten.

Die neuzeitlichen Olympischen Spiele nackt auszutragen, ist aber nicht mehr vorstellbar. Jedoch sind bestimmte olympische Sportarten von der freizüglichen Bekleidung geprägt. Bis zu den Olympischen Spielen 2012 durften die Frauen der Sportart Beachvolleyball nur kurze Shorts mit einer breite von sieben Zentimetern tragen. Die Regel wurde nun etwas entschärft, Shorts bis drei Zentimeter über den Knien sind regelkonform.
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    Obwohl aktuell der Körperbau in allen Sportarten wichtiger denn je ist, ist Bodybuilding in der breiten Masse noch verpönt. Heutzutage sind die Kleidervorschriften bzw. -ordnungen aufgrund von den Sponsoren, Medien und Zuschauerzahlen stark beeinflusst. Jubelposen bei denen das Trikot ausgezogen wird, können hart bestraft werden. Nicht nur weil dies nicht erwünscht ist, sondern weil die Sponsorenwerbung zu diesen wichtigen Zeitpunkt nicht zu sehen ist.
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Tour de France Fahrer müssen z.B. beim Zieleinlauf die Radbekleidung in einem geschlossenen Zustand tragen, damit die Sponsorenwerbung nicht verdeckt wird.

Zu Zeiten des römischen Kaisers Augustus fanden besonders intellektuelle und wohlhabende Bürger Anwendung der von den Ärzten empfohlenen gesunden Lebensweise. Dazu gehörten Bewegung, Massagen, Abhärtung und mäßige Ernährung (Langenfeld 2010, S. 145) Darüber hinaus verbreiteten sich Bäderanlagen in der römischen Kaiserzeit enorm (ebd.).

Massagen und Saunagänge sind auch im heutigen Leistungssport zur schnelleren Regeneration alltäglich und werden von der breiten Masse oft mit dem Begriff Wellness verbunden. Die Saunakultur ist in skandinavischen Ländern stärker ausgeprägt, spezielle Dampfbäder wie das Hamam sind in der orientalischen Kultur stärker vertreten (Kanetaki, 2004).

Die Sportartenvielfalt war für die damalige Zeit schon sehr beachtenswert. Boxen, Ringen, Pferderennen, Diskus- und Speerwurf, Weitsprung, Sprint und Dauerlauf sind schon in der Antike körperliche Betätigungen gewesen (Swaddling, 2004). Die Körperkultur ist also weit mehr als die Körperform. Es ist allgemein die Beschäftigung mit den eigenen Körper.

Im nächsten Teil werden die Ernährungsvorschriften und die Trainingsmethoden der Antike mit der heutigen verglichen. Die heutigen Trainingsmethoden unterscheiden sich natürlich zwischen den Sportarten stark. Allgemeine Trainingsprinzipien sind aber Sportart übergreifend gültig und können mit den damaligen sehr gut verglichen werden.

Körperkultur der Antike im Vergleich zur Moderne (I)

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Bilder: Anthony Easton | João Trindade | Justin Norris